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Grunderwerbsteuer 2022: Was tut sich in den Bundesländern?

Die Grunderwerbsteuer nervt viele Immobilienkäufer. Für die Bundesländer ist sie hingegen die wichtigste Einnahmequelle. Seit 2006 darf jedes Bundesland seinen eigenen Steuersatz bestimmen. Wir liefern eine Übersicht zum Stand 2022 und beantworten alle Fragen.

Wer ein Grundstück oder eine Immobilie kauft, muss Grunderwerbsteuer zahlen. Und zwar unterschiedlich viel – je nachdem, in welchem Bundesland sich das Objekt befindet. Wir zeigen euch, wie hoch die aktuellen Grunderwerbsteuersätze 2022 sind, welche Bundesländer weiter am Steuersatz drehen und beantworten die wichtigsten Fragen.

Grunderwerbsteuer nach Bundesland 2022

  • Bundesland
  • Grunderwerbssteuersatz 2021
  • Baden-Württemberg
  • 5,0%
  • Bayern
  • 3,5%
  • Berlin
  • 6,0%
  • Brandenburg
  • 6,5%
  • Bremen
  • 5,0%
  • Hamburg
  • 4,5%
  • Hessen
  • 6,0%
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • 6,0%
  • Niedersachsen
  • 5,0%
  • Nordrhein-Westfalen
  • 6,5%
  • Rheinland-Pfalz
  • 5,0%
  • Saarland
  • 6,5%
  • Sachsen
  • 3,5%
  • Sachsen-Anhalt
  • 5,0%
  • Schleswig-Holstein
  • 6,5%
  • Thüringen
  • 6,5%

Die Grunderwerbsteuer weist in Deutschland große Unterschiede auf. Von den 16 Bundesländern haben nur Bayern und Sachsen sie nicht erhöht. Allgemeine Tendenz: weiter steigend...

Ausführliche Informationen zu den einzelnen Bundesländern findet ihr unten.

Aktuelle News & Entwicklungen bei der Grunderwerbsteuer

Die Wohneigentumsquote in Deutschland ist im internationalen Vergleich eher schwach. Dass die Grunderwerbsteuer ein Grund dafür ist, ist allgemein bekannt. Deshalb gibt es Bestrebungen, die Steuer zu reformieren oder Freibeträge einzuführen.

Wir geben euch im Folgenden einen Überblick über aktuelle Entwicklungen, Studien und Nachrichten.

Mai 2022: Bundesregierung prüft reduzierte Grunderwerbsteuer

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) will die Nebenkosten beim Kauf einer eigenen Immobilie senken. Der FDP-Politiker hat erste Eckpunkte einer Reform der Grunderwerbsteuer im Kreis von Finanzpolitikern der Koalition vorgestellt. Demnach sollen die Bundesländer künftig mehr Gestaltungsspielraum für die Grunderwerbsteuer erhalten.

Das genaue Modell ist noch nicht klar. Der Bundesfinanzminister favorisiert aber die Möglichkeit eines ermäßigten Steuersatzes, den die einzelnen Bundesländer dann festlegen und bis auf null absenken können. Für bestimmte Käufergruppen könnte die Grunderwerbsteuer damit komplett entfallen. Möglich wäre auch ein Freibetrag, mit dem eine Kaufsumme vollständig oder zumindest zum Teil steuerfrei bleiben könnte. Denkbar sind Vergünstigungen für den privaten Erwerb der ersten Immobilie oder für Familien. Auch für soziale und genossenschaftliche Vorhaben könnte künftig weniger Grundsteuer fällig werden.

Januar 2022: In Hamburg steigt die Grunderwerbsteuer, es soll aber auch Entlastungen geben

In Hamburg soll die Grunderwerbsteuer ab Januar 2023 von derzeit 4,5 auf 5,5 Prozent steigen. Mit der Anpassung reagiert der rot-grüne Senat auf die Corona-bedingt angespannte Haushaltslage. Zugleich seien aber deutliche Ermäßigungen geplant, beispielsweise für junge Familien, die eine selbst genutzte Wohnimmobilie erwerben wollten. Junge Familien heißt dabei: bis 45 Jahre alt und mindestens ein Kind. Für sie ist eine Ermäßigung der Grundsteuer auf 3,5 Prozent geplant.

Voraussetzung ist aber, dass die Regierung in Berlin wie im Koalitionsvertrag vorgesehen die Voraussetzungen für eine flexiblere Gestaltung der Grunderwerbsteuer durch die Länder ermöglicht. Gleiches gilt für die Grunderwerbsteuer bei Sozialwohnungen und Erbbaurechtsgrundstücken, die ebenfalls gesenkt werden soll. Die Bürgerschaft muss den Plänen noch zustimmen.

Januar 2022: In Nordrhein-Westfalen erhalten Ersterwerber einen Teil der Grunderwerbsteuer zurück

Ab dem 1. Januar 2022 sollen Immobilienkäufer beim Ersterwerb einen Teil der anfallenden Grunderwerbsteuer zurückerhalten. Junge Familien, Paare und Einzelpersonen, die 2022 zum ersten Mal ein Haus oder eine Eigentumswohnung kaufen, sollen eine gestaffelte Förderung der NRW.Bank erhalten. Insgesamt soll für diese Zielgruppe so eine indirekte Senkung der Grunderwerbsteuer von über 1,5 Prozentpunkten erreicht werden. Allerdings ist das Vorhaben auf das Jahr 2022 beschränkt. Danach will das Bundesland einen Freibetrag einführen, sofern die Bundesregierung bis dahin die gesetzliche Grundlage auf den Weg gebracht hat.

Dezember 2021: Was die Regierungsparteien bezüglich der Grunderwerbsteuer planen

Bei den Parteien der neuen Bundesregierung finden sich sowohl im Wahlprogramm der Grünen als auch bei der FDP Bestrebungen, die Grunderwerbsteuer zu reformieren. Die Grünen wollen variable Grunderwerbsteuersätze einführen. Dies solle eine potenzielle Erhöhung für Wohnungsunternehmen und Senkung der Steuer für Selbstnutzer beinhalten.

Die FDP fordert in ihrem Wahlprogramm einen grundsätzlichen Freibetrag von 500.000 Euro pro Person, unabhängig von der Selbstnutzung oder einem Ersterwerb.

Im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP steht, dass die Bundesländer mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Grunderwerbsteuer erhalten sollen, um den Erwerb selbstgenutzten Wohneigentums zu erleichtern. Als eine Möglichkeit nennt der Koalitionsvertrag die Einführung eines Freibetrages. Zur Gegenfinanzierung will die Ampel die Möglichkeit für Konzerne, mittels sogenannter Share Deals Grunderwerbsteuer zu sparen, beenden.

November 2021: Vier Jahre müssen Deutsche im Schnitt für Grunderwerbsteuer sparen

Beim Immobilienkauf müssen die Deutschen allein für die Grunderwerbsteuer im Schnitt vier Jahre lang sparen. Diejenigen, die in Berlin leben, sind dabei am schlechtesten dran – hier sind es bis zu elf Jahre. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Im Durchschnitt der deutschen Landkreise und kreisfreien Städte müssten Paare für den Kauf eines Einfamilienhauses 5,5 Monatseinkommen zur Seite legen, um die Steuer aufzubringen. Für Singles sind es im Fall einer Eigentumswohnung 4,6 Monatseinkommen. Bei einer durchschnittlichen Sparrate von 10,8 Prozent des Nettoeinkommens (so hoch lag die Sparrate laut des Statistischen Bundesamts mit Stand 2019) entspräche das eben vier Jahren und drei Monaten Spardauer für Paare und drei Jahren und neun Monaten für Singles.

Juli 2021: Großbritannien als Vorbild für Reform der Grunderwerbsteuer

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung beschäftigt sich mit der Frage, wie andere Länder ihren Bürgern effektiver zu Wohneigentum verhelfen. Ein Punkt, der dabei immer wieder genannt wird, ist die Grunderwerbsteuer. So sind in Großbritannien, Belgien oder Frankreich die Sätze zwar insgesamt etwas höher. Dafür gibt es aber eine wesentlich stärkere Differenzierung.

Gerade Haushalte in Großbritannien, die kleine und günstige Wohnungen kaufen, werden besonders stark entlastet. Möglich wird das, weil auf der Insel ein Freibetrag sowie ein Stufentarif gelten. Die Studie führt deshalb das britische Modell als eines von mehreren möglichen Reformvorschlägen für die deutsche Grunderwerbsteuer an.

April 2021: Einnahmen aus Grunderwerbsteuer erreichen Rekordhöhe

2020 haben die Länder mit der Grunderwerbsteuer so viel Geld wie noch nie eingenommen: 16,06 Milliarden Euro waren es insgesamt. Das war ein Zuwachs von 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

August 2019: Grunderwerbsteuer belastet vor allem Verkäufer von Immobilien

Eine Studie des Ifo-Instituts in München zeigt, dass die Grunderwerbsteuer vor allem zu Lasten der Immobilien-Verkäufer geht. Die Grunderwerbsteuer führe nämlich nicht dazu, dass Immobilienpreise steigen. Im Gegenteil, sie sinken, heißt es in der Studie. Zwar müssten die Käufer die Kosten für die Steuer berappen. Sie würden jedoch gleichzeitig auch von den geringeren Preisen profitieren. Die Steuer verringere die Zahlungsbereitschaft der Käufer, heißt es weiter.

Wann wird die Grunderwerbsteuer fällig?

Die Grunderwerbsteuer fällt immer dann an, wenn ihr ein Grundstück oder einen Anteil an einem Grundstück erwerbt. Ihre Grundlage ist das Grunderwerbsteuergesetz (GrEStG). Sie ist eine Ländersteuer, das heißt, dass sie von den einzelnen Bundesländern erhoben wird und sich der Steuersatz von Bundesland zu Bundesland unterscheidet.

Die Steuer wird immer dann fällig, wenn ihr eine inländische Immobilie erwerbt, sie also kauft und sich der Rechtsträger ändert. In der Regel ist der Vorgang, bei dem Grunderwerbsteuer fällig wird, der notariell beglaubigte Abschluss eines Kaufvertrags.

Die Entstehung der Steuer ist dabei allein vom Abschluss des Vertrages abhängig, nicht davon, ob der Kaufpreis schon gezahlt worden ist. Die Steuer ist einen Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheides fällig. Das Finanzamt kann auch eine längere Zahlungsfrist setzen.

Wie berechnet sich die Grunderwerbsteuer?

Berechnungsgrundlage ist der Kaufpreis des Grundstücks oder der Immobilie. Steht auf dem Grundstück ein Haus, welches erworben wird, dann zählt der Gesamtpreis als Grundlage. Handelt es sich um ein noch unbebautes Grundstück, welches bebaut werden soll, dann ist für die Höhe der Steuer nur der Kaufpreis des Grundstückes erheblich.

Allerdings gilt das nur dann, wenn die Verträge mit dem Bauunternehmen und dem Grundstücksverkäufer rechtlich voneinander getrennt sind. Sind sie es nicht, dann besteuert der Staat auch die Baukosten einer Immobilie.

Die Verkäufe von Grundstücken sind von der Umsatzsteuer befreit, so wird eine Doppelbesteuerung vermieden.

Wer muss die Grunderwerbsteuer zahlen?

Laut Paragraph 13, Nummer 2 GrEStG sind zunächst der bisherige Eigentümer und der Erwerber gemeinsame Steuerschuldner. Im Kaufvertrag wird dann festgelegt, wer die Steuern zu entrichten hat. In der Regel ist das der Käufer.

Der Notar schickt den Kaufvertrag anschließend ans zuständige Finanzamt. Das wiederum stellt dann den Grunderwerbsteuerbescheid für die im Vertrag festgeschriebene Partei aus. Sobald die Steuer bezahlt ist, stellt das Finanzamt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung aus. Die ist Voraussetzung für die Umschreibung des Eigentums im Grundbuch.

Welche Ausnahmen von der Besteuerung gibt es und was gilt für Familien?

Die Freigrenze für die Grunderwerbsteuer liegt bei 2.500 Euro. Für Grundstücke, die nicht mehr wert sind, muss keine Steuer gezahlt werden. Allerdings handelt es sich um eine Freigrenze, nicht um einen Freibetrag. Das heißt, bei einem Kaufpreis für 2.501 Euro muss auf den gesamten Betrag die Steuer entrichtet werden.

Befreit von der Grunderwerbsteuer ist auch der Verkauf an Verwandte ersten Grades. Verkaufen also Eltern ihren Kindern (auch Stief- oder Adoptivkindern) eine Immobilie, müssen diese keine Grunderwerbsteuer zahlen.

Als Verwandte ersten Grades gelten außerdem Ehepartner, Lebenspartner, Eltern, Großeltern und Enkel. Auch deren jeweilige Ehe- oder Lebenspartner gehören dazu.

Nicht dazu zählen Geschwister. Erwirbt also ein Geschwister ein Grundstück von einem anderen Geschwister, muss Grunderwerbsteuer entrichtet werden.

Auch wenn der Verkauf im Rahmen der Vermögensauseinandersetzung mit einem früherem Ehe- oder Lebenspartner stattfindet, muss keine Grunderwerbsteuer gezahlt werden.

Was gilt für Unternehmen und was sind sogenannte Share Deals?

Unternehmen können die Grunderwerbsteuer mit sogenannten Share Deals umgehen. Die Unternehmen kaufen dabei nicht die Immobilie, sondern Anteile an dem Unternehmen, welches die Immobilie besitzt. Bis zum 30. Juni dieses Jahres galt: Maximal 94,9 Prozent der Anteile konnten gekauft werden, ohne dass das kaufende Unternehmen Grunderwerbsteuer entrichten muss. Nach einer fünfjährigen Frist kann die Beteiligung auf 100 Prozent erhöht werden.

Doch es gibt auch Möglichkeiten, den Kauf einer Immobilie in vollem Umfang grunderwerbsteuerbefreit umzusetzen, über die sogenannten "Club Deals". Dabei überträgt der Verkäufer 100 Prozent der Anteile seiner Gesellschaft an einen Club von Investoren. 94,9 Prozent kann er an Käufer A veräußern, die restlichen 5,1 Prozent an Käufer B, der von Käufer A unabhängig sein muss.

Was wurde durch die Grunderwerbsteuerreform geändert?

Das Share Deal-Verfahren führt regelmäßig zu viel Kritik. Die Vorwürfe: Unternehmen könnten so das Zahlen der Steuer vermeiden. Diskussionen über eine Reform des GrEStG gibt es daher schon seit Jahren.

Im April 2021 stimmte der Bundestag einer Änderung des GrEStG zu. Seit dem 1. Juli 2021 dürfen nur noch 90 Prozent der Anteile übertragen werden, um grunderwerbsteuerbefreit zu sein. Außerdem wurde die Haltefrist von fünf auf zehn Jahre verlängert. Zudem gilt, dass Anteilsübertragungen an grundbesitzhaltenden Gesellschaften von der Grunderwerbsteuer verschont werden, wenn die Transaktionen über eine anerkannte Börse laufen.

Den Bundesländern entgingen durch die Share-Deals Einnahmen in Milliardenhöhe, hieß es lange. Nun werden die Deals erschwert – sind aber weiterhin möglich. Die Immobilienbranche kritisierte die Reform.

Ist die Grunderwerbsteuer absetzbar?

Wer die Immobilie, die er erwirbt, privat nutzen will, der kann weder den Erwerb noch weitere Anschaffungskosten oder Nebenkosten wie die Grunderwerbsteuer beim Finanzamt geltend machen.

Anders sieht der Fall aus, wenn die Immobilie vermietet oder betrieblich genutzt werden soll. Dabei werden dann in beiden Fällen die Grunderwerbsteuer und der Kaufpreis zusammen über die Jahre abgeschrieben.

Auch wenn ihr selbst in der erworbenen Immobilie wohnen und den Rest vermieten wollt, könnt ihr die Steuer anteilig absetzen. Wer einen Teil der Immobilie als Büro nutzt, kann dafür die Grunderwerbsteuer anteilig absetzen. Für angestellte Arbeitnehmer gibt es hier allerdings gewisse Voraussetzungen, zum Beispiel, dass am Arbeitsplatz kein Büro zur Verfügung stehen darf. Selbstständige können den Raum allerdings ohne Einschränkung absetzen.

Tipp: Ihr könnt beim Hauskauf auch einen Teil der Grunderwerbsteuer sparen, indem ihr bestimmte Gegenstände separat erwerbt. Dazu gehören zum Beispiel eine Einbauküche, Möbel, Markisen oder eine Sauna. Diese Objekte gehören nicht zum Grund, also fällt hier auch keine Grunderwerbsteuer an. Ihr solltet für diese Gegenstände einen separaten Kaufvertrag abschließen.

Gibt es Grunderwerbsteuer bei Schenkung oder Erbschaft?

Wer ein Grundstück erwirbt, weil er es geschenkt oder vererbt bekommt, muss keine Grunderwerbsteuer zahlen. Trotzdem können Erbschafts- oder Schenkungssteuern anfallen. Im Sinne des Erbschafts- und Schenkungssteuergesetzes werden nur diese Steuern erhoben, damit eine Doppelbelastung vermieden werden kann.

Auch wenn keine Schenkungs- oder Erbschaftssteuer anfällt, zum Beispiel wegen der persönlichen Freibeträge, wird im Fall einer Erbschaft oder Schenkung keine Grunderwerbsteuer fällig.

Was gilt bei Erbpacht?

Wer ein Erbpachtgrundstück pachtet, muss ebenfalls Grunderwerbsteuer bezahlen – auch wenn hier kein Grundstück gekauft wird. Der Grund: Meistens laufen Erbpachtverträge über mehrere Jahrzehnte. Und so hat der Pächter umfassende Entscheidungsrechte am Grundstück, die denen eines Käufers kaum nachstehen.

Allerdings ist die Berechnung der Höhe der Steuer bei Erbpachtgrundstücken etwas komplizierter. Der zu zahlende Betrag fällt dabei deutlich geringer aus. Der Steuerbetrag ergibt sich aus mehreren Faktoren: dem Steuersatz des Bundeslandes, dem Vervielfältiger aus dem Bewertungsgesetz und dem Erbbauzins.

Es gilt die Formel:

  • Monatlicher Erbbauzins x 12 = Jahreswert
  • Jahreswert x Vervielfältiger = Bemessungsgrundlage
  • Bemessungsgrundlage x Grunderwerbsteuersatz = Grunderwerbsteuer

Oft können Pächter Erbpachtgrundstücke nach einer gewissen Zeit kaufen. Auch für diesen Fall gibt es eine gesonderte Berechnung. Dabei wird der Jahreswert der Erbpachtzinsen mit dem Vervielfältiger multipliziert, der für die noch verbleibenden Jahre des Erbpachtvertrages steht.

Ein Beispiel: Angenommen, ein Vertrag läuft über 50 Jahre. Nach zehn Jahren kann der Pächter das Grundstück kaufen. Dann wird der Jahreswert mit dem Vervielfältiger für 40 multipliziert. Dieser Betrag wird dann vom Kaufpreis abgezogen. Auf den verbleibenden Betrag wird dann der Steuersatz des Bundeslandes angewendet. Daraus ergibt sich die fällige Grunderwerbsteuer.

Grunderwerbsteuer in den Bundesländern

Für die Länder ist die Steuer die wichtigste Einnahmequelle, weshalb sie immer wieder an der Steuerschraube drehen.

Der Satz lag vor 2006 bundesweit bei 3,5 Prozent. Seitdem dürfen die Länder ihn selbst festlegen. Davor lag die Steuerkompetenz beim Bund.

Mittlerweile weist der Satz große Unterschiede auf. Der Steuersatz von 3,5 Prozent gilt nur noch in Sachsen und Bayern. In den anderen Ländern reicht er von 4,5 Prozent in Hamburg bis zu 6,5 Prozent (Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen).

Die Länder können die Einnahmen aus der Steuer an die Kommunen weiterreichen. 2020 nahmen sie mit der Grunderwerbsteuer 16,01 Milliarden Euro ein. Im Jahr 2010 betrugen die Einnahmen noch 5,29 Milliarden Euro. Seitdem steigen die Einnahmen jedes Jahr an.

Wir geben euch im Folgenden einen Überblick über alle Bundesländer.

Grunderwerbsteuer in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 5,0 Prozent.
  • Die letzte Anpassung fand 2011 statt, von 3,5 Prozent auf 5,0 Prozent. Die Erhöhung wurde zum 5. November 2011 fällig.

Weitere Informationen und zuständige Stellen findet ihr auf der Service-Website des Landes Baden-Württemberg.

Grunderwerbsteuer in Bayern

In Bayern

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 3,5 Prozent.
  • In Bayern wurde der Grunderwerbsteuersatz nicht erhöht, seit die Steuerkompetenz vom Bund an die Länder übergegangen ist. Er liegt auch nach 2006 noch bei 3,5 Prozent.

Weitere Informationen findet ihr auf der Website des Finanzamts Bayern.

Grunderwerbsteuer in Berlin

In Berlin

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 6,0 Prozent.
  • Seit dem 1. Januar 2014 beträgt der Steuersatz in Berlin 6,0 Prozent. Das ist schon die dritte Erhöhung. Zum 1. Januar 2007 wurde die Steuer auf 4,5 Prozent angehoben, zum April 2012 auf 5,0 Prozent.

Die neue rot-grün-rote Koalition prüft die Anhebung der Grunderwerbsteuer. Im Koalitionsvertrag heißt es, man wolle den Hebesatz mit Brandenburg synchronisieren. Dort liegt er bei 6,5 Prozent.

Weitere Informationen gibt es auf der Service-Website des Landes Berlin.

Grunderwerbsteuer in Brandenburg

In Brandenburg

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 6,5 Prozent.
  • Die letzte Anpassung fand zum 1. Juli 2015 statt, von 5,0 Prozent auf 6,5 Prozent. Bereits zum 1. Januar 2011 hat Brandenburg den Steuersatz von 3,5 Prozent auf 5,0 Prozent erhöht.

Mehr Informationen und Zuständigkeiten findet ihr auf der Website des Finanzamts Brandenburg.

Grunderwerbsteuer in Bremen

In Bremen

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 5,0 Prozent.
  • Die letzte Anpassung fand zum 1. Januar 2014 statt. Seitdem wurde der Steuersatz von 4,5 Prozent auf 5,0 Prozent erhöht. Zum 1. Januar 2011 erhöhte Bremen den Steuersatz von 3,5 Prozent auf 4,5 Prozent.

Auf der Website des Finanzamts Bremen findet ihr weitere Informationen.

Grunderwerbsteuer in Hamburg

In Hamburg

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 4,5 Prozent.
  • Zum 1. Januar 2009 erhöhte Hamburg den Steuersatz von 3,5 auf 4,5 Prozent.

Ab 2023 soll die Grunderwerbsteuer bei 5,5 Prozent liegen. Für einzelne Gruppen sind aber Ermäßigungen auf 3,5 Prozent geplant. Weitere Informationen und Zuständigkeiten findet ihr bei der Hamburger Finanzbehörde.

Grunderwerbsteuer in Hessen

In Hessen

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 6,0 Prozent.
  • Die letzte Anpassung fand zum 1. August 2014 statt. Der Satz wurde von 5,0 Prozent auf 6,0 Prozent erhöht. Schon zum 1. Januar 2013 hatte Hessen den Steuersatz von 3,5 Prozent auf 5,0 Prozent erhöht.

Ansprechpartner findet ihr beim hessischen Verwaltungsportal.

Grunderwerbsteuer in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 6,0 Prozent.
  • Zuletzt wurde der Steuersatz zum 1. Juli 2019 von 5,0 Prozent auf 6,0 Prozent angehoben. Zuvor erhöhte Mecklenburg-Vorpommern den Satz zum 1. Juli 2012 von 3,5 Prozent auf 5,0 Prozent.

Weitere Informationen zur Grunderwerbsteuer in Mecklenburg-Vorpommern.

Grunderwerbsteuer in Niedersachsen

In Niedersachsen

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 5,0 Prozent.
  • Die letzte Anpassung fand zum 1. Januar 2014 von 4,5 Prozent auf 5,0 Prozent statt. Zum 1. Januar 2011 wurde der Steuersatz bereits von 3,5 Prozent auf 4,5 Prozent erhöht.

Antworten auf weitere Fragen findet ihr beim Land Niedersachsen.

Grunderwerbsteuer in Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 6,5 Prozent.
  • Zum ersten Januar 2015 wurde dort der Steuersatz von 5,0 Prozent auf 6,5 Prozent erhöht. Bereits zum 1. Oktober 2011 wurde er von 3,5 Prozent auf 5,0 Prozent erhöht.

Das Land möchte aber schon seit einigen Jahren einen Freibetrag für die Steuer durchsetzen. Der müsste aber für alle Bundesländer gelten.

Neuigkeiten zur Grunderwerbsteuer in NRW findet ihr hier.

Grunderwerbsteuer in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 5,0 Prozent.
  • Der Steuersatz wurde bisher einmal erhöht. Seit dem 1. März 2012 werden statt 3,5 Prozent nun 5,0 Prozent fällig.

Weitere Informationen und Ansprechpartner gibt es auf der Website des Landes.

Grunderwerbsteuer im Saarland

Im Saarland

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 6,5 Prozent.
  • Das Saarland hat den Steuersatz bisher vier Mal erhöht – so häufig wie kein anderes Bundesland. Der aktuelle Steuersatz gilt seit dem 1. Januar 2015. Zuvor betrug er seit dem 1. Januar 2013 5,5 Prozent. Erhöhungen gab es auch zum 1. Januar 2012 auf 4,5 Prozent und zum 1. Januar 2011 von 3,5 Prozent auf 4,0 Prozent.

Grunderwerbsteuer in Sachsen

In Sachsen

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 3,5 Prozent.
  • Wie in Bayern wurde auch in Sachsen der Steuersatz nicht erhöht, seitdem die Länder diesen selber bestimmten können.

Weitere Informationen zur Grunderwerbsteuer in Sachsen findet ihr hier.

Grunderwerbsteuer in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt

  • liegt die Steuer auf Grunderwerb aktuell bei 5,0 Prozent.
  • Die letzte Anpassung fand zum 1. Januar 2014 statt. Der Steuersatz wurde von 4,5 Prozent auf 5,0 Prozent erhöht. Zuvor war er zum 1. Januar 2012 von 3,5 Prozent auf 4,5 Prozent erhöht worden.

Nähere Informationen findet ihr auf der Website des Landes Sachsen-Anhalt.

Grunderwerbsteuer in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein

  • liegt die Grunderwerbsteuer aktuell bei 6,5 Prozent.
  • Dieser Steuersatz gilt seit dem 1. Januar 2014. Zuvor wurde er zum 1. Januar 2012 von 3,5 Prozent auf 5,0 Prozent erhöht.

Über die hohe Grunderwerbsteuer in Schleswig-Holstein hat eine neue Debatte begonnen. FDP und SPD können sich vorstellen, die Steuer beim Erstkauf von 6,5 auf 3 Prozent zu senken. Eigentlich wollte das aktuelle Jamaika-Bündnis die Belastung von Familien beim erstmaligen Kauf senken, fand aber keine Lösung. Zu einer Senkung kommt es aber frühestens nach der Landtagswahl am 8. Mai.

Zuständigkeiten findet ihr auf der Website des Landes.

Grunderwerbsteuer in Thüringen

In Thüringen

  • liegt der Grunderwerbsteuersatz aktuell bei 6,5 Prozent.
  • Zuletzt wurde der Steuersatz zum 1. Januar 2017 von 5,0 Prozent auf 6,5 Prozent angehoben. Zuvor gab es zum 7. April 2011 eine Erhöhung von 3,5 Prozent auf 5,0 Prozent.

Näheres zu Zuständigkeiten für euer Grundstück findet ihr auf der Bürger-Website des Landes Thüringen.

Unsere Empfehlung: Kaufnebenkosten wie die Grunderwerbsteuer müsst ihr mit einkalkulieren, wenn es um euren Immobilienkredit geht.

Unsere Beiträge dienen ausschließlich der Information, stellen keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung dar. Sie können und sollen eine persönliche Beratung durch Rechtsanwalt, Steuer- oder Finanzberater, bei der die Besonderheiten des Einzelfalles berücksichtigt werden können, nicht ersetzen. Alle Angaben erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Haftung. Die Beiträge verstehen sich nicht als persönliche Empfehlung, sondern als allgemeine Empfehlung für alle Leser.

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