Haus mit einer Photovoltaik-Anlage in einem Feld mit Sonnenblumen.
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Bauen | Ratgeber

Energiesparhaus: Passivhaus, KfW-Effizienzhaus und andere im Überblick

Andreas Förstel

Andreas Förstel

Energiesparhaus, Passivhaus oder Effizienzhaus – was sind da die Unterschiede? Wir listen die wichtigsten Energiespar-Haustypen auf und erklären euch, welche energetischen Standards sie voneinander unterscheiden.

Wer neu baut oder modernisiert, der setzt sich zwangsläufig auch mit dem Energieverbrauch auseinander. Dabei stößt er schnell auf teils verwirrende Bezeichnungen. Was genau ist eigentlich ein Energiesparhaus? Ist ein KfW-Effizienzhaus sparsamer als ein Passivhaus? Und was hat es mit einem Sonnenhaus auf sich? Wir erklären euch, was es mit den energetischen Vorgaben bei den einzelnen Haustypen auf sich hat und wie sie bemessen werden.

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Bis Ende 2020 war es die Energieeinsparverordnung (EnEV), die die Anforderungen an die energetische Qualität von Neubauten stetig heraufsetzte. Die EnEV wurde dann ab dem 1.11.2020 durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) abgelöst.

Bei der Suche nach dem passenden Energiesparkonzept müssen sich Bauherren mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten auseinandersetzen.

Es gibt zum Beispiel:

  • KfW-Effizienzhäuser,
  • Passivhäuser und Aktivhäuser,
  • Plus-Energiehäuser und
  • Sonnenhäuser

– eine oft verwirrende Vielfalt. Denn mal handelt es sich um bestimmte energetische Standards wie beim KfW-Effizienzhaus. Dann wiederum eher um bauliche und architektonische Konzepte wie beim Aktivhaus oder Sonnenhaus.

Zudem haben die Standards der verschiedenen Häuser oft unterschiedliche Bezugsgrößen. Mal geht es um den Primärenergiebedarf, mal um den Heizwärmebedarf, mal wird nur die zum Heizen benötigte Energie betrachtet. In anderen Fällen zählt wiederum die Gesamtenergiebilanz inklusive Stromverbrauch und Energiegewinnung aus Photovoltaik.

Bevor wir zu den einzelnen Haustypen kommen, starten wir daher erst mal mit ein paar Grundbegriffen rund um Energiesparhäuser.

Haus mit Solaranlage auf dem Dach
Die Nutzung von erneuerbaren Energien spielt bei vielen Energiesparhäusern eine wichtige Rolle. © Getty Images

Grundkurs 1 Energiesparhaus: Der Heizwärmebedarf

Der Heizwärmebedarf gibt an, welche Energiemenge nötig ist, um ein Haus zu beheizen. Er wird gemessen in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a) und drückt aus, wie gut die energetische Qualität der Gebäudehülle ist. Ein Heizwärmebedarf von 10 kWh entspricht etwa einem Liter Heizöl oder einem Kubikmeter Erdgas.

Der Heizwärmebedarf und der Preis für den Energieträger sind ausschlaggebend für die Heizkosten. Lest hier, wie ihr euren Wärmebedarf richtig plant.

Grundkurs 2 Energiesparhaus: Der Primärenergiebedarf

Der Primärenergiebedarf lässt hingegen keine direkten Rückschlüsse auf die Heizkosten zu, ist aber der für den Klima- und Umweltschutz entscheidende Wert. Er hängt neben dem Heizwärmebedarf vor allem vom eingesetzten Energieträger ab.

Es zählt dabei der Verbrauch der im Energieträger enthaltenen Primärenergie sowie die vorgelagerten Prozessschritte (Gewinnung, Transport, Umwandlungsverluste). Jedem Energieträger ist in Deutschland ein Primärenergiefaktor zugeordnet. Er beträgt zum Beispiel bei

  • Erdgas und Öl: 1,1
  • Strom: 1,8
  • Holz: 0,2
  • Sonnenwärme: 0

Je nach Energieträger kann der Primärenergiebedarf also wesentlich höher oder niedriger ausfallen als der Heizwärmebedarf.

Grundkurs 3 Energiesparhaus: Der Transmissionswärmeverlust

Beim Transmissionswärmeverlust handelt es sich um den Wärmeverlust bei einem beheizten Gebäude, der durch die Energieabgabe an die Umgebung durch die Gebäudehülle sowie Dämmung und Fenster entsteht. Ihr kennt in diesem Zusammenhang vielleicht den U-Wert.

Hier erklären wir euch, wie der Wärmedurchgangskoeffizient berechnet wird.

Energiesparhaus: Das KfW-Effizienzhaus

Die Förderung von Neubauten und energetischen Sanierungen durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) richtet sich nach dem erreichten energetischen Standard des Gebäudes. Um diesen zu bewerten, wurde der Begriff des KfW-Effizienzhauses geprägt. Er bezieht sich auf einen vergleichbaren Neubau, der nach den (alten) Vorschriften der Energieeinsparverordnung errichtet wurde.

Das neue Gebäude­energie­gesetz (GEG) löst wie oben beschrieben die bisherige Energie­einspar­verordnung (EnEV) ab. Dadurch ändert sich eine Grundlage der KfW-Förder­produkte für energie­effizientes Bauen und Sanieren. Für die Übergangszeit bis voraus­sichtlich Mitte 2021 gelten die Anforderungen der EnEV aber weiter.

Für die Bemessung der energetische Qualität gelten dabei zwei zentrale Kennwerte:

  • der Jahresprimärenergiebedarf
  • der Transmissionswärmeverlust

Für beide Kennzahlen definiert die EnEV Höchstwerte, die eingehalten werden müssen. Die Ziffer nach dem KfW-Effizienzhaus gibt an, wie der primärenergetische Standard eines Gebäudes im Vergleich zu einem solchen Neubau ist.

Ein KfW-Effizienzhaus 100 entspricht zum Beispiel exakt den Vorgaben der EnEV. Bei einem Effizienzhaus 55 darf der Primärenergiebedarf höchstens 55 Prozent des Referenzhauses betragen, die Transmissionswärmeverluste dürfen maximal bei 70 Prozent der EnEV-Höchstwerte liegen.

Das KfW-Effizienzhaus bezieht damit sowohl die Qualität der Dämmung als auch die Art der Beheizung mit ein, überlässt es aber den Bauherren und Planern, mit welchen Methoden und Techniken diese den Standard erreichen.

Die zulässigen Höchstwerte bei den KfW-Effizienzhäusern

Seit Anfang 2021 gilt neben dem GEG auch noch die Bundesförderung für effiziente Gebäude. Sie fasst bisher einzeln verteilte Fördermaßnahmen zusammen und regelt, welche energetischen Maßnahmen sowohl bei der Sanierung als auch beim Neubau wie und in welcher Höhe gefördert werden.

Beim Neubau von Effizienzhäusern gelten dabei diese Rahmenbedingungen:

  • Effizienzhausstandard
  • Bedingungen
  • Effizienzhaus 55
  • Der Jahres-Primärenergiebedarf beträgt höchstens 55 Prozent eines Referenzgebäudes, der Transmissionswärmeverlust maximal 70 Prozent.
  • Effizienzhaus 40
  • Der Jahres-Primärenergiebedarf beträgt höchstens 40 Prozent eines Referenzgebäudes, der Transmissionswärmeverlust maximal 55 Prozent.
  • Effizienzhaus 40 Plus
  • Diese Stufe wird bei einer Installation von gebäudenahen Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erreicht.
  • Erneuerbare-Energien-Klasse (EE-Klasse)
  • Eine „Effizienzhaus EE“-Klasse wird erreicht, wenn erneuerbare Energien einen Anteil von mindestens 55 % des für die Wärme- und Kälteversorgung des Gebäudes erforderlichen Energiebedarfs erbringen.
  • Nachhaltigkeits-Klasse (NH-Klasse)
  • Eine „Effizienzhaus NH“-Klasse wird erreicht, wenn für dieses Haus ein Nachhaltigkeitszertifikat ausgestellt wird.

Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG): die Effizienzhaus-Standards im Neubau

Zu den eigentlichen Definitionen der Effizienzhäuser sind jetzt auch noch diese beiden Klassen hinzugekommen:

  • Erneuerbare-Energien-Klasse (EE-Klasse)
  • Nachhaltigkeitsklasse (NH-Klasse)

Klingt kompliziert, und das ist es auch. Wichtig werden diese Bestimmungen immer dann, wenn ihr Fördermittel erhalten wollt. Im Zweifelsfall müsst ihr sowieso einen Energieberater einschalten.

Es gibt teils auch regionale Vorgaben für Effizienzhäuser. So definiert die Stadt Freiburg einen eigenen Effizienzhausstandard 55. Der ist nahezu identisch mit dem KfW-Standard 55, wird aber noch um eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ergänzt.

Energiesparhaus: Das Passivhaus

Mit dem vom Passivhaus Institut Darmstadt Anfang der 1990er-Jahre geprägten Begriff werden Häuser mit einem besonders niedrigen Heizwärmebedarf bezeichnet. Nach den Kriterien des Passivhaus Instituts darf der jährliche Heizwärmebedarf maximal 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche betragen. Das liegt deutlich unter den Grenzwerten der EnEV.

Ein Großteil des noch benötigten Wärmebedarfs soll durch passive Quellen wie Sonne, Menschen und Haushaltsgeräte gedeckt werden. Beim Passivhaus kommt es vor allem darauf an, die Wärmeverluste zu minimieren. Es gelten deshalb besondere Anforderungen an die U-Werte für:

Mit welcher Energiequelle und Technik ein Passivhaus beheizt wird, ist hingegen erst in zweiter Linie relevant. Mit den Klassen "Passivhaus Plus" und "Passivhaus Premium" bezieht das Passivhaus Institut allerdings auch den Primärenergiebedarf und die Erzeugung von Energie, vor allem über Photovoltaikanlagen, in die Bewertung mit ein.

Holzhaus im Passivhausstandard
Dieses Holzhaus im Passivhausstandard steht im österreichischen Kittsee. © Bohumil SALEK/www.bosa.sk

Energiesparhaus: Das Sonnenhaus

Während das Passivhaus den Heizwärmebedarf minimieren möchte, setzt das Sonnenhaus beim Primärenergiebedarf an. Ziel ist es, einen möglichst großen Teil der benötigten Wärme für Heizung und Warmwasser solar zu erzeugen, um mit möglichst wenig Primärenergie auszukommen.

Sonnenhäuser sind konsequent nach Süden ausgerichtet, um über Solarkollektoren mit einer Fläche von mindestens 30 bis 50 Quadratmetern möglichst viel Wärme einzufangen. Dabei speichern riesige Wassertanks im Inneren des Gebäudes die gewonnene Wärme. Dadurch lässt sich die Wärme auch über einen längeren Zeitraum hinweg nutzen. Die Restwärme wird in der Regel mit einem Holz- oder Pelletofen erzeugt.

Ein Praxisbeispiel zum Thema Sonnenhaus findet ihr in unserem Artikel "Das Haus der Zukunft steht in Oberfranken".

Energiesparhaus: Das Plus-Energiehaus

Erwirtschaftet ein Haus übers Jahr betrachtet einen Energieüberschuss, spricht man von einem Plus-Energiegebäude oder einem Energie-Plus-Haus. Es gewinnt selbst mehr Energie als seine Bewohner von außen beziehen, hat also rechnerisch eine positive Energiebilanz.

Möglich wird dies in der Regel durch eine gut gedämmte Gebäudehülle in Verbindung mit einer großflächigen Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung und einer thermischen Solaranlage zur Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung.

Vereinfacht ausgedrückt lässt sich aus jedem Haus, das die Anforderungen der EnEV erfüllt, mit einer großen Fläche an Solarmodulen ein Plus-Energiegebäude machen. Verbindliche Kriterien für die Bilanzierung gibt es allerdings nicht.

Energiesparhaus: Das Aktivhaus/Aktivhaus Plus

In Abgrenzung zum Passivhaus haben verschiedene Architekten in den vergangenen Jahren den Begriff vom Aktivhaus oder Aktivhaus Plus geprägt. Ziel ist es, eine energieeffiziente Gebäudehülle intelligent mit den Möglichkeiten der dezentralen Gewinnung und Speicherung von Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien zu verknüpfen.

Aktivhäuser streben grundsätzlich einen Plus-Energiestandard an, binden das Ziel einer positiven Energiebilanz aber in ein ganzheitliches Konzept ein. Die Bandbreite reicht dabei von der Integration der E-Mobilität in die dezentrale Erzeugung und Speicherung von Energie bis hin zu einer Optimierung der Wohnqualität durch ein gesundes Raumklima und einen optimalen Nutzerkomfort. Auf rein quantitative Kriterien für die Energieeffizienz verzichtet dieser umfassende Ansatz daher.

Informationen Haus der Zukunft.
Wie hoch ist der Energieverbrauch, wie hoch der Anteil der eigenen Energieproduktion? In Teilen wird bei Energiesparhäusern auch die Energiebilanz mit einbezogen. © Udo Geisler

Energiesparhaus: Das Nullenergiehaus

Vom Nullenergiehaus spricht man, wenn der durchschnittliche jährliche Bezug externer Energie mittels selbst erzeugter Energie (beispielsweise durch Photovoltaikanlagen) ausgeglichen wird. Oder anders gesagt: die für den Eigenverbrauch benötigte Energiemenge für Heizung und elektrischen Strom produziert das Haus rein rechnerisch im Laufe der Messperiode selbst. Es geht hier also um eine ausgeglichene Energiebilanz und nicht – wie beim Plus-Energiehaus – um die Erzeugung eines Energieüberschusses.

Beim Passivhaus geht es vor allem um die Minimierung der Wärmeverluste. Dagegen spielt beim Nullenergiehaus auch die aktive Energiegewinnung eine große Rolle. So erfolgt die Warmwasser- und Stromgewinnung bei Nullenergiehäusern zumeist per Photovoltaik. Das funktioniert sogar bei Tiny Houses. Wie könnt ihr im Artikel "Tiny House-Bewohner Klemens Jakob und sein autarkes Minihaus" aus unserer Tiny-Wohnglück-Serie nachlesen.

Energiesparhaus: Das Niedrigenergiehaus

Die Bezeichnung Niedrigenergiehaus ist eher allgemeiner Art. Früher galt für die Definition eines Niedrigenergiehauses ein Jahresheizwärmebedarf zwischen 40 und 79 kWh/(m²a). Heutzutage sind Neubauten aber fast automatisch auch Niedrigenergiehäuser, wenn beim Bau die Bestimmungen der EnEV eingehalten werden. Insofern wird der Begriff Niedrigenergiehaus fast nicht mehr verwendet.

Allerdings gibt es teilweise regionale Regelungen für Niedrigenergiehäuser. Beim "Niedrig-Energiehaus-Standard Schleswig-Holstein" muss zum Beispiel der jährliche Primärenergiebedarf mindestens 20 Prozent unter dem von der EnEV festgelegten Maximalwert liegen. Beim Transmissionswärmeverlust muss der Wert mindestens 30 Prozent niedriger sein.

Energiesparhaus: Das 3-Liter-Haus

Geprägt wurde der Begriff 3-Liter-Haus Ende der 1990er-Jahre von Mitarbeitern der Abteilung Bauphysik des Fraunhofer Instituts. Sie definierten damals einen neuen Niedrigenergiestandard, bei dem ein Gebäude pro Jahr und Quadratmeter maximal den Heizwert von drei Litern Öl verbraucht. Das entspricht in der Umrechnung einem Jahresheizwärmebedarf von unter 30 kWh/(m²*a). Somit liegt das 3-Liter-Haus beim Jahresheizwärmebedarf unter KfW-Effizienzhaus 40, aber über dem Passivhaus.

Energiesparende Häuser aus der Wohnglück-Fertighaus-Datenbank

In unserer Datenbank findet ihr mittlerweile über 1.000 Modelle der unterschiedlichsten Anbieter. Hier eine Übersicht besonders energieeffizienter Häuser:

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