Thermografische Aufnahme eines Einfamilienhauses.
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Modernisieren | Ratgeber

Wann brauche ich einen Energieberater?

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Was leistet und kostet ein guter, unabhängiger Energieberater? Und wie finde ich einen solchen Fachmann? Wir klären diese Fragen und geben euch dazu Tipps, wie ihr den Energieberater zum Teil auch über Fördergelder finanzieren könnt.

Energieberater sind der erste Ansprechpartner, wenn es um die erfolgreiche energetische Sanierung geht. Seit Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) sind sie noch wichtiger geworden. Denn das Gesetzt schreibt in Teilen die Einbindung eines Energieberaters zwingend vor.

Und: Auch wenn ihr die Bundesförderung für effiziente Gebäude für den Bau oder die Sanierung eines Hauses erhalten wollt, müsst ihr in den meisten Fällen einen Energieberater (oder wie er jetzt heißt: Energieeffizienz-Experte) einschalten.

Was ein Energieberater genau macht, wie er euch bei Sanierung und Modernisierung unterstützt, was er kostet und wie ihr diese Kosten durch Fördermittel teilweise erstattet bekommt, das klären wir alles in diesem Artikel.

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Effektive Energieeinsparung nur mit Energieberater

Nach einer Umfrage des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes fallen viele Maßnahmen zur Energieeinsparung bei Häusern und Wohnungen weit weniger effektiv aus, als das möglich wäre. Ganz gleich, ob neue Fenster, eine verbesserte Wärmedämmung, eine neue Heizungsanlage oder eine Solaranlage installiert wurde – die erwünschte Energieeinsparung wird in vielen Fällen nicht erreicht.

Der Grund liegt darin, dass sich nur wenige Hausbesitzer vor der Sanierung von einem unabhängigen Energieberater beraten lassen. Dass eine gute Beratung der Schlüssel zum Erfolg energetischer Sanierungsmaßnahmen ist, zeigt unter anderem folgendes Ergebnis der Umfrage: Bei Hausbesitzern, die auf eine Beratung verzichtet hatten, lag die Energieeinsparung im Durchschnitt bei 16 Prozent. Wer dagegen die Beratung eines unabhängigen Energieberaters in Anspruch genommen hatte, erreichte eine Einsparung von durchschnittlich 27 Prozent.

Sanierungsfahrplan für die energetische Sanierung

Viele Eigentümer verlassen sich bei ihren Sanierungsplänen auf den Rat ihrer Heizungsfirma, ihres Maurers, Malers oder Fensterbauers. Oder sie vertrauen guten Freunden und Kollegen. Allerdings haben die wenigsten davon ein umfassendes Konzept geschweige denn einen Sanierungsfahrplan. Sie sehen nur ihr eigenes Gewerk und nicht das Haus als Ganzes. Zudem sind viele ortsansässige Handwerker auf ein bestimmtes Produkt oder einen bestimmten Hersteller eingeschworen.

Bei einer soliden energetischen Sanierung ist es in den wenigsten Fällen mit einer einzelnen Maßnahme getan. Wenn ihr also ernsthaft mit dem Gedanken einer umfassenden Sanierung spielt, dann solltet ihr euch vorab schon einmal einen guten Überblick verschaffen, was es bei einer effektiven energetischen Sanierung eures Zuhauses alles zu beachten gibt. Und schaut euch auch an, welche Fehler ihr bei der energetischen Sanierung vermeiden sollet.

So findet ihr einen unabhängigen Energieberater

Eine neutrale, umfassende Beratung über sämtliche auf dem Markt befindliche Produkte und innovative Lösungen zu bekommen – dafür braucht es einen Fachmann, eben einen Energieeffizienz-Experten. Doch leider ist die Bezeichnung "Energieberater" nicht geschützt und auch nicht an spezielle Qualifikationen gebunden.

Theoretisch kann sich jede/r "Energieberater*in" nennen. Das hat zur Folge, dass eine große Zahl von Scharlatanen den Hausbesitzern angebliche Qualifikationen vorgaukelt, die nicht vorhanden sind. Sie erstellen Sanierungsprogramme, die wertlos sind und kassieren dafür große Honorare, die durch nichts gerechtfertigt sind.

Neutrale und unabhängige Energieberater haben in der Regel ein technisches Studium absolviert, oftmals sind es aber auch Handwerksmeister, Techniker oder Schornsteinfeger mit einer entsprechenden Zusatzqualifikation. Genauso wichtig wie die Ausbildung ist die in der Praxis erworbene Erfahrung, wie das komplexe System "Haus" funktioniert.

Liste der Energieeffizienz-Experten der dena

Wo aber diese Experten finden? Eine Möglichkeit ist die von der Deutschen Energiespar-Agentur (dena) geführte Energieeffizienz-Expertenliste (EEE-Liste). Um zum Beispiel im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (kurz BEG, mehr dazu unten) tätig zu werden, müssen Expertinnen und Experten in dieser Liste eingetragen sein.

Allerdings verrät auch die Experten-Listen nicht, ob der Energieberater zum Beispiel Architekt ist und sich daher besonders für Planungsaufgaben eignet. Oder ob es sich um einen Heizungsfachmann handelt, der auf Haustechnik spezialisiert ist.

Aus diesem Grund solltet ihr mit dem in Aussicht genommenen Energieberater ein unverbindliches Vorgespräch führen. Fragt ihn nach seiner Qualifizierung, nach Referenzen und Arbeitsschwerpunkten, bevor ihr ihn mit der Untersuchung eures Hauses beauftragt.

Erfahrene Experten mit der Hilfe von Wohnglück finden

Unser Tipp: An dieser Stelle möchten wir auf die Experten-Services von Wohnglück hinweisen. Erfahrene Fachleute, darunter Architekten, Ingenieure und Bausachverständige, beraten euch bei eurem individuellen Sanierungs- oder Modernisierungsvorhaben – jetzt ausprobieren und Modernisierungsberatung anfragen.

Was macht ein Energieberater genau?

Nachdem der zertifizierte Energieberater euer Haus genau untersucht hat, bekommt ihr einen Bericht. Darin wird der "Ist-Zustand" des kompletten Hauses ausführlich analysiert. Der Energieberater schlägt mehrere Varianten für eine Modernisierung und Verbesserung vor und rechnet Kosten und die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Varianten durch.

Zusätzlich gibt er euch Auskunft darüber, welche Fördermittel ihr erhalten könnt. Diese Beratung ist absolut unverbindlich. Sie verpflichtet euch zu nichts und lässt euch jeden Spielraum. Ihr könnt freiwillig entscheiden, ob und welche Maßnahmen ihr durchführen möchtet.

Was viele Bauherren nicht wissen: Der Energieberater kann nicht nur Maßnahmen empfehlen, er kann – die entsprechende Qualifikation vorausgesetzt – zusätzlich die fachgerechte Ausführung der Modernisierungsmaßnahmen überwachen. Auf diese Weise können Fehler, die immer wieder auftreten, noch während der Bauphase behoben werden.

Was kostet ein Energieberater?

Wie bei anderen Dienstleistungen auch hängen die Kosten für einen Energieberater ganz vom Umfang der Leistung ab. Konzentriert ihr euch mit dem Experten nur auf das Thema Heizungstausch, dann ist das natürlich billiger als eine umfassende, energetische Bestandsaufnahme des gesamten Gebäudes.

Über den Daumen kostet euch eine Energieberatung:

  • mindestens 600 Euro bei einem Einfamilienhaus mit rund 150 Quadratmetern Wohnfläche
  • ungefähr 750 Euro bei einem Mehrfamilienhaus mit mindestens drei Parteien

Die genauen Kosten hängen vom Stundensatz des Energieberaters ab – und der kann durchaus unterschiedlich sein. Besprecht daher mit dem Energieberater vorher, um was es euch konkret geht und lasst euch einen Kostenvoranschlag geben. Und natürlich kosten spezielle Dienstleistungen, wie zum Beispiel eine umfassende Thermografie-Aufnahme, zusätzlich Geld.

Fördermittel für die Energieberatung

Die gute Nachricht: Für eine Energieberatung gibt es Fördermittel. Ihr müsst die Kosten nicht alleine tragen. Die Fördermittel könnt ihr über zwei unterschiedliche Quellen erhalten:

  1. BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle)
  2. KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau)

Fördermittel für Energieberatung über das BAFA seit dem 1.1.2021

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert die energetische Sanierung mit Zuschüssen. Dazu gehört auch der Zuschuss für die Einbindung von Energieberatern beziehungsweise Energieffizenz-Experten.

Anfang 2021 ist der erste Teil der neuen "Bundesförderung für effiziente Gebäude" (BEG) in Kraft getreten. Er betrifft die Förderung von Einzelmaßnahmen zur energetischen Modernisierung. Heißt konkret: Wenn ihr eure Immobilie energetisch saniert und zum Beispiel eine Wärmedämmung plant, dann bekommt ihr für die damit verbundene Energieberatung einen Zuschuss.

  • Die Leistungen des Energieberaters für Fachplanung und Baubegleitung werden mit bis zu 50 Prozent staatlich gefördert, maximal mit 2.500 Euro.
  • Darüber hinaus erhaltet ihr 80 Prozent (maximal 1.300 Euro bei Einfamilienhäusern), wenn ihr einen so genannten individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellen lasst.

Fördermittel für Energieberatung über die KfW bis zum 30.6.2021

Im Gegensatz zur BAFA vergibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) keine direkten Zuschüsse, sondern vergünstigte Kredite. Auch die KfW fördert die Energieberatung, allerdings in einem etwas größeren Umfang. Gefördert wird nämlich nicht nur die Beratung, sondern "die Fachplanung und qualifizierte Baubegleitung durch einen externen, unabhängigen Experten für Energieeffizienz", wie es auf der Webseite der KfW heißt. Deshalb nennt sich dieses Förderprogramm auch "Zuschuss Baubegleitung" (Programm 431).

Diesen Zuschuss gibt es nur in Kombination mit anderen Förderprogrammen der KfW. Er ist ist an folgende Bedingungen geknüpft:

  • Die Fördermittel gibt es für alle, die Wohnraum energetisch sanieren oder neu bauen.
  • Diese Fördermittel könnt ihr nur in Kombination mit den Programmen 151/152, 430 oder 153 (Kombinationsprodukte) nutzen.

Wenn ihr diese Bedingungen erfüllte, übernimmt die KfW 50 Prozent der Kosten, maximal 4.000 Euro Zuschuss pro Vorhaben.

Achtung: Den Zuschuss Baubegleitung (Programm 431) für den Energieberater über die KfW könnt ihr in dieser Form nur noch bis zum 30. Juni 2021 stellen!

Fördermittel für Energieberatung über die KfW ab dem 1.7.2021

Genau wie das BAFA fördert auch die KfW den Energieberater im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude unter neuen Rahmenbedingungen. Ab dem 1. Juli 2021 gilt beim Bau eines Effizienzhauses:

  • Für die Baubegleitung beim Bau eines Ein- und Zwei­familien­häusern als Effizienzhaus fördert die KfW die Kosten von bis zu 10.000 Euro pro Antrag und Kalender­jahr. Von diesem Betrag erhaltet ihr 50 Prozent, also bis zu 5.000 Euro.
  • Bei Mehr­familien­häuser mit drei oder mehr Wohnungen gilt: Gefördert werden die Kosten bis 4.000 Euro pro Wo­hnung, insgesamt maximal 40.000 Euro pro Antrag und Kalender­jahr. Auch davon erhaltet ihr 50 Prozent­, also bis zu 20.000 Euro.
  • Um einen noch besseren energetischen Standard zu erreichen, gibt es die so genannte Nachhaltigkeits-Klasse. Für die Nachhaltigkeits­zertifizierung eines Neubaus fördert die KfW bei Erreichen dieser Klasse die Kosten bis zu den gleichen Höchst­grenzen wie bei der Bau­begleitung, auch hier wieder mit 50 Prozent.

Energieberatung über die Verbraucherzentralen

Auch über die Verbraucherzentralen könnt ihr einen energetischen Gebäudecheck vornehmen lassen – und das zu sehr günstigen Konditionen! Eine Beratung vor Ort in einer der Beratungsstellen ist kostenlos (die so genannte Basisberatung).

Sinnvoller ist aber natürlich ein Termin bei euch zuhause. Das wird auch angeboten. Bei einem rund zweistündigen Termin geht es um einen Überblick über euren Strom- und Wärmeverbrauch, die Geräteausstattung, die Heizungsanlage und die Gebäudehülle sowie die daraus resultierenden Sparpotentiale. Das kostet euch – weil es vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird – nur 30 Euro.

Nach dem Termin bekommt ihr dann innerhalb von vier Wochen per Post einen standardisierten Kurzbericht mit den Ergebnissen des Checks sowie Handlungsempfehlungen. Aber Achtung: Es ist wie gesagt nur ein Kurzbericht, kein Gutachten!

Gebäudeenergiegesetz: Das ändert sich in Sachen Energieberatung

Seit dem 1. November gilt des Gebäudeenergiegesetz, kurz GEG. Das schreibt unter anderem ein verbindliches, aber kostenfreies Beratungsgespräch durch einen Energieberater vor, und war in folgenden Fällen:

  • Im Falle des Verkaufs eines Wohngebäudes mit nicht mehr als zwei Wohnungen. Im Gesetzestext heißt es dazu: Dann "... hat der Käufer nach Übergabe des Energieausweises ein informatorisches Beratungsgespräch zum Energieausweis mit einer nach § 88 zur Ausstellung von Energieausweisen berechtigten Person zu führen, wenn ein solches Beratungsgespräch als einzelne Leistung unentgeltlich angeboten wird."
  • Bei bestimmten Sanierungen von Ein- und Zweifamilienhäusern. Auch wenn "für das gesamte Gebäude Berechnungen" erstellt werden, ist das Beratungsgespräch obligatorisch. Experten bemängeln, dass diese Regelung relativ sinnlos ist. In den allermeisten Fällen wird bei umfangreichen Sanierungen sowieso ein Energieberater eingeschaltet.

Fazit: Für wen lohnt es sich, einen Energieberater einzuschalten?

Ob ihr nun die Gebäudehülle dämmen, komplett energetisch sanieren oder eine Effizienzhaus bauen wollt: In jedem Fall lohnt es sich, einen Energieberater mit ins Boot zu holen. Denn ein Energieberater kann ganz speziell auf eure Wohnsituation eingehen und weiß um die Wechselwirkung verschiedener Maßnahmen. Und: In vielen Fällen ist die Einbindung eines Energieeffizienz-Experten jetzt gesetzlich vorgeschrieben.

Darüber hinaus kennt sich ein Energieberater im Förderdschungel aus und hilft euch bei der Beantragung der Gelder. Das spart in vielen Fällen richtig viel Kosten – und wird auch noch mit diversen Zuschüssen gefördert.

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