Wärmedämmverbundsysteme: Außenfassade eines Hauses wird mit WDVS beklebt.
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Fassadendämmung mit Wärmedämmverbundsystem: Kosten und Nutzen

Katharina Schneider

Katharina Schneider

Die Fassadendämmung mit Wärmedämmverbundsystem gehört zu den beliebtesten Arten der Außendämmung in Deutschland. Kein Wunder, lässt sich mit ihr doch sehr viel Energie sparen. Für jedes Haus eignet sich diese Dämmmethode allerdings nicht. Wir zeigen euch Vorteile, Nachteile und Kosten von WDVS.

Eine der am weitesten verbreiteten Möglichkeiten der Außendämmung ist die Fassadendämmung mit Wärmedämmverbundsystem. Schon seit mehr als 60 Jahren wird sie in Deutschland eingesetzt. Dabei haben sich sowohl die Baustoffe wie auch die Art der Anbringung immer weiter entwickelt. So sind Wärmedämmverbundsysteme heute eine sehr effektive Art zu dämmen, mit der ein großer Anteil der Heizkosten eingespart werden kann. Wir zeigen euch Vorteile, Nachteile und Kosten.

Was versteht man unter einem Wärmedämmverbundsystem?

Ein Wärmedämmverbundsystem, kurz WDVS, ist ein System mit aufeinander abgestimmten Komponenten. Das Kernelement ist natürlich ein Dämmstoff. WDVS werden an der Außenwand von Gebäuden montiert – und das in Deutschland schon seit den 1960er-Jahren. WDVS sind eine der häufigsten Arten, eine Fassade zu dämmen. Sie eignet sich sowohl für Sanierungen von Altbauten wie auch für den Neubau. Und zwar besonders dann, wenn die Fassade ohnehin verputzt oder verkleidet werden soll. So ist optisch kein Unterschied zu erkennen.

Besonders gut eigenen sich WDVS auch bei Gebäuden mit einschaligem Mauerwerk und mit Vormauerschale. Nicht zu empfehlen sind sie bei zweischaligem Mauerwerk. Dort können sie ihre Dämmwirkung nicht richtig entfalten. Auch bei denkmalgeschützten Fassaden oder Fachwerkfassaden sind WDVS die falsche Wahl. Eine Einblasdämmung oder Innendämmung ist hier die bessere Alternative.

Aufbau von WDVS

Wärmedämmverbundsysteme bestehen aus mehreren Komponenten von einem Hersteller, die aufeinander abgestimmt sind. Dabei wird der eigentliche Dämmstoff in der Regel als Platte direkt auf der Außenwand angebracht. Das geschieht mit Kleber, Spezialdübeln oder Schienen. Auf der Dämmplatte wird eine Schicht Armierungsmörtel aufgebracht. Das ist ein spezieller Mörtel für WDVS, der je nach Hersteller eine unterschiedliche Zusammensetzung hat. In jedem Fall enthält er einen hohen Anteil an Kunstharz. Der ermöglicht eine robuste Putzschicht trotz einer nur geringen Auftragsstärke. Die ist in der Regel zwischen 1,5 und fünf Millimeter dünn.

Zusätzlich wird ein Armierungsgewebe eingearbeitet. Das besteht meistens aus mit Kunststoff ummanteltem und alkalibeständigen Glasfasergewebe. Es kann aber auch aus Flachs, einfachem Kunststoff oder Jute sein. Durch das Armierungsgewebe wird der Putz sehr viel widerstandsfähiger. So erhöht sich die Haltbarkeit der Dämmung, sie wird robuster gegen Umwelteinflüsse, Frost und Wasser. Abschließend wird ein Außenputz aufgetragen.

Wie dick die Dämmung mit WDVS abschließend wird, hängt vom Gebäude und dem gewählten Dämmstoff ab. Grundsätzlich kann man mit einer Dicke von zehn bis 15 Zentimetern rechnen.

Wärmedämmverbundsystem (WDSV)
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Welche Dämmstoffe sind für WDVS geeignet?

Für WDVS kommen verschiedene Dämmstoffe in Frage:

  • Synthetische Dämmstoffe: Kunststoffe wie expandierter Polystyrol (EPS) oder Polyurethan (PUR) kommen bei der Außendämmung am häufigsten zum Einsatz, haben aber eine schlechte Ökobilanz und sind nicht recyclingfähig und verrotten nicht.
  • Mineralische Dämmstoffe: Auch Dämmstoffe wie Glaswolle oder Steinwolle, Schaumglasschotter oder Kalziumsilikatplatten werden in WDVS als Dämmplatten verwendet.
  • Ökologische organische Dämmstoffe: ökologische Dämmstoffe aus Hanf, Kork oder Holzfasern eignen sich ebenfalls für WDVS.

Montage der Fassadendämmung mit Wärmedämmverbundsystem

Bei WDVS ist die fachmännische Montage besonders wichtig, da die Gefahr von Wärmebrücken und Schimmelbildung droht. Die können besonders bei Fenstern oder Türen aber auch bei Detailanschlüssen wie Abwasserrinnen entstehen. Wichtig ist auch, die Platten dicht an dicht zu verlegen. Ansonsten kann keine ununterbrochene Wärmedämmschicht gewährleistet werden. Das kann zu Schimmelbildung hinter den Platten führen.

Wärmedämmverbundsysteme unterliegen der Bauaufsicht des Deutschen Instituts für Bautechnik in Berlin. Von dem müssen sie zugelassen werden. Der Bauordnung entsprechend müssen WDVS außerdem selbsttragend sein.

Was kostet ein Quadratmeter Fassadendämmung mit Wärmedämmverbundsystem?

Insgesamt müsst ihr bei WDVS mit Kosten zwischen 100 und 150 Euro pro Quadratmeter rechnen. Wie hoch der Preis aber tatsächlich ausfällt, hängt von mehreren Faktoren wie dem gewählten Dämmstoff, der Dämmstoffdicke und den nötigen Vorarbeiten an der Fassade ab. Wird eine Fassade saniert, müsst ihr inklusive WDVS ungefähr das doppelte bis dreifache der Kosten ohne extra Dämmung rechnen.

  • Art der Fassadendämmung
  • Kosten pro Quadratmeter
  • Einblasdämmung
  • 20 bis 30 Euro
  • Kerndämmung mit Dämmmatten
  • 60 bis 120 Euro
  • Wärmedämmverbundsystem (WDVS)
  • 100 bis 200 Euro
  • Vorgehängte, hinterlüftete Fassade (VHF)
  • 175 bis 400 Euro
  • Wärmedämmziegel
  • 180 bis 300 Euro

Ungefähre Kosten einer Fassadendämmung, Stand 3/2022

Fördermöglichkeiten für WDVS

Für Fassadendämmungen, egal ob die Außenwände saniert werden oder ob neu gebaut wird, gibt es staatliche Förderungen von Einzelmaßnahmen bei der Sanierung. Voraussetzung ist allerdings, dass ein gewisser U-Wert erreicht wird. Der gibt an, wie hoch der Wärmeverlust des Gebäudes ist. Möglich an Unterstützung ist ein zinsgünstiger Kredit mit Tilgungszuschuss oder ein reiner Zuschuss.

Kredite könnt ihr über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Zuschüsse über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA, für Zuschüsse) beantragen. Mehr zu den Fördermöglichkeiten lest ihr in unserem Artikel zur Bundesförderung für effiziente Gebäude. Das Förderprogramm ist auf jeden Fall noch für das Jahr 2022 finanziert, in diesem Jahr könnt ihr also noch Anträge stellen. Wie es danach weitergeht, ist derzeit offen.

Alternativ könnt ihr für die Fassadendämmung auch einen Steuerbonus in Anspruch nehmen. Dabei könnt ihr höchstens 200.000 Euro an Sanierungskosten geltend machen, von denen 20 Prozent von der Steuer abgesetzt werden können. Lest dazu auch: Sanierung steuerlich absetzen: 5 Steuertipps für die energetische Sanierung

Wärmedämmverbundsysteme: Mann setzt WDVS-Platte auf die Fassade.
Gut zu sehen: Durch die WDVS-Platten wird das Haus dick eingepackt. © Getty Images/iStockphoto/maskalin

Vorteile vom Wärmedämmverbundsystem

WDVS bieten bei fachmännischer Anbringung eine sehr gute Wärmedämmwirkung mit wenigen Wärmebrücken. So kann der CO2-Ausstoß deutlich verringert und Heizkosten um bis zu 30 Prozent gesenkt werden. Außerdem bieten sie einen guten Feuchteschutz. Nebenbei ist die Auswahl an Dämmstoffen bei dieser Art der Fassadendämmung sehr groß und vielseitig. Durch ein Wärmedämmverbundsystem gewinnt eure Immobilie außerdem auch an Wert. Wenn ihr wissen wollt, wie viel sie wert ist, könnt ihr den kostenlosen Service unserer Immobilienbewertung nutzen.

Nachteile von der Fassadendämmung mit Wärmedämmverbundsystem

WDVS sind zwar effektiv, aber auch teuer. Eine Kerndämmung ist in der Regel um einiges günstiger. Außerdem ist das Anbringen von WDVS kompliziert: Kleine Fehler werden nicht verziehen und haben möglicherweise weitere Auswirkungen. Die Montage sollte daher unbedingt ein Profi übernehmen. Sie ist auch dann aufwändig und dauert. Schließlich muss zunächst ein Gerüst angebracht werden. Außerdem eignet sich nicht jede Fassade für WDVS. Und schließlich verbreitert die Dämmung auch die Wände – was das Grundstück kleiner macht.

Fazit zur Fassadendämmung mit Wärmedämmverbundsystem

Wärmedämmverbundsysteme sind nicht umsonst eine der am häufigsten verwendeten Methoden der Außendämmung. Sie bieten eine sehr gute Wärmedämmwirkung, sind robust, widerstandsfähig und lange haltbar. Außerdem sind sie aufgrund der zahlreichen möglichen Dämmstoffe sehr auf individuelle Wünsche anpassbar. Natürlich ist die Investition nicht gering – allerdings lohnt sie sich schnell. Es lässt sich damit schließlich ein großer Anteil an Heizkosten sparen. Wer das Budget und eine für WDVS geeignete Fassade hat, der sollte diese Art der Fassadendämmung auf jeden Fall in Betracht ziehen. Erfahrt hier, welche Sanierungsmaßnahmen sich noch lohnen.

Lest auch: "Vakuum-Dämmung: Vorteile, Nachteile & Kosten"

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