Man dreht an Gastherme
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Wohnen | Ratgeber

Gasverbrauch senken: 11 Tipps für geringere Gaskosten

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Knapp die Hälfte der deutschen Haushalte nutzt Gas zum Heizen. Doch aktuell erreichen die Gaspreise ein Rekordhoch, Tendenz weiter steigend. Der ideale Zeitpunkt, den Gasverbrauch zu senken. Erfahrt hier, wie euch das als Mieter oder Immobilienbesitzer gelingen kann und wir ihr euren jährlichen Gasverbrauch berechnen könnt.

Die Gaspreise steigen: Eine Kilowattstunde Gas kostete Einfamilienhaushalte zum Jahresbeginn 2022 rund 12 Cent. Das bedeutet einen Rekordanstieg von knapp 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Experten gehen davon aus, dass noch kein Ende in Sicht ist: Die Gaskosten werden vermutlich weiter steigen. Damit euch nicht hohe Nachzahlungen drohen, ist es nun an der Zeit, Gas in den eigenen vier Wänden zu sparen. Den Gasverbrauch senken – wir verraten, wie’s geht.

Was ist ein durchschnittlicher Gasverbrauch?

Schritt eins, egal, ob ihr zur Miete wohnt oder eine eigene Immobilie besitzt: Nehmt euren Gasverbrauch einmal genau unter die Lupe. Liegt der im Normalbereich? Seid ihr bereits Sparfüchse oder ist da noch mehr drin?

Üblicherweise verbraucht ein Haushalt jährlich im Schnitt 14 Kubikmeter Gas pro Quadratmeter zum Heizen. Das entspricht 140 Kilowattstunden (kWh). Wer Gas sowohl zum Heizen als auch für Warmwasser nutzt, kommt eher auf 16 Kubikmeter (160 kWh) pro Quadratmeter und Jahr. Für eine Wohnung mit 80 Quadratmetern Wohnfläche wären entsprechend durchschnittlich 11.200 bis 12.800 kWh ein normaler Jahresverbrauch. Für einen Haushalt von 120 Quadratmetern Wohnfläche könnt ihr von 16.800 bis 19.200 kWh pro Jahr ausgehen.

Folgende Tabelle kann euch als Orientierung dienen. Der Verbrauch kann variieren. Er ist abhängig von der Wohnfläche und davon, ob ihr Gas lediglich zum Heizen oder zusätzlich für die Warmwasseraufbereitung nutzt.

  • Durchschnittlicher Gasverbrauch pro Jahr
  • 1-Personen-Haushalt
  • 4.000 bis 8.000 kWh
  • 2-Personen-Haushalt
  • 8.000 bis 12.000 kWh
  • 4-Personen-Haushalt
  • 12.000 bis 18.000 kWh
  • Einfamilienhaus
  • 18.000 bis 40.000 kWh

Lest auch: "Wasser sparen: 10 Tipps, um euren Wasserverbrauch zu senken"

Gasverbrauch berechnen: Mit dieser Formel geht's

Um realistisch einschätzen zu können, wie viel Gas ihr im Jahr verbraucht und wie hoch die jährlichen Kosten ausfallen, müsst ihr zunächst euren täglichen oder monatlichen Gasverbrauch in Kubikmetern ermitteln:

  • Täglicher Gasverbrauch: Notiert euch die Kubikmeterzahl auf dem Gaszählerstand. 24 Stunden später lest ihr den Gaszähler erneut ab. Ihr benötigt die Zahlen bis zur Kommastelle. Die Kubikmeterzahl, die sich aus der Differenz ergibt, ist euer täglicher Gasverbrauch. Diesen könnt ihr mit 365 Tagen multiplizieren.
  • Monatlicher Gasverbrauch: Alternativ könnt ihr auch ausrechnen, wie viel Gas ihr im Monat verbraucht. Dazu notiert ihr den Wert am 1. des Monats und am letzten Tag des Monats und ermittelt wieder die Differenz. Die Zahl multipliziert ihr mit 12.

Da der Gasverbrauch von Monat zu Monat stark schwankt, sind beide Methoden aber sehr ungenau. Um einen realistischeren Wert zu erhalten, ermittelt ihr am besten den Gasverbrauch eines Sommermonats und eines Wintermonats und bildet daraus den Durchschnittswert und multipliziert ihn mit 12.

Um euren tatsächlichen Erdgasverbrauch zu berechnen, müsst ihr dann den Kubikmeterverbrauch (m³) noch in Kilowattstunden (kWh) umrechnen. Dabei hilft euch diese Formel:

Kubikmeter (m³) x Brennwert (kWh/m³) x Zustandszahl = kWh

Den errechneten Verbrauch in kWh multipliziert ihr anschließend mit dem vertraglich vereinbarten Gaspreis pro kWh. So erhaltet ihr einen ungefähren Überblick über eure jährlichen Gaskosten.

Was ist der Brennwert?

Der Brennwert oder Gasbrennwert gibt an, wie viel Energie ein Kubikmeter Erdgas enthält. Er wird in der Maßeinheit kWh/m³ angegeben, also Kilowattstunden pro Kubikmeter. Das Volumen in Kubikmeter bezieht sich dabei in der Regel auf den Normzustand des Gases.

Wie hoch der Brennwert des Gases ist, das ihr bezieht, könnt ihr in der letzten Abrechnung eures Anbieters nachlesen oder telefonisch beim Gasnetzbetreiber erfragen.

Was ist die Zustandszahl?

Unter der Zustandszahl versteht man, in welchem Verhältnis das Gasvolumen im Normzustand (0 °C und Druck von 1 bar) verglichen mit dem Betriebszustand steht. Zwar wird der Gasverbrauch auf der Rechnung in Kilowattstunden angegeben, der Zähler misst den Gasverbrauch aber in der Volumeneinheit Kubikmeter (m³). Denn sowohl die örtliche Temperatur als auch der umgebende Luftdruck haben einen Einfluss auf das Erdgasvolumen. Und der Endverbraucher soll am Ende lediglich für die Energie zahlen müssen, die auch im Gas steckt, nicht für das Volumen.

Denn unterschiedliche Bedingungen vor Ort können das Volumen stark beeinflussen. Damit die Erdgasmengen an verschiedenen Verbrauchsstellen mit unterschiedlichen Bedingungen vergleichbar sind, verwendet man zur Berechnung die Zustandszahl.

Ihr findet die Zustandszahl ebenfalls auf der Rechnung eures Energieversorgers.

Beispiel: Jährliche Gaskosten berechnen

In einem Zwei-Personen-Haushalt mit 75 Quadratmetern Wohnfläche werden jährlich 958 Kubikmeter Gas verbraucht. Die Zustandszahl in der letzten Abrechnung lag bei 0,9674, der Brennwert bei 11,276 kWh pro m³. Eine Kilowattstunde Strom kostet beim Anbieter derzeit 10,02 Cent.

  • Kubikmeter: 958 m³
  • Zustandszahl: 0,9674
  • Brennwert: 11,276 kWh/m³

Rechnung:

958 m³ x 0,9674 x 11,276 kWh/m³ = 10.450,2495 kWh Gasverbrauch im Jahr

10.450,2495 kWh x 0,1002 Euro = rund 1.047 Euro Gaskosten im Jahr

Wichtig: Die Gesamtkosten pro Jahr können bei den schwankenden Gaspreisen nur als Richtwert verstanden werden.

Gasverbrauch senken: Tipps für Mieter

In einer Miet- und natürlich auch Eigentumswohnungen gibt es jede Menge Einsparpotenzial für Gas. So könnt ihr euren Gasverbrauch nachhaltig senken:

1. Raumtemperatur richtig einstellen

Viele Menschen überheizen ihre Wohnungen. Natürlich möchte niemand frieren, doch selbst im Winter in luftiger Kleidung herumzulaufen, ist wohl auch nicht nötig. Eine kalte Winterperiode lässt sich gut mit Wolldecken, Wärmflasche, Fleecejacke und heißen Getränken überbrücken.

Grundsätzlich gilt die Empfehlung, die Raumtemperatur im Wohnbereich auf maximal 20 Grad Celsius zu halten. Für die Küche genügen in der Regel 18 Grad Celsius und im Schlafzimmer sind 16 bis 18 Grad Celsius optimal. Jedes Grad weniger spart Energie, die Temperatur sollte aber immer noch angenehm sein.

Mehr zum Thema: "Optimale Temperatur im Schlafzimmer – was ihr wissen solltet"

2. Türen schließen

Moderne Heizkörper reagieren mithilfe von Temperaturfühlern auf die Umgebung. Strömt kühle Luft durch eine offene Tür ins Zimmer, stört das nicht nur die Wärmezirkulation. Die Heizung powert zusätzlich, um den Temperaturunterschied auszugleichen. Ein unnötiger Energieverlust, den ihr verhindern könnt, indem ihr Türen möglichst geschlossen haltet.

3. Heizkörper frei halten

Ein ähnlicher Effekt stellt sich ein, wenn ihr den Heizkörper nicht "atmen" lasst, zum Beispiel, weil ein Sessel davor steht. Die erzeugte Wärme kann sich nicht im Raum verteilen und dieser kühlt ab. Ist der Temperaturfühler direkt an der Heizung, kommt es zu einem Hitzestau und der Heizkörper fährt automatisch herunter. Wird die Temperatur wiederum im ausgekühlten Raum gemessen, muss der Heizkörper ständig nachheizen.

4. Gasverbrauch senken durch Nachtabsenkung

Mithilfe der Nachtabsenkung kann man die Heizung so programmieren, dass sie nachts auf eine niedrigere Temperatur herunterfährt. Die Räume kühlen gewollt ab und am Morgen wird diese Absenkung automatisch aufgehoben. Grundsätzlich ist eine Reduzierung der Temperatur um drei bis vier Grad ausreichend. Die Nachtabsenkung macht allerdings nur Sinn, wenn das morgendliche Aufheizen nicht mehr Energie verbraucht als man über Nacht einspart.

Bevor ihr also die Nachtabsenkung nutzt, prüft ob euer Gebäude dafür die optimalen Bedingungen hat. Wartet eine Nacht ab, in der die Außentemperatur 0 Grad Celsius beträgt und schaltet die Heizung komplett aus. Messt am Abend und am nächsten Morgen nach dem Aufstehen die Raumtemperatur. Bei einer Differenz ab drei Grad Celsius kann eine Nachtabsenkung sinnvoll sein. In der Regel ist dies bei schlecht gedämmten Häusern der Fall. Bei gut gedämmten oder thermisch trägen Gebäuden lohnt sich die Regulierung der Heizung meist nicht.

5. Heizkörper regelmäßig entlüften

Gelangt Luft in den Rohrkreislauf der Heizung, kann diese nicht mehr optimal Wärme abgeben. Das bedeutet, der Heizkörper muss mehr Energie liefern, um den Raum auf die gewünschte Temperatur zu bringen. Das treibt die Heizkosten in die Höhe. Um den Gasverbrauch zu senken, solltet ihr alle Heizkörper in der Wohnung mindestens einmal im Jahr entlüften. Mehr dazu: "Heizung entlüften: So geht's Schritt für Schritt"

Woran erkennt man Luft in den Rohren? Erfahrt mehr in diesem Ratgeber: "Heizung macht Geräusche: Das hilft, wenn die Heizung gluckert & knackt"

Hand dreht Enltüftungsventil an Heizung auf mit Entlüftungsschlüssel
Vor jedem Winter sollten Mieter ihre Heizungen entlüften. © iStock/Getty Images/Thomas Faull

6. Wohnung richtig lüften

Korrektes Lüften ist sowohl aus Energiesparsicht als auch in puncto Schimmelvorsorge essentiell. Idealerweise lüftet ihr mehrmals am Tag für fünf bis zehn Minuten. So kann sich die Luft in allen Räumen austauschen, ohne dass zu viel Wärme verloren geht. Lest hier alles zum Thema "Richtig lüften". In diesem Ratgeber geben wir euch außerdem Tipps speziell zum Lüften im Winter.

7. Wohnung zusätzlich isolieren

Eine gute Dämmung ist Grundvoraussetzung für ein gutes Energiemanagement und geringe Gaskosten. Die Isolierung eurer Wohnung durch mehrfach verglaste Fenster und eine moderne Außenwanddämmung habt ihr als Mieter nicht unbedingt in der Hand. Ob ihr die Außenwände von innen dämmen dürft, müsst ihr im Vorfeld mit dem Vermieter abstimmen.

Aber auch ohne richtige Dämmung könnt ihr euren Teil dazu beitragen, dass die Räume im Winter warm und im Sommer kühl bleiben. Neben kontrolliertem Lüften sind Gardinen, Rollos oder Jalousien sinnvoll. Außerdem könnt ihr Türspalte abdichten, damit keine Wärme entweicht oder eindringt.

Gasverbrauch senken: Tipps für Immobilienbesitzer

Ihr seid Haus- oder Wohnungseigentümer? Dann könnt ihr neben den genannten Tipps zusätzlich folgendes tun, um euren Gasverbrauch zu senken:

8. Gebäude optimal isolieren

Es gibt zahlreiche Vorgaben an neue Gebäude, um das Energiesparpotenzial optimal zu nutzen. Diese sind im Gebäudeenergiegesetz (GEG) festgelegt. Darin geht es unter anderem um den Wärmedämmstandard und den Hitzeschutz. Inwieweit es sich anbietet, weitere Isolierungsmaßnahmen zu ergreifen beziehungsweise einen Altbau energetisch zu sanieren, klären Eigentümer am besten mit einem Energieberater. Der Experte kann euch bei der Entscheidung unterstützen, ob es sich beispielsweise lohnt, das Dach zu dämmen, die Fenster auszutauschen oder die Fassade neu zu dämmen.

Handwerker dämmt Dach
Eine fachgerechte Dachdämmung sorgt auch für eine gute Energiebilanz. © Getty Images/iStockphoto

9. Gebäudeschäden reparieren

Besonders ältere Gebäude können bei Sturm, Starkregen, Hagelschlag oder während einer langen Kälteperiode Schaden nehmen. Defekte Rohre, lockere Dachziegel und andere undichte Stellen können die Gaskosten in die Höhe treiben, ohne dass Besitzer damit rechnen. Deshalb ist es ratsam, euer Haus regelmäßig, besonders aber nach extremen Wetterlagen, nach Beschädigungen abzusuchen und diese schnellstmöglich zu beheben.

Tipp: Zwar lässt sich mit einer Gebäudeversicherung nicht der Gasverbrauch senken, möglicherweise aber die Kosten für eventuelle Gebäudeschäden: Erfahrt hier, welche Policen sinnvoll sind und was sie abdecken.

10. Gastherme warten und bei Bedarf ersetzen

Üblicherweise wird eine jährliche Wartung der Heizungsanlage empfohlen. Dabei wird untersucht, ob die Gasheizung noch den maximal möglichen Wirkungsgrad erreicht. Tut sie dies nicht, können Maßnahmen ergriffen werden, um den gestiegenen Gasverbrauch wieder zu senken.

Zudem gilt der Richtwert, die Anlage alle zehn Jahre gegen eine neue Gasheizung auszutauschen. Das Ausfallrisiko steigt mit den Jahren. Die Anschaffungskosten liegen in etwa zwischen 6.000 und 9.000 Euro. In vielen Fällen gibt es großzügige Zuschüsse vom Staat. Wägt ab, ob ihr die Summe investieren möchtet und wie viel Geld sich durch den niedrigeren Gasverbrauch einsparen lässt.

11. Gasheizung durch Heizung mit regenerativer Energie ersetzen

Wenn eure Gasheizung sowieso in die Jahr gekommen ist, könnt ihr natürlich auch über eine Alternative zur Gasheizung nachdenken und euch so langfristig von fossilen Energieträgern unabhängig machen. Lest hier mehr über die verschiedenen Möglichkeiten: "Neue Heizung: Was kosten neue Heizungsanlagen und wie viel sparen sie?"

Vor allem Wärmepumpen, Pelletheizungen und Solarthermie sind eine Alternative zur Gasheizung, die vom Staat auch noch kräftig gefördert werden.

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