Frau liegt wach im Bett und schützt sich mit Kopfkissen gegen Lärm
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Modernisieren | Expertentipp

Schallschutz: Was kann ich gegen Geräusche aus der Nachbarwohnung tun?

Redaktion

Level: Für Fortgeschrittene

Geräusche aus der Nachbarwohnung können ganz schön nerven, vor allem im Schlafzimmer. Unser Experte erklärt, wie ihr Schritt für Schritt eine Vorsatzschale gegen Schall bauen könnt, die euch wieder ruhig schlafen lässt.

Folgende Frage wurde an die Wohnglück-Redaktion herangetragen: "Mein Problem ist, dass ich aus der Nachbarwohnung Geräusche höre. Besonders nervig ist hierbei das Husten. Ich brauche eine Lösung für Schallschutz in diesem Frequenzbereich. Nun habe ich recherchiert und finde zwei Methoden. Die eine ist die Schaumstoffmatte, die vermutlich aus demselben oder sehr ähnlichen Stoff hergestellt ist wie Ohrenstöpsel. Die andere Methode ist Mineralwolle, speziell Steinwolle.

Leider finde ich keine zuverlässige Quelle, aus der ich erfahre, welches Material für mein Problem am besten geeignet ist. Die Idee ist, eine Zwischenwand zu ziehen und diese mit OSB- oder Gipsplatten zu verkleiden. In den Zwischenraum soll dann ein schalldämmender Stoff. Nur weiß ich leider nicht, welchen ich nehmen soll. Haben Sie eine Empfehlung für mich?".

Die Wohnglück-Experten antworten:

Weiche, leichte Schaumstoffmatten oder Mineralwolle sind zur Schalldämmung nicht geeignet. Diese Materialien könnt ihr zur Vermeidung von Schallreflektionen zur Verbesserung der Akustik verwenden. Für die Schalldämmung sind sie zu leicht. Das gilt auch für andere Dämmmaterialien, die zur Wärmedämmung verwendet werden, wie zum Beispiel Polystyrol (Styropor).

Holzweichfaser-Dämmplatten dagegen haben aufgrund ihres großen Eigengewichtes sehr gute schalldämmende Eigenschaften und eignen sich für den Schallschutz.

Um wirksam gegen Lärm vorgehen zu können, muss man wissen, auf welche Weise Geräusche und Schall entstehen und auf welche Weise sie ihren Weg innerhalb des Hauses finden. Schallwellen können sich in der Luft und in festen Stoffen fortpflanzen.

Von Luftschall spricht man, wenn Schallwellen, die von Geräuschen (Gesprächen, Musik – in eurem Fall Husten –) erzeugt werden, sich durch die Luft ausbreiten. Sie treffen auf die umgebenden Fußböden, Wände und Decken und setzen diese in Schwingungen. Auf diese Weise wirken diese Bauteile wie Membrane, welche die Luftschwingungen und damit die Geräusche in angrenzende Räume weitertragen.

So dämmt ihr Luftschall aus der Nachbarwohnung

Um das zu verhindern, müssen alle Bauteile so konstruiert werden, dass sie nicht oder nur ganz gering schwingen. Das kann man dadurch erreichen, dass man die Bauteile ausreichend schwer macht, damit die Schwingungsenergie vernichtet wird.

Eine Wand aus schweren Baustoffen wie Tonziegel, Kalksandstein oder Beton ist daher schalltechnisch vorteilhafter als eine aus leichten, wie zum Beispiel Porenbeton. Man kann auch mehrere voneinander getrennte Luftpolster aufbauen, die ebenfalls bewirken, dass sich Schallwellen "totlaufen". Ein ganz besonderes Augenmerk müsst ihr darauf richten, dass bei Trennwänden selbst allerkleinste Fugen und Löcher vermieden werden, da selbst einzelne, nur millimetergroße Löcher den Schallschutz einer massiven Wand unterlaufen können.

In eurem Fall empfehlen wir, zur Verbesserung der Schalldämmung vor die bestehende Wand eine zweite Wand in Trockenbauweise zu setzen – eine sogenannte Vorsatzschale. Deren Konstruktion müsste, wenn sie ihre Funktion wirksam erfüllen soll, wie folgt ausgeführt werden:

Vorsatzschale gegen Schall bauen: So geht's

1. Gerüst errichten

Im Abstand von mindestens fünf Zentimetern errichtet ihr vor der Wand ein Gerüst aus Holzständern von 4 x 6 Zentimetern (oder besser aus 6 Zentimeter breiten Metallprofilen). Um eine Übertragung von Schwingungen zu verhindern, müsst ihr diese Konstruktion schalltechnisch von den umgebenden Bauteilen wie Decke, Wände und Fußboden abkoppeln.

2. Konstruktion schalltechnisch von Bauteilen abkoppeln

Das wird dadurch erreicht, dass zwischen Ständern und umgebenden Bauteilen jeweils lückenlos ein Streifen Filz (zum Beispiel Rigips-Anschlussdichtung) oder Mineralwolle gelegt wird. Das Ziel muss sein, dass kein Teil der Ständer-Konstruktion an keiner Stelle direkten Kontakt mit Decke, Wänden und Fußboden hat. Eine Befestigung mit wenigen Schrauben erfolgt nur unter der Decke und auf dem Fußboden.

3. Dämmplatten anbringen

Zwischen den Ständern bringt ihr dann mehrere Lagen Holzweichfaser-Dämmplatten an, bis eine Gesamtdicke von sechs Zentimetern erreicht ist. Die Dämmplatten müsst ihr so anbringen, dass der Abstand zur Wand an allen Stellen eingehalten wird und so ein Luftzwischenraum von fünf Zentimetern hergestellt wird. Ihr müsst unbedingt darauf achten, dass die Platten absolut lückenlos eingebaut werden. Es dürfen keinerlei Ritzen oder Fugen übrig bleiben. Selbst kleinste, nur ein Millimeter breite Ritzen können die Schalldämmung der gesamten Wand zunichte machen.

4. Abschluss zum Raum herstellen

Den Abschluss zum Raum stellt ihr mit zwei Lagen Gipsfaserplatten, jede 15 Millimeter dick, her. Dabei solltet ihr die zweite Lage der Platten so verlegen, dass sich deren Fugen in der Mitte zwischen den Fugen der ersten Lage befinden. Durch das Gewicht der zwei Lagen Gipsfaserplatten und zusätzlich durch diese Art der Verlegung erreicht ihr, dass die Oberfläche nicht wie eine Membran schwingen und Schallwellen weiterleiten kann. Auch diese beiden Lagen Gipsfaserplatten dürfen nicht dicht an Wände, Decke und Fußboden anschließen. Zwischen ihnen muss umlaufend ein Spalt von einem Zentimeter Breite offen bleiben, den ihr zum Schluss mit elastischer Acryl-Dichtungsmasse (kein Silikon!) verschließt.

Nur die exakte und sorgfältige Ausführung dieser Trennwand in allen Einzelheiten garantiert eine zuverlässige Schalldämmung. Hier noch mal alle Maßnahmen im Überblick:

  • Schalltechnische Abkopplung der Ständer-Konstruktion.
  • Verwendung von Holzweichfaser-Dämmplatten als Auskleidung.
  • Verwendung von Gipsfaserplatten anstelle von OSB- oder Spanplatten.
  • Plattendicke von 15 Millimetern.
  • Versetzte und zweilagige Montage der Platten.
  • Eine umlaufende offene Fuge, verschlossen mit Acryl-Dichtungsmasse.

Schallschutz gegen Lärm von oben oder von draußen

Manchmal kommt der Lärm nicht von nebenan, sondern von oben. Lest hier einen Expertentipp, was ihr gegen Lärm von oben unternehmen könnt. Außerdem verraten wir euch, was ihr beachten müsst, wenn ihr Schallschutz-Fenster einbauen wollt.

Unser abschließender Hinweis: Ihr habt auch eine Frage und benötigt den Rat unserer Wohnglück-Experten? Kein Problem: Schreibt uns über den Facebook-Messenger oder nutzt unser Kontaktformular und wir stehen euch nach Möglichkeit mit Rat und Tat zur Seite.

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