Handwerker bringt eine Zwischendecke an
© Getty Images/iStockphoto

Modernisieren | Expertentipp

Schallschutz: Was kann ich gegen Lärm von oben unternehmen?

Redaktion

Level: Für Fortgeschrittene

Trampelnde Kinder oder laute Musik – was tun gegen Lärm von oben? Das fragt der Besitzer einer hellhörigen Wohnung unsere Experten. Sie schlagen als Schallschutzmaßnahme vor, die Decke abzuhängen und erklären, wie diese Art der Schalldämmung funktioniert.

Ein Nutzer hat sich mit folgender Frage an uns gewandt: "Ich habe eine Wohnung gekauft. Das Haus ist Baujahr 1960 und sehr hellhörig. Was kann ich an Schallschutzmaßnahmen vornehmen lassen, um den Lärm von oben einzudämmen?"

Vier kleine Überraschungspakete beim Advent-Gewinnspiel

Adventsgewinnspiel: Preise im Gesamtwert von 4.000 € zu gewinnen!

Hier mitmachen

Die Wohnglück-Experten antworten:

Wenn die Lärmbelästigung von oben kommt, gibt es zwei Möglichkeiten, sie einzudämmen:

  1. Die beste und wirksamste Möglichkeit ist zweifellos eine ausreichende Trittschall-Dämmung des Fußbodens im oberen Stockwerk. Damit wird die Ursache gründlich beseitigt.
  2. Kommt diese Lösung nicht infrage, wenn man beispielsweise in einem Mehrfamilienhaus wohnt, bietet sich die Montage einer Zwischendecke an. Dafür muss der Raum allerdings ausreichend hoch sein.

Schallschutz durch eine freischwebende Zwischendecke

Eine abgehängte Decke sollte von der eigentlichen Decke einen Abstand von mindestens 30 Zentimeter haben. Mit einer derartigen Konstruktion wird eine wirksame Schalldämmung zum einen durch die "biegeweiche" Beplankung (Gipskartonplatten) erzielt, die den Luftschall absorbiert. Zum anderen wird der Schall noch zusätzlich durch das Dämm-Material, das in den Hohlraum zwischen Decke und Beplankung eingebracht wird, verringert.

Das Dämm-Material besteht in der Regel aus 10 Zentimeter dicken Schallschutz-Mineralwolle-Matten, zum Beispiel Isover Akustik TP 1 Plus oder TP 2 Plus.

Die Unterkonstruktion einer abgehängten Decke, auf der die Beplankung (Gipskartonplatten) verschraubt wird, kann aus Holzlatten bestehen. Sehr gut eignen sich aber auch spezielle Metallprofile, die leicht mit der Stichsäge gekürzt oder mit Profilverbindern auf das gewünschte Maß verlängert werden können. Winkelanker verbinden die längs verlaufenden Profile mit den quer dazu liegenden.

Das müsst ihr bei der Unterkonstruktion beachten

Die Unterkonstruktion und die Beplankung dürft ihr keinesfalls an den umlaufenden Wänden befestigen. Sonst besteht die Gefahr, dass Geräusche aus den darüber oder daneben liegenden Räumen als Körperschall auf die Deckenkonstruktion übertragen werden. Das hätte zur Folge, dass die abgehängte Decke wie ein Resonanzboden alle Geräusche aus dem Haus verstärken würde.

Aus diesem Grund empfiehlt es sich, die Decke "frei schwebend" unter der ursprünglichen Zimmerdecke aufzuhängen. Es gibt verschiedene federnde Abhängersysteme. Besonders praktisch sind sogenannte "Nonius-Abhänger", die eine genaue Höhenjustierung erlauben. Ihr solltet sie im Abstand von circa 90 Zentimetern anbringen.

Um den oben beschriebenen Resonanzeffekt zu vermeiden, sollte die Beplankung biegeweich sein. Dafür eignen sich am besten Gipskartonplatten. Ihr befestigt sie mit phosphatierten Schnellbauschrauben an der Unterkonstruktion. Der Abstand der Latten oder Metallprofile richtet sich nach dem Plattenmaß. Es ist unbedingt ratsam, dass ihr euch vor der Montage eine Skizze anfertigt.

Damit keine Schallbrücken entstehen, darf die Beplankung an keiner Stelle an die umlaufenden Wände stoßen. Es muss ringsherum eine ein Zentimeter breite Fuge offen bleiben, die mit Mineralwolle abgedeckt werden kann. Das Dämm-Material sollte nicht stumpf an die Wände stoßen, sondern circa 10 Zentimeter an ihnen hochgeführt werden.

Schallschutz mit einer freitragenden Zwischendecke

Als Alternative möchten wir euch noch die Konstruktion einer "Freitragenden Unterdecke" darstellen, die sich lediglich an den umlaufenden Wänden abstützt. Der Vorteil: Hier ist nur ein Abstand von etwa zehn Zentimetern unterhalb der ursprünglichen Decke erforderlich.

Für eine freitragende Zwischendecke befestigt ihr ringsherum an den Wänden ein U-Profil aus Stahlblech so, dass die offene Seite zur Raummitte zeigt. Um das U-Profil akustisch von der Wand abzukoppeln, solltet ihr vor der Montage Schaumstoff-Dichtbänder so auf das Profil kleben, dass dieses an keiner Stelle direkten Kontakt mit der Wandoberfläche hat.

In die offene Seite des Profils schiebt ihr anschließend Querträger, welche die gesamte Raumbreite überbrücken. Diese Querträger bestehen aus jeweils zwei U-Profilen, die Rücken an Rücken mit Blechschrauben verbunden sind, so dass quasi ein T-Träger entsteht.

Bei kleineren Räumen (unter zehn Quadratmetern) und geringen Wandabständen kann die Höhe der Profile zehn Zentimeter betragen, der Abstand von Träger zu Träger 62 Zentimeter. In größeren Räumen sollten die Profile 12,5 Zentimeter hoch sein und der Abstand sollte 50 Zentimeter betragen. Die Träger werden nach ihrer exakten Ausrichtung gegen ein Verschieben gesichert, indem sie mit den Wandprofilen durch "Vercrimpern" oder mit Blechschrauben fest verbunden werden.

In die auf diese Weise entstandene Rahmenkonstruktion schiebt man in PE-Folie eingeschweißte Mineralwolle-Dämm-Matten oder mehrere Lagen Holzweichfaser-Dämmplatten (Gesamtdicke mindestens drei Zentimeter) ein. Ganz besonders wichtig ist, dass ihr das Dämm-Material lückenlos einbaut. Als Abschluss schraubt ihr Gipskartonplatten unter die Rahmen-Konstruktion.

Auch bei dieser Konstruktion dürfen die abschließenden Gipskartonplatten nicht an die umlaufenden Wände anstoßen. Auch hier muss zwischen Wand und Platte eine circa ein Zentimeter breite Fuge offen bleiben.

Eine Schallschutz-Alternative bei geringer Raumhöhe

Wenn die Wohnung relativ niedrige Decken hat, dann können zehn Zentimeter weniger Raumhöhe schon zu viel sein. Aber auch in diesem Fall gibt es eine Alternative: Trockenbau-Fachbetriebe können mit dem System D 113 der Firma Knauf schalldämmende Zwischendecken, bei denen die Abhängehöhe nur fünf Zentimeter beträgt, herstellen. Dabei werden die Stahlblechprofile an "entkoppelten" Direktschwingabhängern unter der Decke befestigt. Die Profile selbst müssen mit Mineralwolle gefüllt werden. Als Dämm-Material werden Spezial-Mineralwollmatten eingesetzt. Abgeschlossen wird die Konstruktion mit einer schalldämmenden Gipskartonplatte. In Eigenarbeit könnt ihr derartige Decken allerdings nicht herstellen, da muss wirklich ein Fachbetrieb ran.

Unser abschließender Hinweis: Ihr habt auch eine Frage und benötigt den Rat unserer Wohnglück-Experten? Kein Problem: Schreibt uns über den Facebook-Messenger und wir stehen euch nach Möglichkeit mit Rat und Tat zur Seite.

Lies noch mehr…

Wir verwenden Cookies, um die Website optimal zu gestalten. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie grundsätzlich der Verwendung von Cookies zu (Websitefunktionalitäten, anonymisiertes Nutzerverhalten, usw). Sofern Sie zustimmen, teilen wir zudem Informationen anonymisiert mit Werbepartnern. Siehe Datenschutzhinweise.

OK