Kerndämmung: Arbeiter bringt Dämmstoff in ein zweischaliges Mauerwerk ein.
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Fassadendämmung mit Kerndämmung: Kosten und Nutzen

Wer seine Außenwände dämmt, kann viel Energie und Heizkosten einsparen. Eine einfache und kostengünstige Möglichkeit ist die Fassadendämmung mit Kerndämmung. Vorteile, Nachteile und Kosten der Hohlraumdämmung.

Eine Fassadendämmung mit Kerndämmung ist äußerst vielseitig. Sie lohnt sich bei Altbau und Neubau, lässt sich auf verschiedene Arten und Weisen einbringen und kann mit verschiedenen Dämmstoffen ausgeführt werden. Dennoch gilt es einiges zu beachten – und nicht für jedes Haus ist eine Hohlraumdämmung die richtige Lösung. Wir zeigen euch, welche Vor- und Nachteile die Kerndämmung hat und mit welchen Kosten ihr rechnen müsst.

Was versteht man unter einer Kerndämmung?

Unter einer Kerndämmung versteht man eine Dämmung, die weder an den Innenwänden noch außen an der Fassade, wie Wärmedämmverbundsysteme, angebracht wird, sondern in deren Kern. Das Dämmmaterial wird also in die Hohlräume zwischen tragender Wand und Verblendmauerwerk eingebracht. Daher nennt man sie auch Hohlraumdämmung.

Die Kerndämmung ist äußerst vielseitig. Verschiedene Dämmstoffe und verschiedenen Methoden lassen sich verwenden. Und: Ihr könnt sie sowohl im Altbau bei zweischaligem Mauerwerk zur nachträglichen Wärmedämmung einsetzen wie auch bei einem Neubau. In jedem Fall ist sie eine preiswerte und praktikable Dämmmethode.

Nicht nur die Fassadendämmung mit Kerndämmung ist möglich. Die Hohlraumdämmung eignet sich auch zur Dachdämmung, zum Dämmen von Geschossdecken und zur Kellerdämmung.

Aufbau einer Kerndämmung

Bei der Kerndämmung wird das Dämmmaterial zwischen der tragenden Wand und dem Verblendmauerwerk eingebracht. Die Wärmedämmwirkung entsteht zum einen durch den Dämmstoff. Aber die Dämmung erhöht auch die Oberflächentemperatur auf der Innenschale der Außenwand. So werden die Außenwände zu einer Art Wärmespeicher, der Wärme nach Innen abgeben kann.

Infografik Kerndämmung
© Antonia Eigel / wohnglück.de

Welche Arten der Kerndämmung gibt es?

Eine Kerndämmung an der Fassade könnt ihr auf verschiedene Arten durchführen. Welche die geeignetste ist, liegt am zu dämmenden Gebäude sowie am Dämmstoff, den ihr verwenden wollt. Für den gilt in jedem Fall: Er muss hydrophob, also wasserabweisend, sein. Denn der Stoff darf die Feuchtigkeit, die durch die äußere Mauerschale eindringt, nicht nach innen weiterleiten. Außerdem verlieren Dämmstoffe, die sich mit Wasser vollgesogen haben, ihre Dämmwirkung. Neben Dämmstoffen, die von Haus aus hydrophob sind, können dabei auch ökologische Dämmstoffe wie Stroh oder Wolle mit einer Dampfbremse verbaut werden.

Einblas- und Einschüttdämmung

Bei der Einblasdämmung wird das Dämmmaterial in Form von Flocken oder Kügelchen zwischen Innenwand und Außenschale eingeblasen. Es eignen sich zum Beispiel Flocken aus Stein- oder Glaswolle für das Einblasen. Granulat wie Perlite, Kügelchen aus expandiertem Polystyrol (EPS) oder aus sehr effektivem aber teurem Aerogel, kann über Löcher auch eingeschüttet werden.

Der große Vorteil der Einblasdämmung ist ihr Preis: Auch wenn sie – allein schon wegen der notwendigen Geräte – vom Profi durchgeführt werden muss, ist sie doch die günstigste Art und Weise, eine Fassade zu dämmen. Ihr interessiert euch für Einblasdämmungen? Dann lest dazu mehr: Einblasdämmung als Fassadendämmung: Vorteile, Nachteile und Kosten

Dämmung mit Dämmplatten

Eine weitere Möglichkeit ist die Dämmung mit Dämmplatten oder Dämmmatten. Diese werden aus verschiedenen Materialien angeboten, wie Hartschaum oder Mineralfasern wie Glas- oder Steinwolle und direkt als Teil der Fassade mit verbaut.

Dämmung mit Schaum

Auch Dämmschäume sind für die Kerndämmung geeignet. Sie werden in die Hohlräume eingebracht und füllen diese aus. Nach dem Auftragen härten sie aus. Es eignen sich zum Beispiel Polyurethan Hartschaum (PUR/PIR), Hartschaum aus Expandiertem Polystyrol (EPS) oder aus extrudiertem Polystyrol (XPS).

Welche Sanierungsmaßnahmen sind noch sinnvoll? Lest hier mehr: "Energetische Sanierung: Welche Maßnahmen lohnen sich?"

Kerndämmung im Neubau

Auch wenn sich die Kerndämmung für Altbauten gut eignet, ist sie doch bei Neubauten noch um einiges einfacher durchzuführen. Denn die Hohlräume liegen während der Bauphase frei. Das ermöglicht auch einen Einsatz verschiedener Dämmmethoden. Häufig kommen Dämmplatten oder -matten zum Einsatz, die dann direkt als Teil der Fassade verbaut werden. Sie werden dabei auf die Innenwände aufgebracht, bevor die Außenwand hochgezogen wird. Eine Einblasdämmung ist ebenfalls möglich, wenn die Außenschale schon steht.

Häufig werden beim Neubau auch Schäume eingesetzt, die direkt auf die Innenwände gespritzt werden und anschließend dort aushärten.

Nachträgliche Kerndämmung bei Altbauten

Im Altbau wird meistens die Methode der Einblasdämmung verwendet. Das funktioniert aber nur, wenn das Gebäude ein zweischaliges Mauerwerk hat, was bei Gebäuden mit Baujahren bis in die 1990er-Jahre hinein besonders im Norden Deutschlands in der Regel zutrifft. Wenn ihr keinen Bauplan für das Haus habt, könnt ihr das Vorhandensein eines solchen Mauerwerks auch prüfen, indem ihr ein kleines Loch in die Wand bohrt. Anschließend testet ihr mit einem dünnen Gegenstand, ob sich ein Hohlraum dahinter befindet. Profis können ein Haus natürlich auch auf ein zweischaliges Mauerwerk checken: Sie verwenden dafür endoskopische Methoden, für die keine Löcher gebohrt werden müssen.

Die Löcher kommen aber später. Denn der Dämmstoff wird beim Altbau immer über rund 2,5 Zentimeter große Löcher in der Außenwand in die Hohlräume eingeblasen oder eingeschüttet. Eine weitere Möglichkeit im Altbau ist die Dämmung mit Hartschaum, der ebenfalls über Löcher in die Hohlräume gespritzt wird. Dort härtet er anschließend aus.

Kosten der Kerndämmung

Die Kosten für eine Kerndämmung liegen je nach Dämmstoff und Art der Dämmung zwischen 20 und 100 Euro pro Quadratmeter. Dabei ist das Einblasen eines Dämmstoffs besonders günstig (20 bis 30 Euro), während ihr für Dämmmatten etwas mehr Budget einplanen solltet (60 bis 120 Euro pro Quadratmeter).

  • Dämmstoff
  • Preis pro Kubikmeter
  • Nanogel/Aeorgel
  • 1500 bis 2700 Euro
  • Glaswolle
  • 25 bis 35 Euro
  • Steinwolle
  • 30 bis 40 Euro
  • Perlite
  • 105 bis 115 Euro
  • EPS-Kügelchen
  • 100 bis 110 Euro
  • Schaumglas
  • 95 bis 105 Euro
  • Zellulose
  • 140 bis 150 Euro
  • Holzfaser
  • 40 bis 150 Euro

Ungefähre Preise für Dämmstoffe, die sich für die Kerndämmung eignen

Vorteile der Kerndämmung

Die Kerndämmung hat viele Vorteile, sowohl im Altbau wie auch im Neubau. Sie ist im Vergleich mit anderen Dämmmethoden günstig. Außerdem bekommt ihr nicht nur eine effektive Wärmedämmung, sondern auch einen guten Schallschutz. Besonders bei Bestandsbauten ist die Einblasdämmung als Kerndämmung die günstigste und effektivste Art, ein Haus energieeffizienter zu machen.

Ein weiter Vorteil ist, dass der Aufwand sehr gering ist und nur wenige Bauarbeiten anfallen. Ihr müsst euch also nicht wochenlang mit einer dreckigen Baustelle in eurem Zuhause rumschlagen. In ein bis zwei Tagen ist alles erledigt. Außerdem bietet euch die Kerndämmung gestalterische Freiheit. Denn die Dämmung wird nicht wie beim Wärmedämmverbundsystem (WDVS) innen oder außen angebracht, was die Gestaltung einschränkt. Sie nimmt euch außerdem keinen Platz weg.

Kerndämmung: Einblasdämmung mit Mikrogranulat bei einer Hausfassade.
Effektive Form der Kerndämmung von Hohlräumen: Einblasdämmung mit Mikrogranulat bei einer Hausfassade. © Getty Images/iStockphoto/claffra

Nachteile der Hohlraumdämmung

Andere Dämmmethoden sind allerdings häufig energieeffizienter als die Kerndämmung. Denn die Gefahr von Wärmebrücken ist groß – und lässt sich häufig gar nicht vermeiden. Besonders im Bereich von Fenstern und Türen gibt es häufig Wärmebrücken, die eine Kerndämmung nicht beseitigen kann. Das Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist hier im Vorteil.

Auch bei einem Umbau kann die Kerndämmung stören, weil Wände nicht so einfach abgerissen werden können. Ähnliches gilt für Schäden, wie Wasserschäden, deren Beseitigung einen größeren Aufwand erfordert. Ein weiterer Nachteil: Ihr könnt die Dicke der Dämmschicht, besonders im Altbau, nicht selbst bestimmen. Die Breite des Hohlraums gibt euch vor, wie viel Dämmmaterial eingebracht werden kann.

Förderung

Wenn ihr die Fassade eures Hauses energieeffizient saniert oder direkt energieeffizient baut, könnt ihr dafür eine staatliche Förderung für Einzelmaßnahmen beantragen. Möglich ist ein zinsgünstiger Kredit mit Tilgungszuschuss oder ein reiner Zuschuss. Für Einzelmaßnahmen wie die Fassadendämmung könnt ihr dabei bis zu 12.000 Euro über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW, für Kredite) oder das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA, für Zuschüsse) bekommen. Mehr zu den Fördermöglichkeiten lest ihr in unserem Artikel zur Bundesförderung für effiziente Gebäude. Das Förderprogramm ist auf jeden Fall noch für das Jahr 2022 finanziert, in diesem Jahr könnt ihr also noch Anträge stellen. Wie es danach weitergeht, ist offen.

Alternativ könnt ihr für die Fassadendämmung auch einen Steuerbonus in Anspruch nehmen. Dabei könnt ihr höchstens 200.000 Euro an Sanierungskosten geltend machen, von denen 20 Prozent von der Steuer abgesetzt werden können. Das ergibt eine Steuerminderung von höchstens 40.000 Euro pro Wohneinheit. Lest dazu auch gern diesen Artikel: Sanierung steuerlich absetzen: 5 Steuertipps für die energetische Sanierung

Fazit zur Kerndämmung

Die Kerndämmung lohnt sich in der Regel – denn mit vergleichsweise günstigen Kosten könnt ihr so eine recht große Wirkung erzielen. Die Wärme bleibt weitaus länger im Haus – ihr müsst weniger heizen, tut etwas für die Umwelt und spart Kosten. Gleichzeitig verbessert ihr den Schallschutz eures Hauses. Besonders bei Altbauten ist die Kerndämmung zu empfehlen. Hier können bei zweischaligem Mauerwerk andere Methoden der Fassadendämmung wie Wärmedämmverbundsysteme auch gar nicht wirkungsvoll eingesetzt werden.

Lesenswert für alle, die sich für Dämmung interessieren: "Vakuum-Dämmung: Vorteile, Nachteile & Kosten"

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