Nachhaltig gebautes Holzhaus mit Solaranlage
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Bauen | Ratgeber

Nachhaltiges Baumaterial: Welche Baustoffe am klimafreundlichsten sind

Sven Rohde

Sven Rohde

Massiv- oder Holzhaus? Beton, Ziegel oder ein anderer Stein? Das Baumaterial, aus dem ein Haus besteht, hat immer auch Folgen für Klima und Umwelt. Wir erklären, wie die verschiedenen Bauweisen im ökologischen Vergleich abschneiden.

Nachhaltig bauen – das ist keine einfache Entscheidung. Denn ein Hausbau kostet Geld und Energie – letzteres in doppeltem Sinne. Zum einen verlangt ein Bauvorhaben von euch als Bauherren viel Einsatz, selbst wenn ihr nicht auf der Baustelle mit Hand anlegt. Zum anderen braucht es die Energie, die in den verwendeten Baumaterialien steckt. Schon in ihrer Herstellung, der Lagerung und dem Transport auf die Baustelle steckt ein hoher Aufwand. Deshalb sollen die Baumaterialien Bestand haben und das Haus gut abdichten, damit keine Heizwärme verloren geht.

Außerdem sollen sie möglichst keine Schadstoffe an die Umwelt abgeben und sich später problemlos entsorgen lassen. Kurz gesagt: Der Hausbau soll ökologisch und nachhaltig sein. Ist das am Ende der Fall, dann hat sich euer persönlicher "Energieaufwand" für die Planung des Hauses gelohnt und ihr habt ein nachhaltig gebautes Haus, das dem Klima und der Umwelt möglichst wenig schadet.

Unsere Empfehlung: Ihr wollt ein Haus bauen und dabei gut beraten und betreut werden? Von der Bauplanung über die Baubegleitung bis hin zur Bauabnahme: Über unsere Wohnglück-Services findet ihr Experten aus eurer Region, die euch beim Hausbau begleiten.

Was macht eine nachhaltige Bauweise aus?

Unter Bauweise verstehen wir hier den Aufbau der Außenwände. So spricht man von Holzbauweise, einem Massivhaus, das Stein auf Stein gebaut wird oder von einem Ziegelbau. Natürlich gehören zum Hausbau noch weitere Bauteile, etwa Dach, Fenster, Türen oder Bodenbeläge. Deren Umwelt- und Klimabilanz muss man aber gesondert betrachten, sonst wird der Vergleich zu kompliziert.

Bevor wir uns mit den Vorteilen und Nachteilen der einzelnen Bauweisen beschäftigen, fassen wir hier die wichtigsten Kriterien zusammen, nach denen sich die Nachhaltigkeit einer Bauweise beurteilen lässt.

  • Herkunft und Gewinnung der Rohstoffe: erneuerbar oder endlich, Energieaufwand für den Abbau, mögliche Umweltschäden
  • Herstellung: Energieaufwand, Umweltbelastung, Einsatz von problematischen Hilfsstoffen
  • Transportaufwand von Rohstoffen wie fertigen Produkten auf die Baustelle
  • Lebensdauer und Reparaturfreundlichkeit
  • Mögliche Schadstoffbelastung
  • CO2-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus
  • Energiebilanz: Herstellungsaufwand versus energetische Kennwerte des fertigen Baumaterials (zum Beispiel die Wärmedämmwirkung)
  • Wird für den Baustoff zusätzliche Wärmedämmung benötigt?
  • Entsorgung und Wiederverwertbarkeit

Nachhaltig bauen: Die wichtigsten Bauweisen im Vergleich

  • Bauweise
  • Natürliche Rohstoffe
  • Energieaufwand Herstellung
  • Lebensdauer
  • Wärmeschutz
  • Zusatzdämmung
  • Holz *)
  • ja
  • gering
  • mittel - hoch
  • gut
  • abhängig von Bauweise
  • Beton
  • teilweise
  • mittel
  • mittel
  • gering
  • erforderlich
  • Ziegel
  • ja
  • hoch
  • hoch
  • gut
  • kann in Ziegel integriert werden
  • Kalksandstein
  • ja
  • mittel
  • mittel
  • gering
  • erforderlich
  • Porenbeton
  • ja
  • hoch
  • hoch
  • gut
  • ohne ist möglich

Bauweisen im Vergleich *) bezieht sich auf massives Holz, weitere Materialien bei Verbundbauweise sind noch nicht berücksichtigt.

Wie nachhaltig ist Bauen mit Holz?

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und wohl der älteste Baustoff überhaupt. Man unterscheidet zwischen Massivholzbau und Holzbauweisen mit einer Holzkonstruktion, die mit Stoffen pflanzlicher, tierischer oder mineralischer Herkunft gefüllt und dann auf beiden Seiten beplankt wird. Dazu gehören zum Beispiel die typischen Fertigbauweisen wie Holzrahmen- oder Holztafelbau.

Beim modernen Massivholzbau werden nicht mehr (wie beim traditionellen Blockhaus) einfach Holzbohlen oder -balken aufeinandergelegt, sondern man verleimt mehrere Schichten von Brettern oder Furnieren miteinander.

Vorteile von Holzhäusern

  • Holz ist ein natürlicher und nachwachsender Rohstoff.
  • Weil der Baum während seiner Lebenszeit CO2 aus der Atmosphäre aufnimmt, ist massives Holz als einziger Wandbaustoff CO2-neutral und damit sehr klimafreundlich.
  • Das Eigengewicht von Holz ist vergleichsweise gering.
  • Holz hat eine gute Wärmedämm- wie auch Wärmespeicherkapazität.
  • Holzbauten lassen sich einfach demontieren, das Baumaterial kann wiederverwendet werden.
  • Bei Holzrahmenbauweisen wird die Dämmung raumsparend in den Wandaufbau integriert.

Nachteile von Holzhäusern

  • Der Schallschutz ist eher gering, zusätzliche Schalldämmung kann notwendig sein.
  • Je nach Holzart sind Behandlungen gegen Feuchtigkeit und Verwitterung notwendig, damit das Holzhaus tatsächlich langlebig ist.
  • Häuser in Blockbauweise kommen heute nicht ohne zusätzliche Wärmedämmung aus.
  • Bauen mit Holz ist nur nachhaltig, wenn der Rohstoff aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt, vorzugsweise aus heimischen Wäldern, beziehungsweise ein FSC-Siegel hat.
Holzhaus in Alleinlage in Südtirol
Traditionelle Holzbauweise, modern interpretiert: Wohnblockhaus in der Dolomitenregion Val Badia. © Christoph Theurer

Fazit beim Bauen mit Holz: Ausgesprochen klimafreundlich

Als CO2-neutraler Baustoff ist Holz ausgesprochen klimafreundlich und punktet mit weiteren guten Umwelteigenschaften. Das gilt aber nur, wenn das Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und nicht aus Raubbau stammt.

Bei Holzfertigbauweisen hängt die Nachhaltigkeit auch von den übrigen verwendeten Materialien wie Dämmstoffen und Verkleidungen ab.

Am nachhaltigsten sind dabei Holzfaser- und andere Holzwerkstoffe sowie Pflanzenfasern, zum Beispiel Hanf oder Schafwolle. Mehr Infos zu nachhaltigen Dämmmaterialien findet ihr in diesem Ratgeber: Ökologische Dämmung: Vergleich & Kosten von natürlichen Dämmstoffen

Sind Ziegeln nachhaltig?

Neben Holz ist der Ziegelbau eine der ältesten Bauweisen. Heute werden etwa ein Drittel aller Häuser in Deutschland aus Ziegeln gebaut. Klassische Ziegel bestehen aus Ton, Lehm oder tonhaltigen Massen. Gegebenenfalls enthalten sie Zuschlagstoffe wie Sägemehl oder Polystyrolkügelchen, die beim Brennen verglühen und das Gewicht des Ziegels verringern.

Vorteile von Ziegeln

  • Ziegel bestehen aus natürlichen Rohstoffen, die fast überall verfügbar sind.
  • Tonziegel sind witterungsresistent und haben eine lange Lebensdauer.
  • Wärme- und Schalldämmung sind gut, bei sehr hohen Wandstärken könnt ihr sogar auf eine Zusatzdämmung verzichten.
  • Dämmmaterial kann raumsparend in die Hohlräume der Ziegel integriert werden. Dadurch werden besonders gute Dämmwerte erreicht.

Nachteile von Ziegeln

  • Der Herstellungsprozess ist aufgrund des Brennens bei hohen Temperaturen sehr energieintensiv.
  • Wegen der Mörtel- und Putzreste sind Ziegel nur bedingt recycelbar.

Fazit beim Bauen mit Ziegeln: Ambivalent in Sachen Nachhaltigkeit

Die Herstellung von Ziegeln erfordert viel Energie. Dafür punkten sie aber mit Langlebigkeit und einem guten Wärmeschutz, insbesondere wenn sie eine integrierte Dämmung haben.

Wie nachhaltig ist Bauen mit Beton?

Beton ist ein künstliches Gemisch aus Zement, Sand, Kies und Wasser sowie eventuellen Zusatzstoffen. Die "graue Energie" von Beton hängt vor allem vom Anteil an Zement ab, der den höchsten Energiegehalt hat. Zur Verbesserung der Tragfähigkeit verstärkt man Beton oft mit Stahlträgern.

Vorteile von Beton

  • Beton bietet guten Schall- und Brandschutz.
  • Weil das Baumaterial sehr gut formbar ist, kann man Häuser mit Beton einfach herstellen.
  • Beton kann als Recyclingmaterial im Straßenbau eingesetzt werden.

Nachteile von Betonbauten

  • Schlechte Wärmedämmwerte erfordern eine Zusatzdämmung.
  • Der hohe Zementanteil verhagelt die Klimabilanz – acht Prozent aller Treibhausemissionen weltweit gehen auf die Zementproduktion zurück.
  • Sand als Inhaltsstoff ist nicht unproblematisch: Aufgrund des weltweiten Baubooms sind die Sandressourcen von Meeren, Stränden, Seen und Flüssen teilweise schon erschöpft.
  • Stahlbeton hat eine hohe Belastung mit Herstellungsenergie und kann als Verbundstoff schwieriger recycelt werden.
Rohbau eines Hauses aus Beton
Häuser aus Beton sind einfach herzustellen, haben aber ökologisch gesehen einige Nachteile. © Getty Images/iStockphoto

Fazit beim Bauen mit Beton: Kein sehr nachhaltiges Baumaterial

Mit Beton lassen sich zwar attraktive Häuser bauen. Aus Umwelt- und Klimaperspektive ist er jedoch nicht die erste Wahl für ein Eigenheim, wenn dieses nachhaltig gebaut sein soll.

US-Forscher entwickeln derzeit einen Baustoff, der Zement in vielen Eigenschaften ähnelt. Mehr dazu lest ihr in: Lebender Beton: Forscher entwickeln sensationellen klimafreundlichen Baustoff

Nachhaltiges Bauen mit Kalksandstein?

Kalksandstein – nicht zu verwechseln mit natürlichem Sandstein – ist ein künstlich hergestellter Mauerstein, der für tragendes und nicht tragendes Mauerwerk sowie vorwiegend zur Erstellung von Außen- und Innenwänden von Gebäuden verwendet wird. Aus Sand, Branntkalk, Zuschlagsstoffen (Gesteinsmehlen) und Wasser werden Rohlinge geformt, die unter Dampfdruck bei einer Temperatur von 200 Grad Celsius gehärtet werden.

Vorteile von Kalksandstein

  • Kalksandstein besteht aus natürlichen Rohstoffen ohne Zugabe chemischer Bestandteile. Als Bindemittel wird Kalk verwendet.
  • Kalksandsteine enthalten nur sehr geringe Konzentrationen an radioaktiven Isotopen.
  • Der Sand wird meist in der Nähe vom Kalksandsteinwerk gewonnen.
  • Aufgrund seiner hohen Dichte ist Kalksandstein sehr stabil und bietet guten Schallschutz. Deshalb eignet er sich für raumsparendes Bauen mit geringen Wandstärken .
  • Kalksandstein kann man zu Recyclingsteinen verarbeiten.

Nachteile von Kalksandstein

  • Schlechter Wärmeschutz, deshalb ist immer eine Zusatzdämmung erforderlich.
  • Wegen des hohen Gewichts verbraucht der Transport von Kalksandstein viel Energie.
  • Wie beim Beton ist auch hier kritisch anzumerken: Der Inhaltsstoff Sand wird zur knappen Ressource.

Fazit beim Bauen mit Kalksandstein: Ein ökologischer Baustoff

Kalksandstein ist von Natur aus ein ökologisches Baumaterial mit guten Eigenschaften. Für energieeffizientes Bauen müsst ihr Kalksandstein zusätzlich dämmen. Deshalb hängt die Nachhaltigkeit am Ende auch davon ab, welche Dämmung ihr einsetzt.

Ist Porenbeton ein nachhaltiges Baumaterial?

Streng genommen handelt es sich bei Porenbeton, auch Leichtbeton genannt, nicht wirklich um einen Beton. Porenbetonsteine bestehen aus Quarzsand, gemahlenem Branntkalk und/oder Zement und Wasser, wobei der Branntkalk und Zement das Bindemittel darstellen. Manchmal können auch geringe Anteile Gips oder Anhydrit dabei sein. Als Porosierungsmittel, also porenbildendes Mittel, wird zu dem Gemisch Aluminiumpulver hinzugegeben. Es bewirkt, dass sich die Masse der Inhaltsstoffe sehr stark aufbläht und dabei sehr viele kleine Poren entstehen. Dadurch hat der Stein eine geringe Dichte und ein geringes Gewicht. Er wird im Dampf und unter hohem Druck von bis zu 200 Grad Celsius gehärtet.

Vorteile von Porenbeton

  • Porenbeton besteht aus vollkommen natürlichen Rohstoffen ohne Zusatz chemischer Zusatzstoffe.
  • Die Wärmdämmwirkung von Porenbeton ist sehr gut,
  • Wegen des geringen Gewichts sind Transport- und Montageaufwand niedrig.
  • Aus dem leichten Material lassen sich gut zu verarbeitende, große Steine herstellen, sodass nur wenig Mörtel eingesetzt werden muss. Das erleichtert das Recycling.
  • Bei der Herstellung anfallender Porenbetonbruch und sortenreines Recyclingmaterial von der Baustelle kann wieder recycelt werden.
  • Aus einem Kubikmeter Rohstoffe kann man bis zu fünf Kubikmeter Porenbeton herstellen.

Nachteile von Porenbeton

  • Der Schallschutz von Porenbeton relativ gering, was eine zusätzliche Dämmung notwendig machen kann.
  • Porenbeton enthält wie Beton und Kalksandstein Sand, dessen Ressourcen mittlerweile knapp werden.

Fazit beim Bauen mit Porenbeton: Bedingt nachhaltiges Baumaterial

Wie alle Massivbausteine bringt Porenbeton einige Belastungen in der Energie- und Ökobilanz mit sich. In der Verwendung hat er als Leichtgewicht jedoch einige Vorteile und ist ein prima Energiesparer.

Hausbau mit Porenbetonsteinen
Aus Porenbeton lassen sich gut zu verarbeitende, große Steine herstellen, sodass nur wenig Mörtel eingesetzt werden muss. © Getty Images/iStockphoto

Fazit: Dieser Baustoff hat beim nachhaltigen Bauen die Nase vorn

Ginge es allein um die Klimabilanz, dann sollten wir alle nur noch mit Holz bauen. Während für eine konventionelle Bauweise nach Berechnung von Experten der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) etwa 350 bis 480 Kilogramm CO₂ je Quadratmeter Wohnfläche anfallen, sind mit massivem Holzbau nahezu CO2-neutrale Häuser möglich.

Dazu muss das Holz aber aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen und ortsnah produziert sein. Eine ebenfalls nachhaltige Alternative ist der Holzrahmenbau, wenn ihr für Dämmstoffe und Verkleidung ebenfalls natürliche Baumaterialien verwendet. Mehr Gründe, warum es nachhaltig ist, ein Holzhaus zu bauen, lest ihr in: Holzhaus bauen: 5 Gründe für ein Haus aus Holz.

Auch bei einem Massivbauhaus könnt ihr mit ökologischer Dämmung die Nachhaltigkeit verbessern. Noch besser ist es, wenn die Wand gar keine zusätzliche Dämmung braucht, etwa dank Wärmedämmziegeln oder Porenbetonsteinen. Eine Alternative ist auch Hanfkalk.

Wenn ihr an einer vielbefahrenen Straße baut und deshalb Schallschutz Priorität hat, kann auch der Kalksandstein aus dem nächstgelegenen Werk eine gute Lösung für euch sein.

Unsere abschließende Empfehlung: Der Bau mit Holz ist nicht nur besonders nachhaltig, er ist auch besonders schnell, wenn ihr euch für ein Fertighaus entscheidet. In unserer Fertighaus-Datenbank findet ihr über 1.000 Fertighäuser, durch die ihr euch durchklicken könnt. Viel Spaß beim Stöbern! Eine kleine Vorauswahl an schicken Fertighäusern aus Holz findet ihr außerdem auch in unserem Ratgeber:

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