Baugerüst vor Fachwerkhaus
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Modernisieren | Ratgeber

Energetische Sanierung: Welche Maßnahmen lohnen sich?

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Dämmung, Fenstertausch oder Heizungswechsel: Eine energetische Sanierung soll aus alten Häusern Energiesparer machen. Welche Sanierungsmaßnahmen lohnen sich wirklich, was wird gefördert und wie geht ihr am besten vor? Alle Fragen und Antworten zur energetischen Sanierung.

In Deutschland verursachen Gebäude rund ein Drittel aller schädlichen Treibhausgasemissionen. Die größten Übeltäter sind Wohnhäuser. Deshalb ist es für Eigentümer sinnvoll und zum Teil sogar verpflichtend, ihr Objekt energetisch fit zu machen. Wir erklären, was eine energetische Sanierung ist, welche Maßnahmen dazu zählen und was davon sich wirklich lohnt.

Was ist eine energetische Sanierung?

Eine energetische Sanierung beschreibt bauliche Maßnahmen, die den Energieverbrauch eines Gebäudes für Heizung, Warmwasser, Belüftung und Licht senken. Das hat zwei zentrale Vorteile: Zum einen reduzieren sich dadurch die laufenden Energie- und Betriebskosten. Zugleich entlasten energetisch fitte Häuser das Klima. Und schließlich macht der Einsatz erneuerbarer Energien unabhängig von fossilen Brennstoffen und reduziert den CO2-Ausstoß.

Welche Maßnahmen zählen zur energetischen Sanierung?

Eine energetische Sanierung kann eine oder mehrere Maßnahmen umfassen, die den Energieverbrauch einer Immobilie senken. Beispiele sind:

  • Wärmedämmung: Maßnahmen zur Dämmung der Außenwände sowie von Dächern und Kellerdecken
  • Fenster und Türen: Austausch alter, einfach verglaster oder undichter Fenster und Außentüren
  • Heizung: Einbau einer neuen Heizungsanlage, zum Beispiel Umstieg von Gas oder Öl auf Wärmepumpe, Solarthermie oder Pellet-Heizung
  • Lüftung: Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Welche energetischen Sanierungsmaßnahmen lohnen sich?

Welche Maßnahmen zur energetischen Sanierung sinnvoll sind, ist vom Einzelfall abhängig. Idealerweise holt ihr euch einen Energieberater ins Haus, bevor ihr mit den Umbauten startet.

Grundsätzlich lohnt sich eine fachgerecht ausgeführte energetische Sanierung fast immer. Damit verbessert ihr das Wohnklima und entlastet die Umwelt. Außerdem spart ihr laufende Kosten. Zugleich könnt ihr damit den Wert eurer Immobilie steigern.

Folgende Maßnahmen bringen das größte energetische Einsparpotenzial:

1. Dämmung des Dachs oder der obersten Geschossdecke

Eine nachträgliche Dachdämmung ist ein "Muss". Denn diese Maßnahme ist laut Gebäudeenergiegesetz vorgeschrieben. Ist der Dachraum unbewohnt, reicht die Dämmung der obersten Geschossdecke. Wenn ihr einen späteren Dachausbau plant, dann dämmt ihr am besten die Dachflächen. Am einfachsten und kostengünstigsten ist die Dämmung unter oder zwischen den Dachsparren. Am aufwendigsten ist eine Aufdach-Dämmung.

Energieeinsparung: ca. 8 bis 15 Prozent

2. Dämmung der Kellerdecke

Eine Dämmung der Kellerdecke ist vor allem dann zu empfehlen, wenn der Keller unbeheizt bleiben soll. Sie hilft auch gegen kalte Füße im Erdgeschoss.

Energieeinsparung: ca. 5 bis 10 Prozent

3. Energetische Sanierung durch Außendämmung

Meistens wird von außen gedämmt. Am kostengünstigsten ist ein Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) mit Platten, die einfach aufgeklebt werden. Eine Alternative ist eine vorgehängte hinterlüftete Fassade. Eine Innendämmung ist schwieriger, aber eine Alternative, wenn die Fassade wegen Denkmalschutz nicht verändert werden darf.

Energieeinsparung: ca. 12 bis 20 Prozent

4. Fenster austauschen

Wenn die Fassade gedämmt wird, müssen meist auch die alten Fenster durch neue ersetzt werden. Sonst entstehen Wärmelöcher. Dabei ist mittlerweile eine Dreifach-Verglasung Standard.

Energieeinsparung: ca. 2 bis 6 Prozent

5. Neue Heizung einbauen

In der Regel gilt: erst dämmen, dann die Heizung austauschen. Ist der Heizkessel aber sehr alt und ineffizient, kann der Austausch der Heizung auch mal der erste Schritt sein. Wer bisher noch mit Öl oder Gas heizt, sollte den Energieträger wechseln. Erfahrt hier mehr: "Neue Heizung: Was kosten neue Heizungsanlagen und wie viel sparen sie?"

Übrigens könnt ihr eine neue Heizung auch mieten. Wenn ihr mehr dazu wissen wollt: "Heizung mieten statt kaufen: Lohnt sich das für mich?"

Energieeinsparung: ca. 15 bis 30 Prozent

Welche Sanierungsmaßnahmen sind klimafreundliche Extras?

Ihr wollt noch mehr fürs Klima tun und seid auch bereit, dafür etwas mehr Geld zu investieren? Dann bieten sich folgende Optionen bei der energetischen Sanierung an:

1. Dämmen mit Naturstoffen

Herstellung, Transport, Lagerung und Verkauf von Dämmstoffen sind mit Energieaufwand verbunden. Ökologische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz und Pflanzenfasern bringen jedoch weniger von dieser "Grauen Energie" mit als etwa synthetische Dämmstoffe wie Polyurethan-Platten.

2. Heizen mit erneuerbaren Energien

Schon eine kleine Solarthermie-Anlage für die Warmwasserversorgung und Heizungsunterstützung verbessert die CO2–Bilanz der Heizungsanlage. Wer ganz von den fossilen Brennstoffen weg will, kann auch im sanierten Altbau auf eine Wärmepumpe umsteigen. Dann müsst ihr aber sehr gut dämmen. Alternativ kommt auch eine Holzpelletheizung in Frage.

3. Energetische Sanierung mit neuer Lüftungsanlage

Im Neubau geht es kaum noch ohne sie, aber auch im sanierten Altbau kann eine kontrollierte Lüftung sinnvoll sein. So geht weniger Heizwärme verloren als durch die Fensterlüftung. Mit Wärmerückgewinnung wird sie sogar zur zusätzlichen klimafreundlichen Heizquelle.

4. Photovoltaik installieren

Eine Photovoltaikanlage auf dem Hausdach ist eine prima Ergänzung zur energetischen Sanierung. Dem Klima bleiben mehrere Tonnen CO2 pro Jahr erspart – und Geld sparen lässt sich auch noch.

Lest auch: Energetische Sanierung: 5 typische Fehler, die ihr vermeiden solltet

Wann ist man zu einer energetischen Sanierung verpflichtet?

Eigentümer einer Bestandsimmobilie sind innerhalb von zwei Jahren ab Einzug zu einer energetischen Sanierung verpflichtet. So schreibt es das Gebäudeenergiegesetz, kurz GEG, vor. Das gilt insbesondere für Ein- und Zweifamilienhäuser, welche vor Februar 2002 fertiggestellt wurden und die geltenden Energiestandards nicht erfüllen. Die Rohrleitungen, die Dämmung von Dach oder Dachboden sowie die Heizung müssen auf dem neuesten Stand sein.

So besteht eine Sanierungspflicht, wenn eine Gas- oder Ölheizung mit Standard- und Konstanttemperaturkessel länger als 30 Jahre läuft. Bei Niedertemperatur- und Brennwerttechnik gilt dies hingegen nicht. Zudem müssen die Heizungs- und Warmwasserleitungen im Keller gedämmt sein, ebenso die oberste Geschossdecke oder das Dach.

Die meisten Gebäude mit Baujahr 2002 oder jüngeren Datums erfüllen die energetischen Anforderungen. Hier ist der Sanierungsbedarf in der Regel nicht groß.

Übrigens: Eigentümer von Altbauten sind nicht zu einer energetischen Sanierung verpflichtet. Allerdings könnten gemäß Gebäudeenergiegesetz bestimmte Nachrüst- und Austauschpflichten bestehen. Unter Altbau versteht man üblicherweise Gebäude, die vor 1949 entstanden sind.

Tipp: Ein Modernisierungs-Check kann Klarheit schaffen, welche Maßnahmen bei eurem Objekt sinnvoll oder verpflichtend sind.

Wie gehe ich bei einer energetischen Sanierung vor?

Im ersten Schritt sollte man eine Modernisierungsberatung in Anspruch nehmen. Der Experte prüft, wo die energetischen Schwachstellen liegen und welche Maßnahmen verpflichtend oder sinnvoll sind.

Dann könnt ihr gemeinsam einen Maßnahmenkatalog erstellen. Dabei sollte auch geklärt werden, inwiefern ihr auf erneuerbare Energien umstellen könnt. So seid ihr noch klimafreundlicher und autarker aufgestellt.

Im Idealfall erfolgt eine energetische Sanierung von außen nach innen. Das heißt, kümmert euch bestenfalls zunächst um die Außendämmung und gegebenenfalls um neue Fenster und Türen. Dann folgt die Heizungsanlage. Ansonsten verschwendet ihr nur unnötig Energie. Ist die Heizungsanlage sehr alt, kann die Priorität aber auch hierauf liegen.

Tipp: Einige Sanierungsmaßnahmen lassen sich mit weiteren baulichen Optimierungen kombinieren. So könnt ihr beim Einbau neuer Fenster direkt einen Einbruchschutz oder neue Rollläden beziehungsweise moderne Raffstores integrieren. Nutzt unseren kostenlosen Modernisierungs-Check, um euch schnell und einfach einen ersten Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen.

Was kostet eine energetische Sanierung?

Eine energetische Sanierung ist gut für das Klima und senkt in der Regel die laufenden Kosten. Doch initial muss man meist tief in die Tasche greifen. In unserem Ratgeber "Kosten für Kernsanierung: Was kostet es, ein Haus zu sanieren?" erklären wir ausführlich, was eine Kernsanierung ungefähr kostet.

Wie kann man bei einer energetischen Sanierung Geld sparen?

Eine Haussanierung kann teuer werden. Dabei könnt ihr an vielen Stellen bei den Sanierungskosten Geld sparen, ohne dass die Qualität leidet:

  • Maßnahmen kombinieren: Fassade dämmen, wenn neu gestrichen werden muss; Dach dämmen bei Dachreparatur; Fenster austauschen, wenn ohnehin gerade renoviert oder umgebaut wird.
  • Eigenleistung: Das Dach (von innen), die Kellerdecke oder die Heizungsrohre dämmen können auch geschickte Heimwerker.
  • Fördermittel nutzen: Neben den bekannten bundesweiten Förderprogrammen (KfW, BAFA) gibt es oft auch bei Ländern, Kommunen oder Energieversorgern Fördermittel für die energetische Sanierung. Wenn ihr Anlässe geschickt kombiniert, könnt ihr auch Fördermittel aus unterschiedlichen Töpfen nutzen. Ein Beispiel: Die Fassade wird gedämmt, dabei werden der Hauseingang, die Terrasse und der Balkon barrierefrei gestaltet.

Lest auch: "Neue Studie: Wie teuer ist eine energetische Sanierung und wann lohnt sie sich?"

Welche Fördermittel gibt es für energetische Sanierungsmaßnahmen?

Die wichtigsten Anlaufstellen für Fördermittel sind

  • das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
  • die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

Die beiden Behörden haben eine klare Aufgabenteilung:

  • Das BAFA ist für die Förderung von Einzelmaßnahmen in der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG EM) zuständig. Hier bekommt ihr Investitionszuschüsse zu Maßnahmen an der Gebäudehülle (Dämmung von Fassade, Dach, Geschossdecken, Austausch von Fenstern und Außentüren, sommerlicher Wärmeschutz), für den Einbau von Wärmeerzeugern mit erneuerbaren Energien, für die Anlagentechnik (Lüftungsanlage, Smart Home Efficiency) und für die Heizungsoptimierung.
  • Die KfW wickelt die Förderung von Komplettsanierungen ab. Wenn ihr euer Haus energetisch auf Vordermann bringt und dabei einen Effizienzhausstandard erreicht, könnt ihr einen KfW-Kredit mit Tilgungszuschuss und Zinsvergünstigung auf den ersten Zinsbindungszeitraum erhalten.

Übrigens: Bei beiden Fördermittelgebern ist Bedingung, dass ihr euren Förderantrag stellt, noch bevor ihr mit der Sanierung begonnen habt.

Einen Überblick über aktuelle staatliche Förderprogramme gibt es hier: Bundesförderung für effiziente Gebäude: Fördersummen, Konditionen, Anträge

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