Handwerker bringt eine Zwischendecke an
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Modernisieren | Expertentipp

Schallschutz für die Decke: Was hilft gegen Lärm von oben?

Redaktion

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Trampelnde Kinder oder laute Musik – was tun gegen Lärm von oben? Das fragt der Besitzer einer hellhörigen Wohnung unsere Experten. Sie schlagen als Schallschutzmaßnahme vor, die Decke abzuhängen und erklären, wie diese Art der Schalldämmung funktioniert.

Ein Nutzer hat sich mit einer Frage zum nachträglichen Schallschutz für die Decke an uns gewandt: "Ich habe eine Wohnung gekauft. Das Haus ist Baujahr 1960 und sehr hellhörig. Was kann ich an Schallschutzmaßnahmen vornehmen lassen, um den Lärm von oben einzudämmen?"

Die Wohnglück-Experten antworten:

Wenn die Lärmbelästigung von oben kommt, gibt es zwei Möglichkeiten, sie einzudämmen:

  1. Die beste und wirksamste Möglichkeit ist zweifellos eine ausreichende Trittschalldämmung des Fußbodens im oberen Stockwerk. Damit lässt sich die Ursache gründlich beseitigen.
  2. Kommt diese Lösung nicht infrage, wenn man beispielsweise in einem Mehrfamilienhaus wohnt, bietet sich die Montage einer Zwischendecke an. Dafür muss der Raum allerdings ausreichend hoch sein.

Schallschutz durch eine freischwebende Zwischendecke

Eine abgehängte Decke sollte von der eigentlichen Decke einen Abstand von mindestens 30 Zentimeter haben. Mit einer derartigen Konstruktion erzielt ihr zum einen eine wirksame Schalldämmung durch die "biegeweiche" Beplankung (Gipskartonplatten) erzielt, die den Luftschall absorbiert. Zum anderen wird der Schall noch zusätzlich durch das Dämmmaterial, das in den Hohlraum zwischen Decke und Beplankung eingebracht wird, verringert.

Das Dämm-Material besteht in der Regel aus zehn Zentimeter dicken Schallschutz-Mineralwolle-Matten, zum Beispiel Isover Akustik TP 1 Plus oder TP 2 Plus.

Die Unterkonstruktion einer abgehängten Decke, auf der die Beplankung (Gipskartonplatten) verschraubt wird, kann aus Holzlatten bestehen. Sehr gut eignen sich aber auch spezielle Metallprofile, die sich leicht mit der Stichsäge kürzen oder mit Profilverbindern auf das gewünschte Maß verlängern lassen. Winkelanker verbinden die längs verlaufenden Profile mit den quer dazu liegenden.

Das müsst ihr bei der Unterkonstruktion beachten

Die Unterkonstruktion und die Beplankung dürft ihr keinesfalls an den umlaufenden Wänden befestigen. Sonst besteht die Gefahr, dass Geräusche aus den darüber oder daneben liegenden Räumen als Körperschall auf die Deckenkonstruktion übertragen werden. Das hätte zur Folge, dass die abgehängte Decke wie ein Resonanzboden alle Geräusche aus dem Haus verstärken würde.

Aus diesem Grund empfiehlt es sich, die Decke "frei schwebend" unter der ursprünglichen Zimmerdecke aufzuhängen. Es gibt verschiedene federnde Abhängersysteme. Besonders praktisch sind sogenannte "Nonius-Abhänger", die eine genaue Höhenjustierung erlauben. Ihr solltet sie im Abstand von circa 90 Zentimetern anbringen.

Um den oben beschriebenen Resonanzeffekt zu vermeiden, sollte die Beplankung biegeweich sein. Dafür eignen sich am besten Gipskartonplatten. Ihr befestigt sie mit phosphatierten Schnellbauschrauben an der Unterkonstruktion. Der Abstand der Latten oder Metallprofile richtet sich nach dem Plattenmaß. Es ist unbedingt ratsam, dass ihr euch vor der Montage eine Skizze anfertigt.

Damit keine Schallbrücken entstehen, darf die Beplankung an keiner Stelle an die umlaufenden Wände stoßen. Es muss ringsherum eine ein Zentimeter breite Fuge offen bleiben, die mit Mineralwolle abgedeckt werden kann. Das Dämm-Material sollte nicht stumpf an die Wände stoßen, sondern circa 10 Zentimeter an ihnen hochgeführt werden.

Der Krach von oben hört nicht auf? Lest hier, wie ihr die Ruhestörung in einem Lärmprotokoll richtig dokumentiert.

Freitragenden Zwischendecke zur Schalldämmung für die Decke

Als Alternative möchten wir euch noch die Konstruktion einer "Freitragenden Unterdecke" darstellen, die sich lediglich an den umlaufenden Wänden abstützt. Der Vorteil: Hier ist nur ein Abstand von etwa zehn Zentimetern unterhalb der ursprünglichen Decke erforderlich.

Für eine freitragende Zwischendecke befestigt ihr ringsherum an den Wänden ein U-Profil aus Stahlblech so, dass die offene Seite zur Raummitte zeigt. Um das U-Profil akustisch von der Wand abzukoppeln, solltet ihr vor der Montage Schaumstoff-Dichtbänder so auf das Profil kleben, dass dieses an keiner Stelle direkten Kontakt mit der Wandoberfläche hat.

In die offene Seite des Profils schiebt ihr anschließend Querträger, welche die gesamte Raumbreite überbrücken. Diese Querträger bestehen aus jeweils zwei U-Profilen, die Rücken an Rücken mit Blechschrauben verbunden sind, so dass quasi ein T-Träger entsteht.

Bei kleineren Räumen (unter zehn Quadratmetern) und geringen Wandabständen kann die Höhe der Profile zehn Zentimeter betragen, der Abstand von Träger zu Träger 62 Zentimeter. In größeren Räumen sollten die Profile 12,5 Zentimeter hoch sein und der Abstand sollte 50 Zentimeter betragen. Die Träger werden nach ihrer exakten Ausrichtung gegen ein Verschieben gesichert, indem sie mit den Wandprofilen durch "Vercrimpern" oder mit Blechschrauben fest verbunden werden.

In die auf diese Weise entstandene Rahmenkonstruktion schiebt man in PE-Folie eingeschweißte Mineralwolle-Dämm-Matten oder mehrere Lagen Holzweichfaser-Dämmplatten (Gesamtdicke mindestens drei Zentimeter) ein. Ganz besonders wichtig ist, dass ihr das Dämmmaterial lückenlos einbaut. Als Abschluss schraubt ihr Gipskartonplatten unter die Rahmen-Konstruktion.

Auch bei dieser Konstruktion dürfen die abschließenden Gipskartonplatten nicht an die umlaufenden Wände anstoßen. Auch hier muss zwischen Wand und Platte eine circa ein Zentimeter breite Fuge offen bleiben.

Schallschutz-Alternative: Decke abhängen bei geringer Raumhöhe

Wenn die Wohnung relativ niedrige Decken hat, dann können zehn Zentimeter weniger Raumhöhe schon zu viel sein. Aber auch in diesem Fall gibt es eine Alternative: Trockenbau-Fachbetriebe können mit dem System D 113 der Firma Knauf schalldämmende Zwischendecken, bei denen die Abhängehöhe nur fünf Zentimeter beträgt, herstellen.

  • Dabei werden die Stahlblechprofile an "entkoppelten" Direktschwingabhängern unter der Decke befestigt. Die Profile selbst müssen mit Mineralwolle gefüllt werden.
  • Als Dämm-Material werden Spezial-Mineralwollmatten eingesetzt.
  • Abgeschlossen wird die Konstruktion mit einer schalldämmenden Gipskartonplatte.

In Eigenarbeit könnt ihr derartige Decken allerdings nicht herstellen, da muss wirklich ein Fachbetrieb ran. Wie ihr Kabel hinter einer abgehängten Decke verschwinden lassen könnt, ohne viel Raumhöhe zu verlieren, lest ihr in: Decke abhängen ohne viel Raumhöhe zu verlieren: Wie geht das?.

Was kostet ein Schallschutz für die Decke?

Die Kosten für eine Schalldämmung unterhalb der Decke setzen sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:

  • Konstruktion & Material
  • Montagekosten
  • Deckenfläche

Für eine freitagende Schallschutzdecke könnt ihr pro Quadratmeter mit Kosten ab 40 Euro inklusive Montagekosten rechnen, bei einem Raum mit 15 Quadratmetern dementsprechend circa 600 Euro. Je hochwertiger die Platten, desto mehr Budget solltet ihr einplanen. Um Kosten zu sparen, raten wir euch, verschiedene Trockenbaufirmen zu kontaktieren und einen Kostenvoranschlag anzufordern.

Unser Tipp: Ihr wollt euer Sanierungsprojekt von einem Experten abnehmen lassen, um bauliche Fehler auszuschließen und letztendlich Kosten zu sparen? Vereinbart jetzt ein Erstgespräch mit einem unserer Bausachverständiger, der euch bei der Abnahme zur Seite steht.

Schallschutz für die Decke in der Mietwohnung

Lebt ihr in einer Mietwohnung und wollt einen Schallschutz an der Decke anbringen, solltet ihr das vorher unbedingt mit eurem Vermieter abklären und euch die Montage schriftlich bestätigen lassen. Solche Umbauten werden für gewöhnlich als Sanierungsmaßnahme verstanden, da sie einen Eingriff in die Bausubstanz bedeuten und sind somit genehmigungspflichtig. Habt ihr euch vom Vermieter vorher keine Genehmigung eingeholt, kann euch im schlimmsten Fall eine Kündigung drohen.

Tipp: Vermieter sind aber auch in der Verantwortung, mindestens die geltenden DIN-Vorschriften in puncto Trittschalldämmung einzuhalten, so eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs. So darf der Trittschall aus der darüber liegenden Wohnung 53 Dezibel nicht überschreiten. Leidet ihr vermehrt unter dem Trittschall, der aus der darüberliegenden Wohnung kommt und wird die DIN-Vorschrift nicht eingehalten, so muss er Sorge dafür tragen, dass der vertragsgemäße Zustand in der Wohnung darüber wieder hergestellt wird. Hat der Nachbar einen alten Fußboden entfernt und einen neuen Laminatboden ohne die Erlaubnis des Vermieters verlegt, so muss dieser, nach Angaben des Mieterverein Hamburgs, den neuen Bodenbelag wieder entfernen, sofern er zu einer Verschlechterung des Schalldämmung gegenüber anderer Wohnungen führt.

Unser abschließender Tipp: Euer Zuhause ist reif für eine Modernisierung? Über unsere Modernisierungsberatung vor Ort vermitteln wir euch einen Experten aus eurer Region, der mit euch wesentliche Modernisierungsmaßnahmen bespricht und die voraussichtlichen Kosten für euch ermittelt. Jetzt kostenloses Erstgespräch vereinbaren!

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