Querschnitt durch eine wärmegedämmte Außenwand
© iStock/Getty Images/urfinnguss

Modernisieren | Ratgeber

Sanierung zum KfW-Effizienzhaus: So kommt ihr an Fördermittel

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Ihr wollt euer Haus umfangreich sanieren und zu einem KfW-Effizienzhaus machen? Dann könnt ihr dafür eine Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragen. Wir zeigen euch, welche Voraussetzungen ihr dafür erfüllen müsst und wie ihr an die Fördergelder kommt.

Mit der Förderung der Gebäudesanierung im Rahmen der seit Anfang 2021 geltenden Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) will der Staat die Energiewende voranbringen. Bei der Sanierung eures Hauses zu einem so genannten KfW-Effizienzhaus könnt ihr verschieden hohe Fördermittel in Form von direkten Zuschüssen oder verbilligten Krediten bekommen.

Wir sagen euch, welche Bedingungen ihr erfüllen müsst, um an die Fördermittel zu gelangen, wie hoch diese im Einzelfall sind und wie ihr das Fördergeld beantragt.

Älteres Gebäude mit Baugerüst
Die Sanierung älterer Gebäude zu Effizienzhäusern fördert die KfW mit Krediten oder Investitionszuschüssen. © AdobeStock

Sanierung zum KfW-Effizienzhaus: Die Grundvoraussetzungen

Euer Haus ist in die Jahre gekommen und ihr wollt es sanieren? Dafür bekommt ihr unter bestimmten Umständen Fördermittel von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Ab dem 1. Juli 2021 gelten dafür neue Bestimmungen. Grundlage, um bei der Sanierung zum KfW-Effizienzhaus an die Fördermittel zu kommen, ist aber nach wie vor der KfW-Effizienzhausstandard. Der muss erreicht sein, damit euch der Staat bei der Sanierung unterstützt.

Zwei energetische Messgrößen sind bei der Sanierung zum KfW-Effizienzhaus entscheidend:

  • Der Primärenergiebedarf: Er gibt den durchschnittlichen Energieverbrauch für Heizen, Warmwasser und Lüften an. Neben den reinen Verbrauchswerten werden beim Primärenergiebedarf auch vorgelagerte Prozesse (Gewinnung, Transport, Umwandlungsverluste) mit einbezogen.
  • Der Transmissionswärmeverlust: Hierbei handelt es sich um den Wärmeverlust bei einem beheizten Gebäude, der durch die Energieabgabe an die Umgebung durch die Gebäudehülle sowie Dämmung und Fenster entsteht.

Die KfW-Effizienzhäuser haben die Werte 40 bis 100. Je geringer der Wert, desto besser die Energieeffizienz. Als Referenzgröße dient das KfW-Effizienz­haus 100. Es entspricht in punkto Energieeffizienz exakt den Vorgaben der alten Energie­einspar­verordnung (EnEV).

Dazu ein Beispiel: Das KfW-Effizienzhaus 100 hat einen bestimmten Bedarf an Primärenergie. Im Vergleich dazu benötigt das KfW-Effizienzhaus 55 nur 55 Prozent dieser Primärenergie. Und: Der Transmissionswärmeverlust liegt nur bei 70 Prozent, beim KfW-Effizienzhaus 100 sind es 115 Prozent.

Eine weitere Förder-Voraussetzung: Eure Immobilie muss mindestens fünf Jahre alt sein. Genauer gesagt: Der Bau­antrag oder die Bau­anzeige für das Wohn­gebäude muss zum Zeit­punkt des Antrags mindestens fünf Jahre zurückliegen.

Muss ich ganz bestimmte Sanierungsmaßnahmen durchführen?

Konkrete Sanierungsmaßnahmen sind zur Erlangung der Fördermittel nicht vorgeschrieben. Hauptsache, einer der KfW-Effizienzhausstandards wird erreicht. Wie ihr das macht, ist prinzipiell euch überlassen.

In der Regel ist eine Kombination aus diversen baulichen Maßnahmen (Heizung/Lüftung/Dämmung) nötig, um einen der Standards zu erreichen. Die Fördermittel gibt es aber nicht nur für eine komplette Sanierung, sondern auch für Einzelmaßnahmen. In diesem Fall gelten aber andere Förderbestimmungen und auch die Fördersummen sind andere.

Ob Einzelmaßnahme oder – wie hier besprochen – die Sanierung zum KfW-Effizienzhaus: Welche Maßnahmen und Kombinationen in eurem Fall sinnvoll sind, was sie konkret bringen – das sagt euch ein Energieberater.

Muss ich bei der Sanierung zum KfW-Effizienzhaus einen Energieberater mit hinzuziehen?

Die KfW hat neben dem Erreichen eines Standards noch zwingend zwei weitere Grundbedingungen, damit ihr die Fördermittel erhaltet.

  1. Alle Arbeiten müssen von Fachfirmen ausgeführt werden.
  2. Der gesamte Prozess muss von einem Experten für Energieeffizienz begleitet werden.

Bei der Komplexität einer Sanierung ist das auch absolut sinnvoll. Der Energieberater entwickelt mit euch gemeinsam ein komplettes Sanierungskonzept und ist kompetenter Ansprechpartner auch bei der Auftragsvergabe und Durchführung der Sanierungsmaßnahmen. Und: Auch hier gibt es eine separate KfW-Förderung für die Arbeit des Energieberaters. Konkret: Für die energetische Fachplanung gewährt die KfW einen Zuschuss von 50 Prozent der dafür entstandenen Kosten.

Welche Fördermittel gibt es von der KfW?

Wie gesagt: Saniert ihr ein Haus zum Effizienzhaus, dann gibt es ab dem 1. Juli 2021 dafür neue Fördermittel von der KfW. Entweder als Kredit mit Tilgungszuschuss (ihr zahlt also nicht den vollen Kredit zurück). Oder einem direkt ausgezahlten Zuschuss.

Folgende Fördersummen könnt ihr dabei – abhängig vom erreichten KfW-Effizienzhausstandard – bekommen:

  • Effizienzhausstandard
  • Förderung in Prozent
  • maximal geförderte Kosten (Kreditbetrag)
  • Förderung in Euro
  • Denkmal
  • 25 %
  • 120.000 Euro
  • bis zu 30.000 Euro
  • Denkmal EE
  • 30 %
  • 150.000 Euro
  • bis zu 45.000 Euro
  • Effizienzhaus 100
  • 27,5 %
  • 120.000 Euro
  • bis zu 33.000 Euro
  • Effizienzhaus 100 EE
  • 32,5 %
  • 150.000 Euro
  • bis zu 48.750 Euro
  • Effizienzhaus 85
  • 30 %
  • 120.000 Euro
  • bis zu 36.000 Euro
  • Effizienzhaus 85 EE
  • 35 %
  • 150.000 Euro
  • bis zu 52.500 Euro
  • Effizienzhaus 70
  • 35 %
  • 120.000 Euro
  • bis zu 42.000 Euro
  • Effizienzhaus 70 EE
  • 40 %
  • 150.000 Euro
  • bis zu 60.000 Euro
  • Effizienzhaus 55
  • 40 %
  • 120.000
  • bis zu 48.000 Euro
  • Effizienzhaus 55 EE
  • 45 %
  • 150.000 Euro
  • bis zu 67.500 Euro
  • Effizienzhaus 40
  • 45 %
  • 120.000 Euro
  • bis zu 54.000 Euro
  • Effizienzhaus 40 EE
  • 50 %
  • 150.000 Euro
  • bis zu 75.000 Euro

Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG): die Förderung bei der Sanierung zum Effizienzhaus

EE steht dabei für "Erneuerbare-Energien-Klasse". Die ist dann erfüllt, wenn ihr im Rahmen der Sanierung eine neue Heizungs­anlage auf Basis erneuer­barer Energien einbaut. Die Heizung muss dann mindestens 55 Prozent des Energie­bedarfs decken. Bei einer Sanierung zum Effizienz­haus muss die neue Heizungs­anlage Bestand­teil der Sanierung sein, um die Förderung zu erhalten.

Erreicht ihr die EE-Klasse, dann gibt es bei der Förderung noch mal einen Bonus von fünf Prozent obendrauf. Und: Der maximale Kreditbetrag erhöht sich von 120.000 auf 150.000 Euro. Damit erhöht sich gleichzeitig auch der Tilgungszuschuss oder der direkte Zuschuss.

Welche zusätzlichen Zuschüsse gibt es bei der Sanierung zum Effizienzhaus?

Zu der eigentlichen Sanierungsförderung kommt noch einmal der so genannte iSFP-Bonus (individueller Sanierungsfahrplan) in Höhe von fünf Prozent. Dabei gilt: Ihr habt maximal 15 Jahre Zeit, um Schritt für Schritt zu sanieren und die gewünschte Effizienz­haus-Stufe zu erreichen. Ganz wichtig: Der iSFP-Bonus ist für alle gedacht, die die Sanierung zum KfW-Effizienzhaus in mehreren Stufen vornehmen. Wenn ihr also zum Beispiel erst einmal den Standard 70 erreicht, um später dann noch den Standard 55 zu erreichen.

Es handelt sich hier um eine so genannte "gestreckte Sanierung" in mehreren Schritten hin zu einem Effizienzhaus-Zielniveau. Dagegen wird bei einer kompletten Vollsanierung in einem Schritt der iSFP-Bonus nicht gewährt!

Wann muss ich die Fördermittel beantragen?

Egal ob Investitionszuschuss oder Kredit: Die jeweiligen Fördermittel müsst ihr in jedem Fall VOR Beginn der Arbeiten beantragen. Erst wenn ihr eine Zusage von der KfW erhaltet, solltet ihr mit den Bauarbeiten beginnen. Wenn ihr schon mit der Sanierung begonnen habt, dann bleibt euch nur noch der Weg über die steuerliche Förderung.

Mann bedient einen Taschenrechner.
Lohnt sich die Sanierung zum KfW-Effizienzhaus? Wie bei jeder großen Investition solltet ihr das vorher mit einem Profi durchrechnen. © Getty Images/iStockphoto/Andrey Popov

Wie beantrage ich die KfW-Förderung für die Sanierung zum Effizienzhaus?

Je nachdem, ob ihr euch für die Kreditvariante entscheidet oder lieber einen Investitionszuschuss wählt, läuft es von der Antragstellung bis zur Auszahlung des Geldes folgendermaßen ab:

In 4 Schritten zum KfW-Kredit

  1. Energieberater suchen und beauftragen. Zugelassen sind alle Sach­verständigen, die in der Experten­liste der Deutschen Energie-Agentur (dena) für Förder­programme des Bundes geführt sind.
  2. Finanzierungspartner finden und Kredit beantragen. Die KfW selbst vergibt keine Kredite. Die formale Abwicklung erfolgt durch Partnerinstitute. Das können Bausparkassen sein, Finanzierungsvermittler, Banken oder Sparkassen. Hier erfolgt der eigentliche Kreditantrag. Bei der Antragstellung müsst ihr die "Bestätigung zum Antrag" mitbringen, die euch der Experte für Energieeffizienz ausstellt.
  3. Kreditvertrag abschließen, Sanierung beginnen. Mit eurem Finanzierungspartner schließt ihr den Kreditvertrag ab. Wenn ihr dann die Zusage der KfW für die beantragten Fördermittel habt, könnt ihr mit den geplanten Arbeiten beginnen.
  4. Tilgungszuschuss erhalten. Wenn die Sanierung abgeschlossen ist, müsst ihr bei dem Finanzierungspartner eine "Bestätigung nach Durch­führung" einreichen. Im Anschluss schreibt euch dann die KfW den Tilgungs­zuschuss gut­.

In 4 Schritten zum KfW-Investitionszuschuss

  1. Energieberater suchen und beauftragen. Sucht in der Experten­liste der Deutschen Energie-Agentur (dena) für Förder­programme des Bundes einen Energieberater, der euch bei eurem Sanierungsvorhaben berät.
  2. Zuschuss beantragen. Vor dem Beginn der Arbeiten könnt ihr den Zuschuss direkt in KfW-Zuschussportal beantragen.
  3. Sanierung beginnen, Identität nachweisen. Sobald ihr die Zusage für die Förderung erhaltet, könnt ihr mit den Arbeiten beginnen. Gleichzeitig müsst ihr noch über einen SCHUFA-Identitätscheck eure Identität nachweisen.
  4. Investitionszuschuss erhalten. Sanierung abgeschlossen? Dann stellt euch der Energieexperte die "Bestätigung nach Durch­führung" (BnD) aus. Wenn ihr eure Identität erfolgreich nachgewiesen habt, könnt ihr die BnD-ID im KfW-Zuschussportal übermitteln. Danach erhaltet ihr dann den Investitionszuschuss.

Lohnt sich eine KfW-Förderung für mich?

Obwohl ihr bei der Sanierung zum KfW-Effizienzhaus eine Menge an Fördermitteln erhaltet, ist die gesamte Investition doch ziemlich hoch. Ob sich das trotz der KfW-Förderung lohnt, wann sich die Kosten amortisieren und was die Sanierung ganz konkret in der Zukunft an (Energie-)Einsparungen bringt, das hängt immer vom Einzelfall ab. Unabdingbar ist bei einer vernünftigen Planung die Unterstützung eines Energieberaters.

Wie ihr eine energetische Sanierung schlau plant, welche Fehler ihr dabei von vornherein vermeiden könnt, lest ihr in diesem Artikel:

Lies noch mehr…