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Nachtspeicherheizung Kosten: Lässt sich mit Nachtspeichern günstig heizen?

Sandra Hermes

Sandra Hermes

Der Boom von Nachtspeicherheizungen in den 1960er und 70er-Jahren hing an den damals günstigen Nachtstromtarifen. Aber wie sieht es heute aus? Ist das Heizen mit den umstrittenen Nachtspeichern noch eine Alternative?

Über eine Millionen Haushalte heizen in Deutschland noch mit Nachtspeicherheizungen. Rechnet sich das? Und ist die Technik nicht eigentlich verboten? Wir beantworten eure Fragen rund um die elektrische Speicherheizung und geben Mietern Tipps, deren Vermieter nicht in klimafreundlichere und günstigere Alternativen investieren wollen.

Wie funktioniert eine Nachtspeicherheizung?

Nachtspeicherheizungen (auch Nachtspeicherofen oder elektrische Speicherheizung genannt) gehören zu den Elektroheizungen. Eine Nachtspeicherheizung speichert nachts Strom in einem mineralischen Speicherkern (Speichersteine). Tagsüber gibt sie den oft günstiger angebotenen Nachtstrom als Wärme an den Wohnraum ab.

Das Prinzip ist also einfach, die Handhabung weniger. Denn ihr müsst schon am Vortag wissen, wieviel Wärme ihr am nächsten Tag verbrauchen werdet. Stellt man den Bedarf zu hoch ein, verschwendet ihr Energie, regelt ihr das System zu stark runter, werdet ihr frieren oder ihr müsst auf den teureren Tagstromtarif ausweichen.

Warum waren Nachtspeicherheizungen so beliebt?

Die Hochzeit der Nachtspeicherheizungen war in den 1960er bis 1970er-Jahren. In dieser Zeit hatte das Heizen mit Strom einige Vorteile. Da der private Stromverbrauch nachts viel geringer war, die Kraftwerke aber nicht einfach abgeschaltet werden konnten, gaben diese den Nachtstrom zu günstigeren Nachtstromtarifen (Niederstomtarifen) ab. Trotz des hohen Verbrauchs war das Heizen mit Strom daher günstig.

Hinzu kamen die überschaubaren Anschaffungskosten im Vergleich zu wasserführenden Heizsystemen. Da viele Nachtspeicher alte Öl- und Kohleöfen ersetzten, sorgten sie zusätzlich für eine geringere Staubbelastung der Raumluft.

Heute sind Nachtstromtarife längst nicht mehr so günstig wie damals. In vielen Regionen werden sie gar nicht mehr angeboten. Denn in Privathaushalten wird heute auch nachts immer mehr Strom verbraucht. Das liegt auch daran, dass dann Millionen von Mobiltelefonen und Laptops und immer mehr Elektroautos geladen werden. Die aktuelle Energiekrise hat auch noch höhere Strompreise zur Folge und macht Nachtspeicher zunehmend uninteressant.

Ein weiteres Minus ist die schlechte CO2-Bilanz. Nur wenn ihr Ökostrom nutzt, sieht diese besser aus.

Sind Nachtspeicherheizungen nicht eigentlich verboten?

Wenn ihr schon mal von einem Verbot für Nachtspeicherheizungen gelesen habt, liegt ihr zwar richtig. Das Verbot in der Energiesparverordnung (EnEV) von 2009 wurde allerdings in der Neufassung von 2014 wieder aufgehoben, da insbesondere die Energiekonzerne in Nachtspeichern wichtige Speicher für überschüssigen Solar- und Windstrom sehen.

Derzeit sind Nachtspeicheröfen also trotz des überdurchschnittlichem Energieverbrauchs, der Belastung für die Umwelt und der Schadstoffbelastung von Altgeräten nicht verboten. So steht es auch im Gebäudeenergiegesetz von 2020, dem Nachfolger der EnEV.

Auch wenn es heute rentablere und umweltschonendere Heizungen gibt, sind in Deutschland derzeit noch über eine Million Nachtspeicher in Betrieb. Gerade Vermieter scheuen die oft kostenintensive Umrüstung auf wasserführende Systeme. Die betreffenden Mieter haben nur begrenzte Chancen, ihren Heizstromverbrauch zu senken.

Das spricht für ein Verbot von Nachtspeicherheizungen

  • hohe Betriebskosten (= Stromkosten)
  • geringe Energieeffizienz (Energieumwandlungsgrad liegt nur bei rund 40 Prozent)
  • Asbestbelastung alter Geräte
  • komplizierte Bedienung, nicht flexibel regelbar (sprich: wenn die Heizung heizt, heizt sie. An unerwartet warmen Tagen bleibt nur das geöffnete Fenster als Lösung)
  • Schadstoffemissionen bei der Stromerzeugung = schlechte CO2-Billanz

Diese Argumente werden gegen ein Verbot angeführt

  • niedrige Anschaffungspreise
  • schnelle und günstige Installation
  • benötigen kein wasserbasiertes Wärmeverteilsystem
  • zuverlässig und wartungsfrei
  • fungiert als Stromspeicher zur Entlastung der Netze (wobei diese Funktion im Winter fraglich ist, da es dann selten zur einer Überproduktion an Wind- und Solarenergie kommt)

Sind Nachtspeicheröfen klimaschädliche Stromfresser?

Nachtspeicherheizungen verursachen mehr als doppelt so viel Kohlendioxid-Emissionen wie eine Öl- oder Gasheizung. Im Vergleich mit erneuerbaren Energien sieht die Nachtspeicher-Technik noch älter aus. Eine Holzpelletheizung stößt zum Beispiel 15 mal weniger CO2 aus. Nutzt ihr Ökostrom, ist die Umweltbelastung zwar deutlich geringer, allerdings bleibt der Kostenaspekt.

In der Krise sind bekanntlich auch die Strompreise rasant gestiegen. Und auch wenn die Kosten künftig gedeckelt werden, bleibt das Heizen mit Strom – auch mit Nachtspeicheröfen – teuer.

Was kostet eine Nachtspeicherheizung?

Die Kosten für das Heizen mit Nachtspeicheröfen lässt sich in vier Positionen aufteilen:

  • Anschaffungskosten
  • Montagekosten
  • Betriebskosten
  • (Wartungskosten)

Anschaffungskosten bei einer Nachtspeicherheizung

Im Vergleich zu einer neuen Gastherme oder einer modernen Wärmepumpe sind Nachtspeicherheizungen günstig in der Anschaffung. Zwischen 650 und 2300 Euro kostet ein Gerät. Flache Geräte von bekannten Herstellern sind die teuersten. Die Gesamtkosten der Neuanschaffung variieren nach Zahl und Größe der Räume, die ihr auf diese Weise heizen wollt.

Montagekosten bei einer Nachtspeicherheizung

Die Gerätemontage (Anschluss sowie Einstellung von Stromzähler und Ladesteuerung) kostet euch zwischen 900 und 1200 Euro. Dieser Kostenpunkt variiert nach Zahl der Geräte und der Region, in der ihr einen Fachbetrieb beauftragt. Müssen Nachtspeicheröfen entsorgt werden, wird es teurer, insbesondere dann, wenn die Geräte mit Asbest belastet sind. Rechnet pro Gerät mit rund 300 Euro Zusatzkosten.

Betriebskosten von Nachtspeicherheizungen

Aufgrund der aktuellen Energiekrise können Angaben zu Strompreisen nur eine Moment-
aufnahme sein. Bis vor dem Krieg gegen die Ukraine lag der Preis für Heizstrom zwischen 21 und 33 Cent/kWh. Aktuell (11/2022) werden in einigen Regionen Preise zwischen 50 und 70 Cent/kWh aufgerufen.

Das entspricht bei einem Verbrauch von 14.000 Kwh (4-Personen-Haushalt) einem monatlichen Abschlag zwischen 600 und 900 Euro, also jährlichen Heizkosten zwischen 7290 € und 10.890 Euro (inkl. 90,- Grundpreis). Der geplante Strompreisdeckel soll jedoch 80 Prozent des Verbrauchs auf 40 Cent/kWh begrenzen. Ob der Deckel auch für Heizstrom gelten soll, ist noch unklar.

Gut zu wissen: Günstigeren Heizstrom könnt ihr nur beziehen, wenn dieser getrennt vom Haushaltsstrom mit einem separaten Stromzähler gemessen werden kann.

Keine Wartungskosten bei Nachtspeicheröfen

Eine Nachtspeicherheizung muss nicht gewartet werden, da sie kaum Verschleißteile hat. Der Besuch des Schornsteinfegers entfällt ebenfalls.

Fazit: Die günstigen Anschaffungskosten sowie der Wegfall der Wartungskosten werden mittelfristig von den hohen Strompreisen aufgefressen. Eine Nachtspeicherheizung zu nutzen war und bleibt eine teure Art zu heizen.

Behalten oder umrüsten: Lohnt sich eine Nachtspeicherheizung heute?

Wenn eure Nachtspeicherheizung euch bereits einige Jahrzehnte gedient hat, ist es jetzt sicher sinnvoll, sie auszutauschen. Im Sinne eurer Heizkostenabrechnung und der Umwelt! Bist du selbst Eigentümer, stehen dir eine Reihe von alternativen Heizsystemen zur Verfügung. Da Gas- und Ölheizungen derzeit ebenfalls hohe Energiekosten verursachen, sind Heizsysteme interessant, die regenerative Energieträger nutzen.

Ihr scheut den teuren Einbau neuer Leitungen, Rohre und Heizkörper? Wenn ihr weiter mit Strom heizen und aufwendige Umbauarbeiten vermeiden wollt, sind Infrarotmodule vielleicht eine Alternative für euch. Sie nutzen die investierte Energie sehr viel effizienter als eine Nachtspeicherheizung, da sie nicht die Raumluft erwärmen, sondern eure Körper und die Gegenstände im Raum.

Und was kostet das? Hier lest ihr alle Fakten zum Thema Infrarotheizungen.

Doch ganz gleich, ob ihr euch nun für eine Wärmepumpe, Solarthermie, Infrarotpaneele oder eine Pelletheizung entscheidet, zunächst müsst ihr die alten Nachtspeicher entsorgen. Bitte lasst das unbedingt ein Fachbetrieb erledigen. Beim Ausbau können gesundheitsschädliche Schadstoffe freigesetzt werden. So wurden einige Modelle bis zum Verbot 1993 noch mit Asbest gebaut oder sind mit PCB (polychlorierte Biphenyle) oder Chromat belastet.

Fördert der Staat den Ausbau einer Nachtspeicherheizung?

Für die Umrüstung könnt ihr immer dann mit einer 30-prozentigen staatlichen Förderung rechnen, wenn ihr euch für ein Heizsystem entscheidet, das erneuerbare Energien nutzt und/oder besonders energieeffizient ist. Dazu gehören derzeit unter anderem:

  • Wärmepumpen
  • Holzpelletheizungen und
  • Solarthermie

Für den Ausbau von Nachtspeicheröfen, Ölkesseln, Kohleöfen oder Gasheizungen bekommst du außerdem eine Prämie obendrauf.

Wichtig: Erst die Förderung beantragen, dann austauschen! Erfahrt hier mehr zum Thema staatliche Förderung für neue Heizungen und wie ihr an Zuschüsse kommt.

Was ist günstiger: Nachtspeicherheizung oder Elektroheizung?

Nachtspeicherheizung waren zwischen 1960 und 1980 günstiger als konventionelle Elektroheizungen, da sie Nachtstrom nutzen konnten. Dieser war bedeutend preiswerter als der Tagstrom, da die Kraftwerkbetreiber so eine gleichmäßige Auslastung erreichen konnten. Schließlich wird nachts sowohl in der Industrie als auch in Privathaushalten weniger Strom verbraucht.

Auch heute gibt es noch sogenannte Heizstromtarife (Niedertarif), allerdings sind die Preisunterschiede nicht mehr so groß, da moderne Kraftwerke besser auf Leistungsspitzen reagieren können. In einigen Regionen werden gar keine Nachtstromtarife angeboten. Gerade in Zeiten der Energiekrise greift das Kostenargument kaum noch. Das Heizen mit einer konventionellen Elektroheizung oder einem Heizlüfter ist beinahe ebenso teuer und ineffizient wie das Heizen mit einer Nachtspeicherheizung.

Die Ausnahme sind Infrarotheizungen. Beim direkten Vergleich von Nachtspeicher und Infrarotheizung gewinnen die Infrarotpaneele mit einer guten Energiebilanz. Gilt bei einem Nachspeicher 23 Grad als angenehme Wärme, empfindet man bei einer Infrarotheizung
bereits 20 Grad als Wohlfühltemperatur.

Lest noch mehr über das Heizen mit Strom: Vorteile und Nachteile von Elektroheizungen

Tipps für Mieter: Trotz Nachtspeicherheizung Heizkosten senken

Natürlich ist es ärgerlich, wenn euer Vermieter die alten Nachtspeicher nicht ersetzt. Um in diesen Zeiten eure Heizkosten dennoch ein wenig zu senken, bleiben euch diese Tipps:

Verbrauch planen

Beim Heizen den Wetterbericht im Auge behalten. So vermeidet ihr, den Nachtspeicher zu stark aufzuladen, wenn ihr die Wärme am kommenden Tag gar nicht braucht. Das kostet Mühe, senkt aber unterm Strich den Verbrauch.

Aufladesteuerung einbauen

Es lohnt sich, alte Geräte mit einer Aufladesteuerung nachzurüsten. Durch die Messung der Außentemperatur oder den Zugang zu Online-Wetterdaten kann euer Speicherofen dann genau die richtige Menge Strom für den nächsten Tag ziehen. Auch die Restwärme wird dabei berücksichtigt. Energieeinsparungen von 15 bis 18 Prozent sind hier möglich.

Tarife vergleichen

Über die bekannten Vergleichsportale könnt ihr checken, ob euer Tarif der günstigste in der Region ist. Falls nicht, könnt ihr den Anbieter wechseln (falls es mehrere gibt).

Bedienungsanleitung lesen

Fragt den Vermieter nach der Bedienungsanleitung für eure Nachtspeicheröfen. Wenn ihr die Geräte besser versteht, könnt ihr die Einstellungen entsprechend anpassen.

Richtig lüften

Dreht die Heizkörper herunter, wenn ihr lüftet. Das spart auch beim Nachtspeicher wertvolle Heizenergie. Noch mehr Tipps gibt's hier: Heizkosten sparen: 23 Tipps, wie ihr eure Heizkosten senken könnt

Fazit: Ist eine Nachtspeicherheizung noch zeitgemäß?

Selbst der Dachverband der Energieversorger (BDEW) stuft Nachtspeicher als „ineffizient gegenüber anderen Heizungsformen“ ein und sieht für Nachtspeicherheizungen „keine Perspektive“. Doch leider hilft die Erkenntnis vielen Hausbesitzern erstmal nicht weiter.

Trotz staatlicher Förderung, sind das Problem die hohen Kosten, die der Austausch mit sich bringt. Denn um ein wasserführendes System zu installieren, müssen neben der Heizungsanlage selbst, auch Rohre und Leitungen verlegt werden. Häufig muss nachträglich ein Schornstein angebaut werden.

Bleibt das Heizen mit Infrarotmodulen. Auch sie verwandeln Strom in Wärme, allerdings deutlich effizienter als Nachtspeicher. Weiteres Plus: Der Einbau ist unkompliziert, die Anschaffungskosten übersichtlich und den CO2-Ausstoß könnt ihr in Kombination mit einer Photovoltaikanlage auf eurem Dach deutlich reduzieren.

Mehr Tipps zum kostengünstigen Heizen bekommt ihr in "Richtig heizen: 5 einfache Regeln, die Geld sparen".

Ihr braucht noch mehr Infos, um euch zu entscheiden? Kein Problem. Schaut euch doch auch diese Artikel auf Wohnglück an. Hier erfahrt ihr noch mehr über alternative Heizungsanlagen:

Neue Heizung: Was kosten neue Heizungsanlagen und wie viel sparen sie?

Wärmepumpe im Altbau: Bauweisen und Heizkörper, Kosten und Förderung

Alle Informationen zur Alternative Fernwärme lest ihr in "Fernwärme-Kosten: Ist mit Fernwärme heizen günstig?".

Ihr wollt einen Überblick über eure monatlichen Wasserkosten gewinnen? Dann erfahrt ihr alles Wichtige in "Wasserkosten berechnen: Wie viel bezahlt man monatlich für Wasser?".

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