Schaumglasdämmung im Einbau
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Bauen | Ratgeber

Schaumglasdämmung: Ökologisches Dämmen mit Altglas

Katharina Schneider

Schaumglas hat viele Eigenschaften, die es zu einem guten Dämmstoff machen. Es ist brandsicher, wasser- und dampfdicht und hat eine gute Wärmedämmwirkung. Außerdem ist es ökologisch sinnvoller als synthetische Dämmstoffe. Doch Schaumglasdämmung ist sehr empfindlich – und teuer.

Hinter Schaumglas steckt genau das, nach was es sich anhört: aufgeschäumtes Glas. Als Grundlage dafür dient Altglas, aus dem mit Treibmitteln ein Schaum hergestellt wird. Schaumglas hat viele Eigenschaften, die es zu einem guten Dämmstoff machen: Schaumglasdämmung hat eine geringe Wärmeleitfähigkeit und eine hohe Druckfestigkeit. Außerdem ist sie wasser- und dampfdicht, was ihren Einsatz in der Perimeterdämmung erlaubt. Schaumglas ist formstabil und resistent gegen Schädlinge. Doch Schaumglas ist teuer – und Frost kann gefährlich werden.

Zahlen und Fakten zur Schaumglasdämmung

  • Kennzahl
  • Schaumglasdämmung
  • Wärmeleitfähigkeit in W/(mK)
  • 0,037 bis 0,060
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand
  • k.A.
  • Baustoffklasse (Brandschutz) nach DIN 4102-1 und EN 13501-1
  • A1 (DIN und EN)
  • Rohdichte in kg/m3
  • 100 bis 200
  • spezifische Wärmekapazität in J/(kgK)
  • 800 bis 900
  • Kosten
  • 40 bis 60 Euro pro m2

Schaumglas als Dämmstoff

Schaumglas gehört zur Gruppe der anorganischen mineralischen Dämmstoffe. Es eignet sich gut für Ausführungen im Außenbereich und Detaillösungen mit hohen Druckbelastungen.

Einsatzgebiete von Schaumglas als Dämmstoff

Schaumglas eignet sich für viele Dämmprojekte, aber nicht für alle:

  • Es kann für die Außendämmung von Dächern unter der Dachdeckung oder der Abdichtung verwendet werden. Auch als Untersparrendämmung beim Dach kann es eingesetzt werden.
  • Möglich ist zudem ein Einsatz als Innendämmung von Zimmerdecken, Wänden und Raumtrennwänden und der Bodenplatte.
  • Auch für die Außendämmug einer Fassade eignet sich der Dämmstoff, sowie für die Kerndämmung einer zweischaligen Außenmauer. Für die Innendämmung von Außenwänden ist Schaumglas nicht geeignet, da es keine diffusionsoffene Struktur hat.
  • Außerdem eignet sich Schaumglas für die Perimeterdämmung also im feuchtekritischen Bereich.
  • Nicht geeignet ist Schaumglas bei der Dämmung von Wänden in Holzrahmen- oder Holzbauweise, da es wasser- und dampfdicht ist und keine Feuchtigkeit durchlässt.
  • Außerdem eignet sich der Dämmstoff nicht, wenn höhere Anforderungen an den Schallschutz gestellt werden.

Tipp: Schaumglas ist ein sehr empfindlicher Werkstoff und muss daher in der Praxis besonders geschützt werden. Weil es spröde ist, kann der Dämmstoff keine punktuellen Lasten aufnehmen. Deshalb müssen die Dämmplatten beim Verlegen immer plan aufliegen.

Schaumglasdämmplatten werden verlegt
Schaumglasplatten sind vielseitig einsetzbar. © Glapor

Wärmeleitfähigkeit

Seine niedrige Wärmeleitfähigkeit von 0,037 bis 0,060 Watt pro Meter und Kelvin machen Schaumglas zu einem guten Wärmedämmstoff, der die Wärme im Inneren des Gebäudes hält.

Feuchteschutz: Vorsicht bei Frost

Schaumglas ist wasserdicht. Daher lässt sich der Baustoff auch in der Perimeterdämmung, also im feuchtekritischen Bereich einsetzen.

Besonders beachten müsst ihr allerdings die Frostempfindlichkeit von Schaumglasdämmung. Solange die Platten intakt sind, können sie kein Wasser aufnehmen. Wenn allerdings Wasser eindringt, weil an der Oberfläche einige Bläschen offen sind, ist Vorsicht geboten. Friert das Wasser und vergrößert so sein Volumen, können die Schaumglaszellen gesprengt und die Zellstruktur zerstört werden. Die Risse werden immer größer, also nimmt die Platte auch immer mehr Wasser auf. Auf Dauer erhöht sich dadurch die Wärmeleitfähigkeit und die Dämmwirkung wird geringer.

Brandschutz

Schaumglasdämmungen gehören wie Blähtondämmungen zur höchsten Baustoffklasse, was den Brandschutz angeht. Sie werden sowohl nach der DIN 4102-1 wie auch nach der EN 13501-1 der Klasse A1, also nicht brennbar ohne brennbare Bestandteile, zugeordnet. Schaumglas könnte daher auch in Bereichen mit erhöhter Brandschutzanforderung – wie bei Reihenhäusern oder im Treppenhaus – eingesetzt werden.

Schallschutz

Schaumglas bietet keinen besonders guten Schallschutz. Daher ist es auch nicht als Dämmung für Haustrennwände zwischen Doppel- und Reihenhäusern und zwischen Geschosshäusern geeignet. Denkbar ist allerdings ein Einsatz in ruhigen Gegenden oder eine Kombination mit einem leistungsstärkerem Schallschutz.

Herstellung von Schaumglasdämmung

Rohmaterial für Schaumglasdämmung ist großteils recyceltes Glas, sogenanntes Flachglasrecyclat. Das kommt in erster Linie von alten Auto- und Fensterscheiben. Der Anteil von Altglas an der Schaumglasdämmung beträgt bis zu 66 Prozent. Für die Dämmstoff-Produktion wird das Glas zunächst geschmolzen, wobei Zusatzstoffe wie Feldspat, Eisenoxide, Manganoxid, Dolomit oder Natriumkarbonat beigemengt werden. Das passiert in energiesparenden Niedrigtemperaturöfen.

Nachdem das Glas geschmolzen und erkaltet ist, wird es in Kugelmühlen unter Zugabe von Kohlenstoff zermahlen. Anschließend kommt die Masse in den sogenannten Aufschäumofen, wo sie auf über 1.000 Grad erhitzt wird. Dadurch oxidiert der Kohlenstoff und die Masse schäumt auf. So entsteht eine hermetisch geschlossene Zellstruktur mit dünnen Zellglaswänden.

Das bewirkt, dass die Masse nach dem Abkühlen einen dauerhaften Unterdruck in der Zellstruktur hat, wodurch das Schaumglas seine niedrige Wärmeleitfähigkeit bekommt. Die so entstandenen Blöcke werden dann zu Dämmplatten verarbeitet. Auch die Herstellung von Schaumglas-Schotter ist möglich.

Schaumglasschotter von Glapor
Nicht nur Platten werden aus Schaumglas gefertigt. Auch als Schotter ist das Dämmmaterial erhältlich. © Glapor /Alexander Feig

Nachhaltigkeit von Schaumglasdämmung

Schaumglasdämmung besteht zum Großteil aus Altglas, also einem Recycling-Produkt. Das wirkt sich positiv auf die Öko-Bilanz des Dämmstoffs aus. Außerdem ist es langlebig und kann auch wieder eingeschmolzen oder als Bauschutt deponiert werden. Die Herstellung ist jedoch in der Regel sehr energieintensiv. Außerdem handelt es sich nicht um einen nachwachsenden Rohstoff, was sich negativ auf die Umweltfreundlichkeit auswirkt.

Allerdings gibt es keinen nachhaltigen Dämmstoff, der in der Perimeterdämmung eingesetzt werden kann. Meist wird im feuchtekritischen Bereich XPS-Schaum auf Polysterol-Basis eingesetzt. Der hat nicht nur eine etwas geringere Wärmeleitfähigkeit und dämmt etwas besser. Er ist auch günstiger. Aus ökologischer Sicht ist Schaumglas hier aber auf jeden Fall vorzuziehen.

Wo ihr Schaumglasdämmung kaufen könnt

Es gibt zahlreiche Hersteller von Schaumglas:

Das Unternehmen Glapor bietet Schaumglasplatten und Schaumglasschotter an. Die Produkte sind laut Hersteller zu 100 Prozent aus Recycling-Glas und organischen Aktivatoren hergestellt. Die Produkte haben das Siegel der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB).

Bei Ecoglas könnt ihr Schaumglasschotter, Schaumglasgranulat und gebundenes Schaumglas direkt online bestellen. Auch eine Liste von Händlern in eurer Nähe findet ihr hier.

Ein weiterer Hersteller mit zahlreichen Produkten ist Foamglas. Ihr könnt über die Webseite direkt aussuchen, welches Produkt ihr für welches Dämmvorhaben wollt und euch dann mit dem Unternehmen in Verbindung setzen.

Auch in Online-Shops wie Baunativ, oder Baustoffshop könnt ihr Schaumglasdämmung kaufen.

Schotterofen bei Glapor
Der Schaumglasschotter wird in einem Schottterofen hergestellt. © Glapor

Preis und Kosten von Schaumglas-Dämmungen

Schaumglasplatten kosten im Handel zwischen 40 und 60 Euro pro Quadratmeter. Die erhältlichen Dicken liegen zwischen 40 und 180 Millimetern. Um einen U-Wert an der Außenfassade von den von der Energieeinsparverordnung geforderten 0,24 Watt pro Quadratmeter und Kelvin zu erreichen, muss die Schicht 16 Zentimeter dick sein.

Schaumglasschotter ist für rund 70 bis 90 Euro pro Kubikmeter erhältlich. Damit ist Schaumglas auf jeden Fall um einiges teurer als XPS-Schaum.

Vorteile und Nachteile von Schaumglas als Dämmstoff

Schaumglasdämmung hat viele Vorteile:

  • gute Wärmedämmfähigkeit
  • hohe Druckfestigkeit und Belastbarkeit von bis zu 50 Tonnen pro Quadratmeter (ausgenommen punktuelle Belastung)
  • Einsatz im feuchtekritischen Bereich durch Wasser- und Dampfdichtigkeit
  • resistent gegen Schädlinge, Schimmel, Fäulnis
  • bessere Öko-Bilanz als synthetische Alternativen
  • Baustoffklasse A1, nicht brennbar

Doch es gibt auch einige Nachteile:

  • begrenzte Einsatzfähigkeit aufgrund der fehlenden diffusionsoffenen Struktur
  • geringer Schallschutz
  • empfindliches Material (Frost, punktuelle Belastung)
  • recht teuer
  • energieintensive Herstellung

Fazit zur Schaumglasdämmung

Schaumglas hat als Dämmstoff viele positive Eigenschaften: Vor allem hervorzuheben ist die Baustoffklasse beim Brandschutz, die es zu einem brandsicheren Werkstoff macht. Außerdem ist der große Vorteil der Schaumglasdämmung, dass sie im feuchtekritischen Bereich eingesetzt werden kann. Pflanzliche oder tierische Dämmstoffe wie Schafwolle eignen sich dafür allesamt nicht.

Auch von den mineralischen Dämmstoffen sind längst nicht alle für die Perimeterdämmung geeignet. Für gewisse Bereiche empfiehlt es sich auf jeden Fall, über die Dämmung mit Schaumglas nachzudenken. Auch, weil es ökologisch weit unbedenklicher als die konventionelle Alternative Polystyrol und ein Recycling-Produkt ist.

Ihr wollt euer Haus mit nachhaltigen Materialien dämmen? Dann lest unsere große Übersicht der ökologischen Dämmstoffe.

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