Handwerker berechnet Baupreise auf Baustelle
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Bauen | Ratgeber

Baupreise: Aktuelle Zahlen und Prognosen zur Baupreisentwicklung

Simone Nissen

Simone Nissen

Die Baupreise steigen und steigen. Geht die Baupreisentwicklung immer so weiter? Oder werden die Baupreise wieder sinken? Hier bekommt ihr Einblicke in die aktuellen Zahlen, Prognosen und Studien.

In diesem Newsticker informieren wir euch über neue Studien und Prognosen zur Baupreisentwicklung. Ihr bekommt Informationen über die aktuellen Baupreise und ihre Ursachen.

Viel weniger Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser – nicht nur wegen Baupreisen

September 2022: Die Zahl der Baugenehmigungen ist rückläufig. Die Bauämter in Deutschland haben von Januar bis Juli 2022 genau 2,1 Prozent weniger Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt als im Vorjahreszeitraum. Noch krasser sehen die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei den Einfamilienhäusern aus.

Satte 16,1 Prozent weniger Einfamilienhäuser haben in diesem Zeitraum eine Baugenehmigung bekommen. Für den allgemeinen Abwärtstrend beim Bau von Immobilien ist vor allem die Baupreisentwicklung in Kombination mit den steigenden Bauzinsen verantwortlich. Das große Minus beim Bau von Einfamilienhäusern im Vergleich zum Vorjahr hat aber noch einen anderen Grund.

Im vergangenen Jahr ist das Baukindergeld ausgelaufen. Familien mit Kindern konnten die staatliche Förderung beantragen, wenn sie bis Ende März 2021 eine Baugenehmigung für selbst genutztes Wohneigentum vorliegen hatten. Das führte im ersten Halbjahr 2021 zu ungewöhnlich vielen Baugenehmigungen, die das Minus in diesem Jahr deutlich höher ausfallen lassen.

Baupreise steigen laut Studie noch weitere 2 Jahre stark an

August 2022: Es ist noch lange kein Ende der steigenden Baupreise in Sicht. Das ist das Ergebnis einer Studie von Pricewaterhouse-Coopers (PwC) zur Preisentwicklung in der Baubranche. Neben der steigenden Inflation sind die Hauptverursacher Lieferengpässe und Rohstoffknappheit, befeuert durch Corona und die Ukraine-Krise. Aber das sind nicht die einzigen Preistreiber.

Auch andere Faktoren wie höhere Energiepreise, Fachkräftemangel und anspruchsvollere gesetzliche Anforderungen an Gebäude spielen eine wichtige Rolle. "Die im Koalitionsvertrag verankerten politischen Zielsetzungen für Klimaschutz und gesetzliche Anforderungen an Gebäude sind wichtig und richtig – sie können mittelfristig jedoch zu einer Verteuerung künftiger Bauprojekte führen", so die Prognose von Dr. Harald Heim, Partner Real Estate bei PwC Deutschland.

Lest hier, wie sich trotz der aufgeheizten Lage beim Hausbau dennoch der ein oder andere Euro sparen lässt.

Baupreisentwicklung führt zu vielen Stornierungen im Baugewerbe

Juli 2022: Nach Angaben des Ifo Instituts gibt es in der Baubranche derzeit ungewöhnlich viele Stornierungen von Bauprojekten. So haben Bauherren im Juni 2022 im Hochbau, zu dem der Haus- und Wohnungsbau gehört, 11,5 Prozent aller Projekte storniert. Vielerorts ist es schlicht Materialmangel, der die Baupreise sprunghaft steigen lässt.

"Für die Bauunternehmen bedeuten steigende Preise aber keinesfalls eine Ertragssteigerung. Im Gegen­teil: Die Baupreissteigerung ist ein Ergebnis explodierender Baumaterialpreise, auf denen die Unternehmen entweder sitzen bleiben, oder sich das Risiko erhöht, dass Investoren vor neuen Projekten zurückschrecken", kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim Oliver Müller, die Entwicklung der Baupreise.

Höchster Anstieg der Baupreise seit 1970

Juli 2022: Die Preise für den Neubau von Wohngebäuden in Deutschland sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zwischen Mai 2021 und Mai 2022 um 17,6 Prozent gestiegen. Dies ist der höchste Anstieg der Baupreise gegenüber einem Vorjahr seit Mai 1970. Damals war es ein Plus von 18,9 Prozent gegenüber Mai 1969.

Die Preise für Rohbauarbeiten an Wohngebäuden stiegen von Mai 2021 bis Mai 2022 um
18,6 Prozent. Das waren die Preistreiber:

  • Bauleistung
  • Preisanstieg Mai '21/Mai '22
  • Betonarbeiten
  • 23 %
  • Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten
  • 19,4 %
  • Zimmer- und Holzbauarbeiten
  • 15,6 %
  • Erdarbeiten
  • 14,8 %
  • Maurerarbeiten
  • 12,8 %

Preisanstieg bei Rohbauarbeiten an Wohngebäuden / Juli 2022

Die Preise für Ausbauarbeiten nahmen im Mai 2022 gegenüber dem Vorjahr insgesamt um
16,8 Prozent zu. Von der Preissteigerungen blieb kein größeres Gewerk verschont:

  • Bauleistung
  • Preisanstieg Mai '21/Mai '22
  • Metallbauarbeiten
  • 23,6 %
  • Tischlerarbeiten
  • 19,3 %
  • Heizanlagen und zentralen Wassererwärmungsanlagen
  • 16,6 %
  • Nieder- und Mittelspannungsanlagen
  • 16,2 %

Preisanstieg bei Ausbauarbeiten an Wohngebäuden / Juli 2022

Die Preise für Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden nahmen gegenüber dem Vorjahr um
15,9 Prozent zu. Dabei sind Preise für Schönheitsreparaturen außen vor.

Was sind die aktuellen Kosten für den Hausbau?

Wie viele Mehrkosten beim Hausbau genau auf euch zukommen, lässt sich schwer in Euro beziffern. Schließlich ist jedes Bauprojekt anders und schwer zu vergleichen. Allerdings kann die Preisentwicklung bei Fertighäusern einen Eindruck geben – wegen der standardisierten Baumaßnahmen.

Ein Blick in unsere Fertighaus-Datenbank zeigt: War es 2020 noch recht einfach ein Fertighaus für unter 150.000 Euro zu finden, gelingt das jetzt nur noch selten. Ein paar konnten wir dennoch für euch auftreiben: Fertighaus bauen unter 150.000 Euro: Geht das auch schlüsselfertig? Hier bekommt ihr Informationen dazu, wovon die Fertighaus-Kosten vor allem abhängen.

Auch interessant: Wie viel Haus kann ich mir leisten? 7 Regeln für Immobilien-Käufer

Baupreisentwicklung: Werden die Baupreise wieder sinken?

Das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Material-Engpässe, entstanden durch Corona oder den Krieg in der Ukraine, sind hoffentlich zeitlich begrenzt. Sind sie überwunden, sollten die Baupreise wieder sinken – zumindest theoretisch.

Denn ganz unabhängig von den aktuellen Entwicklungen sind die Baupreise schon seit dem Ende der Baurezession im Jahr 2006 deutlich gestiegen. Schuld sind dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie zufolge vor allem die Preisveränderungen bei Baumaterialien und Energie. Von 2016 bis 2021 stieg der Erzeugerpreisindex für Bitumen aus Erdöl um 79 %, für Betonstahl in Stäben um 72 % und für Energie um 32 %.

Grafik der steigenden Preise im Baugewerbe
© Hauptverband der deutschen Bauindustrie e. V.

Pricewaterhouse-Coopers Real Estate hat in seiner Studie zur Preisentwicklung in der Baubranche sechs Faktoren identifiziert, welche die Baupreise beeinflussen. Hier seht ihr sie im Überblick.

Das Fazit: In den kommenden Jahren ist erst einmal nicht damit zu rechen, dass die Baupreise wieder sinken. Hier seht ihr die Details zu der Prognose.

  • Einflussfaktor
  • Einschätzung
  • Nachfrage
  • aufgrund zurückgestellter Projekte durch Corona und Ukraine-Krise ist mit Nachholinvestitionen zu rechnen
  • Energiepreise
  • sprunghafter Anstieg bereits Ende 2021, Ukraine-Krise verteuert Produktion von Baumaterialien zusätzlich deutlich
  • Materialverfügbarkeit
  • zurückgefahrene Produktion während Corona verschärft sich durch Ukraine-Krise
  • Inflation
  • erhöht den Preisdruck zusätzlich, Bundesbank erwartet auch 2023 höhere Inflationsrate
  • Fachkräftemangel
  • von Bauwirtschaft erwarteter Anstieg auf über 20%, der zu Lohnsteigerungen führt
  • Politik
  • Klimaschutzziele können Investitionskosten erhöhen, geforderte Schaffung von Wohnraum steigert Nachfrage

Das sind die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Baupreise und ihre Einschätzung laut PwC Real Estate.

Baupreise steigen – was gilt für meinen bereits geschlossenen Bauvertrag?

Antwort gibt euch euer Bauvertrag selbst. Darin sollte geregelt sein, wer Preissteigerungen des Materials tragen muss. Genauso wie die Frage, wer für Bauverzögerungen haftet, wenn das Material nicht lieferbar ist.

Grundsätzlich liegt das Materialbeschaffungsrisiko beim Bauunternehmer. "In der Regel haben Preissteigerungen keine Auswirkungen auf bestehende Vereinbarungen, denn es werden in Verbraucherbauverträgen grundsätzlich Festpreise zugrunde gelegt", sagt Rechtsanwalt Florian Herbst von der Arbeitsgemeinschaft Bau- und Immobilienrecht des Deutschen Anwaltvereins.

Lest hier mehr zum Verbraucherbauvertrag und wie ihr ihn prüft.

Es ist allerdings ratsam, taktisch vorzugehen. Denn ein Rechtsstreit würde euer Bauvorhaben massiv verzögern. Wenn die Nachforderungen eurem Bauvertrag zufolge nicht rechtmäßig sind, müsst ihr nicht zwingend reagieren. Besser wäre es, wenn diese Diskussionen erst nach Fertigstellung des Bauvorhabens auf den Tisch kommen.

Tipp: Egal, ob Fertighaus-, Bauträger- oder Architekten-Bauvertrag – Wohnglück unterstützt euch! Die Ersteinschätzung eures Bauvertrags durch die Kanzlei Reibold-Rolinger ist kostenfrei.

Was ist der Baupreisindex?

Das Statistische Bundesamt nimmt die Entwicklungen in der Baubranche genau unter die Lupe und leitet daraus verschiedene Baupreisindizes ab – darunter den Baupreisindex für die Instandhaltung von Wohngebäuden und den Baupreisindex für den konventionellen Neubau.

Bauleistungen lassen sich einfacher vergleichen als ganze Bauwerke. Um die deutschen Baupreise zu ermitteln, beobachtet das Statistische Bundesamt deshalb die Preise der Bauleistungen, die beispielsweise für die Errichtung eines Neubaus notwendig sind. Für den jeweiligen Baupreisindex befragen die Statistischen Landesämter 5000 repräsentative Unternehmen des Baugewerbes.

Ihre Preisangaben setzen sie in Relation zu den Angaben aus einem vorher definierten Basisjahr. Das ist aktuell das Jahr 2015. Aus dem Baupreisveränderungen zwischen Basisjahr und aktuellem Jahr lässt sich dann die Baupreisentwicklung ablesen.

Der Baupreisindex wird im Verhältnis zum Basiswert in Punkten ausgedrückt und mit dieser Formel errechnet: Baupreisindex = Neubauwert in Euro / Wert Basisjahr. Das Basisjahr bekommt den Wert 100.

Grafik des Baupreisindex für Wohngebäude und Straßenbau
© Statistisches Bundesamt (Destatis)

Mehr zum Thema findet ihr auch im Artikel "Baukosten pro Quadratmeter: Was kostet ein Neubau?".

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