Dachsanierung Holzfaserdämmung
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Holzfaserdämmung: Alles übers Dämmen mit Holzfaser

Wer ökologisch dämmen möchte, der kommt an der Holzfaser kaum vorbei. Holzfaserdämmung ist vielseitig einsetzbar, hat gute Dämmeigenschaften und eine gute Öko-Bilanz. Was ihr über Holzfaser als Dämmstoff wissen müsst, könnt ihr hier lesen.

Holz erlebt als Baustoff eine Renaissance. Doch das Naturmaterial eignet sich nicht nur für Decken, Böden oder ganze Häuser. Auch als Dämmstoff ist Holz im Trend. Die Holzfaserdämmung hat unter allen ökologischen Dämmstoffen den zweitgrößten Marktanteil: 28 Prozent der Bauherren, die natürlich dämmen, entscheiden sich dafür. Nur die Zellulose ist noch beliebter.

Holzfaserdämmung wird vor allem aus Resthölzern hergestellt, die in der Sägeindustrie anfallen. Die fallen dort als sogenannten Schwarten oder Spreißel ab. Die Holzfasern stammen vor allem aus Nadelhölzern. Die sind besonders gut verfügbar, ihre Fasern haben eine gute Qualität und sorgen für eine besondere Festigkeit.

Die Holzfaserdämmung solltet ihr nicht mit den häufig als "Sauerkraut"-Platten bezeichneten Holzwolle-Produkten verwechseln. Diese bestehen aus langfaseriger Holzwolle und werden mit mineralischen Bindemitteln wie Zement oder Magnesit zusammengehalten. Holzwolle dämmt schlechter als Holzfaser. Sie wird meist als Putzträgerplatte für den Innen- und Außenbereich eingesetzt.

Zahlen und Fakten zur Holzfaserdämmung

  • Kennzahl
  • Holzfaserdämmung
  • Wärmeleitfähigkeit in W/(mK)
  • 0,040 bis 0,052
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand
  • 1 bis 2 (lose) 2 bis 5 (Platten) 1 bis 3 (Matten)
  • Baustoffklasse (Brandschutz) nach DIN 4102-1 und EN 13501-1
  • B2 (DIN) und E (EN)
  • Rohdichte in kg/m3
  • 30 bis 45 (lose) 110 bis 270 (Platten) 40 bis 55 (Matten)
  • spezifische Wärmekapazität in J/(kgK)
  • 2.100
  • Kosten
  • zwischen 16 und 45 Euro pro m2 (Platten), 14 bis 18 Euro pro m3 (lose)
Holzfaserplatten übereinandergestapelt
Holzfaserplatten werden aus Abfällen der Sägeindustrie hergestellt. © Getty Images/iStockphoto

Holzfaser als Dämmstoff

Einsatzgebiete von Holzfaser als Dämmstoff

  • Holzfaserplatten sind für die Zwischen- und Aufsparrendämmung des Dachs, für die Dämmung des Dachbodens oder in Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) einsetzbar. Der Vorteil ist, dass die Holzfaserdämmplatten – anders als konventionelle Dämmstoffe für WDVS – keine Trägerschicht brauchen. Der Grund: Sie sind fest und robust. Dadurch könnt ihr Kosten sparen.
  • Als Einblasdämmung könnt ihr Holzfasern für die Dämmung von Dach, Dachboden und Wänden nutzen. Auch für die Dämmung der Fassade bei Holzrahmen- und Holztafelbauweise sind Holzfasern geeignet.
  • Als Perimeterdämmung könnt ihr Dämmstoffe aus Holzfaser nicht einsetzen.
  • Flachdämmungen sind nur mit Einschränkungen möglich.

Holzfaserdämmstoffe eignen sich für Neubauten wie auch bei der Sanierung von Altbauten.

Holzfaserplatten am Boden
Holzfaser-Dämmstoffe eignen sich für sehr viele Anwendungsgebiete. © Michael Nast

Wärmeleitfähigkeit von Holzfaserdämmung

Die Wärmeleitfähigkeit liegt zwischen 0,040 und 0,052 Watt pro Meter und Kelvin. Holzfaserplatten bieten aufgrund ihrer extrem hohen Dichte und gleichzeitig niedrigen Wärmeleitfähigkeit einen besonders guten sommerlichen Wärmeschutz. Besonders bei Dächern kommt dieser Vorteil zum Tragen. Laut der Initiative "Natürlich dämmen" liegen die Temperaturen in einem mit Holzfasern gedämmten Dachraum sechs Grad niedriger als in einem, der mit konventionellen Produkten ausgestattet ist.

Schallschutz: Poröse Struktur sorgt für gute Dämmung

Die poröse Struktur des Dämmstoffs trägt dazu bei, dass er sich auch gut als Schallschutz eignet. Und das ganz gleich, ob Holzfaser als Teil des Wärmeverbundsystems, an vorgehängten Fassaden, in der Innendämmung, in der Zwischen- und Aufsparrendämmung oder in der Trittschalldämmung verwendet wird.

Brandschutz von Holzfaserdämmung

Dämmungen aus Holzfaser haben die Baustoffklasse B2. Sie werden als normal entflammbar kategorisiert.

Feuchteschutz: Gutes Raumklima

Eine organische Holzfaserdämmung ist diffusionsoffen. Das heißt, dass sie Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann. Außerdem sorgt diese Eigenschaft dafür, dass die Gefahr von Schimmel sehr gering ist. Holz kann außerdem bis zu 20 Prozent Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen, ohne dabei seine Dämmeigenschaften zu verlieren. Bei vielen konventionellen Dämmstoffen ist dagegen eine Dampfsperre notwendig, auf die ihr bei Holzfaserdämmung verzichten könnt.

Herstellung von Holzfaserdämmung

Die in der Sägeindustrie abfallenden Spreißel und Schwarten verarbeiten die Sägewerke in der Regel noch vor Ort zu Hackschnitzeln. Dazu weicht man die Holzreste zunächst mit Wasserdampf auf und zerfasert sie anschließend. Meistens geschieht das mit Hilfe von Mahlscheiben. Dafür ist ein vergleichsweise hoher Energieaufwand nötig. Aus den Fasern werden dann Holzfaserdämmplatten hergestellt.

Dafür gibt es zwei Verfahren: das Nass- und das Trockenverfahren. Beim Nassverfahren wird die breiige Masse, der sogenannten Holzkuchen, mit Hitze gebunden. Dabei fungiert der holzeigene Stoff Lignin als Kleber. Ein weiterer Zusatz ist bei diesem Verfahren nicht notwendig.

Beim Trockenverfahren werden die Holzfasern zunächst getrocknet und mit Bindemitteln gemischt, abgestreut und geformt. Warme Luft sorgt dann dafür, dass die Bindefasern aktiviert werden. Anschließend wird abgekühlt, geschnitten und verpackt.

Als Zusatzmittel dienen Holzleim als Klebstoff zur Verleimung der einzelnen Lagen. Außerdem helfen Naturbitumen, Naturharze, Paraffine oder Latex, die Dämmplatten wasserabweisend zu machen.

Zur Stabilisierung kann Polyolefinfaser verwendet werden. Auch Ammoniumphosphat, Aluminiumsulfat, Alaun oder Borate kommen manchmal zum Einsatz. Einige Produkte kommen jedoch auch ohne weitere Zusatzstoffe aus.

Sägewerk
In Sägewerken fallen Spreißel und Schwarten an. Aus denen werden dann Dämmprodukte hergestellt. © Getty Images/iStockphoto

Nachhaltigkeit von Holzfaserdämmung

Weil Holz ein nachwachsender Rohstoff ist, hat er natürlich von sich aus schon eine gute Klimabilanz. Auch die Tatsache, dass es sich bei den für die Dämmstoffe verwendeten Holzfasern um ein Abfallprodukt handelt, trägt zur positiven Ökobilanz bei. Zudem kann Holz auch im verbauten Zustand noch bis zu 100 Jahre CO2 speichern.

Produkte, die nicht mit Zusatzmitteln angereichert werden, könnt ihr außerdem problemlos kompostieren. Dämmstoffe, die chemische Additive enthalten, müssen zur Entsorgung verbrannt werden.

Negativ auf die Ökobilanz schlägt sich das Herstellungsverfahren nieder, bei dem viel Energie verbraucht wird.

Wo ihr Holzfaserdämmung kaufen könnt

Holzfaserdämmung ist gut etabliert und deshalb auch im Vergleich zu anderen natürlichen Dämmstoffen wie Seegras leicht erhältlich. Das Sortiment, das die vielen Hersteller anbieten, ist meist sehr vielfältig. Ihr findet Holzfaser-Dämmstoffe teilweise sogar in Baumärkten, in der Regel auf jeden Fall im Naturbauhandel.

Ein großer Hersteller von Holzfaserdämmung ist Steico. Auf der Webseite des Unternehmens findet ihr eine Liste mit Händlern, die die Produkte vertreiben. Die Produkte von Steico sind mit dem Nachhaltigkeitssiegel FSC und PEFC zertifiziert. Das Holz kommt also aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Mehr zu Öko-Labeln von Holz findet ihr in diesem Artikel:

Auch die Firma Gutex produziert Holzfaserdämmungen. Das Familienunternehmen produziert jährlich rund 700.000 Kubikmeter Holzfaserdämmstoffe. Die Produkte sind mit dem EMAS-Siegel für geprüftes Umweltmanagement ausgezeichnet.

Ihr findet Holzfaserdämmungen auch in Online-Shops wie Benz24, Baywa-Baustoffe oder Baustoff Plus.

Preis und Kosten von Holzfaserdämmung

Holzfaserplatten kosten zwischen 16 und 45 Euro pro Quadratmeter. Holzfaser als Einblasdämmung liegt zwischen 14 und 18 Euro pro Kubikmeter.

Damit liegt Holzfaserdämmung preislich im oberen Bereich bei den natürlichen Dämmstoffen.

Vorteile und Nachteile von Holzfaserdämmung

Holzfaser ist nicht umsonst so beliebt unter den natürlichen Dämmstoffen. Die Produkte bieten viele Vorteile:

  • gute Dämmeigenschaften
  • besonders guter Schutz vor sommerlicher Hitze
  • feuchtigkeitsregulierend
  • guter Schallschutz

Ihr müsst jedoch auch einige Nachteile in Kauf nehmen:

  • Baustoffklasse B2, also normal entflammbar
  • relativ teuer, außer für Wärmdedämmverbundsysteme

Fazit zur Holzfaserdämmung

"Holzfaserdämmstoffe nehmen CO2 auf und speichern ihn", sagt René Görnhardt von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe. "Im Idealfall kombiniert man auf der Baustelle unterschiedliche Baustoffe um deren technische und bauphysikalischen Eigenschaften am besten auszunutzen." Holzfaserdämmplatten könnt ihr dabei als sogenanntes Unterdach unter den Dachziegeln mit einer Dämmung aus einem pflanzlichen Dämmstoff wie Hanf im Sparrenzwischenraum verwenden.

Besonders vorteilhaft ist auch, dass ihr Holzfaserdämmstoffe in unterschiedlicher Form leicht kaufen könnt.

Welcher ökologische Dämmstoff für euch am besten geeignet ist, könnt ihr in unserer großen Übersicht der natürlichen Dämmstoffe nachlesen.

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