Frierende Frau such t Alternative zur Gasheizung
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Modernisieren | Ratgeber

Alternative zur Gasheizung: Was kommt wirklich in Frage?

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Wer eine Gasheizung hat, dem graut vor der nächsten Betriebskostenabrechnung. Die Nachfrage nach alternativen Heizungen steigt. Erfahrt hier, welche Möglichkeiten es gibt, kostengünstig und umweltbewusst Wärme zu erzeugen – mit Vorteilen, Nachteilen und Kosten.

Die Gaspreise sind auf Rekordhoch. Mit dem aktuellen Preisniveau (August 2022) muss eine Familie bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden rund 3.568 Euro zahlen. Vor einem Jahr wären es noch circa 1.258 Euro gewesen. Das ist ein Anstieg um 184 Prozent (Quelle: Verivox). Und dann kommt auch noch die Gasumlage. Höchste Zeit, sich nach einer Alternative zur Gasheizung umzusehen. Doch welche Möglichkeit kommt wirklich in Frage?

Ihr wollt eure Heizkosten sofort senken? Dann lest vorab diesen Ratgeber: 23 Tipps, wie ihr eure Heizkosten senken könnt

Welche Alternativen zur Gasheizung gibt es?

Knapp die Hälfte der deutschen Haushalte heizt aktuell mit Gas – zum Schaden von Klima und Geldbeutel. Besser ist es, sich langfristig von fossilen Brennstoffen unabhängig zu machen. Ihr wollt auf eine umweltfreundliche Alternative zur Gasheizung umsteigen? Es gibt einige Möglichkeiten. Deren Kosten sowie die Vorteile und Nachteile stellen wir euch in diesem Ratgeber vor.

  • Wärmepumpe
  • Solarthermie
  • Infrarotheizung
  • Pelletheizung
  • Brennstoffzellenheizung

Außerdem gibt es hybride Heizungssysteme, die verschiedene Energieträger kombinieren. Lest hier mehr dazu: Hybridheizung: Lohnt die Kombi aus fossilen & erneuerbaren Energien?

Was kosten alternative Heizsysteme?

In der nachfolgenden Tabelle zeigen wir euch, wie viel ihr für eine alternative Heizung ungefähr zahlen müsst:

  • Heizungsart
  • Energieträger
  • Anschaffungskosten (ohne Montage)
  • Laufende Kosten pro Jahr (Wartung, Reinigung, Prüfung)
  • Preis pro Kilowattstunde
  • Wärmepumpe
  • Wärmegewinnung aus Umgebungsluft, Grundwasser oder Erdreich (Strombetrieb)
  • circa 8.000 bis 16.000 Euro
  • circa 400 bis 550 Euro
  • circa 7,5 Cent/kWh (bei 25 Prozent Heizleistung aus Strom)
  • Solarthermie
  • Sonnenenergie
  • circa 10.000 Euro
  • circa 100 bis 200 Euro
  • 0 Cent/kWh
  • Infrarotheizung
  • Strom
  • circa 6.000 bis 12.000 Euro
  • 0 Euro
  • circa 32 Cent/kWh
  • Pelletheizung
  • Holz (Strombetrieb)
  • circa 3.000 bis 20.000 Euro
  • circa 250 bis 600 Euro
  • circa 6,5 Cent/kWh
  • Brennstoffzellenheizung
  • Erdgas oder Biomethan
  • circa 20.000 bis 30.000 Euro
  • circa 100 bis 200 Euro
  • circa 6 Cent/KWh

Alternative Heizungsarten und ihre Kosten (Angaben ohne Gewähr)

Weiterführende Informationen gibt es hier für euch: Neue Heizung: Was kosten neue Heizungsanlagen und wie viel sparen sie?

Wärmepumpe als Alternative zur Gasheizung

Die Wärmepumpe macht unabhängig von Gas und gilt als umweltfreundliche sowie zukunftssichere Heizungsalternative. Wärmepumpen funktionieren auf Strombasis und entziehen der Umgebung, also der Luft, dem Grundwasser oder dem Erdreich, Wärme. Diese geht im integrierten Wärmetauscher auf ein Kältemittel über, das bereits bei niedrigen Temperaturen verdampft. Dieser Dampf wiederum wird verdichtet und somit erhitzt. Auf diese Weise erreichen Heizungs- und Warmwasser die gewünschte Temperatur.

Bei den meisten Neubauten sind Wärmepumpen heute Standard. Auch bei der Sanierung von Bestandsbauten sind sie inzwischen die erste Wahl. Dass Häuser gut gedämmt sein und über eine Flächenheizung verfügen müssen, stimmt so nicht. Wärmepumpen eignen sich auch als Alternative zur Gasheizung im Altbau. Mehr dazu hier: Wärmepumpe im Altbau: Bauweisen und Heizkörper, Kosten und Förderung

Vorteile der Wärmepumpe

  • klimafreundlich durch geringere CO2-Emissionen
  • energieeffizientes Heizen
  • Energie aus Luft, Wasser oder Erde ist kostenlos
  • einfache Installation bei der Luftwärmepumpe
  • geringer Platzbedarf
  • hohe Förderung von bis zu 40 Prozent möglich

Nachteile der Wärmepumpe

  • aufwendige Installation bei Wasser- und Erdwärmepumpen
  • macht abhängig von Strompreisen
  • im Winter oft höherer Stromverbrauch
  • Art der Wärmepumpe von der Umgebung abhängig
  • hohe Anschaffungs- und Wartungskosten

Emissionsfrei heizen mit Solarthermie

Wer klimaneutral heizen und möglichst autark sein will, setzt auf Sonnenenergie als Energieträger. Solarthermie kann andere Wärmeerzeuger zwar noch nicht komplett ersetzen, aber zumindest sinnvoll unterstützen. Photovoltaikanlagen bergen ein hohes Einsparpotenzial, zumal es einige Fördermöglichkeiten und Solarkredite gibt.

Eine Solarheizung lässt sich allerdings nicht überall umsetzen. Besonders die Ausrichtung des Hauses und die Dachform müssen passen. So sollte die Dachfläche Richtung Süden zeigen. Eine Neigung zwischen 30 und 50 Grad, besser noch 70 Grad, ist optimal. Außerdem muss das Dach tragfähig genug sein.

Vorteile von Solarthermie

Nachteile von Solarthermie

  • muss in der Regel durch weitere Heizsysteme unterstützt werden
  • eignet sich nicht für jedes Gebäude
  • abhängig von der Sonneneinstrahlung

Lest mehr zu dem Thema: Kosten von Solarthermie: Solarthermieanlage kaufen oder nicht?

Infrarotheizung als Alternative zur Gasheizung

Infrarotheizungen zählen zu den Elektroheizungen. Das heißt, sie laufen komplett auf Strombasis. Eine Infrarotheizung erzeugt aus Strom Wärmewellen, die nicht auf die Luft, sondern direkt auf den Boden, die Wände oder auf Möbel übergehen. Man spricht auch von "Strahlungswärme".

Infrarotheizkörper gibt es als Decken- oder Wandplatten mit einer wärmeabstrahlenden Front- und einer isolierten Rückseite. Die Elektroheizung eignet sich grundsätzlich nur für gut gedämmte Gebäude.

Vorteile der Infrarotheizung

  • klimafreundlich durch geringere CO2-Emissionen
  • Raum wird schnell erwärmt und bleibt lange aufgeheizt
  • Raumluft wird nicht so schnell trocken
  • kann Schimmel vorbeugen
  • günstige Heizungsalternative
  • keine Wartungskosten
  • einfache Installation
  • langlebig

Nachteile der Infrarotheizung

  • macht abhängig von Strompreisen
  • keine Speichermöglichkeit für die erzeugte Wärme
  • zusätzliche Geräte zur Warmwasserbereitung notwendig
  • Gebäude muss über eine sehr gute Wärmedämmung verfügen, für Altbau eher nicht geeignet

Gas-Alternative Pelletheizung

Holz- oder Palletheizungen erzeugen Wärme, indem sie Holz verbrennen. Der Rohstoff wird vom Pelletlager in den Pelletkessel transportiert und schließlich in der Brennkammer automatisch entzündet. Durch die Verbrennung entsteht Hitze, welche einen integrierten Wärmetauscher erwärmt. Dieser wiederum gibt die Energie weiter in den Heizkreislauf. Zurück bleibt Asche, die entsorgt werden muss. Grundvoraussetzung für die Nutzung einer Pelletheizung ist ein geeigneter Lagerraum. Lest mehr dazu hier: Pelletlagerung: So solltet ihr eure Pellets lagern

Vorteile der Pelletheizung

  • sehr gute Energiebilanz
  • CO2-neutrales Heizen
  • günstige Betriebskosten
  • flexibel kombinierbar mit anderen Heizsystemen
  • relativ stabiles Preisniveau für Pellets

Nachteile der Pelletheizung

  • hohe Anschaffungskosten
  • hoher Reinigungs- und Wartungsaufwand
  • erhöhter Platzbedarf für die Pelletlagerung
  • macht abhängig von den der Verfügbarkeit von Holz

Brennstoffzellenheizung als Alternative zur Gasheizung

Brennstoffzellenheizungen und Blockheizkraftwerke, kurz BHKW, sind eine weitere Alternative zur Gasheizung. In den Brennstoffzellen kommt es zu einer chemischen Reaktion, wobei Energie freigesetzt wird. Das BHKW erzeugt Strom und gibt die entstandene Wärme in den Heizkreislauf ab. Die Umweltbilanz ist vom verwendeten Treibstoff abhängig. Einige BHKWs laufen über Erdgas, ökologischere Modelle nutzen Biomethan als Primärenergie.

Vorteile der Brennstoffzellenheizung

  • emissionsarme Energieerzeugung möglich
  • günstige Stromerzeugung für die Eigennutzung
  • sehr energieeffizient
  • platzsparendes Heizungssystem
  • Kombination mit Solarthermie möglich
  • wartungsarm
  • hohe staatliche Förderung möglich

Nachteile der Brennstoffzellenheizung

  • hohe Anschaffungskosten
  • begrenzte Lebensdauer der Brennstoffzellen-Komponenten
  • bei Erdgasnutzung schlechtere CO2-Bilanz

Fazit: Welche Alternative zur Gasheizung lohnt sich?

Eine Luftwärmepumpe ist aktuell die gängigste Lösung, sich beim Heizen von Gas unabhängig zu machen. Wärmepumpen sind zwar vergleichsweise teuer, eignen sich aber für fast jedes Gebäude und gelten als zukunftssicher. Stimmen die baulichen Voraussetzungen, kann zusätzlich Solarthermie eine sinnvolle Anschaffung sein. So seid ihr bei der Stromerzeugung autark. Lest hier weiter: Welche Heizung ist die beste? Ein Vergleich von Öl, Gas, Strom und Holz

Egal, wofür ihr euch entscheidet: Für die Umstellung auf eine alternative Heizung müsst ihr momentan viel Vorlaufzeit einplanen. Daher ist es sinnvoll, weitere energetische Sanierungsmaßnahmen vorzunehmen und euren Gasverbrauch zu senken. Wie euch das gelingt, erklären wir euch hier: Gasverbrauch berechnen und Tipps zum Gas sparen

Hier erfahrt ihr außerdem alles, was ihr zum Thema Heizungstausch wissen müsst. Die Anschaffungskosten sind zu hoch? Ihr könnt Heizungen auch mieten statt kaufen.

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