Handwerker dämmen eine Wand von innen.
© Getty Images

Modernisieren | Ratgeber

Außenwand von innen dämmen: Materialien & Methoden zur Innendämmung

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Nicht jeder kann sein Haus von außen dämmen. Eine Alternative ist die Innendämmung. Wir erklären, welche Methoden es gibt, eine Außenwand von innen zu dämmen und was ihr beachten müsst, wenn ihr Wände von innen dämmen wollt.

Eine Dämmung ist wichtig, um Energie zu sparen. Allerdings ist eine Außendämmung teuer und manchmal nicht realisierbar. Eine mögliche Alternative ist es, die Außenwand von innen zu dämmen. Die Innendämmung ist zwar aus bauphysikalischer Sicht kein gleichwertiger Ersatz für eine Außendämmung, aber mit Blick auf die Kosten und das Erscheinungsbildes des Gebäudes ein annehmbarer Kompromiss.

Wann eignet sich eine Innendämmung?

Meist werden Fassaden mit Wärmedämmverbundsystemen nachträglich gedämmt. Wenn die Außenwandfassade aber nicht überklebt werden soll, kann man alternativ die Außenwand von innen dämmen.

Das kann sich in folgenden Fällen anbieten:

  • Eine historische und denkmalgeschützte Fassade mit Stuck-, Klinker- oder Fachwerkelementen soll erhalten bleiben.
  • Das Haus steht zu nahe am Nachbarhaus oder Nachbargrundstück und deshalb kommt eine Außendämmung aus Platzgründen nicht in Frage.
  • In einer Eigentumswohnung hat sich die Eigentümergemeinschaft gegen eine Außendämmung entschieden.
  • Auch Mieter können die Außenwand ihrer Wohnung unter Umständen von innen dämmen, sofern der Vermieter einverstanden ist.
Innendämmung
© Antonia Eigel / wohnglück.de

Was bringt eine Innendämmung? Vorteile und Nachteile

Ein Vorteil, eine Wand von innen zu dämmen, liegt darin, dass dafür kein Gerüst notwendig ist. Damit ist eine Innendämmung günstiger als eine Dämmung der Fassade von außen.

Für diese Art der Dämmung spricht auch, dass es möglich ist, Raum für Raum zu dämmen statt alles auf einmal. Und geübte Heimwerker können Innenwände selber dämmen.

Je nach eingesetztem Dämmstoff könnt ihr mit einer Innendämmung zwischen fünf und 15 Prozent der Heizkosten einsparen. Das ist allerdings nur die Hälfte von dem, was sich mit einer Außendämmung einsparen lässt. Zudem kann eine Dämmung von innen auch den Schallschutz verbessern.

Diesen Vorteilen stehen aber auch Nachteile entgegen. Der gravierendste Nachteil ist sicher, dass euch Wohnraum verloren geht, wenn ihr daran geht, eine Außenwand von innen zu dämmen. Zudem ist die Gefahr, dass Wärmebrücken entstehen, bei einer Innendämmung relativ groß. Zudem lassen sich an einer innen gedämmten schlechter Gegenstände anbringen, weil man dann Gefahr läuft, die Dampfsperre zu beschädigen.

Wird die Innendämmung nicht korrekt ausgeführt, dann drohen feuchte Wände und Schimmel. Dann ist die Innenwanddämmung schlechter als gar keine Dämmung, weil teure Folgeschäden auftreten können.

In jedem Fall ist eine gut ausgeführte Wärmedämmung auf der Innenseite der Außenwand besser als eine völlig ungedämmte Wand. Innendämmungen solltet ihr aber nur dann einbauen, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, die Wand von außen zu dämmen.

Voraussetzungen für das Anbringen einer Innendämmung

Es gibt ein paar Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit die Innendämmung auch funktioniert:

  • Die Außenwand muss trocken und schlagregendicht sein.
  • Die Dämmstoff-Dicke muss ausreichend sein – nur einige Zentimeter sind absolut ungenügend.
  • Das Dämmmaterial muss an jeder Stelle vollflächigen Kontakt mit der Außenwand haben. Hohlstellen müsst ihr in jedem Fall vermeiden.
  • Die Innendämmung muss auf der Raumseite mit einer sorgfältig ausgeführten Dampfsperre luftdicht abgeschlossen werden.
  • Um Wärme- oder Kältebrücken und Kondenswasserbildung (führt zu Schimmel) zu vermeiden, muss der Dämmstoff ausreichend dick sein.

3 Methoden für die Innendämmung

Zur bauphysikalisch korrekten Herstellung einer Innendämmung gibt es mehrere technische Verfahren:

  1. Ihr erstellt eine Vorsatzschale aus Holzlatten oder Aluminiumprofilen, in die ihr das Dämmmaterial einschiebt.
  2. Ihr klebt oder schraubt Dämmplatten direkt an die Wand.
  3. Loses Dämmmaterial kann hinter eine Verschalung auch eingeschüttet oder eingeblasen werden oder ihr sprüht es direkt auf die Wand.

1. Innendämmung mit einer Vorsatzschale in Leichtbauweise

Am einfachsten lässt sich eine Innendämmung als Vorsatzschale in Leichtbauweise herstellen. Eine Vorsatzschale besteht aus einer zweiten Wand, die von innen her gegen die Außenwand gesetzt wird. Eine bauphysikalisch einwandfreie Vorsatzschale baut ihr so:

  • Auf die Wände dübelt ihr acht Zentimeter dicke Holz- oder Metallständer.
  • Die Zwischenräume müsst ihr lückenlos mit acht Zentimeter dicken Mineralwolle-Matten ausfüllen.
  • Konstruktionsbedingte Ritzen und Fugen, die sich nicht vermeiden lassen, müsst ihr mit Montageschaum ausspritzen.

Innendämmung mit Styropor

Platten aus expandiertem Polystyrol EPS (Styropor) sind für diesen Zweck nicht sehr gut geeignet, denn dieses Dämmmaterial hat bei Temperaturschwankungen ein ausgeprägtes Ausdehnungs- und Schwundverhalten. Das heißt, es kann sich im Winter bei niedrigen Temperaturen so stark zusammenziehen, dass Spalten und Lücken zwischen den einzelnen Platten und zwischen Platten und Ständern entstehen.

Aus diesem Grund schreibt die Euro-Norm bei der Verwendung von Polystyrol-Platten vor, dass bei der Berechnung der Dämmstoffdicke ein Zuschlag von zehn Prozent berücksichtigt werden muss. Diese Nachteile gibt es nicht, wenn ihr Mineralwolle verwendet.

Ökologische Innendämmung

Wenn es euch wichtig ist, dass die Innen-Dämmung ökologisch ist, dann könnt ihr anstelle von Mineralwolle Holzweichfaser-Dämmplatten einsetzen. Wichtig ist jedoch, dass bei diesem Dämmmaterial eine Gesamt-Dämmstoff-Dicke von zehn Zentimetern eingebaut wird. Auf diese Dicke kommt ihr, wenn ihr mehrere dünnere Lagen Holzweichfaser-Dämmplatten übereinander anbringt. Sonst ist keine ausreichende Wärmedämmung gewährleistet.

Die Verwendung von Holzfaser-Dämmplatten hat im Gegensatz zu anderen Dämmstoffen noch weitere zusätzliche Vorteile:

  • Schutz vor sommerliche Hitze
  • Sehr gute Schalldämmung

Zum Schluss könnt ihr die gedämmte Fläche mit Gipskarton-, Gipsfaserplatten oder Profilholz verschließen.

Dämmplatten für die Dämmung von Innenwänden
In die Vorsatzschale aus Holzlatten bringt ihr das Dämmmaterial ein. Das können versierte Handwerker auch selbst machen. © Getty Images/iStockphoto

2. Innendämmung mit Dämmplatten

Wenn ihr Dämmplatten wie beispielsweise Kalziumsilikatplatten direkt an die Wand bringen wollt, sind in der Regel folgende Arbeitsschritte notwendig:

  • Wand säubern und trocknen.
  • Dämmplatten zuschneiden.
  • Klebemörtel, der vom Hersteller für die Platten zugelassen ist, zubereiten und auf die Rückseite der Dämmplatte auftragen.
  • Platten an die Wand drücken. Sie müssen an jeder Stelle vollflächigen Kontakt mit dem Untergrund haben. Hohlstellen und Unebenheiten müsst ihr vorher mit Klebemörtel ausgleichen.
  • Platte mit einem Tellerdübel an der Wand anbringen.

Wichtig: Alle Werkstoffe wie Klebemörtel und Leichtputz müssen vom Hersteller der Platten zugelassen sein. Bei systemfremden Werkstoffen erlischt die Garantie.

Handwerker montiert Kalzium-Silikatplatten
Dämmplatten aus Kalziumsilikat könnt ihr direkt mit Spezialmörtel an der Wand anbringen. © obs/ISOTEC GmbH/Cornelis Gollhardt

3. Schütt-, Einblas- oder Aufsprühdämmung von innen

Alternativ zur Plattendämmung könnt ihr auch lose Dämmstoffe wie beispielsweise Zellulose, Perlite oder Kork hinter eine vorher angebrachte Wandverkleidung schütten oder in Hohlräume einblasen. Das bietet sich an bei unebenen Untergründen und an schwierigen Stellen wie Übergängen und Anschlüssen.

Für unebene Wände eignen sich auch Zellulose-Innenwanddämmungen zum Aufsprühen. Dabei handelt es sich um ein relativ neues Verfahren, bei dem mit Leim und Wasser vermische Zelluloseflocken auf die Wand gesprüht werden. Die Flocken haften auch auf Bruchsteinwänden, Heizungsrohren oder Elektroleitungen. Sie passen sich den Konturen des Untergrunds an, ohne dass Hohlräume entstehen.

Danach wird die Schicht begradigt und kann dann nach einer Trocknungszeit von mehreren Wochen mit einem Spezialputz verputzt werden. Eine Dampfsperre ist nicht erforderlich.

Seid ihr handwerklich begabt, dann könnt ihr Schütt-Innendämmungen auch selbst realisieren. Einblasdämmungen und Aufsprühdämmungen erfordern dagegen spezielle Maschinen und Werkzeuge. Dafür müsst ihr einen zertifizierten Fachbetrieb beauftragen.

7 Tipps zum Dämmen von Innenwänden

  1. Ihr solltet generell nur solche Dämmstoffe verwenden, die nach DIN 4108, Teil 10 für die Innenwanddämmung zugelassen sind (Kurzzeichen WI).
  2. Ganz gleich, mit welchem Dämmmaterial ihr die Innendämmung herstellt, der Dämmstoff muss an jeder Stelle vollflächigen Kontakt mit dem Untergrund haben. Es darf keinen Luftzwischenraum zwischen Wärmedämmung und Wand geben. Unebene Wände müsst ihr vor der Montage der Innendämmung mit einem geeigneten Mörtel egalisieren.
  3. Schlagregen, der durch Fugen oder Risse in die Fassade eindringt, kann bei Minustemperaturen in der Wand gefrieren und Bauschäden verursachen. Die Gefahr steigt mit der Innendämmung, weil die Wand nicht gewärmt wird. Deshalb solltet ihr vor der Innenwanddämmung die Fassade ausbessern.
  4. Oftmals besteht die Auffassung, dass man das Dämmmaterial auf einer Lattung anbringen soll, um einen Hohlraum zur Entlüftung zu schaffen. Diese Vorstellung ist bauphysikalisch falsch. In einem solchen Hohlraum kann sich leicht Kondenswasser bilden, das zu einer Durchfeuchtung von Wand und Innendämmung führen kann. Die Folge: Es bildet sich Schimmel.
  5. Besonderes Augenmerk müsst ihr auf die Wärmedämmung im Bereich der Fenster richten. Damit keine Wärme- oder Kältebrücken entstehen, muss die Wärmedämmung auch in der Laibung bis an den Fensterrahmen geführt werden, selbst wenn ihr in diesem Bereich nur eine geringere Dämmstoffdicke einbauen könnt.
  6. Die gesamte Wärmedämmung müsst ihr in der Regel mit einer Spezialfolie als Dampfsperre verschließen, es sei denn, ihr verwendet ein kapillaraktives Dämmmaterial. Dabei müsst ihr beachten, dass alle Nähte und die Anschlüsse an den anschließenden Wänden, an Decke und Fußboden sowie an Fenstern und durchgeführten Rohren sorgfältig luftdicht abgeschlossen werden. Das müsst ihr mit einem Spezial-Klebeband oder mit einem Butyl-Kautschuk-Kleber aus der Kartusche machen. Einfaches doppelseitig klebendes Teppichband ist dafür nicht geeignet, weil es nicht alterungsbeständig ist. Selbstklebende Bänder haften auf rauem Holz oder auf Putzoberflächen nur kurze Zeit. Für diese Anschlüsse gibt es spezielle Kartuschenkleber. Allerdings könnt ihr die Abdichtungen aber auch mechanisch mit einem Kompriband und einer zusätzlichen Anpressleiste dauerhaft herstellen. Alle Klebestellen müssen absolut staubfrei sein. Rohre und Kabeldurchführungen dichtet ihr mit Gummimanschetten am sichersten ab.
  7. Vorsicht beim Befestigen von Regalen und Bildern! Die Dampfsperr-Folie darf nicht durch Nägel oder Schrauben beschädigt werden.

Materialien für die Innendämmung im Überblick

Um eine Außenwand von innen zu dämmen, gibt es die unterschiedlichsten Dämmmaterialien. Hier ein kleiner Überblick:

  • Hartschaumplatten (Partikelschaum bestehend aus Polystyrol, Extruderschaum bestehend aus Polystyrol, Hartschaum aus Polyurethan)
  • Mineraldämmplatten (aus Glaswolle oder Mineralwolle)
  • Mineralfasermatten (Flachs, Kork, Hanf, Holz, Zellulose)
  • Verbundplatten (auch "Fertigplatten", "3-in-1-Platten"): Sie bestehen aus einer Dämmschicht, einer integrierten Dampfbremse und einer Verkleidungsschicht.

Wie viel kostet die Innendämmung einer Außenwand?

Die Kosten für eine Innendämmung liegen zwischen 40 und 150 Euro pro Quadratmeter. Darin ist der Einbau und die Verkleidung der Innenwanddämmung enthalten.

Die Kosten können allerdings sehr stark variieren, so dass wir hier nur eine grobe Preisspanne angeben können. Sie hängen unter anderem vom ausgewählten Dämmmaterial, dessen Stärke und davon ab, ob ihr die Außenwand selbst von innen dämmt oder Handwerker damit beauftragt.

Der Preis für das Dämmmaterial allein liegt zwischen 10 und 50 Euro pro Quadratmeter.

Es gibt die Möglichkeit, eine Förderung für die Innendämmung einer Außenwand in Anspruch zu nehmen. Mehr dazu lest ihr in unserem Artikel zu staatlichen Fördermaßnahmen.

Ihr wollt gern modernisieren, seid euch bei den Maßnahmen und Kosten aber nicht sicher? Dann holt euch doch Hilfe von unseren Experten:

Lies noch mehr…