Handwerker bringt Dämmung an einer Wand an
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Sanierungsfahrplan: Was bringt ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)?

Eva Kafke

Eva Kafke

Ihr wollt eure Immobilie umfassend sanieren? Ihr wisst aber noch nicht, welche Sanierungsmaßnahmen für euch am sinnvollsten sind? Der individuelle Sanierungs­fahrplan (iSFP) kann euch dabei helfen – und viel Geld sparen.

Ein individueller Sanierungsfahrplan kann die Planung und Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen deutlich erleichtern. Wir erklären, wie er funktioniert, was er kostet und worauf ihr achten müsst.

Was ist ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)?

Die Idee beim individuellen Sanierungsplan ist, Eigentümern eine auf das Gebäude zugeschnittene Übersicht aus technisch möglichen und wirtschaftlich sinnvollen Sanierungsmöglichkeiten an die Hand zu geben. Damit könnt ihr die Sanierung und die Finanzierung fundiert planen und entweder in einem Zug oder auch in mehreren Schritten umsetzen.

Der Begriff "individueller Sanierungsfahrplan" ist allerdings nicht geschützt. Er wird von Dienstleistern für sehr unterschiedliche Inhalte und Formate verwendet. Im Auftrag der Bundesregierung haben die Deutsche Energie-Agentur und das Institut für Energie- und Umweltforschung einen standardisierten iSFP als Instrument in der Energieberatung entwickelt.

Die Standards beinhalten Vorgaben für die Beratung, aber auch für die Präsentation der Ergebnisse. So erhalten die Eigentümer einen ausführlichen Bericht, in dem Maßnahmenvorschläge übersichtlich dargestellt und anhand eines Zeitstrahls so angeordnet sind, dass sie folgerichtig aufeinander aufbauen.

Wie entsteht ein iSFP?

Um einen individuellen Sanierungsfahrplan erstellen zu lassen, vereinbart ihr einen Termin mit einem qualifizierten Energieberater. Der kommt zu einem Beratungsgespräch zu euch nach Hause. Er führt eine ausführliche Bestandsaufnahme durch, analysiert den Ist-Zustand des Gebäudes und entwickelt Vorschläge für die Sanierung.

Bei einem zweiten Vor-Ort-Termin besprecht ihr die Handlungsempfehlungen und mögliche Varianten. Dabei gebt ihr die Richtung für den individuellen Sanierungsfahrplan vor, beispielsweise indem ihr einen finanziellen oder zeitlichen Rahmen steckt.

Dann erstellt der Energieberater den maßgeschneiderten iSFP mit zwei bis fünf aufeinander aufbauenden Maßnahmenpaketen. Die erläutert er euch in einem Abschlussgespräch. Das kann auch telefonisch stattfinden.

Thermografische Aufnahme eines Einfamilienhauses.
Ein Energieberater macht eine Vor-Ort-Bestandsaufnahme eures Hauses. © iStock/Getty Images/Suljo

Wer darf einen Sanierungsfahrplan ausstellen?

Energieberater, Architekten oder Ingenieuren können individuelle Sanierungsfahrpläne ausstellen. Wenn ihr jedoch die staatliche Förderung (siehe unten) erhalten wollt, müsst ihr einen Energieberater beauftragen, der im Rahmen des BAFA-Förderprogramms "Energieberatung Wohngebäude" zugelassen und auf der Energie-Effizienz-Expertenliste (EEE-Liste) eingetragen ist.

Was sind die Vorteile eines individuellen Sanierungsplans?

Ein individueller Sanierungsfahrplan hat vier große Vorteile:

  1. Ihr bekommt einen soliden Überblick über den energetischen Zustand eures Hauses oder eurer Wohnung und die Potenziale zur Energieeinsparung.
  2. Der iSFP ist eine gute Grundlage, um Sanierungen, dadurch entstehende finanzielle Belastungen, die Auftragsvergabe an die Handwerker und nicht zuletzt die eigene Zeit vorausschauend und zielorientiert zu planen.
  3. Mit einem Plan in der Schublade seid ihr auch kurzfristig handlungsfähig. Wenn die Heizung im Winter ausfällt und die Familie friert, habt ihr kaum ausreichend Zeit, eine fundierte Energieberatung in Anspruch zu nehmen. Der Installateur wird dann in der Regel die bisherige Heizungsanlage durch eine vergleichbare ersetzen. Das ist oft nicht die energetisch beste Lösung, doch das Thema Heizungserneuerung ist dann erstmal für Jahre erledigt, weitergehende Verbesserungen werden möglicherweise verbaut. Wenn ihr hingegen bei der Erstellung des iSFPs bereits unterschiedliche Systeme verglichen und eine grundsätzliche Entscheidung getroffen habt, dann kann im Falle eines Defekts dieses System eingebaut werden.
  4. Die Fördermittellandschaft ist ständig in Bewegung. Wenn sich günstige Förderoptionen auftun, könnt ihr mit Hilfe eines Sanierungsfahrplans schnell reagieren.

Welche Nachteile hat ein iSFP?

Wie jedes standardisierte Instrument hat auch der iSFP Grenzen. Vor allem drei Punkte wirken sich unter Umständen nachteilig aus:

  1. Die Dokumentation, die ihr erhaltet, ist beispielsweise im Vergleich zum ausführlichen Abschlussbericht einer BAFA-Vor-Ort-Beratung deutlich kürzer, damit leichter verständlich, aber auch weniger detailreich. Je nach Ausgangssituation braucht ihr unter Umständen ausführlichere Informationen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen.
  2. Energieberater und Bauherren kritisieren außerdem, dass die Nachrüstung einer PV-Anlage im iSFP überhaupt nicht vorgesehen ist.
  3. Ein individueller Sanierungsfahrplan ist eine Momentaufnahme. Er bildet Empfehlungen ab, die zu einem bestimmten Zeitpunkt mit konkreten Rahmenbedingungen entstehen und ihre Gültigkeit haben. Doch die Rahmenbedingungen verändern sich. Die technischen Fortschritte im Bereich Energieeffizienz, speziell in der Anlagentechnik, bei Heizungssystem, Speichern und PV-Anlagen, sind enorm. Die Material- und Arbeitskosten unterliegen deutlichen Schwankungen. Die Holzpreise beispielsweise sind gerade innerhalb eines Jahres um 80 Prozent gestiegen. Und auch die Fördermittel sind nicht in Stein gemeißelt. Die Aussagekraft eines iSFP wird damit umso geringer, je älter er ist. Wenn ihr beispielsweise die zweite vorgeschlagene Maßnahme erst nach ein paar Jahren in Angriff nehmen wollt, solltet ihr den vorliegenden Plan überprüfen und gegebenenfalls anpassen lassen.

Was kostet ein iSFP?

Abhängig von der Gebäudegröße, dem Zuschnitt und baulichen Gegebenheiten kostet ein individueller Sanierungsfahrplan für ein Einfamilienhaus zwischen 1.600 und 2.100 Euro. Nach Abzug der Förderung beträgt der Eigenanteil zwischen 300 und 800 Euro.

Prinzipiell könnt ihr mit dem Energieberater die zu erbringende Leistung und das Honorar frei verhandeln. Wenn ihr beispielsweise eine energetische Sanierung mit einem altersgerechten Umbau kombinieren wollt, fällt die Beratung ausführlicher und das Honorar entsprechend höher aus.

Muster für einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) mit Einzelmaßnahmen Schritt für Schritt
Ausschnitt aus einem Muster-Sanierungsfahrplan. © BAFA / dena

Wie wird die Erstellung eines Sanierungsfahrplans gefördert?

Der Staat übernimmt 80 Prozent der Kosten für die Energieberatung und anschließende Erstellung des Sanierungsfahrplans für das gesamte Wohngebäude. Allerdings sind die Kosten gedeckelt:

  • für Ein- und Zweifamilienhäuser gibt es maximal 1.300 Euro
  • für Gebäude mit mehr als drei Wohneinheiten maximal 1.700 Euro
  • Wohnungseigentümergemeinschaften können einen zusätzlichen Zuschuss von bis zu 500 Euro erhalten, wenn der Energieberater das Sanierungskonzept bei einer Wohnungseigentümerversammlung oder Beiratssitzung vorstellt.

Die Förderung wird über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) abgewickelt. Voraussetzung für den Zuschuss ist, dass der iSFP den detaillierten BAFA-Förderrichtlinien entspricht. Sie schreiben beispielsweise vor, dass das Sanierungskonzept eine Schritt-für-Schritt-Sanierung und/oder eine Gesamtsanierung in einem Zuge zu einem KfW-Effizienzhaus umfassen muss.

Außerdem müssen Angaben zum Primärenergiebedarf, Endenergiebedarf und CO2-Emissionen, Energiekosten, geschätzten Gesamtinvestitionskosten, Instandhaltungskosten und Fördermöglichkeiten des Bundes enthalten sein.

Für den Laien ist kaum erkennbar, welche Produkte die BAFA-Anforderungen erfüllen. Ihr solltet deshalb bei der Beauftragung des Energieberaters den im Auftrag der Bundesregierung entwickelten Standard vertraglich vereinbaren. Dann kümmert sich der Energieberater um alles Weitere und beantragt auch die Förderung. Den Zuschuss zieht er später von seiner Rechnung ab.

Wer kann die Förderung in Anspruch nehmen?

Staatlich gefördert wird die Energieberatung von Haus- und Wohnungseigentümern und von Wohnungseigentümergemeinschaften nur für Gebäude in Deutschland, die überwiegend als Wohngebäude genutzt werden. Der Bauantrag oder die Bauanzeige muss zum Zeitpunkt der Antragstellung mindestens zehn Jahre zurück liegen.

Gibt es Fördermittel, wenn ich eine Maßnahme aus dem Sanierungsfahrplan umsetze?

Ja. Wenn ihr euer Haus zu einem Haus saniert, das einen der KfW-Effizienzhausstandards erfüllt, dann könnt ihr einen Antrag für einen Förderkredit oder Zuschuss bei der KfW stellen. Abhängig vom erreichten KfW-Effizienzhausstandard könnt ihr bis zu 75.000 Euro vom Staat bekommen. Mehr dazu lest ihr in unserem Artikel Sanierung zum KfW-Effizienzhaus: So kommt ihr an Fördermittel.

Die Zuschussförderung für Einzelmaßnahmen kann beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden. Sie sieht auch einen sogenannten iSFP-Bonus vor: Wenn ihr innerhalb von 15 Jahren nach der Energieberatung eine Sanierungsmaßnahme auf Grundlage des iSFP umgesetzt, erhöht sich der jeweilige Fördersatz um 5 Prozent. Einzelheiten dazu findet ihr im Artikel über die Bundesförderung für effiziente Gebäude.

Beispiel: Wer seine Fassade dämmen lässt und dafür 40.000 Euro investiert, erhält dafür 20 Prozent Zuschuss, also 8.000 Euro. Wurde die Dämmung im individuellen Sanierungsfahrplan vorgeschlagen, gibt es zusätzlich 2.000 Euro, also insgesamt 10.000 Euro.

Wenn ihr mehrere Einzelmaßnahmen verteilt auf mehrere Jahre realisiert, dann gibt es jedes Mal den Bonus. Die Reihenfolge der Maßnahmen muss dabei nicht zwingend der im iSFP vorgeschlagenen Reihenfolge entsprechen. Auch leichte inhaltliche Abweichungen sind möglich, wenn die energetische Qualität dadurch nicht verschlechtert wird. Ihr könnt beispielsweise statt einer Gashybridheizung eine Wärmepumpe einbauen lassen.

Was muss ich bei der Nutzung des iSFP-Bonus beachten?

Bei der Nutzung des iSFP-Bonus müsst ihr die jeweiligen Förderrichtlinien der Programme erfüllen. Darin sind unter anderem Vorgaben zur Energieeffizienz enthalten. Darüber hinaus muss ein Fachhandwerker die Baumaßnahme ausführen. Außerdem gibt es eine Obergrenze für die förderfähigen Kosten. Sie beträgt bei Einzelmaßnahmen 60.000 Euro pro Maßnahme. Und schließlich müsst ihr die Förderung immer vor Beginn der Bauarbeiten beantragen.

Fazit: Lohnt sich ein individueller Sanierungsfahrplan für mich?

Ein iSFP ist dank der Fördermittel zunächst eine kleine Investition. Der Aufwand für die Erstellung ist gering. Damit habt ihr auf jeden Fall eine gute Basis, um Richtungsentscheidungen zu treffen und eure Sanierung systematisch anzugehen.

Der iSFP ersetzt jedoch nicht die detaillierte Vorplanung der Einzelmaßnahmen. Sie sollte zeitnah zur Umsetzung erfolgen, um das Risiko von Kostenschwankungen möglichst gering zu halten.

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