Handwerker dämmen eine Wand von innen.
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Modernisieren | Ratgeber

Wände von innen dämmen: Wie geht das?

Redaktion

Level: Für Profis

Nicht jeder will und kann seine Außenwand von außen dämmen. Eine Alternative ist es, Wände von innen zu dämmen. Wir erklären, wie das geht und was ihr bei Innendämmungen beachten müsst.

Eine Dämmung ist wichtig, um Energie zu sparen. Allerdings ist eine Außendämmung teuer und manchmal auch aus Gründen des Denkmalschutzes nicht realisierbar. Eine mögliche Alternative ist es, die Zimmerwände von innen zu dämmen. Die Innendämmung einer Außenwand ist zwar aus bauphysikalischer Sicht kein gleichwertiger Ersatz für eine Außendämmung, aber mit Blick auf die Kosten und das Erscheinungsbildes des Gebäudes ein annehmbarer Kompromiss.

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In jedem Fall ist eine Wärmedämmung auf der Innenseite besser als eine völlig ungedämmte Wand. Sie spart nicht nur Heizkosten, sie kann auch Schallschutz bieten. Innendämmungen solltet ihr aber nur dann einbauen, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, die Wand von außen zu dämmen.

Voraussetzungen für das Anbringen einer Innendämmung

Es gibt ein paar Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit die Innendämmung auch funktioniert:

  1. Die Außenwand muss trocken und schlagregendicht sein.
  2. Die Dämmstoff-Dicke muss ausreichend sein – nur einige Zentimeter sind absolut ungenügend.
  3. Das Dämm-Material muss an jeder Stelle vollflächigen Kontakt mit der Außenwand haben. Hohlstellen müsst ihr in jedem Fall vermeiden.
  4. Die Innendämmung muss auf der Raumseite mit einer sorgfältig ausgeführten Dampfsperre luftdicht abgeschlossen werden.
  5. Um Wärme- oder Kältebrücken und Kondenswasserbildung (führt zu Schimmel) zu vermeiden, muss der Dämmstoff ausreichend dick sein.

Technische Verfahren für die Innendämmung

Zur bauphysikalisch korrekten Herstellung einer Innendämmung gibt es mehrere technische Verfahren:

  1. Erstellung einer Vorsatzschale in Leichtbauweise
  2. Vorsatzschale mit Holzfaser-Dämmplatten
  3. Verkleben von Kalzium-Silikat-Platten

1. Vorsatzschale in Leichtbauweise

Am einfachsten lässt sich eine Innendämmung als Vorsatzschale in Leichtbauweise herstellen. Eine Vorsatzschale besteht aus einer zweiten Wand, die von innen her gegen die Außenwand gesetzt wird. Eine bauphysikalisch einwandfreie Vorsatzschale baut ihr so:

Auf die Wände dübelt ihr acht Zentimeter dicke Holz- oder Metallständer. Die Zwischenräume müsst ihr lückenlos mit acht Zentimeter dicken Mineralwolle-Matten ausfüllen. Konstruktionsbedingte Ritzen und Fugen, die sich nicht vermeiden lassen, müsst ihr mit Montageschaum ausspritzen.

Platten aus expandiertem Polystyrol EPS (Styropor) sind für diesen Zweck nicht sehr gut geeignet, denn dieses Dämm-Material hat bei Temperaturschwankungen ein ausgeprägtes Ausdehnungs- und Schwundverhalten. Das heißt, es kann sich im Winter bei niedrigen Temperaturen so stark zusammenziehen, dass Spalten und Lücken zwischen den einzelnen Platten und zwischen Platten und Ständern entstehen.

Aus diesem Grund schreibt die Euro-Norm bei der Verwendung von Polystyrol-Platten vor, dass bei der Berechnung der Dämmstoffdicke ein Zuschlag von zehn Prozent berücksichtigt werden muss. Diese Nachteile gibt es nicht, wenn ihr Mineralwolle verwendet.

2. Verwendung von Holzweichfaser-Dämmplatten

Wenn es euch wichtig ist, dass die Innen-Dämmung ökologisch ist, dann könnt ihr anstelle von Mineralwolle Holzweichfaser-Dämmplatten einsetzen. Wichtig ist jedoch, dass bei diesem Dämm-Material eine Gesamt-Dämmstoff-Dicke von zehn Zentimetern eingebaut wird. Auf diese Dicke kommt ihr, wenn ihr mehrere dünnere Lagen Holzweichfaser-Dämmplatten übereinander anbringt. Sonst ist keine ausreichende Wärmedämmung gewährleistet.

Die Verwendung von Holzfaser-Dämmplatten hat im Gegensatz zu anderen Dämmstoffen noch weitere zusätzliche Vorteile:

  • Schutz vor sommerliche Hitze
  • Sehr gute Schalldämmung

3. Innendämmung aus Kalzium-Silikat-Platten

Wenn ihr diese Platten für größere Räume verwenden möchtet, solltet ihr die folgenden Punkte beachten:

  • Die Dämmstoffdicke muss ebenfalls mindestens 8 Zentimeter betragen.
  • Die Platten werden mit einem speziellen Klebemörtel befestigt. Sie müssen an jeder Stelle vollflächigen Kontakt mit dem Untergrund haben. Hohlstellen und Unebenheiten müsst ihr vorher mit Klebemörtel ausgleichen. Alle Werkstoffe wie Klebemörtel und Leichtputz müssen vom Hersteller der Platten zugelassen sein. Bei systemfremden Werkstoffen erlischt die Garantie.
  • Kalzium-Silikat-Platten können ihre guten Eigenschaften nur dann entfalten, wenn ihre Oberfläche ebenfalls diffusionsoffen (das heißt atmungsaktiv) gestaltet wird. Als Anstrich empfehlen wir daher Innen-Silikatfarben, da diese ebenfalls atmungsaktiv sind. Außerdem gehen Silikatfarben mit den Kalkbestandteilen der Platten oder des Leichtputzes eine chemische Verbindung ein, sie verkieseln mit ihnen. Innen-Silikatfarben lassen sich mit dem gleichen Material immer wieder überstreichen. Wollt ihr Tapeten auf die Kalzium-Silikat-Platten kleben, dann solltet ihr nur leichte Papiertapeten verwenden. Überstrichene Raufaser-Tapeten sowie Kunststoff- oder Vliestapeten sind nicht geeignet.
Dämmplatten für die Dämmung von Innenwänden
Zum Schluss könnt ihr die gedämmte Fläche mit Gipskarton-, Gipsfaserplatten oder Profilholz verschließen. © Getty Images/iStockphoto

6 Tipps zum Dämmen von Innenwänden

  1. Ganz gleich, mit welchem Dämm-Material ihr die Innendämmung herstellt, der Dämmstoff muss an jeder Stelle vollflächigen Kontakt mit dem Untergrund haben. Es darf keinen Luftzwischenraum zwischen Wärmedämmung und Wand geben. Unebene Wände müsst ihr vor der Montage der Innendämmung mit einem geeigneten Mörtel egalisieren.
  2. Oftmals besteht die Auffassung, dass man das Dämm-Material auf einer Lattung anbringen soll, um einen Hohlraum zur Entlüftung zu schaffen. Diese Vorstellung ist bauphysikalisch falsch. In einem solchen Hohlraum kann sich leicht Kondenswasser bilden, das zu einer Durchfeuchtung von Wand und Innendämmung führen kann. Die Folge: Es bildet sich Schimmel.
  3. Besonderes Augenmerk müsst ihr auf die Wärmedämmung im Bereich der Fenster richten. Damit keine Wärme- oder Kältebrücken entstehen, muss die Wärmedämmung auch in der Laibung bis an den Fensterrahmen geführt werden, selbst wenn ihr in diesem Bereich nur eine geringere Dämmstoffdicke einbauen könnt.
  4. Die gesamte Wärmedämmung müsst ihr anschließend mit einer Spezialfolie als Dampfsperre verschließen. Dabei müsst ihr beachten, dass alle Nähte und die Anschlüsse an den anschließenden Wänden, an Decke und Fußboden sowie an Fenstern und durchgeführten Rohren sorgfältig luftdicht abgeschlossen werden. Das müsst ihr mit einem Spezial-Klebeband oder mit einem Butyl-Kautschuk-Kleber aus der Kartusche machen. Einfaches doppelseitig klebendes Teppichband ist dafür nicht geeignet, weil es nicht alterungsbeständig ist. Selbstklebende Bänder haften auf rauem Holz oder auf Putzoberflächen nur kurze Zeit. Für diese Anschlüsse gibt es spezielle Kartuschenkleber. Allerdings könnt ihr die Abdichtungen aber auch mechanisch mit einem Kompriband und einer zusätzlichen Anpressleiste dauerhaft herstellen. Alle Klebestellen müssen absolut staubfrei sein. Rohre und Kabeldurchführungen dichtet ihr mit Gummimanschetten am sichersten ab.
  5. Zum Schluss könnt ihr die gedämmte Fläche mit Gipskarton-, Gipsfaserplatten oder Profilholz verschließen.
  6. Vorsicht beim Befestigen von Regalen und Bildern! Die Dampfsperr-Folie darf nicht durch Nägel oder Schrauben beschädigt werden.

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