Schilfrohrmatten werden verlegt
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Bauen | Ratgeber

Schilfdämmung: Alles über Schilf als Dämmstoff

Katharina Schneider

Schilf eignet sich nicht nur zum Decken von Dächern. Auch als Dämmstoff findet die Pflanze Anwendung. Schilfdämmung bietet dabei viele Vorteile, sie ist zum Beispiel frei von Zusatzstoffen und bietet guten Schutz vor sommerlicher Hitze. Allerdings sind die Einsatzgebiete beschränkt. Ob sich eine Dämmung mit Schilf für euch lohnt, lest ihr hier.

Schon seit tausenden Jahren verwenden Menschen Schilf oder Reet für den Hausbau. Reetdächer gibt es schon seit dem Jahr 4.000 vor Christus. Doch auch heute ist das Material noch beliebt: In Norddeutschland wird Schilf auch heute noch zum Dachdecken benutzt und ist sogar Teil des Weltkulturerbes der Unesco. Aber auch als Dämmstoff lässt sich Schilf verwenden. Allerdings ist das Material eher etwas für Liebhaber und nicht für alle Dämmprojekte geeignet.

Zahlen und Fakten zur Schilfdämmung

  • Kennzahl
  • Schilfdämmung
  • Wärmeleitfähigkeit in W/(mK)
  • 0,055 bis 0,065
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand
  • 3 bis 6,5
  • Baustoffklasse (Brandschutz) nach DIN 4102-1 und EN 13501-1
  • B1, B2 (DIN) und E (EN)
  • Rohdichte in kg/m3
  • 150
  • Spezifische Wärmekapazität in J/(kgK)
  • 1.200
  • Kosten
  • zwischen 10 und 20 Euro pro m2

Schilf als Dämmstoff

Dämmstoffe aus Schilf sind nicht weit verbreitet. Es gibt nur wenige Hersteller, die sie anbieten. Ein zusätzliches Problem: Es gibt für Schilf noch keine bauaufsichtliche Zulassung. Deshalb müssen Behörden den Einsatz immer im Einzelfall genehmigen.

Schilf am Meer
Schilf wächst am Meer. Für Dämmstoffe werden vor allem Schilfrohre aus der Türkei und Ungarn verwendet. © Getty Images/iStockphoto

Einsatzgebiete von Schilf als Dämmstoff

  • Schilfrohrmatten oder -platten können zur Dachdämmung verwendet werden, sowohl zur Unter-, Zwischen- als auch Aufsparrendämmung.
  • Sie sind auch zur Bodendämmung und zur Innen- und Außendämmung nutzbar.
  • Die Matten können auch als dämmende Putzträger verwendet werden. Besonders in Verbindung mit Lehm werden die physikalischen Eigenschaften von Schilf gut genutzt. Die Platte und Matten können mit Dübeln mechanisch an Wand oder Dach befestigt werden oder in Rahmenkonstruktionen eingepasst werden.
  • Schilf ist nicht als Perimeterdämmung oder als Kerndämmung von zweischaligem Mauerwerk geeignet. Auch bei erhöhten Anforderungen an den Brandschutz ist die Dämmung mit Schilfrohr nicht empfehlenswert.
Schilfdämmung wird verlegt
Die Schilfrohre werden mit Drähten, oft aus Edelstahl, miteinander verbunden. © onemorepicture / Thorsten Wagner

Wärmeleitfähigkeit von Schilfdämmung

Schilfdämmstoffe haben mittlere Dämmeigenschaften. Die Wärmeleitfähigkeit liegt bei 0,055 bis 0,065 Watt pro Meter und Kelvin, im Vergleich mit anderen Naturdämmstoffen aber eher im höheren Bereich. Das heißt, dass sich mit anderen Materialien ein besserer Kälteschutz erzielen lässt. Da Schilf jedoch einen guten Wert bei der spezifischen Wärmekapazität hat, bietet er guten sommerlichen Hitzeschutz.

Schallschutz: Schilfdämmung absorbiert Schall

Schilfrohrmatten können Schall gut absorbieren. Deshalb sind sie auch als Bodendämmung beliebt und empfehlenswert.

Feuchteschutz: Der große Pluspunkt

Schilf ist für Dächer so beliebt, weil es auch unter ständiger Wassereinwirkung so gut wie nicht verrottet. Schilfrohrdämmungen sind sehr feuchteresistent und eignen sich besonders für Gebäude in Gegenden mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Brandschutz

In der Regel werden Schilfmatten mit anderen Materialien kombiniert. Besonders gut eignet sich das Material als Putzträgerschicht für Lehm. Je nachdem, wie dick der Putz auf den Matten oder Platten ist, erreicht Schilf die Baustoffklasse B1 oder B2, ist also schwer entflammbar oder normal entflammbar.

Herstellung von Schilf-Dämmungen

Um die Dämmplatten herzustellen, verwendet man lange kräftige Schilfrohre. Die kommen in der Regel aus der Türkei oder Ungarn. Schilfrohre mit diesen Charakteristika haben besonders große Luftkammern und eignen sich so gut zum Dämmen. Die Halme werden parallel verpresst und dann mit Drähten, zum Beispiel aus Edelstahl, zusammengebunden. Das macht die Matten leicht formbar. So eignen sie sich auch zur Verwendung für runde Bauteile.

Bei der Produktion der Schilfrohrmatten und -platten werden keine Zusatzstoffe verwendet. Die so produzierten Platten haben ein hohes Eigengewicht, was sich eventuell auf die Statik des Gebäudes auswirken kann.

Nachhaltigkeit von Schilf-Dämmungen

Obwohl die Transportwege aus den Anbaugebieten mitunter weit sind, haben Schilfdämmungen eine sehr gute Ökobilanz. Die Herstellung ist sehr energiearm. Außerdem ist Schilfrohr ein guter CO2-Speicher und komplett wieder- und weiterverwendbar sowie recyclebar, weil die Dämmstoffe ohne Zusätze auskommen. Sie sind trotzdem sehr feuchteresistent. Das Material ist außerdem von Natur aus sehr widerstandsfähig gegenüber Pilzen und Fäulnis und kann sich positiv auf das Raumklima auswirken.

Schilf ist als Dämmstoff gesundheitlich komplett unbedenklich.

Schilfdämmung wird eingebaut
Schilf eignet sich sehr gut als Trägerschicht für Putz. Besonders in Kombination mit Lehm kommen die Vorteile des Materials zum Tragen. © onemorepicture / Thorsten Wagner

Woher ihr Schilfdämmung bekommt

Schilfdämmung ist eher ein Nischenprodukt. Im normalen Baumarkt werdet ihr wohl eher nicht fündig werden. Ihr könnt die Dämmmatten aber direkt über den Hersteller Hiss Reet aus Bad Oldesloe beziehen. Die Firma Claytec bietet Schilfrohrleichtbauplatten an. Auch in einigen Online-Shops wie dem Baustoffshop oder Naturanum sind Schilfdämmungen erhältlich.

Preis und Kosten von Dämmstoffen aus Schilf

Eine Dämmplatte oder Dämmmatte aus Schilf kostet zwischen zehn und 20 Euro, je nach Dicke. Damit liegt Schilfdämmung eher im mittleren Preissegment. Dazu kommen die Kosten für den Einbau und eventuell noch Kosten, um die Sondergenehmigung einzuholen.

Vorteile und Nachteile von Schilf

Schilfdämmungen bieten viele Vorteile:

  • 100 Prozent natürlich und damit eine sehr gute Ökobilanz
  • Guter sommerlicher Hitzeschutz
  • Feuchteresistent und feuchteregulierend
  • Guter Schallschutz
  • Durch die Kombination mit Lehm teilweise besserer Brandschutz (B1)
  • Hohe Widerstandskraft gegenüber Schädlingen, Fäulnis und Schimmel
  • Vergleichsweise günstig im Preis

Allerdings gibt es auch durchaus Nachteile:

  • Hohe Wärmeleitfähigkeit
  • Hohes Eigengewicht
  • Nicht geeignet für Perimeter- oder Kerndämmung

Fazit zur Schilfdämmung

"Schilf eignet sich besonders gut im Bereich der Denkmalsanierung", sagt René Görnhardt von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe. "Nicht nur für ein Reetdach, sondern auch bei der innenseitigen Dämmung von Außenwänden." Denn beim Einsatz in diesem Bereich kämen alle Vorteile der Pflanze zum Tragen: "Sie ist weitestgehend resistent gegen Feuchtigkeit. Außerdem wirkt Schilf durch das hohe Raumgewicht bei gleichzeitig hohem Luftgehalt wärme- und feuchteausgleichend." Das führe im Sommer zu einem sehr gutem Innenraumklima. "Weiterhin ist Schilf bruchsicher, quillt und schwindet nicht", sagt Görnhardt.

"Für den, der selber baut, und bei geringerem Materialeinsatz eine hohe Wärmedämmleistung erzielen möchte, gibt es allerdings technisch ausgereiftere Dämmprodukte, zum Beispiel Holzfaserdämmplatten", sagt der Experte.

Welcher ökologische Dämmstoff für euer Dämmprojekt der richtige ist, könnt ihr in unserem großen Vergleich der natürlichen Dämmstoffe nachlesen.

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