Heizungsthermostat und Heizungsventil liegen auf einer Grundrisszeichnung
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Modernisieren | Ratgeber

Hydraulischer Abgleich: Das bringt die Optimierung der Heizung

Dirc Kalweit

Ein hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass die Heizung die Wärme im ganzen Haus optimal verteilt. Eine Maßnahme, die oft Kosten spart. Allerdings ist der hydraulische Abgleich ziemlich aufwändig und sollte nur von Fachleuten durchgeführt werden.

Beim hydraulischen Abgleich werden die einzelnen Komponenten einer Heizungsanlage optimal aufeinander abgestimmt. Wie das funktioniert, was ihr dafür ausgeben müsst und vor allem was es für euch an Kostenersparnis bringt, lest ihr hier.

Was ist ein hydraulischer Abgleich?

Ihr kennt das vielleicht: Die Heizung im Erdgeschoss bullert auf höchster Stufe, im ersten Stock dagegen wird der Heizkörper gerade mal so lauwarm. Schuld daran ist eine ungleiche Verteilung des Drucks auf die Leitungen des Rohrnetzes der Heizung. Im Idealfall funktioniert die Heizung so, dass der Kessel das Wasser erwärmt. Die Heizungspumpe transportiert das Wasser durch die Rohre in die Heizkörper. Dort wird die Wärme in den Raum abgegeben, das kalte Wasser fließt zurück in den Heizkessel.

Durch unterschiedlich dicke und lange Rohre kommt es zu Störungen und dem beschriebenen Effekt: Heizkörper, die weiter weg vom Kessel platziert sind, werden nur schwer oder gar nicht warm.

Bei einem hydraulischen Abgleich geht der Fachmann dieser ungleichmäßigen Wärmeverteilung auf den Grund und bringt das ganze System wieder in den Idealzustand.

Was passiert beim hydraulischen Abgleich?

Damit alle Heizkörper im Haus wieder die gleiche Wärme in den Raum abgeben, kommen beim hydraulischen Abgleich alle Komponenten der Heizungsanlage unter die Lupe. Neben dem Heizkessel, den Rohrleitungen und der Heizungspumpe sind das auch die Thermostate. Die müssen nämlich voreinstellbare Thermostatventile haben, sonst ist kein hydraulischer Abgleich möglich. Über diese Ventile lässt sich die Durchflussmenge des Wassers im Heizkörper sehr genau regeln.

Ob euer Thermostat über solche Ventile verfügt, könnt ihr leider nicht so ohne weiteres erkennen. Dafür müsst ihr den (Kunststoff-)Kopf des Thermostats entfernen. Darunter liegt das eigentlich Ventil. Hat es eine nummerierte Skala oder Rasten, dann handelt es sich um ein voreinstellbares Thermostatventil.

Voreinstellbares Thermostatventil von Danfoss
Voreinstellbares Thermostatventil (hier von Danfoss). Es gehört mit zu den Komponenten eines hydraulischen Abgleichs. © Danfoss

Wie wird der hydraulische Abgleich durchgeführt?

Das ist aber wie gesagt nur eine von mehreren Maßnahmen beim hydraulischen Abgleich. In der Regel erfolgt dieser in fünf Schritten:

  1. Aufnahme des Ist-Zustandes. Wie ist der Zustand des Gebäudes, welche Heizkörper gibt es in welchen Räumen, wie groß sind diese? Der Gebäudezustand und die Heizkörper werden raumweise aufgenommen.
  2. Aus diesen Daten ergibt sich die Heizlast für jeden Raum. Heißt konkret: Wie viel Wärmezufuhr ist nötig, um eine bestimmte Raumtemperatur konstant zu halten. In diese Berechnungen fließen unter anderem noch die Dämmung, Fenster, euer Lüftungsverhalten und andere Faktoren ein.
  3. Die Größe und Anzahl der Heizkörper wird jetzt in Relation zu den Räumen gesetzt. Dadurch wird die optimale Vorlauf- und Rücklauftemperatur für das Heizsystem und die entsprechend benötigte Menge an Warmwasser für jeden Heizkörper bestimmt.
  4. Jetzt geht es an das Rohrnetz. Wie hoch sind die Strömungswiderstände? Daraus errechnet sich die optimale Leistung der Heizungspumpe.
  5. Mit Hilfe aller ermittelten Werte werden der Heizkessel sowie die Thermostatventile eingestellt.

Im großen und ganzen geht es also um die Ermittlung von diversen Werten, um auf dieser Basis die Einstellung der Heizung zu optimieren. Für die Erhebung dieser Werte gibt es verschiedenste Methoden. Das reicht von Schätzwerten über Apps bis hin zu Software-Lösungen. Sogar computergesteuerte Abgleiche gib es.

Welche Methode sinnvoll ist und welche nicht, das kommt auf die einzelnen Umstände an. Wichtig ist aber, dass ihr euch vorher danach erkundigt. Denn manche Methoden sind zwingend vorgeschrieben, wenn ihr für den hydraulischen Abgleich Fördermittel beantragen wollt.

Gedämmte Heizungsrohre
Auch der Durchfluss der Heizungsrohre wird bei einem hydraulischen Abgleich geprüft. © Getty Images/iStockphoto

Wer kann einen hydraulischen Abgleich vornehmen?

Ihr seht schon an den einzelnen Schritten und Kennwerten: Ein hydraulischer Abgleich ist nichts für Laien. In der Regel sollte ein Heizungsmonteur den hydraulischen Abgleich durchführen. Für die Ermittlung der einzelnen Werte könnt ihr auch einen Energieberater oder euren Schornsteinfeger zu Rate ziehen.

Auf jeden Fall solltet ich euch vorher nach der entsprechenden Qualifikation erkundigen und euch alle Messergebnisse und daraus abgeleiteten Maßnahmen genau dokumentieren lassen.

Was kostet ein hydraulischer Abgleich?

Was ein hydraulischer Abgleich kostet, lässt sich nur über den Daumen sagen. Normalerweise bedeutet so eine Maßnahme einen halben bis ganzen Tag an Arbeit. Je nachdem wie hoch die Arbeitskosten des Heizungsmonteurs sind, sind auch die Kosten des Abgleichs. Wichtig ist auch die Anzahl der Heizkörper, da ja für jeden einzelnen die optimale Leistung errechnet wird. Grob geschätzt müsst ihr für ein Einfamilienhaus für den hydraulischen Abgleich mit Kosten von mindestens 500 Euro rechnen, realistisch sind eher 1.000 Euro.

Was bringt ein hydraulischer Abgleich an Kostenersparnis?

Das Portal CO2online beziffert die Kostenersparnis eines hydraulischen Abgleichs mit rund 75 Euro pro Jahr. Ein gleichzeitiger Austausch der Heizungspumpe erhöht die Ersparnis noch einmal auf rund 180 Euro. Daraus ergibt sich dann folgende Aufstellung:

Beispielrechnung

Kosten und Amortisation des hydraulischen Abgleichs bei einem Einfamilienhaus, Baujahr 1983, mit 110 Quadratmetern Wohnfläche. Inklusive Einbau von voreinstellbaren Thermostatventilen sowie dem Austausch der Heizungspumpe:

  • Brutto-Kosten für den hydraulischen Abgleich, neue Thermostatventile und neue Heizungspumpe
  • 1.325 Euro
  • Zuschuss vom Staat (30% auf Netto-Kosten)
  • 335 Euro
  • Investitionskosten
  • 990 Euro
  • Einsparung Heiz- und Stromkosten pro Jahr
  • 180 Euro (75 Euro durch den hydraulischen Abgleich, 105 Euro durch den Austausch der Heizungspumpe)
  • Amortisation nach
  • 5 Jahren

Beispielrechnung: Kosten und Amortisation des hydraulischen Abgleichs bei einem Einfamilienhaus. Angenommen wird ein Durchschnittspreis von 7,3 Cent/kWh für die Heizenergie und 29,5 Cent/kWh für den Strom. Quelle: www.co2online.de

Andere Quellen sprechen von einer Ersparnis der Heizkosten von zehn bis 15 Prozent. Was ihr wirklich an Geld spart, hängt natürlich auch von eurem Heizverhalten und dem Zustand des Gebäudes ab. Sicher ist, dass durch den hydraulischen Abgleich weniger Energie gebraucht wird, um die Räume zu erwärmen.

Wann sich die Investition in den hydraulischen Abgleich für euch im Einzelfall amortisiert, solltet ihr vorher mit einem Energieberater besprechen. Der kann euch anhand eurer ganz persönlichen Daten eine ziemlich gute Aufstellung machen und eine entsprechende Vorhersage treffen.

Füße in Socken an einen Heizkörper gelehnt
Warme Füße überall. Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, das alle Heizkörper gleich warm werden. © Getty Images/iStockphoto

Gibt es Fördermittel für den hydraulischen Abgleich?

Fördermittel für den hydraulischen Abgleich gibt es von verschiedenen Stellen:

Förderung durch das BAFA

Der hydraulische Abgleich als Einzelmaßnahme wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen des Programms zur Heizungsoptimierung gefördert. Der Staat übernimmt hier 30 Prozent der Nettokosten. Ihr müsst euch hier vorher bei der BAFA registrieren. Der Heizungsmonteur muss dann innerhalb von sechs Monaten den hydraulischen Abgleich durchführen. Ist er damit fertig, erhaltet ihr darüber eine separate Rechnung. Diese reicht ihr (elektronisch) beim BAFA zusammen mit dem eigentlichen Antrag (der erfolgt nämlich erst jetzt) ein. Das BAFA prüft alle Angaben und zahlt euch danach die Fördersumme aus. Ihr tretet hier finanziell also erst einmal in Vorleistung.

Förderung durch die KfW

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vergibt keine Fördermittel für den hydraulischen Abgleich als Einzelmaßnahme. Es gibt aber sowohl Zuschüsse als auch verbilligte Kredite, wenn der hydraulische Abgleich im Zuge einer Sanierung des Energiesystems durchgeführt wird – sprich: Wenn ihr eure Heizung erneuert oder komplett austauscht. In diesem Fall kommt ihr höchstwahrscheinlich sowieso mit den verschiedenen Förderprogrammen in Berührung. Die sind von verschiedensten Bedingungen abhängig, wir empfehlen euch hier dringend, den Rat eines Energieberaters einzuholen.

Regionale Fördermittel

Auch einzelne Städte und Gemeinden und sogar Stadtwerke fördern energiesparende Maßnahmen wie den hydraulischen Abgleich. Ihr findet eine Übersicht aller Fördermittel auf dem Portal co2online.de.

Fazit: Für wen lohnt sich ein hydraulischer Abgleich?

Die Heizung pfeift und gluckert und wird nicht richtig warm? Wenn selbst das Entlüften nicht mehr hilft, dann solltet ihr über einen hydraulischen Abgleich nachdenken. Billig ist das nicht, und wie schnell ihr diese Investition wieder über die gesparten Heizkosten drin habt, das hängt von vielen Faktoren ab. Wenn ihr aber sowieso über die Erneuerung der Heizung oder auch nur der Heizungspumpe nachdenkt, dann solltet ihr den hydraulischen Abgleich auch auf dem Zettel haben. Sprecht im Zweifel mit einem Energieberater, der kann euch einen auf euren individuellen Fall zugeschnittenen Rat geben.

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