Monteur misst Abgaswerte bei einer Heizung
© Arnt Haug

Modernisieren | Ratgeber

Welche Heizung ist die beste? Ein Vergleich von Öl, Gas, Strom und Holz

Claudia Lindenberg

Claudia Lindenberg

Womit am besten heizen? Gas, Öl, Strom oder Holz? Wir zeigen die Vorteile und Nachteile der vier wichtigsten Heizungsarten und geben eine Übersicht über CO2-Emissionen, Kosten und Effizienz.

Beim Thema Heizung gibt es die unterschiedlichsten Meinungen – vor allem dann, wenn es um die Frage nach der besten Heizung geht. Der eine schwört auf Gas, der andere lässt nichts auf Heizöl kommen. Umweltbewusste Hausbesitzer wollen dagegen eher mit Strom oder Holz heizen.

Doch welche Heizung ist denn nun die beste? Aufgrund der unterschiedlichen Technik ist das schwer zu vergleichen. Wir haben trotzdem einmal eine Gegenüberstellung von Heizungsarten auf Basis von drei Vergleichswerten gewagt:

  • den CO2-Emissionen
  • den Kosten pro Kilowattstunde
  • dem Primärenergiefaktor. Hier werden bei unterschiedlichen Energieträgern die Werte in Bezug auf die Effizienz der Bereitstellung, der Versorgungssicherheit und Klimaschädlichkeit verglichen. Dabei gilt: Je kleiner der jeweilige Primärenergiefaktor, desto effizienter ist die entsprechende Energieform.

Im Folgenden findet ihr eine kurze Übersicht der vier wichtigsten Heizungstypen, deren Vorteile und Nachteile sowie die Angaben zu Emissionen, Kosten und Primärenergiefaktor.

Infografik Verteilung der Heizungsarten 2020

Heizen mit Heizöl: Fossiler Dauerbrenner

Ab 2026 ist der Einbau einer neuen Ölheizung nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) verboten. Genauer gesagt: Wer in einem Bestandsbau den alten Öl-Heizkessel gegen einen neuen austauschen will, darf das ab 2026 nur dann tun, wenn er in dem Gebäude den Wärme- und Kältebedarf gleichzeitig teilweise durch erneuerbare Energien deckt.

Noch aber nutzt etwa jeder vierte deutsche Haushalt Öl zum Heizen; bei neu installierten Heizungen liegt der Marktanteil allerdings nur noch bei weniger als zehn Prozent.

Vorteilhaft ist, dass Öl – anders als Erdgas – unabhängig von einem Netzanschluss genutzt werden kann. Nachteilig ist hingegen der Platzbedarf für die Lagerung in großen Tanks – entweder im Keller oder in speziellen Erdtanks im Garten.

Die Verbrauchskosten für Heizöl schwanken stark. Die Versorgungssicherheit ist langfristig auch abhängig von politischen Faktoren. Allerdings können Nutzer ihre Heizkosten optimieren, indem sie versuchen, jeweils einen günstigen Zeitpunkt für die Bestellung abzupassen. Die CO2-Bilanz fällt schlechter aus als bei Erdgas. In Kombination mit Solarthermie lässt sich die Ökobilanz einer Ölheizung jedoch verbessern.

  • Emissionen beim Heizen mit Heizöl: 266 Gramm CO2 je Kilowattstunde
  • Kosten für Heizöl: circa 6,7 Cent pro Kilowattstunde
  • Primärenergiefaktor von Heizöl: 1,1

Heizen mit Erdgas: Mit Abstand die Nummer Eins

Seit den 1980er-Jahren ist der fossile Brennstoff Erdgas als Energieträger in Deutschland immer beliebter geworden. Nach einer Erhebung des Schornsteinfeger-Handwerks und einer Schätzung des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) für 2020 werden noch über 60 Prozent der bundesdeutschen Heizungen mit Erdgas betrieben (siehe Grafik), wobei vor allem Gasheizungen mit Brennwertkessel große Vorteile haben. Allerdings ist das nicht zwangsläufig die beste Heizung. Die Verteilung wird sich mittelfristig wohl ändern. Denn beim Neubau hat die Wärmepumpe der Erdgasheizung mittlerweile den Rang abgelaufen.

Voraussetzung für das Heizen mit Erdgas ist die Anbindung des Grundstücks an das Gasnetz. Der Hausanschluss schlägt mit rund 2.000 Euro zu Buche. Der Vorteil von Erdgas liegt damit auf der Hand, denn es erfordert keinen Platz für Tanks. Diese sind nur erforderlich, falls mangels Gasanschluss in der Nähe Propangas genutzt wird. Es fällt bei der Verarbeitung von Rohöl an und wird in Flüssiggastanks auf dem Grundstück gelagert.

Hier ein Praxisbeispiel, wie eine Familie ihre alte Ölheizung gegen eine neue Gasheizung getauscht hat.

Verbrennungsregelungssystem InoiDetect von Vaillant
Moderne Gas-Brennwertgeräte gewährleisten eine optimale Energieausbeute. © Vaillant

Gas gilt als sauberer Brennstoff, da es fast ohne Rückstände verbrennt. Je Kilowattstunde beträgt der CO2-Ausstoß rund 200 Gramm. Eine Kombination mit der Nutzung erneuerbarer Energien ist möglich und hilft, die Ökobilanz weiter zu verbessern. Und: In dieser Kombination gibt es sogar noch Fördermittel.

Die Erdgaspreise waren in den vergangenen zehn Jahren relativ stabil und lagen meist zwischen 6 und 7 Cent je Kilowattstunde. Etwa 90 Prozent des Erdgases werden importiert; 40 Prozent davon kommen aus Russland. Die bekannten Erdgasvorräte reichen noch für circa 60 Jahre.

  • Emissionen beim Heizen mit Erdgas: 202 Gramm CO2 je Kilowattstunde
  • Kosten für Erdgas: circa 6,2 Cent pro Kilowattstunde
  • Primärenergiefaktor von Erdgas: 1,1

Heizen mit Strom: Effizient nur mit Wärmepumpe

Strom als Energieträger ist zwar praktisch, da keine Lagerflächen und keine Heizungsanlage im Keller erforderlich sind. Zum Heizen ist normaler Haushaltsstrom mit inzwischen fast 32 Cent je Kilowattstunde allerdings sehr teuer.

Auch um die Energiebilanz steht es nicht zum Besten: So liegt der CO2-Ausstoß beim aktuellen Strommix noch immer deutlich über dem von Gas und Öl. Der Grund sind die hohen Verluste, die bei der Stromproduktion im Kraftwerk anfallen. Positiver fällt die Bewertung von Strom als Energieträger aus, wenn er über eine Photovoltaikanlage auf dem Hausdach produziert wird.

Auch normaler Strom aus dem Netz kann allerdings als Energieträger für die Heizung effizient und klimafreundlich sein, wenn er für eine Wärmepumpe eingesetzt wird. Diese nutzen zusätzlich Umweltwärme und können mit einer Kilowattstunde Strom rund vier Kilowattstunden Heizwärme erzeugen. Je Kilowattstunde Heizwärme liegen sowohl der Preis als auch die CO2-Emissionen dann nur bei einem Viertel der unten genannten Werte. Für Heizstrom gibt es zudem oft preisgünstige Sondertarife. Bei der Frage nach der besten Heizung beim Neubau ist die Antwort eindeutig: Hier dominiert die Wärmepumpe bereits den Markt.

Reine Stromheizungen bieten sich nur für bestimmte Raumsituationen an – etwa bei selten genutzten Räumen oder da, wo nur mit großem Aufwand ein wasserführender Heizkörper samt Leitungen installiert werden könnte. Und auch bei der Infrarotheizung solltet ihr genau zwischen Kosten und Nutzen abwägen.

  • Emissionen beim Heizen mit Strom: 537 Gramm CO2 je Kilowattstunde
  • Kosten für Heizstrom: 20 bis 25 Cent pro Kilowattstunde (Tarif Heizstrom)
  • Primärenergiefaktor: 1,8 (Strom aus nicht erneuerbaren Quellen), 0 bei haushaltsnah erzeugtem Strom aus Windkraft/Photovoltaik

Heizen mit Holz: Wenig CO2, viel Feinstaub

Für Umweltbewusste ist die beste Heizung die, die sich möglichst ökologisch betreiben lässt – zum Beispiel mit dem nachhaltigen Energieträger Holz. Diese Heizungsart ist besonders interessant für alle, die Wert auf einen möglichst geringen CO2-Ausstoß legen. Bei der Verbrennung wird exakt so viel CO2 freigesetzt, wie es auch bei der natürlichen Zersetzung der Fall wäre, sprich: Holz ist CO2-neutral.

Beispiel eines vollautomatischen Holzkessel für Holzpellets (hier: Vitoligno 300-C von Viessmann)
Beispiel eines vollautomatischen Holzkessels für Holzpellets (hier: Vitoligno 300-C von Viessmann). © Viessmann

Schadstofffrei ist der Energieträger – sei es in Form von Holzscheiten, Pellets oder Hackschnitzeln – jedoch nicht. Neben Stickstoffoxid und Kohlenmonoxid wird auch Feinstaub freigesetzt – diese Emissionen sind deutlich höher als bei Gas- und Ölheizungen.

Wie Öl erfordert auch Holz Lagerfläche: Pellets und Hackschnitzel werden in Silos gelagert, Holzscheite üblicherweise an einem geschützten Platz auf dem Grundstück. Pelletsilos für eine Heizungsanlage mit 15 bis 20 Kilowatt erfordern etwa 14 bis 18 Kubikmeter Raum. Hier findet ihr noch mehr Infos zum Thema: Holzheizung: Das müsst ihr über Pelletöfen, Kaminöfen und Hackschnitzelheizungen wissen

  • Emissionen beim Heizen mit Holz: 23 Gramm CO2 je Kilowattstunde
  • Kosten für das Heizen mit Holz: knapp 5 Cent pro Kilowattstunde (Pellets)
  • Primärenergiefaktor: 0,2

Die beste Heizung: Heizungsarten im Kostenvergleich

Die Frage nach der besten Heizung ist meistens auch eine Frage nach den günstigsten Kosten. Dabei gilt es, den Preis pro Kilowattstunde, die Heizkosten pro Jahr und sonstige Betriebskosten (wie zum Beispiel Instandhaltungskosten) gegenüberzustellen. Hier eine Übersicht:

  • Kosten inklusive Einbau in Euro
  • Preis pro kWh
  • Heizkosten/Jahr in Euro
  • Sonstige Betriebskosten in Euro
  • Wärmepumpe
  • 12.000 bis 24.000 €
  • 22,1 Cent
  • 1.265 €
  • 150 €
  • Holzpellets
  • 8.000 bis 18.000 €
  • 5,1 Cent
  • 1.000 €
  • 400 €
  • Solarthermie
  • 8.000 bis 10.000 €
  • 0 Cent
  • 0 €
  • 90 €
  • Gasbrennwert
  • 7.000 bis 10.000 €
  • 6,17 Cent
  • 1.320 €
  • 220 €
  • BHKW
  • 20.000 bis 25.000 €
  • 2,22 Cent (Holz) 6,17 Cent (Gas) 6,45 (Öl)
  • N.N.
  • 400 €
  • Brennstoffzelle
  • 31.000 €
  • 6,17 Cent
  • N. N.
  • 400 €
  • Fernwärme
  • 3.000 bis 8.000 €
  • 6 - 10 Cent
  • 1.575 €
  • 0 €
  • Heizöl
  • 6.000 bis 18.000 €
  • 6,43 Cent
  • 1.450 €
  • 175 €
  • Infrarot
  • 4.000 bis 8.000 €
  • 31,89 Cent
  • ca. 3.000 € (Neubau), bis zu 11.000 € (Altbau)
  • 0 €

Heizungsarten im Kostenvergleich, Quellen: Heizspiegel.de, Heizung.de, Energie-experten.org

Fazit: Welches ist die beste Heizung?

Den perfekten Energieträger für jedes Haus pauschal zu benennen, gelingt nicht. Gas, Öl, Strom und Holz stehen zur Wahl – und die Sonne kann über Solarkollektoren bei allen Systemen ergänzend regenerative Wärme beisteuern.

Jeder Energieträger bietet Vor- und Nachteile – etwa in puncto Investitionen, Verbrauchskosten, Komfort, Raumbedarf und nicht zuletzt auch bei der Umweltbilanz. Der Blick auf die CO2-Bilanz ist dabei wichtig, aber nicht der einzige Aspekt. Auch weitere Emissionen (zum Beispiel Feinstaub) und der Primärenergiefaktor sind zu beachten.

Welcher Energieträger infrage kommt, hängt nicht zuletzt auch immer stark von den örtlichen Gegebenheiten ab. Dabei geht es zum Beispiel um folgende Fragen: Ist das Haus bereits ans Erdgasnetz angeschlossen? Ist ein Öltank vorhanden? Gibt es Platz für ein Pelletlager? Eignet sich der Altbau für eine Wärmepumpe? Nochmal anders zu beantworten ist die Frage nach der besten Heizung in einem Neubau.

Setzt euch, bevor ihr euch für den Einbau einer neuen Heizung entscheidet, also auf jeden Fall mit einem Experten (Schornsteinfeger, Heizungsbauer oder Energieberater) zusammen. Nutzt bei einem Neubau die Expertise eines Bausachverständigen bei der Bauplanung oder – wenn ihr die Heizung in einem älteren Haus tauschen wollt – die Wohnglück-Modernisierungsberatung vor Ort.

Ihr habt noch Fragen zum Thema "Welche Heizung ist die beste für mich"? Dann seht euch gern auch diesen Artikel an: Neue Heizung: Kosten und Sparpotential verschiedener Heizungsarten

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