Ein Minihaus mit Holzfassade und mit spitzem Dach
© Hollandfoto / Getty Images

Bauen | Info-Guide

Tiny House kaufen: Modelle, Beispiele und Kosten der Mini-Häuser

Tanja Müller

Level: Für Alle

Von futuristisch bis praktisch: Unsere Beispiele von "Tiny Houses" zeigen, wie man mit wenig Platz maximalen Wohnraum schafft – und was die Mini-Häuser kosten.

Per Kran, Tieflader, Bahn oder Schiff kommen sie an jeden gewünschten Einsatzort. Und dort bleiben sie, wachsen oder ziehen wieder um – eben wie das Leben so spielt: Tiny Houses. Es ist nicht übertrieben, von einem Trend zu sprechen: Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, ein solches Tiny House zu kaufen.

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Wohnraum ist in vielen Städten knapp. Da kommen Tiny Houses gerade recht, können sie doch kleinste Lücken füllen. Ein Grundstück von etwa 200 Quadratmetern Fläche mit Anschlüssen reicht den Mini-Häusern. Dabei kann die Fläche vielleicht nicht einmal gekauft, sondern gepachtet oder geleast sein.

Tiny Houses als vollwertiger Lebensraum

Die flexiblen Bauten dienen nicht nur als vollwertiger Lebensraum für moderne "digitale Nomaden", die der Job oder die Liebe in eine andere Stadt verschlägt. Tiny Houses bieten sich auch als unkomplizierte Wohnraumerweiterung an – auf ein bestehendes Flachdach oder in den Garten gesetzt.

Der Bedürfnisse gibt es viele. Da kann Oma auf das Grundstück ihrer Kinder ziehen, bleibt im eigenen Heim autark und ist dennoch ihrer Familie nah. Oder Existenzgründer richten sich im heimischen Garten ein abgeschlossenes Büro ein. Ideal auch für selbständige Mütter oder Väter, die trotz abgeschiedener Arbeitsstätte für die Kinder immer erreichbar sein wollen.

Zukunftsvisionäre, mutige Architekten, aber auch Fertighaus-Hersteller wagen sich an den Bau von Mini-Häusern. Sie schaffen höchst modernen Wohnraum, der sowohl optisch ansprechend als auch funktional ist. Die meisten Tiny Houses lassen sich ganz nach dem eigenen Zeit- und Lebensplan verändern, unkompliziert aufstocken, erweitern oder auch wieder zurückbauen.

Im Folgenden zeigen wir euch sieben Beispiele für Tiny Houses mit Beschreibung, Bildern, Preisen und Kontaktdaten – und geben zum Schluss einen Hinweis aufs Baurecht.

Tiny House 1: "Flying Spaces"

"Flying Spaces" nennt SchwörerHaus sein Modulhaus-Konzept, dessen kleinstes Modell schon für 30.000 Euro zu haben ist. Mit ihren fliegenden Bauten spielen die findigen Schwaben nun sogar Zukunftsmusik: In einem Forschungsprojekt demonstrieren sie, wie sich zukunftsfähige Gebäude, neue Mobilitätskonzepte und eine intelligente Energieversorgung nachhaltig miteinander verbinden lassen.

Das Aktivhaus B10 erzeugt doppelt so viel Strom aus erneuerbaren Energiequellen, wie es selbst verbraucht. Es speist mit dem Überschuss zwei Elektroautos sowie das benachbarte Museum in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung.

Professor Werner Sobek hat den innovativen Bau auf Basis der "Flying Spaces" geplant, mit einem durchdachten Energiekonzept und einer selbst lernenden Gebäudesteuerung (Smart Grid) ausgestattet.

"Flying Spaces" im Video – ein Anwendungsbeispiel:

Infos zu den "Flying Spaces":

Tiny House 2: "LoftCube" und "Fincube"

Zur Avantgarde deutscher Designer, die sich etwas trauen, zählt zweifelsfrei auch Werner Aisslinger. Der Berliner, der permanent neue Technologien und Materialien für seine Arbeiten auslotet, erschafft mit seinem LoftCube einen futuristischen Wohncontainer.

Medienpräsent aufgestellt auf einem Hochhaus-Flachdach, tritt der Gestalter des Tiny Houses mit seinem eigenwilligen Ausflug in die Architektur eine Welle los. Sein ökologischer Nachfolger, der Fincube, wird in Südtirol in Niedrigenergiebauweise produziert. Das mobile Loft aus Holz und Glas verbindet Nachhaltigkeit mit exklusivem Design.

"Loftcube" im Video – ein Anwendungsbeispiel:

Infos zum "Loftcube":

Tiny House 3: "coodo"

Gerade einmal auf eine Summe von 17.000 Euro Kaufpreis kommt die sparsamste Version der Firma LTG (Lofts to go). Die Brandenburger taufen ihre Bungalows "coodo".

Das moderne, offene Design und der weitgehende Verzicht auf Trennwände scheinen jeden verfügbaren Quadratmeter gefühlt zu verdoppeln. Die markante Gebäudehülle besteht aus Glasfaserbeton auf verzinktem Stahlskelett. Das macht das Tiny House "coodo" korrosionsfrei und wasserbeständig.

"coodo" im Video – ein Anwendungsbeispiel:

Infos zu "coodo":

Tiny House 4: "Ecocapsule"

Winzig, mobil und auf das autarke Leben ausgelegt ist das visionäre Wohn-Ei "Ecocapsule" von Nice Architects. Die Slowaken bringen auf 4,48 x 2,40 x 2,48 Meter Fläche Wohnraum für zwei Personen inklusive Dusche und WC unter. Dank Solaranlage und Windturbine versorgt sich die Ökokapsel selbst.

Das dank der besonderen Form der Behausung aufgefangene Regenwasser wird bei "Ecocapsule" sogar zu Trinkwasser aufbereitet. Laut Hersteller wird das Tiny House zum Stückpreis von 79.900 Euro angeboten.

"Ecocapsule" im Video – ein Anwendungsbeispiel:

Infos zu "Ecocapsule":

Tiny House 5: "MINI LIVING Urban Cabin"

Seit 2016 schon beschäftigt sich der Autohersteller BMW mit der Frage, wie in großen Städten auf begrenztem Platz neuer Wohnraum geschaffen werden kann. "Mini Living" heißt das Projekt, in dessen Rahmen auch unter dem Namen "Urban Cabin" ganz konkrete Designstudien gemacht wurden.

In fünf Städten (London, New York, Los Angeles, Peking und Tokio) ließen die Autobauer jeweils ein Minihaus nach dem gleichen Konzept errichten. Die "Urban Cabins" bestehen immer aus drei Bausteinen: Die beiden äußeren Elemente bilden Wohn- und Schlafbereich auf der einen sowie Bad und Küche auf der anderen Seite. Beide werden vom "Mini Living"-Team gestaltet.

Der dritte Teil soll ein Erlebnisraum mit Installationscharakter sein. Diesen Teil der Cabin gestaltet jeweils ein lokales Architekturbüro, wobei bei der Gestaltung vor allem auf die Eigenheiten des Standortes eingegangen werden soll.

Die rund 15 Quadratmeter großen Kabinen sind (noch) nicht zu kaufen. 2019 soll allerdings in Shanghai mit dem "Mini Living"-Gebäude ein erstes, größeres, aus rund 50 Gebäuden bestehendes Co-Living-Projekt entstehen, das Vorbild für eine weitere Umsetzung in anderen Städten sein könnte.

"Urban Cabin" im Video – ein Anwendungsbeispiel:

Infos zur "Urban Cabin":

Tiny House 6: Fertighaus als modularer Anbau

So mancher Hausbesitzer kennt das Problem: Irgendwie wird dringend mehr Platz benötigt, aber auch mit noch so aufwändigen Um- oder Ausbauten ist die Sache nicht getan.

Abhilfe schaffen hier vorproduzierte Fertighäuser in Modulbauweise (Preis: ab 55.000 Euro). So ein Modul enthält alle vorausgewählten Wohnelemente, kann also im Idealfall auch ein komplettes "Tiny House" sein. Entweder als Solitär oder in Kombination mit weiteren Elementen können so von der individuellen Einzellösung bis hin zum Modul-Reihenhaus fast sämtliche Wohnwünsche im Baukastensystem erfüllt werden.

So bietet zum Beispiel die im nordrhein-westfälischen Löhne ansässige SmartHaus GmbH an, ihre in Holzbauweise vorproduzierten Module als Einzelmodul an einen Bestandsbau zu setzen. Über einen Durchbruch kann eine direkte Verbindung hergestellt werden, natürlich ist auch ein separater Eingang möglich. Auch als Aufstockung auf Flachdächern oder in Hanglagen können die Module verbaut werden.

Dabei verfolgt die Firma einen interessanten Gedanken. Neben der Individuallösung zur vielfältigen Nutzung wird auch barrierefreies Wohnen auf einer Ebene angepriesen. So werden Tiny Houses sogar zur bedenkenswerten Alternative beim Thema altersgerechtes Wohnen.

Infos zum modularen Anbau:

Tiny House 7: "Cabin One"

Kurz vor der Markteinführung steht ein weiteres Designer-Dachhäuschen aus Holz – mit Namen "Cabin One", ehemals "Cabin Spacey". Ertüftelt hat es Simon Becker aus Berlin. Das Mini-Haus hat rund 25 Quadratmeter Nutzfläche.

Auch Becker musste die Hürden, die Dachaufbauten haben, kennen lernen: "Unsere Strategie ist es, mit großen Immobiliengesellschaften zu kooperieren, die in ihrem Bestand eine Vielzahl an realisierbaren Flächen haben", erklärt Becker. "Die baulichen Hürden beschränken sich auf die obligatorischen genehmigungsrechtlichen Aspekte: Zugänge, Anschlüsse, Brandschutz, Schallschutz, Statik und spezifische Verordnungen für das Quartier".

Technisch, so meint der Tiny House-Architekt, ständen genug Lösungen zur Verfügung, um die Aufbauten schnell zu realisieren.

Infos zu "Cabin One":

Tiny House kaufen, Baurecht beachten

Ein Tiny House zu kaufen ist also gar nicht mehr so kompliziert – und wird mit der zunehmenden Massenproduktion auch immer erschwinglicher. Mehr Infos zu den Kosten lest ihr in unserem Beitrag "Tiny House: Mit diesen Kosten müsst ihr rechnen". Alternativ könnt ihr euch ein Tiny House natürlich auch selber bauen.

Doch es gibt ja auch noch das deutsche Baurecht, und dieses hat nicht umsonst den Ruf, weltweit eines der umständlichsten zu sein.

Selbst die kleinste Bude bedarf in Deutschland einer Baugenehmigung, sofern sie zum Wohnen dienen soll. Für so genannte untergeordnete Gebäude wie Gartenhäuser, die nicht zum ständigen Aufenthalt bestimmt sind und eine gewisse Größe nicht überschreiten, reicht häufig eine Anmeldung. Für Tiny Houses, die dauerhaft bewohnt werden sollen, gilt dies aber nicht.

Das Bauamt ist die richtige Adresse, um erst einmal zu erfahren, ob fürs Tiny House eine Baugenehmigung benötigt wird. Die Höchstgrenzen der umbauten Flächen sind nämlich regional sehr unterschiedlich.

Den Bauantrag für das Mini-Haus muss der Bauherr an die zuständige Behörde stellen. Das übernehmen im Regelfall die Architekten. Häufig bieten auch die Haushersteller einen Bauantragsservice an. Mehr zum Thema Baurecht und Tiny Houses lest ihr in unserem Beitrag: Legal wohnen im Tiny House.

Wer einmal ausprobieren will, wie es sich anfühlt, in einem Tiny House zu wohnen, der findet Adressen, wo dies möglich ist, in unserem Artikel "Probewohnen im Tiny House".

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