Heizung fürs neue Haus: Wärmepumpe an der Fassade eines Neubaus.
© Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.

Bauen | Ratgeber

Heizung fürs neue Haus – welche ist die richtige?

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Wärmepumpe, Erdgas oder lieber Pellets? Die richtige Heizung fürs neue Haus ist nicht so einfach zu finden. Wir geben euch eine Übersicht zu den Preisen, Betriebskosten und Förderbedingungen für die einzelnen Heizungsarten.

Statistisch gesehen ist die Wärmepumpe die beliebteste Heizung beim Neubau. Doch ist diese für euer neues Haus auch die richtige Wahl? Welche Kriterien spielen bei der Heizung fürs neue Haus eine Rolle, was sind die Vorteile und Nachteile der verschiedenen Heizungsarten? Und: Was kosten sie? Ein Überblick.

Welche Heizungen gibt es fürs neue Haus?

Eine Frage, die sich alle Bauherren bei der Planung ihres zukünftigen Hauses stellen müssen: Welche Heizung soll es sein? Wer neu baut, hat in Sachen Heiztechnik eine große Auswahl. Die wichtigsten Heizungsarten beim Neubau im Überblick:

  • Holzheizung (Pelletheizung & Hackschnitzelheizung)
  • Solarthermie
  • Gasheizung (Gasbrennwert)
  • Kraft-Wärme-Kopplung (Blockheizkraftwerk & Brennstoffzellen-Heizung)
  • Fernwärme
  • Ölheizung
  • Wärmepumpe

Nach welchen drei Kriterien Bauherren ihre Heizung aussuchen sollten und welche Vorteile und Nachteile die einzelnen Heizungsarten mit sich bringen, erfahrt ihr in den nächsten Abschnitten.

Unser Tipp: Ihr baut nicht neu, sondern wollt eure alte Heizung aufrüsten oder gegen eine neue austauschen? Unsere Experten informieren euch bei einer Modernisierungsberatung vor Ort über eure Möglichkeiten.

Welche Heizung ist die richtige für mein Haus?

Welche Heizung fürs neue Haus die richtige ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wir haben hier mal aufgelistet, welche Punkte für die Entscheidung für eine bestimmte Heizungsart am wichtigsten sind:

  • Die Kosten: Die ewige Frage: Was kostet mich das? Bei einer neuen Heizung stehen erst einmal die Anschaffungskosten zu Buche. Schon bei der Investition solltet ihr euch (oder einen Experten) fragen, ob und wenn ja, welche Fördermittel es vom Staat gibt. Denn die können unter Umständen ziemlich hoch sein. Mehr dazu findet ihr am Ende des Artikels. Dazu kommen noch die Betriebs- und Energiekosten. Eine Heizung hält idealerweise einige Jahrzehnte. Da lohnt es sich, die Kosten für Wartung und Pflege plus das Geld, das ihr eventuell für Energieträger wie Gas, Öl oder Holz ausgeben müsst, gegenüber zu stellen.
  • Der Platz: Für Öl oder Holz braucht es Lagermöglichkeiten. Der Platz dafür ist nicht immer ausreichend vorhanden. Aber auch bei anderen Heizungsarten sind manchmal Wärme- oder Pufferspeicher notwendig, die ebenfalls untergebracht werden wollen. Und wenn die Sonne ins Spiel kommt, sollte euer Dach dafür auch geeignet sein.
  • Die Umwelt: Fossile Energie ist nicht nur umweltschädlich, sie wird auch immer teurer – dafür sorgt allein schon die CO2-Abgabe. Andererseits sind Öl- und Gasheizungen in der Anschaffung immer noch sehr günstig. Trotzdem: Der Öko-Aspekt wird bei Heizungen immer wichtiger, das zeigt nicht zuletzt die Förderpolitik der Bundesregierung.
Heizungen im Wohnungsneubau: Die Wärmepumpe hat Erdgas in den letzten Jahren den Rang abgelaufen.

Holzheizung fürs neue Haus (Pelletheizung & Hackschnitzelheizung)

Holzheizungen wie Pelletheizung oder Hackschnitzelheizung gehören offiziell zu den Biomasse-Heizungen. Moderne Anlagen lassen sich vollautomatisch betreiben. Das heißt: Vom Lager- in den Brennraum erfolgt der Holztransport, ohne dass ihr per Hand nachfüllen müsst. Einzig die Entsorgung der Asche müsst ihr regelmäßig selbst vornehmen.

  • Investitionskosten: zwischen 8.000 und 18.000 Euro
  • Vorteile: umweltfreundlich/ niedrige Brennstoffkosten
  • Nachteile: Lagerraum muss vorhanden sein/ meist ist ein zusätzlicher Speicher notwendig/ hohe Investitionskosten

Gut zu wissen: Mit einer Holzheizung lässt sich ein Einfamilienhaus problemlos beheizen. Trotzdem solltet ihr bei Interesse auf eine ausreichende Heizleistung achten. Außerdem muss ausreichend Platz zur Lagerung des Brennstoffs vorhanden sein. Und: Damit die Anlage effizient arbeitet, sind regelmäßige Wartungen notwendig. Der Aufwand ist deutlich höher als bei einer Öl- oder Gasheizung.

Mehr Infos zum Thema findet ihr in unserem ausführlichen Ratgeber: Holzheizung: Das müsst ihr über Pelletöfen, Kaminöfen und Hackschnitzelheizungen wissen

Solarthermie fürs neue Haus

Eines vorweg: Mit Solarthermie allein werdet ihr euer Haus in der Regel nicht ausreichend heizen können. Thermische Solaranlagen fangen die Sonnenwärme ein und werden zur Warmwasserbereitung oder – in so genannten Kombianlagen – auch zur Unterstützung der Heizung verwendet. Das funktioniert sogar mit Öl- und Gasheizungen, ideal ist aber die Kombi mit Pelletheizung oder Wärmepumpe.

  • Investitionskosten: circa 8.000 bis 10.000 Euro (Kombianlage für Warmwasser und Heizung)
  • Vorteile: 100 Prozent Sonnenergie/ hohe Förderung
  • Nachteile: nur zur Heizungsunterstützung/ ein zusätzlicher Speicher ist notwendig

Gut zu wissen: Der Ertrag einer Solarthermie-Anlage hängt maßgeblich von der Fläche, der Ausrichtung und der Neigung der Kollektoren auf dem Dach ab. Daher solltet ihr beim Neubau unbedingt auch die Lage des Hauses beachten.

Ihr wollt noch mehr dazu wissen? Dann schaut gern in diesen Artikel rein: Solaranlage kaufen: Lohnt sich Solarthermie?

Aufbau von Kollektoren für Solarthermie
Mit Solarthermie lässt sich Strom gewinnen und die Heizleistung unterstützen. © Ingo Bartussek - stock.adobe.com

Gasheizung (Gasbrennwert) fürs neue Haus

Jahrzehntelang war Gas die Nummer eins bei den Heizungen im Neubau. Den ersten Platz besetzt mittlerweile, wie bereits erwähnt, die Wärmepumpe. Bei einem vorhandenen Gasanschluss kann es aber trotzdem noch richtig sein, sich eine Gasheizung anzuschaffen. Möglich macht das die Gas-Brennwerttechnik. Hier sind die Geräte deutlich energieeffizienter als ihre Vorgängermodelle, denn unter anderem wird hier auch die in der Abluft gespeicherte Wärme zur Wärmegewinnung genutzt.

  • Investitionskosten: rund 7.000 bis 10.000 Euro (bei vorhandenem Gasanschluss)
  • Vorteile: erprobte Technik/ geringe Investitionskosten/ geringer Platzbedarf
  • Nachteile: fossiler Brennstoff/ schwankende Preise/ CO2-Bepreisung erhöht Kosten

Besonderheiten: Um die strengen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes zu erreichen, müsst ihr eine Gasheizungen beim Neubau fast immer mit einer Heizung auf Basis erneuerbarer Energie kombinieren. Das wird in der Regel über Solarthermie erreicht, erhöht aber auch die Investitionskosten.

Kraft-Wärme-Kopplung fürs neue Haus (Blockheizkraftwerk & Brennstoffzellen-Heizung)

Bei der Stromerzeugung fällt Wärme an. Wird diese anfallende Wärme auch zu Heizzwecken genutzt, dann handelt sich um eine so genannte Kraft-Wärme-Kopplung. Im normalen Einfamilien-Neubauhaus kommen dafür zwei Systeme in Frage: das Blockheizkraftwerkt (BHKW) oder die Brennstoffzelle.

Im Neubau kommen in der Regel eher Brennstoffzellen-Heizungen zum Einsatz, weil sie effizienter arbeiten und höhere Wirkungsgrade erzielen. Eine Brennstoffzelle gewinnt – vereinfacht gesagt – Wasserstoff aus Erdgas und produziert damit Wärme und Strom. Und das zu annähernd gleichen Teilen.

  • Investitionskosten: circa 15.000 für ein Mikro-BHKW, rund 20.000 für eine Brennstoffzellen-Heizung (ohne Einbau)
  • Vorteile: wartungsarm und geräuschlos/ keine Emissionen
  • Nachteile: hohe Anschaffungskosten/ Technik noch relativ jung

Gut zu wissen: Eine Brennstoffzellen-Heizung produziert, wie gesagt, auch Strom. Bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit solltet ihr euch genau überlegen, wie viel Strom ihr selbst verbrauchen wollt und wie viel ihr eventuell ins Stromnetz einspeist.

Um wirtschaftlich zu arbeiten, benötigt die Brennstoffzelle auch einen Wärmespeicher. Und: Bei dieser Heizart darf keine Solaranlage vorhanden sein. Denn dadurch würde sich die Stromproduktion minimieren.

Noch mehr zur Funktionsweise und den Vor- und Nachteilen einer Brennstoffzelle-Heizung lest ihr hier: Brennstoffzellenhei­zung: Wie sie funktioniert, was sie kostet, was sie bringt

Heizung Brennstoffzellen-Heizgerät Vitovalor von Viessmann
Brennstoffzellen sind (noch) teuer, arbeiten dafür aber sehr effektiv und vor allem emissionsfrei. © Viessmann

Fernwärme fürs neue Haus

Fernwärme fällt bei der Stromproduktion in Kraftwerken quasi als "Abfall" an. Die Wärme wird per Leitungsnetz vom Kraftwerk direkt an den Endverbraucher geliefert und kommt daher meist in Ballungsgebieten zum Einsatz.

  • Investitionskosten: circa 3.000 bis 8.000 Euro
  • Vorteile: niedrige Anschaffungskosten, umweltfreundlich
  • Nachteile: meist hohe Heizkosten/ Abhängigkeit vom Energieversorger/ Wärmeverlust beim Transport

Gut zu wissen: Fernwärme ist nach Meinung vieler Fachleute mittel- bis langfristig die teuerste Art zu heizen. Das liegt vor allem an den langen Laufzeiten und der Monopolstellung des Anbieters. In Neubaugebieten solltet ihr daher prüfen, ob ein Anschlusszwang herrscht oder ihr in der Wahl der Heizung frei seid.

Ölheizung fürs neue Haus

Tanklaster, die zu Beginn der Heizperiode das Heizöl in die Keller ihrer Kunden pumpen – dieses Bild wird wohl nach und nach der Vergangenheit angehören. Im Zuge des Klimaschutzpakets ist der Einbau von neuen Ölkesseln ab 2026 nämlich nicht mehr erlaubt. Nur noch bis Ende 2025 dürfen Ölheizungen eingebaut und in Betrieb genommen werden.

  • Investitionskosten: ab circa 6.000 bis 18.000 Euro
  • Vorteile: erprobte Technik
  • Nachteile: Platz für Tank erforderlich/ schlechte CO2-Bilanz/ starke Preisschwankungen

Gut zu wissen: Seit 2020 gibt es keine Fördermittel mehr für neue Ölheizungen. Um die energetischen Vorgaben überhaupt einhalten zu können, ist eine Ölheizung beim Neubau nur in Kombination mit solarthermischer Unterstützung möglich.

Wärmepumpe fürs neue Haus

Die Wärmepumpe ist mittlerweile die beliebteste Heizung im Neubau. Eine Wärmepumpe pumpt die in der Luft, der Erde oder im Grundwasser gespeicherte Energie mit Hilfe von Strom auf ein höheres Temperaturniveau und lässt sich dann zum Heizen nutzen.

Somit benötigt die Wärmepumpe keine Brennstoffe, denn sie bezieht die Energie aus der Umwelt. Nur für den Kompressor ist noch zusätzliche elektrische Energie nötig. Effiziente Wärmepumpen erzeugen so mithilfe von einer Kilowattstunde Strom mehr als vier Kilowattstunden Heizwärme.

  • Investitionskosten: Für den Einbau einer Luft-Wärmepumpe müsst ihr zwischen 12.000 und 24.000 Euro einkalkulieren. Erd-Wärmepumpen sind teurer, inklusive Bohrung und Erdarbeiten kosten diese ab 20.000 Euro.
  • Vorteile: keine Abhängigkeit von Energiekostenentwicklung/ umweltfreundlich/ zuverlässig und wartungsarm
  • Nachteile: recht hohe Investitionskosten

Gut zu wissen: Wärmepumpen arbeiten mit deutlich niedrigeren Vorlauftemperaturen als Öl- oder Gasheizungen. Das heißt, sie funktionieren am effektivsten in Kombination mit einem Flächenheizkörper (sprich: Fußbodenheizung oder Wandheizung) und einer guten Dämmung. Wärmepumpen arbeiten durchgängig mit Strom. Wichtig ist deshalb eine möglichst hohe Jahresarbeitszahl. Sie beschreibt das Verhältnis zwischen dem benötigten Strom und der erzeugten Wärme.

Mehr Infos zur Wärmepumpe als Heizungsart findet ihr hier: Wärmepumpe: Für wen lohnt sich das Heizen mit Wärme aus der Umwelt?

Heizung fürs neue Haus: Luft-Wasser-Wärmepumpe vor einer Außenwand.
Wärmepumpen sind derzeit die absolute Nr. 1 bei den Heizungen im Neubau. © Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.

Alle Heizungsarten im Kostenvergleich

  • Kosten Einbau in Euro
  • Heizkosten/Jahr in Euro
  • Sonstige Betriebskosten in Euro
  • Wärmepumpe
  • 12.000 bis 24.000 €
  • 1.265 €
  • 150 €
  • Holzpellets
  • 8.000 bis 18.000 €
  • 1.000 €
  • 400 €
  • Solarthermie
  • 8.000 bis 10.000 €
  • 0 €
  • 90 €
  • Gasbrennwert
  • 7.000 bis 10.000 €
  • 1.320 €
  • 220 €
  • BHKW
  • 20.000 bis 25.000 €
  • N.N.
  • 400 €
  • Brennstoffzelle
  • 20.000 €
  • N. N.
  • 400 €
  • Fernwärme
  • 3.000 bis 8.000 €
  • 1.575 €
  • 0 €
  • Heizöl
  • 6.000 bis 18.000 €
  • 1.450 €
  • 175 €

Heizungsarten im Kostenvergleich, Quelle: Heizspiegel 2020, VZ NRW

Gibt es staatliche Förderung für die Heizung fürs neue Haus?

Seit Anfang 2021 gilt die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG). Danach gibt es beim Neubau keine direkte Förderung der Heizungsanlage mehr. Vielmehr geht es jetzt darum, für das gesamte Gebäude einen Effizienzhausstandard zu erreichen. Danach bemisst sich dann auch die Höhe der Förderung.

Maximal ist ein Förderkredit von 150.000 Euro und ein Tilgungszuschuss von bis zu 37.500 Euro möglich. Seit Juli 2021 müsst ihr die Förderung bei der Bundesanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) stellen.

Mit modernen Heizungsanlagen lassen sich die geforderten Effizienzhausstandards leichter erreichen – und einfacher Fördergelder kassieren. Auch das dürfte ein Grund sein, warum die Wärmepumpe als Heizungsanlage immer mehr Marktanteile beim Neubau gewinnt. Wir empfehlen euch, nach Möglichkeit einen Energieberater einzuschalten. Der hat den besten Überblick über die Fördermöglichkeiten – und auch seine Arbeit wird teilweise durch Fördergelder abgedeckt.

Fazit: Welche ist die beste Heizung fürs neue Haus?

Geringe Anschaffungskosten (wie bei der Gasheizung)? Vielleicht ein geringer ökologischer Fußabdruck (das spräche für die Holzheizung)? Oder eher teure, aber zukunftsfähigen Technologien wie die Kraft-Wärme-Kopplung? Welche Heizung für euer neues Haus die richtige ist, ist eine genauso individuelle Entscheidung wie die Auswahl der Badfliesen oder des Bodenbelags.

Letztlich hat die Statistik wohl aber doch recht: Der Anteil von Wärmepumpen beim Neubau steigt und steigt. Das liegt – neben der gelernten Technik – sicher auch an den attraktiven Förderbedingungen, mit denen die Bundesregierung ihre Klimaziele erreichen will. Und daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

Unser abschließender Tipp: Ob Heizung, Dämmung oder Elektrik – ein Neubau ist eine komplexe Sache. Die Bauexperten von Wohnglück begleiten euch in allen Bauphasen mit ihrem Profiwissen. Gleich hier informieren.

Das wird dich auch interessieren