Monteur wartet einen Heizkessel.
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Modernisieren | Ratgeber

Heizung mieten statt kaufen: Lohnt sich das für mich?

Dirc Kalweit

Eine Heizung mieten statt teuer zu kaufen – das scheint ein verlockendes Angebot. Wie das funktioniert, was ihr beachten solltet und für wen sich das lohnt erklären wir in einem umfangreichen Ratgeber.

Eine Heizung mieten statt sie teuer zu kaufen – das scheint ein verlockendes Angebot. Wie das funktioniert, was ihr dabei beachten solltet und mit welchen Kosten ihr rechnen müsst, das erfahrt ihr hier.

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Wie funktioniert das Mieten einer Heizung?

Ihr kennt das vielleicht vom Auto-Leasing. Da bekommt ihr vom Anbieter den Neuwagen über einen festgelegten Zeitraum gegen eine monatliche Gebühr zur Verfügung gestellt. Die Wartung ist in den Leasing-Gebühren meist enthalten, ihr zahlt nur die Kosten für Benzin und Versicherung.

Ähnlich ist es beim Leasen einer Heizung. Wobei die Fachleute hier vom "Wärme-Contracting" (aus dem englischen "contract" = Vertrag) sprechen. Der Anbieter baut bei euch eine neue Heizung ein. Ihr mietet diese neue Heizungsanlage und die dazugehörigen Dienstleistungen sowie die regelmäßige Wartung oder auch eventuell anfallende Reparaturarbeiten. Dafür zahlt ihr eine monatliche Gebühr, in der Regel über zehn Jahre. Dazu kommen dann noch die Verbrauchskosten, also die Kosten für Öl, Gas oder einen anderen Energieträger.

Wer bietet eine Heizung zum Mieten an?

Eine Heizung könnt ihr sowohl bei einigen Energieversorgern als auch bei Heizungsherstellern leasen. Beides kann seine Vor- und Nachteile haben. Mietet ihr die Heizung bei einem Energieversorger, dann könnt ihr meist zwischen verschiedenen Herstellern wählen. Allerdings ist die Auswahl des Energieträgers meist begrenzt. Heißt konkret: Wenn ihr über einen Energieversorger eine Heizung mietet und der nur Gas anbietet, dann könnt ihr auch nur eine Gasheizung installieren lassen.

Umgekehrt gilt: Vereinbart ihr das Wärme-Contracting mit einem Heizungshersteller, dann könnt ihr eventuell zwischen verschiedenen Heizungsformen wählen. Ihr seid aber an den jeweiligen Hersteller und seine Produkte gebunden.

Was muss ich beachten, wenn ich eine Heizung miete?

Der Teufel steckt beim Mieten einer Heizung im Detail. Es gibt eine Vielzahl von Punkten, die ihr bei der Vertragsgestaltung beachten solltet. Hier die wichtigsten:

  • Nennleistung der Heizung: Klingt komisch, aber achtet darauf, dass die neue Heizung auch für euer Heim ausgelegt ist. Das tollste Angebot nützt euch nichts, wenn Haus oder Wohnung kalt bleiben, weil die Heizung nicht leistungsfähig genug ist. Lasst die Nennleistung im Contractor-Vertrag festschreiben. Wenn ihr euch nicht sicher seid, wie hoch die Nennleistung eurer Heizung sein muss, fragt einen Fachmann.
  • Leistungsumfang: Vermerkt im Vertrag ganz genau, welche Leistungen die Mietzahlungen umfasst. Wie steht es zum Beispiel mit dem Ausbau der alten Heizung? Ist das inklusive oder müsst ihr das eventuell extra bezahlen?
  • Lieferunterbrechung: Der Anbieter hat Lieferschwierigkeiten oder es kommt auf anderen Wegen zu Störungen? Vereinbart für diese Fälle eine Frist, in der die Störung behoben sein muss und legt bei einer Nichterfüllung der Leistungen eine Entschädigung fest.
  • Vertragslaufzeit: Nach Auskunft der Verbraucherzentrale beträgt die zulässige Vertragslaufzeit maximal zehn Jahre. Üblicherweise wird vertragliche eine automatische Verlängerung um weitere fünf Jahre vereinbart, es sei denn, ihr kündigt den ursprünglichen Vertrag mit einer Frist von neun Monaten vor Vertragsablauf.
  • Vertragsende: Was passiert, wenn der Vertrag abläuft? Wird die Heizung dann ausgebaut? Wenn ja, auf wessen Kosten? Oder hat die Heizung dann einen Restwert, den ihr (ähnlich wie beim Auto-Leasing) dem Vertragspartner bezahlen müsst, damit die Heizung euch gehört? Wie bemisst sich ein eventueller Restwert? Das ist wichtig, damit ihr ungefähr kalkulieren könnt, welche Kosten auf euch nach Ende der Vertragslaufzeit auf euch zukommen.
  • Preise und Preisänderungen: Klar, der reine Mietpreis für die Heizung ist vertraglich festgelegt. Aber wie steht es mit den (zusätzlichen) Verbrauchskosten? Es gibt Vertragsmodelle, bei denen sind auch die Verbrauchskosten über die gesamte Laufzeit in einer Flatrate geregelt. Andere Regelungen sehe eine konkrete Abrechnung des Verbrauches vor. Da wird es oft kompliziert, wenn es um die Vertragsgestaltung geht, genauer gesagt: Wenn zum Beispiel der Gaspreis sich erhöht oder auch verringert – wie gibt das Unternehmen diese Veränderungen an den Heizungsmieter weiter? Oft gibt es dafür so genannte Preisanpassungsklauseln im Vertrag. Die hält die Verbraucherzentrale für unzulässig. Im Zweifelsfall solltet ihr dagegen Widerspruch einlegen – was allerdings im ungünstigsten Fall einen langen Rechtsstreit nach sich ziehen kann.
  • Miete für den Aufstellraum: Die gemietete Heizung steht ja naturgemäß in euren Räumlichkeiten. Da macht der Vertragspartner (Contractor) manchmal konkrete technische Vorgaben. Andererseits habt ihr auch die Möglichkeit, Miete für den Raum zu berechnen. Die könnt ihr bei den Mietzahlungen für die Heizung gegenrechnen.
  • Problemfall Hausverkauf: Ihr wollt euer Haus während der Leasing-Laufzeit der Heizung verkaufen? Dann habt ihr zwei Optionen. Entweder, ihr gebt den Vertrag an den Käufer weiter. Das verlangen viele Anbieter. Was aber, wenn der Käufer das partout nicht will? Für solche Fälle solltet ihr euch das Recht einräumen lassen, durch eine Entschädigungszahlung aus dem Vertrag rauszukommen.

Eine umfassende Übersicht der wichtigsten Vertragspunkte findet ihr auch bei der Verbraucherzentrale.

Wem gehört die gemietete Heizung?

Der Contractor stellt euch eine neue Heizung zur Verfügung, die ihr mietet – da dürften die Besitzverhältnisse eigentlich klar sein. Allerdings wird die Heizung mit dem Einbau ein so genannter "wesentlicher Bestandteil des Grundstückes". Damit gehört die Heizung rechtlich gesehen zum Eigentum des Hauseigentümers.

Das möchte ein Contractor natürlich verhindern und lässt sich – wenn möglich – im Grundbuch eine so genannte "Grunddienstbarkeit" eintragen. Die sichert ihm das Eigentumsrecht an der Heizung. Ein solcher Eintrag verursacht aber nicht nur Kosten, sie könnte auch bei einem Hausverkauf zu Problemen führen. Vermeidet also nach Möglichkeit die Bestellung dieser Grunddienstbarkeit, zumal sie auch nicht zu den notwendigen Bestandteilen des Contractor-Vertrages zählt.

Zwei Männer transportieren einen Heizkessel auf einer Sackkarre
Wer sich eine Heizung mietet, spart sich anfangs die Investitionskosten für die neue Heizanlage. © IWO

Welche Kosten entstehen bei der Mietheizung?

Was euch das Leasing einer Heizung kostet, das hängt von mehreren Faktoren ab. Das wären zum Beispiel:

  • die Dauer des Leasing-Vertrages
  • die Grundgebühr des Vertragspartners (Contractors), die Installation, Wartung und Reparatur umfasst
  • die Grundgebühr und der Arbeitspreis für den Energieträger (Gas, Öl etc.)
  • Flatrate oder verbrauchsabhängiger Vertrag

Grundsätzlich gilt: Ein Wärme-Contract ist eine Dienstleistung, und die lässt sich der Anbieter natürlich bezahlen. Dazu eine kleine Beispielrechnung. Kostet euch die reine Heizungsmiete (also ohne die Verbrauchskosten) 100 Euro im Jahr, dann zahlt ihr bei einer Laufzeit von 10 Jahren insgesamt 12.000 Euro – nur an Leasing-Gebühren. Demgegenüber stehen die ursprünglichen Investitionskosten von – je nach Heizungsart – rund 6.000 bis 10.000 Euro.

Nehmen wir mal Investitionskosten von 7.000 Euro an und stellen dem die Leasing-Zahlungen von 12.000 Euro gegenüber, dann entspricht das einem Zinssatz von fast 5,5 Prozent. Auf dem freien Markt ist Geld für eine Modernisierung zu deutlich günstigeren Konditionen zu haben.

Kurzfristig spart ihr die anfangs hohen Investitionskosten für eine Heizungsanlage. Mittelfristig gesehen zahlt ihr aber für den Komfort, euch um nichts kümmern zu müssen, einen recht hohen Preis. Nehmt ihr dann noch die diversen Fördermöglichkeiten für eine neue Heizungsanlage in Anspruch, wird die Diskrepanz zwischen Kosten und Nutzen gegebenenfalls noch größer. Wie euch der Staat beim Heizungskauf unter die Arme greift, das lest ihr in folgendem Ratgeber:

3 Vorteile beim Mieten einer Heizung

Heizung mieten statt kaufen – das Modell hat durchaus seine Vorteile:

  1. Keine Anfangsinvestition: Bei der Mietheizung bekommt ihr eine nagelneue Heizungsanlage bei null Anschaffungskosten. Allerdings müsst ihr euch bewusst sein, dass sich der Anbieter diese Investition über die monatlichen Beiträge zurückholt.
  2. Komfortabel: Die neue Heizung wird regelmäßig gewartet, eventuelle Störungen schnellstmöglich behoben. Ihr müsst euch in Sachen Service also um nichts weiter kümmern.
  3. Planbare Kosten: Unvorhergesehene Ausgaben für Defekte oder ähnliches fallen weg. Die monatliche Pauschale deckt solche Fälle quasi wie eine Versicherung ab.

3 Nachteile beim Mieten einer Heizung

Beim Leasing einer Heizung müsst ihr euch aber auch über folgende Nachteile im Klaren sein:

  1. Kein Anbieterwechsel möglich: Für die Dauer der Mietzeit (und das sind in der Regel mindestens zehn Jahre) seid ihr an den Anbieter gebunden. Ein Wechsel zu einem anderen Energieversorger mit vielleicht deutlich besseren Preisen ist nicht möglich.
  2. Mittelfristig hohe Kosten: Die hohen Anschaffungskosten für die Heizung fallen zwar weg. Mittel- und langfristig gesehen zahlt ihr bei dem Mietmodell aber drauf.
  3. Unklare Situation bei Laufzeitende: Was passiert mit der Heizung, wenn der Vertrag ausläuft? Gehört sie dann euch? Müsst ihr eine Restzahlung leisten? Wie sieht es aus, wenn die Anlage nach 15 Jahre technisch veraltet ist, wer baut sie dann aus und zahlt dafür die Kosten?

Fazit: Für wen lohnt es sich, eine Heizung zu mieten?

Keine Lust, sich um Wartung und eventuelle Reparaturen zu kümmern? Gleichzeitig wollt ihr aber die neueste Heizungstechnik installieren? Wer auf das Rundum-Sorglos-Paket steht und dafür auch gern bezahlt, für den kann das Mieten einer Heizung durchaus interessant sein.

Für Otto Normalheizer kommt es dagegen wohl eher nicht in Frage. Die Kosten sind über die Laufzeit gesehen in aller Regel zu hoch, die vertraglichen Regelungen kompliziert. Wenn ihr mit dem Gedanken spielt, eure Heizung zu tauschen, dann befragt dazu den Klempner eures Vertrauens oder einen Energieberater. Der macht nämlich völlig neutral eine Bestandsaufnahme und gibt dann speziell auf eure Wohnsituation zugeschnittene Empfehlungen.

Was ein Energieberater sonst noch leistet und wofür ihr ihn konkret in Anspruch nehmen könnt, haben wir folgend für euch zusammengetragen:

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