Einblasdämmung auf dem Dachboden
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Modernisieren | Ratgeber

Einblasdämmung als Fassadendämmung: Vorteile, Nachteile und Kosten

Katharina Schneider

Katharina Schneider

Viel Energie geht in einem Haus über die Außenwände verloren. Eine Dämmung lohnt sich daher. Mit einer Einblasdämmung tut ihr nicht nur für die Umwelt etwas Gutes. Ihr könnt auch mit recht überschaubarem finanziellem Aufwand eure Heizkosten deutlich senken.

Die Fassade macht einen großen Teil der Außenhülle von Häusern aus – kein Wunder, dass auch ein großer Teil der Wärme eines Gebäude über die Außenhülle verloren geht. Mit einer Fassadendämmung tut ihr daher nicht nur der Umwelt, sondern auch eurem Geldbeutel einen Gefallen. Es gibt mehrere Methoden, wie die Fassade eines Hauses gedämmt werden kann. Die wohl günstigste Methode ist die Einblasdämmung.

Wann eignet sich eine Einblasdämmung als Fassadendämmung?

An sich können mit Hilfe der Einblasdämmung viele verschiedene Bereiche im Haus gedämmt werden, so zum Beispiel Geschossdecken oder auch das Dach zwischen den Sparren. Als Fassadendämmung eignet sich die Einblasdämmung aber nur für Häuser mit zweischaligem Mauerwerk, auch Verblendmauerwerk genannt. Diese Art der Dämmung wird auch Kerndämmung genannt. Besonders im Norden wurden Häuser noch bis in die 1990er Jahre hinein mit zweischaligem Mauerwerk gebaut.

Ein zweischaliges Mauerwerk besteht aus dem inneren Tragmauerwerk und einer äußeren Vorsatzschale, dazwischen befindet sich ein Hohlraum. Bei Außenwänden ist der in der Regel zwischen sechs und zehn Zentimeter breit – genug Platz für den Dämmstoff.

Wenn ihr keine Baupläne von eurem Haus habt und euch fragt, ob eine Einblasdämmung für eure Fassade geeignet ist, könnt ihr mit einem längeren Bohrer ein Loch in die Außenwand bohren und dann mit einem geeigneten schmalen Gegenstand prüfen, ob genug Hohlraum dahinterliegt. Auch ein Fachmann kann mit einem Endoskop prüfen, ob das Mauerwerk für eine Einblasdämmung geeignet ist. Wichtig ist, dass die Dämmung durchgängig möglich ist. Andernfalls entstehen Wärmebrücken, welche die Wärmedämmwirkung einschränken.

Wie funktioniert die Einblasdämmung?

Bei der Einblasdämmung wird loser Dämmstoff über kleine Öffnungen in der Mauer mit einer speziellen luftbetriebenen Einblasmaschine in die Hohlräume eingeblasen. In der Regel kommen Flocken zum Einsatz. Auch mit Granulat lässt sich auf ähnlich Weise dämmen. Dieser Dämmstoff wird allerdings eingeschüttet, weshalb man dann von einer Schüttdämmung spricht.

Häufig sind für die Einblasdämmung geeignete Zugänge besonders im Altbau schon vorhanden. Falls nicht, kann ein Experte diese Zugänge auch schaffen. So entstehende Löcher werden nach dem Dämmvorgang wieder geschlossen. Die Einblasdämmung muss allerdings unbedingt von Profis eingebracht werden und kann nicht selber gemacht werden.

Der Grund: Einerseits wird eine spezielle Maschine benötigt, auf der anderen Seite dürfen gewisse Bauprodukte, zu denen auch Einblasdämmstoffe zählen, nur von Menschen mit entsprechender Zulassung verarbeitet werden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass während der Verarbeitung gesundheitsschädlicher Staub entstehen kann.

Als Innendämmung kann ein Einblasdämmung auch ohne vorhandene Hohlräume aufgeblasen werden.

Einblasdämmstoffe im Überblick

Für eine Fassadendämmung als Einblasdämmung bei zweischaligem Mauerwerk im Altbau dürfen nur wasserabweisende Dämmstoffe verwendet werden. Das sind:

Nanogel/Aeorogel

Das Granulat aus Kieselsäure-Silikat hat eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit und sorgt so für eine gute Wärmedämmwirkung. Es ist sehr fein und dringt daher als Einblasdämmung auch in kleinste Ritzen.

Glaswolle

Glaswolle besteht zu einem großen Teil aus Altglas, ist beständig gegenüber Schimmel, Fäulnis und Schädlingen. Außerdem bietet sie einen guten Schallschutz.

Glaswolle
Die Fasern von Glaswolle müssen heute eine gewisse Länge und einen gewissen Durchmesser haben. Sonst sind sie nicht zugelassen, weil sie krebserregend sein könnten. © Getty Images/iStockphoto

Steinwolle

Auch Granulat aus Steinwolle eignet sich für die Kerndämmung. Der Dämmstoff bietet einen besonders guten Brand- und Schallschutz.

Perlite

Das Vulkangestein Perlite kommt als Granulat als Schüttdämmung auch im Bereich der Kerndämmung zum Einsatz.

Perlitegranulat
Perlite eignet sich auch unbearbeitet in seiner Rohform für viele Formen der Schütt- und Einblasdämmung. © Getty Images/iStockphoto

Polystyrol

Polystyrol ist ein Klassiker unter den Dämmstoffen und kann als Granulat eingeblasen werden. Die EPS-Kügelchen haben jedoch schlechte Brandschutzeigenschaften.

Auch diverse Schäume wie Biofoam, Gieß-Polyurethan Schaum oder Schaumglas eignen sich zur Dämmung des zweischaligen Mauerwerks. Nicht geeignet für die Kerndämmung sind hingegen ökologische Dämmstoffe wie Holzfaser oder Zellulose. Diese können, um die Fassade im Altbau zu dämmen, lediglich als Innendämmung von Außenwänden angebracht werden. Das wird zum Beispiel mit Zellulose bei Fachwerkbauten häufig gemacht. Ansonsten eignen sie sich für die Einblasdämmung beim Dach (Zwischensparrendämmung), bei Geschossdecken oder beim Neubau in Holzrahmenbauweise.

Kosten für eine Einblasdämmung

Die Einblasdämmung ist, egal, was gedämmt wird, immer die günstigste Dämmung. Sie ist allerdings nicht immer die effektivste Dämmmethode. Mit anderen Dämmungen kann häufig ein höherer Wärmeschutz erzielt werden. Wie hoch dieser ist, gibt der Wärmedurchgangskoeffizient, der sogenannte U-Wert an.

Grundsätzlich müsst ihr bei der Einblasdämmung als Kerndämmung mit Kosten zwischen 20 und 30 Euro pro Quadratmeter Fassade rechnen. Wie hoch die Kosten tatsächlich sind, hängt vom gewählten Dämmstoff ab.

  • Dämmstoff
  • Preis pro Kubikmeter
  • Nanogel/Aeorgel
  • 1500 bis 2700 Euro
  • Glaswolle
  • 25 bis 35 Euro
  • Steinwolle
  • 30 bis 40 Euro
  • Perlite
  • 105 bis 115 Euro
  • EPS-Kügelchen
  • 100 bis 110 Euro
  • Schaumglas
  • 95 bis 105 Euro
  • Zellulose
  • 140 bis 150 Euro
  • Holzfaser
  • 40 bis 150 Euro

Ungefähre Preise für Dämmstoffe, die sich als Einblasdämmung eignen

Wird die Einblasdämmung gefördert?

Wer die Fassade eines Hauses energieeffizient saniert, der kann dafür eine staatliche Förderung beantragen. Möglich ist ein zinsgünstiger Kredit mit Tilgungszuschuss oder ein reiner Zuschuss.

Für Einzelmaßnahmen wie die Fassadendämmung könnt ihr dabei bis zu 12.000 Euro über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW, für Kredite) oder das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA, für Zuschüsse) bekommen. Mehr zu den Fördermöglichkeiten lest ihr in unserem Artikel zur Bundesförderung für effiziente Gebäude. Das Förderprogramm ist auf jeden Fall noch für das Jahr 2022 finanziert, in diesem Jahr könnt ihr also noch Anträge stellen. Wie es danach weitergeht, ist offen.

Alternativ könnt ihr für die Fassadendämmung auch einen Steuerbonus in Anspruch nehmen. Ihr könnt maximal 200.000 Euro an Sanierungskosten geltend machen. Davon dürft ihr bis zu 20 Prozent von der Steuer absetzen. Das ergibt eine Steuerminderung von höchstens 40.000 Euro pro Wohneinheit.

Vorteile der Einblasdämmung

Der größte Vorteil der Einblasdämmung ist, dass sie sehr kostengünstig ist und, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen, auch einfach, unkompliziert und schnell durchzuführen ist. So lässt sich mit geringem Aufwand schon sehr viel Wirkung erzielen.

Finanziell hat sich die Einblasdämmung als Fassadendämmung sehr schnell amortisiert. Das gilt auch, obwohl es teilweise Dämmmethoden gibt, mit denen ihr einen höheren Wärmeschutz erzielen könnt. In vier bis fünf Jahren sind in der Regel die Kosten für eine Einblasdämmung als Fassadendämmung wieder hereingeholt.

Weil die Dämmstoffe für die Einblasdämmung sehr fein sind, gelangen sie auch in kleinste Lücken. So entstehen keine Wärmebrücken – was die Dämmwirkung erhöht. Auch der Schallschutz verbessert sich durch eine gedämmte Fassade. Und je nach gewähltem Dämmstoff auch der Brandschutz. Bei der Einblasdämmung ins zweischalige Mauerwerk geht außerdem kein Wohnraum verloren.

Nachteile der Einblasdämmung

Ein Nachteil ist, dass sich teilweise mit anderen Dämmmethoden ein besserer Wärmeschutz erzielen lässt. Diese sind dann allerdings in der Regel sehr viel teurer. Ein weiterer Nachteil ist, dass sich für die nachträgliche Dämmung im Altbau nicht jeder Dämmstoff eignet.

Zudem ist eine fachgerechte Ausführung der Einblasdämmung sehr wichtig. Andernfalls können Schäden durch eindringende Feuchtigkeit entstehen, die dann hohe Folgekosten verursachen. Außerdem muss die Einblasdämmung von einem Fachmann eigebracht werden – das sehen manche Heimwerker als Nachteil.

Fazit: Lohnt sich eine Einblasdämmung?

Mit keiner anderen Dämmmethode lässt sich mit einem so geringen Aufwand ein so hoher Nutzen erzielen wie mit der Einblasdämmung. Nicht nur sind die Kosten im Vergleich mit anderen Dämmmethoden gering, die Einblasdämmung lässt sich auch schnell durchführen und verursacht wenig Dreck – eine wochenlange Baustelle bleibt euch also erspart.

Unser Fazit: Wenn es möglich ist, dann lasst auf jeden Fall eine Einblasdämmung eurer Fassade durchführen – es lohnt sich, sowohl ökologisch als auch finanziell.

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