Satteldach mit Solaranlage
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Modernisieren | Ratgeber

Lohnt sich ein Energieberater?

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Was leistet und kostet ein guter, unabhängiger Energieberater? Und wie finde ich einen solchen Fachmann? Wir klären diese Fragen und geben euch dazu Tipps, wie ihr den Energieberater zum Teil auch über Fördergelder finanzieren könnt.

Energieberater sind der erste Ansprechpartner, wenn es um die erfolgreiche energetische Sanierung geht. Seit Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) sind sie noch wichtiger geworden. Denn das Gesetzt schreibt in Teilen die Einbindung eines Energieberaters zwingend vor.

Was ein Energieberater genau macht, wie er euch bei Sanierung und Modernisierung unterstützt, was er kostet und wie ihr diese Kosten durch Fördermittel teilweise erstattet bekommt, das klären wir alles in diesem Artikel.

Eine gute Energieberatung ist entscheidend für die Energieeinsparung

Immer wieder werden Verbraucher mit Werbeaussagen konfrontiert, wonach sich energetische Sanierungen und energiesparende Technik trotz der erheblichen Investition lohnen, weil sich die Heizkosten erheblich reduzieren und sie steigenden Energiepreisen gelassen entgegen sehen können.

Tatsache ist jedoch, dass Gebäudesanierungen zur Verbesserung des Energieverbrauchs nach einer Umfrage des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes weniger effektiv ausfallen als das möglich wäre: Ganz gleich, ob neue Fenster eingebaut wurden, die Wärmedämmung verbessert, neue Heizungsanlagen eingebaut, eine Solaranlage installiert wurde – die erwünschte Energieeinsparung wird in vielen Fällen nicht erreicht. Bei einem Viertel der Befragten stellten sich die gewünschten Ersparnisse gar nicht ein. Bei einem weiteren Viertel fallen sie so klein aus, dass sich die Investitionen frühestens in 25 Jahren rechnen werden.

In folgendem Ratgeber könnt ihr euch vorab schon einmal einen guten Überblick verschaffen, was es bei einer effektiven energetischen Sanierung eures Zuhauses alles zu beachten gibt:

Effektive Energieeinsparung nur mit Energieberater

Der Grund liegt darin, dass sich nur wenige Hausbesitzer vor der Sanierung von einem unabhängigen Energieberater beraten lassen. Dass eine gute Beratung der Schlüssel zum Erfolg energetischer Sanierungsmaßnahmen ist, zeigt unter anderem folgendes Ergebnis der Umfrage: Bei Hausbesitzern, die auf eine Beratung verzichtet hatten, lag die Energieeinsparung im Durchschnitt bei 16 Prozent.

Wer dagegen die Beratung eines unabhängigen Energieberaters in Anspruch genommen hatte, erreichte eine Einsparung von durchschnittlich 27 Prozent. Allerdings kamen nur drei Prozent aller Sanierer auf eine Energieeinsparung von 50 Prozent.

Viele Eigentümer verlassen sich auf den Rat ihrer Heizungsfirma, ihres Maurers, Malers, Fensterbauers oder vertrauen guten Freunden und Kollegen. Allerdings haben die wenigsten davon ein umfassendes Konzept. Sie sehen nur ihr eigenes Gewerk und nicht das Haus als Ganzes. Zudem sind viele ortsansässige Handwerker auf ein bestimmtes Produkt oder einen bestimmten Hersteller eingeschworen.

So findet ihr einen unabhängigen Energieberater

Deshalb ist es ganz wichtig, eine neutrale, umfassende Beratung über sämtliche auf dem Markt befindliche Produkte und innovative Lösungen zu bekommen. Längst nicht alle "Energieberater im Handwerk" sind vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder der KfW-Bank zertifiziert oder sind in der "Dena-Liste" der Deutschen Energiespar-Agentur aufgeführt.

Leider ist die Bezeichnung "Energieberater" nicht geschützt und auch nicht an spezielle Qualifikationen gebunden. Theoretisch kann sich jede/r "Energieberater*in" nennen. Das hat zur Folge, dass eine große Zahl von Scharlatanen Hausbesitzern Qualifikationen vorgaukelt, die nicht vorhanden sind. Sie erstellen Sanierungsprogramme, die wertlos sind und kassieren dafür große Honorare, die durch nichts gerechtfertigt sind.

Neutrale und unabhängige Energieberater haben in der Regel ein technisches Studium absolviert, oftmals sind es aber auch Handwerksmeister, Techniker oder Schornsteinfeger mit einer entsprechenden Zusatzqualifikation. Genauso wichtig wie die Ausbildung ist die in der Praxis erworbene Erfahrung, wie das komplexe System "Haus" funktioniert.

Allerdings verrät auch die Experten-Listen nicht, ob der Energieberater zum Beispiel Architekt ist und sich daher besonders für Planungsaufgaben eignet. Oder ob es sich um einen Heizungsfachmann handelt, der auf Haustechnik spezialisiert ist. Aus diesem Grund solltet ihr mit dem in Aussicht genommenen Energieberater ein unverbindliches Vorgespräch führen. Fragt ihn nach seiner Qualifizierung, nach Referenzen und Arbeitsschwerpunkten, bevor ihr ihn mit der Untersuchung eures Hauses beauftragt.

Erfahrene Experten mit der Hilfe von Wohnglück finden

Unser Tipp: An dieser Stelle möchten wir auf die Experten-Services von Wohnglück hinweisen. Erfahrene Fachleute, darunter Architekten, Ingenieure und Bausachverständige, beraten euch bei eurem individuellen Sanierungs- oder Modernisierungsvorhaben – jetzt ausprobieren und Modernisierungsberatung anfragen.

Was macht ein Energieberater genau?

Nachdem der zertifizierte Energieberater euer Haus genau untersucht hat, bekommt ihr einen Bericht. Darin wird der "Ist-Zustand" des kompletten Hauses ausführlich analysiert. Der Energieberater schlägt mehrere Varianten für eine Modernisierung und Verbesserung vor und rechnet Kosten und die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Varianten durch. Zusätzlich gibt er euch Auskunft darüber, welche Fördermittel ihr erhalten könnt. Diese Beratung ist absolut unverbindlich. Sie verpflichtet euch zu nichts und lässt euch jeden Spielraum. Ihr könnt freiwillig entscheiden, ob und welche Maßnahmen ihr durchführen möchtet.

Was viele Bauherren nicht wissen: Der Energieberater kann nicht nur Maßnahmen empfehlen, er kann – die entsprechende Qualifikation vorausgesetzt – zusätzlich die fachgerechte Ausführung der Modernisierungsmaßnahmen überwachen. Auf diese Weise können Fehler, die immer wieder auftreten, noch während der Bauphase behoben werden.

Was kostet ein Energieberater?

Wie bei anderen Dienstleistungen auch hängen die Kosten für einen Energieberater ganz vom Umfang der Leistung ab. Konzentriert ihr euch mit dem Experten nur auf das Themas Heizungstausch, dann ist das natürlich billiger als eine umfassende, energetische Bestandsaufnahme des gesamten Gebäudes.

Über den Daumen kostet euch eine Energieberatung:

  • rund 600 Euro bei einem Einfamilienhaus mit rund 150 Quadratmetern Wohnfläche
  • rund 750 Euro bei einem Mehrfamilienhaus mit mindestens drei Parteien

Die genauen Kosten hängen vom Stundensatz des Energieberaters ab – und die können durchaus unterschiedlich sein. Besprecht daher mit dem Energieberater vorher, um was es euch konkret und lasst euch einen Kostenvoranschlag geben. Und natürlich kosten spezielle Dienstleistungen, wie zum Beispiel eine umfassende Thermografie-Aufnahme, zusätzlich Geld.

Fördermittel für die Energieberatung

Die gute Nachricht: Für eine Energieberatung gibt es Fördermittel. Ihr müsst die Kosten nicht alleine tragen. Die Fördermittel könnt ihr über zwei unterschiedliche Quellen erhalten:

  1. BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle)
  2. KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau)

Fördermittel für Energieberatung über das BAFA

Wenn euer Gebäude in Deutschland steht, der Bauantrag dafür bis zum 31. Januar 2002 gestellt wurde und das Gebäude überwiegend dem Wohnen dient, dann erhaltet ihr auf Antrag vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Fördermittel für die Energieberatung.

Seit dem 01.02.2020 bekommt ihr als Fördermittel vom BAFA einen Zuschuss in Höhe von 80 Prozent (bisher: 50 Prozent) des zuwendungsfähigen Beratungshonorars für folgende Gebäudetypen:

  • Ein- und Zweifamilienhäusern: maximal 1.300 Euro (bisher: 800 Euro)
  • Wohnhäusern mit mindestens drei Wohneinheiten: maximal 1.700 Euro (bisher: 1.100 Euro)

Alle Zuschüsse beantragt der zertifizierte Berater. Sie werden an ihn gezahlt. Er gibt die Zuschüsse an euch weiter. Auf der Abrechnung der Beratungskosten muss er den Zuschuss für den Auftraggeber sichtbar und nachprüfbar aufführen.

Fördermittel für Energieberatung über die KfW

Auch die KfW fördert die Energieberatung, allerdings in einem etwas größeren Umfang. Gefördert wird nämlich nicht nur die Beratung, sondern "die Fachplanung und qualifizierte Baubegleitung durch einen externen, unabhängigen Experten für Energieeffizienz", wie es auf der Webseite der KfW heißt. Deshalb nennt sich dieses Förderprogramm auch "Zuschuss Baubegleitung" (Programm 431).

Diesen Zuschuss gibt es nur in Kombination mit anderen Förderprogrammen der KfW. Er ist ist an folgende Bedingungen geknüpft:

  • Die Fördermittel gibt es für alle, die Wohnraum energetisch sanieren oder neu bauen.
  • Die Fördermittel könnt ihr nur in Kombination mit den Programmen 151/152, 430 oder 153 (Kombinationsprodukte) nutzen.

Wenn ihr diese Bedingungen erfüllte, übernimmt die KfW 50 % der Kosten, maximal 4.000 Euro Zuschuss pro Vorhaben.

Energieberatung über die Verbraucherzentralen

Auch über die Verbraucherzentralen könnt ihr einen energetischen Gebäudecheck vornehmen lassen – und das zu sehr günstigen Konditionen! Eine Beratung vor Ort in einer der Beratungsstellen ist kostenlos (die so genannte Basisberatung).

Sinnvoller ist aber natürlich ein Termin bei euch zu Hause. Das wird auch angeboten. Bei einem rund zweistündigen Termin geht es um einen Überblick über euren Strom- und Wärmeverbrauch, die Geräteausstattung, die Heizungsanlage und die Gebäudehülle sowie die daraus resultierenden Sparpotentiale. Das kostet euch – weil es vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird – nur 30 Euro.

Nach dem Termin bekommt ihr dann innerhalb von vier Wochen per Post einen standardisierten Kurzbericht mit den Ergebnissen des Checks sowie Handlungsempfehlungen. Aber Achtung: Es ist wie gesagt nur ein Kurzbericht, kein Gutachten!

Gebäudeenergiegesetz: Das ändert sich in Sachen Energieberatung

Seit dem 1. November gilt des Gebäudeenergiegesetz, kurz GEG. Das schreibt unter anderem ein verbindliches, aber kostenfreies Beratungsgespräch durch einen Energieberater vor, und war in folgenden Fällen:

Im Falle des Verkaufs eines Wohngebäudes mit nicht mehr als zwei Wohnungen. Im Gesetzestext heißt es dazu: Dann "... hat der Käufer nach Übergabe des Energieausweises ein informatorisches Beratungsgespräch zum Energieausweis mit einer nach § 88 zur Ausstellung von Energieausweisen berechtigten Person zu führen, wenn ein solches Beratungsgespräch als einzelne Leistung unentgeltlich angeboten wird."

Bei bestimmten Sanierungen von Ein- und Zweifamilienhäusern. Auch wenn “für das gesamte Gebäude Berechnungen” erstellt werden, ist das Beratungsgespräch obligatorisch. Experten bemängeln, dass diese Regelung relativ sinnlos ist. In den allermeisten Fällen wird bei umfangreichen Sanierungen sowieso ein Energieberater eingeschaltet.

Fazit: Für wen lohnt es sich, einen Energieberater einzuschalten?

Ob ihr nun die Geschossdecke dämmen, die Heizung erneuern oder gleich komplett energetisch sanieren wollt: In jedem Fall lohnt es sich, einen Energieberater mit ins Boot zu holen. Denn ein Energieberater kann ganz speziell auf eure Wohnsituation eingehen und weiß um die Wechselwirkung verschiedener Maßnahmen.

Zum anderen kennt er sich im Förderdschungel aus und hilft euch bei der Beantragung der Gelder. Das spart in vielen Fällen richtig viel Kosten – und das dürfte für viele einer der wichtigsten Punkte bei der Sanierung und Modernisierung sein.

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