Älteres Haus mit Baugerüst
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Modernisieren | Expertentipp

Stimmt es, dass Eigentümern eine Sanierungspflicht droht?

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Vor allem Häuser, die vor 1979 gebaut wurden, verbrauchen viel Energie. Das steht den Bemühungen um mehr Klimaschutz entgegen. Besteht für Eigentümer älterer Einfamilienhäuser bald eine Sanierungspflicht?

Der energetische Zustand der Häuser in Deutschland ist ein echtes Problem. 2,3 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser und 100.000 Mehrfamilienhäuser befinden sich in der schlechtesten Energieeffizienzklasse H. Als Teil ihrer Energieeffizienzziele hat die Bundesregierung beschlossen, den Wärmebedarf von Gebäuden bis 2050 um 80 Prozent zu reduzieren. Der Gebäudebestand soll dann nahezu klimaneutral sein. Doch dafür ist es unabdingbar, dass mehr saniert wird. Die Sanierungsrate muss sich von derzeit etwa einem auf mindestens zwei Prozent verdoppeln. Droht Eigentümern von Immobilien also eine Sanierungspflicht?

Dass eine Sanierungspflicht kommt, ist nicht unwahrscheinlich. Die EU-Kommission hat nämlich im Dezember einen Vorschlag für die Überarbeitung der Richtlinie zur Energieeffizienz von Gebäuden vorgestellt. Und in ihrem Koalitionsvertrag haben die Regierungsparteien explizit angekündigt, die Gebäudeinitiativen der EU-Kommission zu unterstützen. Was diese vorsehen, erläutern wir hier.

Sanierungspflicht: Das sieht die EU-Sanierungsrichtlinie vor

Die Pläne der EU-Kommission sehen vor, dass die schlechtesten Gebäude zuerst dran sind. Heißt: Wohngebäude mit der Energieeffizienz-Klasse G müssen bis 2030 durch Sanierungen mindestens auf die Klasse F gebracht werden. Bis 2033 muss mindestens die Klasse E erreicht und entsprechend saniert sein.

In Deutschland allerdings gehen die Energieeffizienzklassen von A bis H. Hierzulande fällt fast ein Drittel der Wohnhäuser in die schlechtesten Effizienzklassen G oder H. Betroffen sind hauptsächlich Bauten der Nachkriegsjahre, die bis heute nicht einmal teilmodernisiert wurden. Der Kommissionsvorschlag sieht aber vor, dass die Sanierungspflicht von Klasse G auf Klasse F lediglich 15 Prozent aller Gebäude in einem Mitgliedsland betreffen soll. Daher müssten alle alten Gebäude in Deutschland zunächst neu eingestuft werden.

Für jedes Gebäude soll den Plänen zufolge ein verpflichtender Renovierungspass eingeführt werden. Darin soll dargelegt sein, durch welche Sanierungsschritte ein Gebäude spätestens 2050 emissionsfrei wird. Daraus ergibt sich eine Sanierungspflicht für alle bestehenden Gebäude, die jetzt eine Energieeffizienzklasse ab dem Niveau G oder F aufweisen.

Allerdings gilt dabei immer auch das Prinzip der Wirtschaftlichkeit. Deshalb bleibt jedem Hausbesitzer immer die Möglichkeit, der Sanierung zu entgehen.

Dazu kommt, dass der Kommissionsvorschlag nun erstmal vom EU-Rat und dem EU-Parlament beraten werden muss. Experten gehen davon aus, dass die EU die Gebäudeeffizienzrichtlinie nicht vor 2024 umsetzt.

Pläne der neuen Regierung für Deutschland

Im Koalitionsvertrag haben SPD, Grüne und FDP in Sachen Gebäudesanierung allerdings noch einige weitere Pläne dargelegt. Dazu zählen unter anderem die Überarbeitung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und das Ziel, dass bis 2025 mindestens 65 Prozent aller Heizungen auf erneuerbare Energien umgerüstet sein sollen.

Die Pläne für die Überarbeitung des GEG sehen unter anderem vor, dass bei wesentlichen Ausbauten, Umbauten und Erweiterungen ab dem 1. Januar 2024 die auszutauschenden Bauteile der Effizienzhausstufe 70 entsprechen müssen. Modernisierer werden dann also in einen besseren Wärmeschutz investieren müssen. Mehr zu den Plänen der neuen Bundesregierung lest ihr in unserem Artikel "Klimaneutrale Gebäude: Das sind die Pläne der neuen Regierung".

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