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Preise für Baumaterial steigen: Bauherren droht Preisschock

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Lieferengpässe und steigende Preise: Die Corona-Krise macht sich auch auf dem Baumarkt bemerkbar. Die Preise für Holz, Stahl und Dämmstoffe sind zuletzt stark gestiegen, teilweise gibt es Lieferschwierigkeiten.

In der Corona-Pandemie sind die Preise für Baumaterial stark gestiegen. Bauherren müssen sich auch langfristig auf deutlich steigende Baukosten einstellen. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe teilt mit, dass seit September insbesondere Stahl, Holz wie auch Dämmstoffe deutlich teurer geworden seien. Der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz beklagt "eine beispiellose Welle von Preiserhöhungen bei Rohstoffen und Materialien für den Ausbau". Und der Präsident des Zentralverbandes Heizung, Sanitär, Klima sieht die Preisspirale überdreht.

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Teilweise gebe es außerdem Lieferschwierigkeiten, sagt der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa. Auch vom Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM) heißt es, dass Hersteller von Wärmedämm-Verbundsystemen, Putzen und Mörtel seit geraumer Zeit nicht nur über Lieferschwierigkeiten bei wichtigen Rohstoffen, sondern auch über kräftige Preissteigerungen berichten.

Welche Baumaterialien teurer wurden

Gegenüber September 2020 verzeichnet die Baubranche nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Preiszuwächse bei Holz um etwa 15 bis 20 Prozent. Betonstahl verteuerte sich um fast 30 Prozent. Mineralölerzeugnisse (die als Grundlage für einige Dämmstoffe dienen) legten 15 Prozent zu.

Laut Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz sind die Preise für Dämmstoffe wie EPS im April um rund 50 Prozent gestiegen. EPS dient als Basis für die Wärmedämmung an Fassaden und wird landläufig als Styropor bezeichnet.

Auch die Preise für Trockenbauprofile und OSB-Platten gehen durch die Decke. Manche Hersteller von Rohstoffen und Vorprodukten kündigten bis Mai auch hier Erhöhungen bis zu 50 Prozent an, so der Bundesverband.

Die Preise für praktisch alle Baumaterialien, vom Sanitärsilikon bis zu Farben und Lacken, zögen ebenfalls drastisch an. Selbst Farbeimer und andere Verpackungen würden von den Erhöhungen erfasst.

Gründe für den Preisanstieg

Felix Pakleppa begründet die derzeitige Preisentwicklung mit der Corona-Pandemie: "Im Zusammenhang mit der weltweiten Ausbreitung der Pandemie wurden im ersten Halbjahr 2020 infolge des Nachfrageeinbruchs weltweit Produktionskapazitäten heruntergefahren. Insbesondere mit dem Anspringen der Konjunktur in China im dritten Quartal 2020 wuchs die Nachfrage schneller, als weltweit die Produktionskapazitäten wieder hochgefahren werden konnten." Das Anfahren der Produktionskapazitäten sei zudem durch den Wintereinbruch in den USA erschwert worden.

Bei den stark regional, das heißt in Deutschland beziehungsweise Europa produzierten und verbrauchten mineralischen Baustoffen, folge die stetige Aufwärtsentwicklung der Einkaufspreise für Kies, Sand, Zement und Beton der starken Baukonjunktur.

Die Gründe, die die Rohstofflieferanten für die Preisanstiege anführen, sind vielfältig: Lieferengpässe durch Corona-bedingte Ausfälle in der Logistik, unerwartete Verschiebungen der internationalen Nachfrage, Stilllegungen und Unfälle in Fabriken. Das Malerhandwerk glaubt nicht an Zufälle: "Es mag Lieferprobleme geben. Aber wir haben den Verdacht, dass einige Produzenten von Rohstoffen und Vorprodukten die Pandemie nutzen, um ihre Rendite zu verbessern", so Dietmar Ahle, das für Technik und Märkte zuständige Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz.

Das Handwerk befürchtet, dass die Preise für Baumaterial auch nach der Krise nicht mehr auf den alten Stand zurückfallen werden. Wer bauen oder sanieren will, müsse sich also auf langfristig deutlich höhere Baukosten einstellen.

Folgen der hohen Preise und Lieferschwierigkeiten für Bauherren

Wer gerade ein Haus baut, muss mit Verzögerungen auf der Baustelle rechnen. Vor allem Zimmereien fehlt das Bauholz. Lieferengpässe von mehreren Wochen sind an der Tagesordnung.

Es könnte auch eine Pleitewelle bei den Handwerksbetrieben geben. "Unsere Betriebe können den Preisanstieg nicht abpuffern, in den Verträgen mit den Kunden ist dafür kein Spielraum", sagt Dietmar Ahle vom Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz.

Glücklich sind die Bauherren, die zu Baubeginn schon einen Festpreis ausgehandelt haben. Das ist beispielsweise beim Bau eines Fertighauses der Fall, wo – abhängig von der Ausstattung – ein Festpreis vertraglich garantiert wird. Die Mehrkosten können die Baufirmen dann nicht einfach eins zu eins an sie übertragen.

Anders sieht das aus, wenn Firmen eine Preiszeitklausel in ihre Angebote eingebaut haben.

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