Richtkranz auf einem Dachstuhl im Rohbau.
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Bauen | Ratgeber

KfW-Förderung beim Neubau: So kommt ihr an die Fördermittel

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Zur Förderung des (energieeffizienten) Neubaus stellt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Fördergelder zur Verfügung. Wir stellen euch die Förderprogramme vor und sagen, welche Bedingungen ihr erfüllen müsst, um diese in Anspruch zu nehmen.

Ihr plant einen Neubau und sucht dafür Fördermittel? Nach dem plötzlichen Stopp der Neubauförderung und dem überraschend schnellen Ende der ersten Förderstufe gelten seit dem 21. April 2022 ganz neue Förderbedingungen. Wie viel Geld ihr von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für einen Neubau einstreichen könnt und welche Vorgaben ihr dafür erfüllen müsst, das lest ihr hier. Außerdem sagen wir euch, wo und wie ihr den Antrag auf die KfW-Förderung beim Neubau stellen könnt.

KfW-Förderung beim Neubau: Kredit 124 oder BEG

Im Prinzip gibt es beim Neubau von Wohneigentum zwei Fördermöglichkeiten über die KfW:

  • Das "normale" KfW-Wohneigentumsprogramm (Kredit 124) für den Kauf oder Bau von selbst ­genutzten Eigen­heimen oder Eigentums­wohnungen.
  • Die Förderung von energieeffizientem Bauen im Rahmen der neuen Bundesförderung für effiziente Gebäude. Diese wurde komplett überarbeitet. Neben neuen Förderbedingungen wurden auch die Fördersummen verändert.

1. KfW-Förderung beim Neubau: KfW-Wohneigentumsprogramm (Kredit 124)

Ihr wollt ein Haus oder eine Wohnung kaufen und selbst bewohnen? Wenn ihr dafür Fördermittel sucht, die ihr unabhängig von der Energieeffizienz beantragen könnt, dann steht euch dafür das Wohneigentumsprogramm der KfW (Kredit 124) zur Verfügung.

Was und wer wird gefördert beim KfW-Wohneigentumsprogramm?

Mit dem Programm Kredit 124 unterstützt die KfW den Bau oder Kauf von selbst genutzten Wohnimmobilien in Form eines Darlehens. Dabei wurden die Mittel dafür Ende 2019 verdoppelt, das heißt: War der maximale Kreditbetrag bis dahin auf 50.000 Euro begrenzt, stehen euch jetzt maximal 100.000 Euro zur Verfügung.

Das gilt für alle Privatpersonen, unabhängig vom Alter. Dabei sind beim Neubau folgende Kosten förderfähig:

  • die Kosten des Baugrund­stücks (Das Grundstück dürft ihr höchstens sechs Monate vor dem Termin erwerben, an dem der Antrag bei der KfW eingeht.)
  • die Baukosten (Materialkosten und Arbeits­kosten)
  • die Baunebenkosten (zum Beispiel für den Architekten, einen Energieberater oder Bauberater sowie die Notargebühren, eventuell anfallende Makler­gebühren und die Grund­erwerb­steuer)
  • die Kosten für Außenanlagen

Das sind die Konditionen beim KfW-Wohneigentumsprogramm

Für den KfW-Kredit 124 aus dem Wohneigentumsprogramm gelten folgende Kreditbedingungen:

  • Maximaler Kreditbetrag: 100.000 Euro
  • Effektiver Jahreszins: ab 2,05 Prozent (Stand: April 2022)
  • Laufzeit: vier bis 25 Jahre
  • Zinsbindung: fünf oder zehn Jahre
  • Tilgungsfreie Zeit: ein bis drei Jahre

Achtung: Um das Darlehen im Rahmen des Wohneigentumsprogramms zu erhalten, müsst ihr keinen Energieberater hinzuziehen. Dafür gibt es aber auch – anders als bei der KfW-Förderung für den energieeffizienten Neubau – keinen Tilgungszuschuss.

Hier findet ihr das umfassende Merkblatt der KfW zum Wohneigentumsprogramm.

Haus im Rohbau
Auch wer neu baut, kann von der KfW eine Menge an Fördergeldern einstreichen. © Getty Images/iStockphoto

2. KfW-Förderung beim Neubau: BEG WG

Im Gegensatz zum Wohneigentumsprogramm (Kredit 124) ist im Rahmen der neuen Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) die Kreditvergabe an energetische Standards beim Bau eines Hauses oder einer Wohnung gebunden. Infolgedessen gibt es neben attraktiven Kreditzinsen in diesem Fall auch einen Tilgungszuschuss. Dieser Tilgungszuschuss verringert vereinfacht gesagt die Darlehenshöhe, ihr müsst also weniger zurückzahlen. Die Förderung von neuen Wohngebäuden auf Effizienzhaus-Niveau läuft offiziell unter dem Kürzel BEG WG.

Ab wann kann ich die KfW-Förderung für Neubauten beantragen?

Seit dem 21.04.2022 können Bauherren Anträge für den Bau eines neuen Effizienz­hauses nach den neuen Standards stellen. Ganz wichtig: Ihr müsst den Antrag stellen, bevor Ihr einen Liefer- oder Leistungs­vertrag oder einen Kauf­vertrag unterschreibt!

Was und wer wird gefördert beim Neubau eines KfW-Effizienzhauses?

Von den ursprünglich drei förderfähigen Effizienzhaus-Standards sind zwei (EE, Plus) nicht mehr gültig. Um den einzig verbliebenen förderfähigen Effizienzhaus-Standard EH/EG 40 NH (NH = Nachhaltiges Gebäude) zu erreichen, muss das Gebäude ganz bestimmte Anforderungen an die Nachhaltigkeit erfüllen.

Dokumentiert wird das durch das „Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude“ (QNG). Dieses von einer akkreditierten Zertifizierungsstelle ausgestellte Siegel gab es in der Vergangenheit bereits als optionales Element. Wer das Zertifikat vorweisen konnte, hat damit einen zusätzlichen Nachhaltigkeitsbonus erhalten. Nun ist das Siegel Pflicht für die Neubauförderung.

Übrigens: Ab dem 1. Januar 2023 soll nicht mehr EH-70, sondern EH-55 als gesetzlicher Standard für den Wohnungsneubau gelten. Aber Achtung: Dieser Standard ist zwar gesetzlich vorgeschrieben, allerdings NICHT förderfähig!

Wie hoch ist die KfW-Förderung beim Neubau?

Reine Zuschussvarianten gibt es bei der KfW-Neubauförderung künftig nur noch für Kommunen. Alle privaten und gewerblichen Antragsteller können ausschließlich die Kreditvariante mit Tilgungszuschuss beantragen. Tilgungszuschuss bedeutet, dass die rückzahlbare Kreditsumme reduziert wird.

Die Höchstgrenze der förderfähigen Kosten beim Neubau von Wohngebäuden beträgt 150.000 Euro, der Tilgungszuschuss liegt bei 12,5 Prozent. Die maximale Fördersumme beträgt also 18.750 Euro.

Neue Förderkonditionen beschlossen

Neben der Verschärfung der förderfähigen Effizienzhaus-Standards gab es auch bei den Förderkonditionen selbst Änderungen. So gibt es kein Geld für eine Heizung, die ganz oder teilweise mit Gas betrieben wird (zum Beispiel Gas-Brennwertkessel, gasbetriebene Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, Gasstrahler oder Gas-Warmlufterzeuger) sowie deren Einbau und Anschluss. Förderfähig sind demnach ausschließlich Wärmeerzeuger auf Basis erneuerbarer Energien wie etwas Wärmepumpen oder Solarthermie-Anlagen.

Nächste KfW-Förderstufe beim Neubau ab 2023

War die Neubauförderung in Stufe 1 noch auf eine Milliarde gedeckelt, so gibt es für die Stufe 2 offiziell keine Begrenzung der zur Verfügung stehenden Mittel. Allerdings ist dieser Teil der Neubauförderung bis zum 31.12.2022 befristet. Danach steht mit Stufe 3 erneut eine umfassende Neustrukturierung der Neubauförderung unter dem Titel „Klimafreundliches Bauen“ an. Dabei sollen dann die Treibhausgas-Emissionen im Lebenszyklus der Gebäude noch stärker im Fokus stehen. Details dazu werden derzeit noch von der Bundesregierung erarbeitet.

Wie beantrage ich einen KfW-Förderkredit für meinen Neubau?

Wie bei allen KfW-Krediten beantragt ihr den Kredit nicht direkt bei der KfW, sondern über einen Finanzierungspartner:

  • Bank
  • Sparkasse
  • Versicherung
  • Bausparkasse
  • Vermittler von Baufinanzierungen

Ihr könnt diesen Finanzierungspartner über die KfW-Webseite suchen oder euch direkt an ihn wenden. Demgemäß schließt ihr den eigentlichen Kreditvertrag dann mit dem Finanzierungspartner ab.

Achtung: Um die Förderung gemäß den definierten Effizienzhaus-Standards auch zu erhalten, müssen Bauherren mit einem zertifizierten Energiesachverständigen die Effizienz-Daten des Hauses auf der Webseite der KfW eintragen. Eine Möglichkeit, diesen Sachverständigen zu finden, ist die von der Deutschen Energiespar-Agentur (dena) geführte Energieeffizienz-Expertenliste (EEE-Liste).

Ihr wollt nicht neu bauen oder kaufen, sondern sucht Fördermittel für die energetische Sanierung? Dann schaut euch gern diesen Artikel an:

Haus zum KfW-Effizienzhaus sanieren: So kommt ihr an Fördermittel

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