einfamilienhaus mit hinterlüfteter Fassade
© Nele Martensen, Architektur: Wacker Zeiger Architekten

Modernisieren | Expertentipp

Hinterlüftete Fassade: Welche Vorteile hat eine vorgehängte Fassade?

Redaktion

Level: Für Profis

Eine hinterlüftete Fassade ist eine Alternative zum beliebten Wärmedämmverbundsystem. Sie hat zahlreiche Vorteile. Unser Experte erklärt, wie ihr sie mit ein wenig handwerklichem Geschick selbst anbringen könnt.

Ein User kam mit folgender Frage auf die Wohnglück-Redaktion zu: "Was ist eigentlich eine hinterlüftete Fassade?"

Die Wohnglück-Experten antworten:

Eine hinterlüftete Fassade ist eine Alternative zum beliebten Wärmedämmverbundsystem, das unmittelbar auf die Wand geklebt und verputzt oder verkleidet wird. Die genaue Bezeichnung ist "vorgehängte hinterlüftete Fassade", abgekürzt auch VHF. Sie wird aber auch als hinterlüftete Fassade oder vorgehängte Fassade bezeichnet. Die hinterlüftete Fassade ermöglicht eine Vielzahl von gestalterischen Möglichkeiten. Ihr könnt sie auch auf schon vorhandenem Mauerwerk montieren – wie, lest ihr weiter unten. Doch was macht diese spezielle Fassade eigentlich aus?

Aufbau einer hinterlüfteten Fassade

Bei einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade wird die Fassadenbekleidung nicht direkt auf das Mauerwerk aufgebracht, sondern auf eine Unterkonstruktion montiert. Dadurch sind Dämmung und damit der Feuchte, Wärme-, Schall- und Brandschutz und die Verkleidung, die Schutz vor der Witterung bietet, konstruktiv voneinander getrennt. Zwischen den beiden Komponenten entsteht auf diese Weise eine Luftschicht. Diese kann den Feuchtehaushalt im Baukörper regeln.

Ein klassischer Aufbau einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade von außen nach innen wäre beispielsweise:

  1. Fassadenverkleidung mit Lattung
  2. Luftschicht
  3. senkrechte Lattung in Luft- und Dämmebene
  4. Leichtbauwand
Infografik: So ist eine hinterlüftete Fassade aufgebaut
© Antonia Eigel / wohnglück.de

Eine VHF könnt ihr aber ebenso an massiven Wänden befestigen.

Vorteile einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade

Der größte Vorteil einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade ist ihre optische Gestaltungsmöglichkeit. Durch die Konstruktion könnt ihr für die Fassade die unterschiedlichsten Materialien einsetzen, wie beispielsweise Holzschindeln, Metallbleche, Naturstein oder Milchglas. Selbst ausgefallene Bekleidungen lassen sich dadurch umsetzen, die mit einer herkömmlichen Fassade nicht umsetzbar wären. Zum Beispiel Photovoltaik-Elemente, eine Medienfassade oder eine Fassadenbegrünung.

Zudem kann eine VHF sehr gut für die energetische Sanierung eingesetzt werden. Sie ist auch für Bestandswände mit Feuchteproblematik geeignet. Ein weiterer großer Vorteil des Aufbaus liegt in seiner Nachhaltigkeit: Die Fassade lässt sich am Ende ihrer Lebensdauer geordnet zurückbauen und sortenrein trennen.

Durch die konstruktive Trennung von Wärme- und Witterungsschutz ist eine VHF deutlich weniger schadensanfällig als andere Fassadensysteme. Zudem können individuelle Anforderungen zum Beispiel an den Brand-, Schall- oder Blitzschutz problemlos umgesetzt werden, ohne die Gestaltung negativ zu beeinflussen.

Nachteile einer VHF

Neben diesen Vorteilen hat die vorgehängte hinterlüftete Fassade aber auch Nachteile:

  • Sie ist teurer als beispielsweise ein Wärmeverbundsystem. Dieser Nachteil wird allerdings dadurch ausgeglichen, dass die Lebensdauer hoch und der Wartungs- und Instandhaltungsaufwand gering sind.
  • Sie benötigt mehr Platz.

Hinterlüftete Fassade anbringen

Die Konstruktion einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade könnt ihr bei entsprechender handwerklicher Begabung selbst vornehmen. Mehr Informationen dazu, was ihr dabei beachten müsst, gibt es in einer Leitlinie vom Fachverband Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden e. V. (FVHF) Folgende Schritte sind notwendig:

1. Traglattung anbringen

Zuerst dübelt und schraubt ihr senkrecht Kanhölzer hochkant auf die Fassade. Wenn ihr diese Traglattung direkt an unebenen Flächen montiert, könnt ihr das Ausfluchten am einfachsten dadurch bewerkstelligen, dass ihr Holz -oder Sperrholzscheiben hinterlegt. Die Kantenhöhe muss der Dicke des Dämmmaterials (Mineralwolle-Platten) entsprechen.

Der Abstand der Kanthölzer sollte einen halben Zentimeter geringer gewählt werden, als die Dämmplatten breit sind. Auf diese Weise könnt ihr die Mineralwolle-Platten stramm, lückenlos und ohne Fugen zwischen die Kanthölzer klemmen.

2. Dämmmaterial befestigen

Sollte es sich nicht vermeiden lassen, dass an Dachüberständen oder Fensterbänken offene Lücken bleiben, müsst ihr diese mit Montageschaum schließen. Das Dämmmaterial muss an allen Stellen vollflächigen Kontakt mit dem Untergrund haben. Es dürfen keine Hohlräume zwischen Dämmmaterial und Fassadenoberfläche entstehen. Schon allein aus diesem Grund ist es ratsam, die Dämmplatten in einem Abstand von jeweils 40 Zentimetern seitlich, sowie nach oben und unten zusätzlich mit Tellerdübeln zu befestigen. Abschließend überspannt ihr die gesamte Fläche mit einer wasserabweisenden, dampfdiffusionsoffenen Folie.

3. Fassadenverkleidung anbringen

Zur Herstellung eines Luftzwischenraums zur "Hinterlüftung" der Fassadenverkleidung werden auf die Kanthölzer der Traglattung senkrecht 2 cm dicke Latten genagelt. Anschließend werden darauf waagerecht die Latten befestigt, welche die abschließende Fassadenverkleidung halten. Der Abstand und die Abmessung dieser Lattung richtet sich nach dem verwendeten Material: Holz, Schindeln oder Fassadenplatten, von denen es eine sehr große Auswahl gibt. Ganz besonders wichtig ist, dass die offenen Kanten dieses Systems oben und unten mit einem feinen Drahtgitter sorgfältig verschlossen werden, damit kein Ungeziefer in die Wärmedämmung einwandern kann.

Unser abschließender Hinweis: Ihr habt auch eine Frage und benötigt den Rat unserer Wohnglück-Experten? Schreibt uns über den Facebook-Messenger und wir stehen euch nach Möglichkeit mit Rat und Tat zur Seite.

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