alte Korkeiche in der Abendsonne
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Bauen | Ratgeber

Korkdämmung: Alles übers Dämmen mit Kork

Katharina Schneider

Katharina Schneider

Kork wird in erster Linie als Trittschalldämmung verwendet. Der Einsatz als Wärmedämmstoff ist noch eher selten. Dabei hat die Korkdämmung einige Vorteile. Alles, was ihr über diesen ökologischen Dämmstoff wissen müsst.

Der Werkstoff Kork aus der Rinde der Korkeiche hat eine lange Geschichte – angeblich geht sie bis ins zweite Jahrhundert zurück. Das Material ist nicht nur als Flaschenverschluss oder Bodenbelag einsetzbar. Auch als Wärmedämmstoff ist das Naturmaterial gut geeignet. Die Korkeichen-Rinde kommt aus dem Mittelmeerraum, mittlerweile größtenteils aus Portugal. Von dort aus wird auch die Hälfte des Welthandels mit Kork abgewickelt.

Korkdämmung bietet viele Vorteile. Kork ist schlecht brennbar, hält die Wärme im Winter gut im Inneren des Hauses, ist elastisch und dämmt Schall besonders gut.

Für was eignet sich Kork als Dämmstoff?

Kork ist in erster Linie als Trittschalldämmung verbreitet. Der Einsatz als Wärmedämmstoff ist noch eher selten.

Korkdämmungen lassen sich vielseitig einsetzen:

  • Loses Kork-Granulat eignet sich für jede Art der Hohlraumdämmung, sowohl bei Wänden und Decken als auch bei der Zwischensparrendämmung des Dachs.
  • Korkplatten eignen sich für die Außendachdämmung, die Fassadendämmung und das Dämmen von Decken. Ein großer Vorteil von Dämmstoffen aus Kork ist die Druckbeständigkeit. Daher lassen sie sich auch unter dem Estrich verlegen.
  • Bei der Fachwerksanierung setzen Experten häufig auf Kork. In der Kombination mit Lehm wird eine diffusionsoffene Innenwanddämmung geschaffen, die für den Erhalt der historischen Gebäude sorgt.

Eignet sich Kork zur Innendämmung?

Der Einsatz von Kork als Innenwanddämmung ist umstritten. Technisch ist sie zwar kein Problem, jedoch bringt das Material einen typischen Eigengeruch mit, der gerade im Innenbereich viele Menschen stören kann. Für die Perimeterdämmung ist Kork nicht geeignet.

alte Korkeiche in der Abendsonne
Die Korkeiche wächst auf der iberischen Halbinsel. Portugal ist der weltweit größte Produzent von Kork. © istock/getty images/ah_fotobox

Ist Kork wärmedämmend?

Die Wärmeleitfähigkeit von Korkplatten liegt zwischen 0,040 und 0,045 Watt pro Meter und Kelvin. Schüttdämmungen aus Kork haben eine etwas höhere Wärmeleitfähigkeit zwischen
0,050 und 0,055 Watt pro Kelvin und Meter. Damit liegt Kork eher im Mittelfeld, was den Schutz vor winterlicher Kälte anbelangt. Kork kann Hitze jedoch sehr gut speichern und hält Gebäude im Sommer deshalb angenehm kühl.

Eignet sich Kork zur Schalldämmung?

Kork enthält Hohlräume, die Luft speichern. Deshalb hat Kork nicht nur sehr gute Dämmeigenschaften, das Material ist auch sehr schalldämmend und deshalb zum Beispiel als Bodenbelag beliebt. Wer in einer lauten Gegend lebt, der ist mit Korkdämmungen gut beraten.

Kork als Bodenbelag zum Schallschutz
Wegen seiner hohen Rohdichte bietet Kork eine sehr gute Schalldämmung und eignet sich gut für das Dämmen von Fußböden. © Getty Images/iStockphoto

Kann Kork schimmeln?

Kork kann Feuchtigkeit aufnehmen, zwischenspeichern und wieder abgeben. Er ist sehr beständig gegenüber Fäulnis. Außerdem ist Kork diffusionsoffen, also atmungsaktiv. Im Kork selbst sind viele Tannine enthalten und wenig Eiweißstoffe, weshalb er beständig ist gegen Pilze und Schimmelbefall und ihnen keinen guten Nährboden bietet. Kork wird genau deshalb auch häufig als Flaschenkorken verwendet.

Brennverhalten von Kork

Kork ist ohne Nachbehandlung schon von Natur brandsicher. Er fällt je nach Produkt in die Baustoffklasse B1 (schwer entflammbar) oder B2 (normal entflammbar) laut DIN 4102-1. Nach der europäischen Norm EN 1350-1 fällt er in die Klassen Bs1 d0 bis E (schwer entflammbar oder normal entflammbar).

  • Kennzahl
  • Korkdämmung
  • Wärmeleitfähigkeit in W/(mK)
  • 0,040
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand
  • 5 bis 10
  • Baustoffklasse (Brandschutz) nach DIN 4102-1 und EN 13501-1
  • B1 (schwer entflammbar) oder B2 (normal entflammbar) laut DIN 4102-B1 bis B2 (DIN) und Bs1 d0 bis E (EN)
  • Rohdichte in kg/m3
  • 120
  • spezifische Wärmekapazität in J/(kgK)
  • 1.800
  • Kosten
  • Platten: 7 bis 60 Euro pro m2, Schüttung: 210 bis 400 pro m3

Herstellung von Korkdämmplatten

Um Korkdämmstoffe herzustellen, wird die Rinde zunächst zu Granulat gemahlen. Anschließend backt man das Granulat unter Zufuhr von rund 350 Grad heißem Wasserdampf unter Druck. Daher heißt das so hergestellte Material auch Backkork. Durch die hohe Temperatur bläht sich das Granulat auf. Im Fachjargon: es expandiert. Außerdem tritt durch das Backen das korkeigene Harz Suberin aus, welches das Korkgranulat zu stabilen Blöcken verbindet. Aus diesen Blöcken lassen sich dann Korkdämmplatten schneiden.

Neben den Platten ist das Granulat nach der Expansion auch als Schüttdämmung geeignet.

Außerdem sind Produkte aus Presskork erhältlich. Um diese zu produzieren, wird das Granulat unter hohem Druck mit Bindemitteln zu Blöcken gepresst, aus denen sich Platten schneiden lassen. Presskork wird allerdings weniger zur Wärmedämmung, sondern eher als Trittschalldämmung im Bodenbereich eingesetzt.

Eine Zugabe von weiteren Stoffen ist bei Dämmprodukten aus Kork nicht notwendig. Das Material ist von Natur aus widerstandsfähig gegen Brand, Schimmel und Schädlinge.

Expandierter Kork
Um Korkdämmplatten herzustellen, muss das Material zunächst expandieren. © FNR

Nachhaltigkeit von Korkdämmung

Kork ist ein natürlicher nachwachsender Rohstoff – und somit als Dämmung nachhaltiger als zum Beispiel Polysterol (Styropor). Da Kork jedoch kein heimischer Rohstoff ist, wirken sich die langen Transportwege negativ auf die Öko-Bilanz von Korkdämmungen aus.

Eine Behandlung mit chemischen Zusatzstoffen gegen Brand, Schimmel oder Schädlinge ist hingegen nicht nötig, was wiederum positiv für die Öko-Bilanz ist.

Backkork oder Korkgranulat enthalten keinerlei Zusatzstoffe und lassen sich damit auch problemlos entsorgen. Korkgranulat wird außerdem in der Landwirtschaft oder im Gartenbau als Stoff zur Bodenverbesserung verwendet.

Wo kann man Korkdämmung kaufen?

Die Korkeiche darf für das ökologische Gleichgewicht der Korkeichenwälder nur alle acht bis zehn Jahre geschält werden. Der Verfügbarkeit kann also schwanken. Korkdämmstoffe könnt ihr teilweise beim gut sortierten Naturbauhändler beziehen. Aber auch zahlreiche Online-Shops bieten Korkdämmungen an. Bei Korkshop findet ihr zum Beispiel eine gute Auswahl an expandierten Dämmplatten. Auch die Firma G-Tec aus Österreich bietet Dämmprodukte aus Kork an. Ebenso Cellco, wo ihr Wärmedämmprodukte aus Kork kaufen könnt.

Preis und Kosten von Korkdämmung

Korkdämmplatten kosten je nach Dicke zwischen sieben und 60 Euro pro Quadratmeter. Für Korkgranulat müsst ihr zwischen 210 und 400 Euro pro Kubikmeter rechnen. Hinzu kommen die Kosten für den Einbau. Korkdämmungen bewegen sich daher im mittleren bis oberen Preissegment der ökologischen Dämmstoffe.

Eine Fassadendämmung mit Kork, die entsprechend den Vorschriften des geltenden Gebäudeenergiegesetzes ausgeführt werden soll, müsste eine Dicke von 18 Zentimetern haben. Dann erreicht die Außenfassade den vorgeschriebenen U-Wert von 0,24 Watt pro Quadratmeter und Kelvin.

Vorteile und Nachteile von Kork als Dämmstoff

Korkdämmung bietet viele Vorteile:

  • gute Dämmeigenschaften und guter sommerlicher Hitzeschutz
  • feuchtigkeitsregulierend und atmungsaktiv
  • guter Schallschutz
  • keine Zusatzstoffe für Brandschutz, Schutz vor Schimmel oder Schädlinge nötig
  • sehr druckresistent
  • sehr elastisch

Doch auch einige Nachteile müsst ihr beachten:

  • kein heimisches Produkt und daher lange Transportwege
  • eingeschränkte Anwendbarkeit
  • möglicherweise starker Eigengeruch

Fazit zur Korkdämmung

"Kork eignet sich gut als Innendämmung von Außenwänden aber auch für technische Anlagen", sagt René Görnhardt von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe. "Er ist auch eine Alternative bei Wärmedämmverbundsystemen." Positiv beurteilt der Bauexperte in Bezug auf die Öko-Bilanz auch, dass die Dämmungen in den meisten Fällen keine Zusätze enthalten.

Nachteilig für die Umwelt wirken sich allerdings die langen Transportwege aus. Ein Projekt, bei dem alte Flaschenkorken zu Schüttdämmstoffen auch in Deutschland verarbeitet wurden, gibt es aktuell nicht mehr.

Ob Kork für euer Dämmprojekt das richtige Material ist oder ob sich ein anderer ökologischer Dämmstoff wie Holzwolle, Holzfaser, Zellulose, Stroh oder Hanf besser eignet, lest ihr in unserem großen Vergleich natürlicher Dämmstoffe.

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