Komprimierte Dämmung aus Kork-Stücken und Hanffasern.
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Bauen | Ratgeber

Ökologische Dämmung: Vergleich und Kosten von natürlichen Dämmstoffen

Redaktion

Level: Für Fortgeschrittene

Geht das nicht auch nachhaltig? Auch beim Thema Dämmung steigt die Nachfrage nach natürlichen Materialien wie Hanf, Schafwolle, Seegras oder Holzfasern. Wir stellen acht ökologische Dämmstoffe vor – mit ihren Vorteilen, Nachteilen und Kosten.

Natürliche Dämmstoffe sind gefragt. Schafwolle und Seegras, Holzfasern oder Hanf punkten nicht nur mit ihrer Ökobilanz und Gesundheitsverträglichkeit, sondern haben auch in bauphysikalischer Hinsicht viele Vorteile. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen bei Neubau oder Sanierung ihrer Häuser auf ökologische Dämmung setzen.

Für die natürlichen Materialien spricht vor allem ihre Ökobilanz: Sie helfen, Heizenergie zu sparen, und sind schon in der Herstellung besonders klima- und umweltfreundlich. Primärenergiebe­darf und CO2-Emissionen der meist pflanzlichen Rohstoffe liegen um ein Vielfaches niedriger als bei synthetischen und mineralischen Materialien. Die natürlichen Dämmstoffe können später zudem einfach entsorgt bzw. recycelt werden. Hinzu kommt, dass sie gesundheitlich weitgehend unbedenklich sind.

Natürliche Dämmstoffe im Vergleich

Vor allem viele Produkte aus Holzweichfasern, Holzspänen, Hanf, Schafwolle, Flachs und Seegras sind entsprechend geprüft und zertifiziert. Die meisten Naturdämmstoffe wirken zudem feuchtigkeitsregulierend, helfen also dabei, übers ganze Jahr ein ausgeglichenes Raumklima zu gewährleisten. Sie werden deshalb vor allem für die Innendämmung eingesetzt. Auch im Hinblick auf den sommerlichen Hitzeschutz und die schalldämmenden Eigenschaften haben die Öko-Dämmstoffe Vorteile.

Bleibt als größtes Manko der Preis: Die Naturprodukte sind teurer als Styropor oder Mineralwolle – doch für Nachhaltigkeit und Wohngesundheit sind immer mehr Menschen bereit, die höheren Kosten zu tragen.

Wir fassen für euch im Folgenden die Vorteile und Nachteile dieser Stoffe zusammen – und nennen außerdem Wärmeleitfähigkeit (Watt pro Meter und Kelvin) und Kosten.

1. Holzfaser

Holzfasern werden – zu Platten gepresst – als Dämmstoff eingesetzt. Sie sind sehr vielseitig und bei der Innen- wie bei der Außendämmung von Fassade und Dach einsetzbar, auch in Wärmedämmverbundsystemen. Besonderer Vorteil dieser ökologischen Dämmung ist der sehr gute sommerliche Hitzeschutz.

  • Wärmeleitfähigkeit von Holzfaser: 0,04–0,05 W/mK
  • Kosten von Holzfaser-Dämmstoff: 160–300 Euro pro Kubikmeter
Holzfasern, zusammengepresst zu einer Platte für den Einsatz bei der Wärmedämmung
Klingt paradox: Holzfasern entfalten gerade im Sommer ihr Dämm-Potential. © Achim Zielke/INTHERMO

2. Schafwolle

Schafwolle wird zu einem Vlies gefilzt und zu Dämmplatten oder Dämmmatten verarbeitet. Sie hat eine reinigende Wirkung auf die Umgebungsluft. Eingesetzt wird sie zur Wärme- und Schalldämmung in den Bereichen Dach, Wand, Decke und Fassade.

  • Wärmeleitfähigkeit von Schafwolle: 0,035–0,04 W/mK
  • Kosten für Dämmung mit Schaffwolle: 150–300 Euro pro Kubikmeter
Zwei Schafe auf einer Weide
Schafwolle hat auch positive Auswirkungen auf die Wohngesundheit. © khunaspix/AdobeStock

3. Hanf

Dämmplatten, Dämmmatten sowie Stopfdämmungen aus Hanf kommen besonders als Zwischensparren- und Aufdachdämmung und beim Holzbau zum Einsatz. Hanf wirkt feuchtigkeitsregulierend, dämmt gut den Schall und hat einen guten sommerlichen Hitzeschutz.

  • Wärmeleitfähigkeit von Hanf: 0,04–0,05 W/mK
  • Kosten für Hanfdämmung: ca. 130–180 Euro pro Kubikmeter
Dämmplatten aus Hanffasern.
Hanf ist ein schnell nachwachsender Rohstoff, seine Fasern können zu Dämmplatten verarbeitet werden. © divgradcurl / Getty Images / iStockphoto

4. Flachs

Dämmplatten oder Dämmmatten aus der Flachspflanze eignen sich vor allem zur Innen- und Zwischensparrendämmung. Flachs ist resistent gegen Insektenbefall, Schimmel und Fäulnis, bietet einen guten Schallschutz und ist feuchtigkeitsregulierend.

  • Wärmeleitfähigkeit von Flachs: 0,036–0,04 W/mK
  • Kosten von Flachs-Dämmung: ca. 110–225 Euro pro Quadratmeter
Flachsbüschel
Gut gegen Feuchtigkeit und Schall: Flachs als Dämmmaterial. © Gerhard Seybert - stock.adobe.co

5. Kork

Der Dämmstoff wird aus der geschroteten Rinde der Korkeiche hergestellt. In Plattenform oder als Granulat kann er als Zwischensparren-, Aufdach-, Hohlraum- oder Innendämmung eingesetzt werden. Kork ist druckbelastbar und nimmt keine Feuchtigkeit auf.

  • Wärmeleitfähigkeit von Kork: 0,08 W/mK
  • Kosten für Kork-Dämmstoffen: 110–250 Euro pro Kubikmeter
Korkeiche mit teilweise abgeschälter Rinde
Der vielseitige Kork ist auch als natürliches Dämmmaterial verwendbar. © inacio pires - stock.adobe.com

6. Schilf

Schilf wird in Form von unbehandelten Schilfrohrplatten vor allem als dämmender Putzträger eingesetzt. Es ist weitestgehend resistent gegen Feuchtigkeit. Weil es wärme- und feuchtigkeitsausgleichend wirkt, trägt es im Sommer zu einem guten Innenraumklima bei.

  • Wärmeleitfähigkeit von Schilf: 0,055 W/mK
  • Kosten für Schilf-Dämmung: 130–170 Euro pro Kubikmeter
Zusammengerollte Schilfmatten auf einem großen Stapel
Unter Putz verlegte Schilfrohrplatten verbessern unter anderem das Raumklima. © ©Poppe-Portal

7. Seegras

Für die Herstellung der Dämmung aus zerkleinerten Seegras-Bällen ist nur wenig Energie erforderlich. Der lose Dämmstoff findet unter anderem als Schüttung auf der obersten Geschossdecke und als Stopfwolle oder Einblasmaterial bei der Dach- und Fassadensanierung Verwendung.

  • Wärmeleitfähigkeit von Seegras: 0,04 W/mK
  • Kosten für Seegras-Dämmstoff: 140–190 Euro pro Kubikmeter
Ballen von Seegras an einem Strandabschnitt
Ungewöhnlich, aber wirksam. Auch Seegras taugt als Werkstoff für die Fassadendämmung. © ©NeptuGmbH

8. Zellulose

Der Dämmstoff Zellulose wird aus Altpapier produziert. Er kommt vor allem als Einblasdämmung unterm Dach sowie an Decken und Böden zum Einsatz. Eine Alternative dazu ist das Feuchtesprühverfahren. Zellulose hat den gerings­ten Primärenergieeinsatz aller Dämmstoffe.

  • Wärmeleit­fähigkeit von Zellulose: 0,04 W/mK
  • Kosten für Zellulose-Dämmung: 50–150 Euro pro Kubikmeter
Zellulosehaufen auf Zeitungsseiten
Aus Altpapier produziert, wird Zellulose vor allem bei Einblasdämmungen verwendet.

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