Hände unter laufendem Wasser im Waschbecken
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Bauen | Ratgeber

Wasserkosten berechnen: Wie viel bezahlt man monatlich für Wasser?

Sandra Hermes

Sandra Hermes

Sauberes Wasser ist für uns selbstverständlich. Dass es in guter Qualität und jederzeit aus dem Hahn fließt, hat aber seinen Preis. Und den tragt ihr als Verbraucher. Wie ihr eure Wasserkosten berechnen könnt und warum ihr im Saarland mehr zahlt als in Bayern, erfahrt ihr hier.

Am Ende des Jahres flattern die Rechnungen ins Haus. Strom-, Gas- und Öl-Abrechnungen werden in Zukunft keine guten Nachrichten enthalten. Beim Wasser sieht es zum Glück weniger dramatisch aus. Wer dennoch genau wissen will, was am Ende auf seiner Wasserabrechnung steht, kann das leicht selbst ausrechnen. Wir zeigen euch, wie ihr eure Wasserkosten berechnen könnt und geben einen Überblick über die durchschnittlichen Trinkwasserpreise in den Bundesländern.

Was kostet Trinkwasser in Deutschland?

Ein Liter Trinkwasser aus dem Wasserhahn kostet in Deutschland im Durchschnitt 0,2 Cent. Der Preis für einen Kubikmeter Wasser (1000 Liter) liegt demnach, laut Statistischem Bundesamt, bei etwa zwei Euro.

Die konkreten Preise unterscheiden sich aber von Bundesland zu Bundesland. Das liegt daran, dass die Kommunen den Wasserpreis (beziehungsweise die Wassergebühren) festlegen. In ihm spiegeln sich die unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten wider. Je nach Trinkwasserherkunft (Quell- und Oberflächengewässer oder Grundwasser), Aufbau des Leitungsnetzes, Siedlungsstruktur, Gesamtverbrauch, Topografie sowie Ausgaben für Wartung, Wasserqualität und Instandhaltung, variieren die Preise für das wertvolle Gut.

Während der Trinkwasserpreis in Niedersachsen 2019 zum Beispiel bei 1,31 Euro pro Kubikmeter lag, musste ein Baden-Württemberger 2,20 Euro (vgl. Statistisches Bundesamt) zahlen. Dabei arbeiten die Versorger kostendeckend, das heißt, dass mit Trinkwasser in Deutschland kein Geld verdient werden soll.

Ob die Wasserpreise angemessen sind, kontrollieren kommunale Aufsichtsbehörden und die Kartellbehörden der Länder.

Wie setzen sich meine Wasserkosten zusammen?

Am Ende des Jahres zahlt ihr nicht nur das Wasser, das ihr verbraucht habt, sondern noch weitere Posten. Zum einen stellt der Versorger einen Grundbetrag in Rechnung. Diese Grundgebühr ist für euren Hausanschluss fällig und variiert nach Art des genutzten Wasserzählers oder der Anzahl der Wohneinheiten. Eure Wasserkosten bestehen also in der Regel aus:

  • einem Fixbetrag und den
  • Kosten, die aus eurem konkreten Wasserverbrauch entstehen.

Als Drittes kommen die Abwassergebühren (auch Sielnutzungsgebühren genannt) hinzu. Jeder Nutzer zahlt also nicht nur das verbrauchte Wasser, sondern auch die Entsorgung des Schmutzwassers durch die Kanalisation. Pro Kubikmeter kommen so im Schnitt nochmal zwischen 1,90 und 2,70 Euro hinzu. Das macht pro Kubikmeter unterm Strich zwischen 4,00 und 4,60 Euro Trink- und Abwassergebühren.

Zuletzt taucht noch die sogenannte „Regensteuer“ auf. Damit sind die Kosten für das Niederschlagswasser gemeint, das über das Dach oder andere versiegelte Flächen auf eurem Grundstück in die Kanalisation gelangt. Pro Kubikmeter versiegelte Fläche zahlt ihr zum Beispiel in Hamburg 0,74 Euro (2021/22).

In vielen Kommunen erscheinen alle Posten auf einer gesammelten Wasserrechnung. In anderen bekommt ihr über die Abwassergebühren und die „Regensteuer“ eine gesonderte Rechnung. Wollt ihr eure Wasserkosten mit anderen Bundesländern vergleichen, müsst ihr alle Rechnungen addieren.

So setzen sich eure Wasserkosten zusammen:

  • Grundgebühr = Fixbetrag nach Versorger und Wasseruhr, beziehungsweise Zahl der Wohneinheiten
  • Arbeitspreis/Verbrauch = genutzte Trinkwassermenge
  • Abwassergebühren für verbrauchte Menge
  • Kosten für Niederschlagswasser
  • Mehrwertsteuer (7 Prozent)

Ob ihr auf eure Wasserrechnung den ermäßigten Mehrwertsteuersatz zahlen müsst oder nicht, hängt von eurem Versorger ab. Bezieht ihr euer Wasser von kommunalen Stadtwerken, erheben diese in der Regel Gebühren. Auf sie zahlt ihr keine Steuern. Ist für euch ein privatwirtschaftlicher Versorger zuständig, legt er einen Preis fest. Auf diesen kann er Steuern erheben.

Übrigens: In 99 Tarifgebieten zahlen Haushalte in Deutschland lediglich eine Trinkwasserflatrate. Ihre Rechnung besteht also nur aus einem fixen Grundentgelt: Der Verbrauch spielt für die Abrechnung in diesen Gemeinden keine Rolle. Und auch die umgekehrte Ausnahme gibt es.
In 379 Tarifgebieten wird nur nach dem Verbrauch abgerechnet, der Grundpreis entfällt.

Wie kann ich meine Wasserkosten berechnen?

Eure Wasserkosten könnt ihr leicht selbst ausrechnen. Um zu wissen, mit welchen Trinkwasserkosten ihr im nächsten Jahr rechnen müsst, wendet ihr diese Formel an:

Jährliche Trinkwasserkosten = (monatliche Grundgebühr x 12) + (Jahresverbrauch in Kubikmeter x Arbeitspreis)

Wollt ihr zusätzlich auch die Abwasserkosten in den Blick nehmen, sieht die Formel so aus:

Jährliche Kosten für Trink- und Abwasser = (monatliche Grundgebühr x 12) + (Jahresverbrauch Trinkwasser in Kubikmeter x Arbeitspreis Trinkwasser) + (Jahresverbrauch Abwasser in Kubikmeter x Arbeitspreis für Abwasser)

Hinzu kommen die Kosten für das Niederschlagswasser („Regensteuer“). Die Formel dazu sieht so aus:

Jährliche Kosten für Niederschlagswasser = versiegelte Fläche in Quadratmeter x jährliche Gebühr pro m2.

Die Kosten für eine 50 Quadratmeter-Fläche betrugen in Hamburg zum Beispiel einen Betrag in Höhe von 37 Euro (52 x 0,74).

Wenn ihr nicht selbst rechnen mögt, könnt ihr auch einen der zahlreichen Wasserkostenrechner im Netz nutzen.

Tipp: Um sicherzugehen, dass eure Wassersparambitionen auch erfolgreich sind, lest ihr die Wasseruhr am besten regelmäßig ab. Anhand mehrerer Monatsverbräuche, könnt ihr versuchen, den Jahresverbrauch hochzurechnen.

Wie werden die Wasserkosten für eine Mietwohnung berechnet?

Wasserkosten können Vermieter auf die Mieter umlegen. Ob der Haus- oder Wohnungsbesitzer eine Pauschale für jede im Haushalt lebende Person festsetzt, nach Wohnfläche oder dem tatsächlichen Verbrauch abrechnet, kann er entscheiden. Wichtig ist, dass die Art der Umlage im Mietvertrag festgehalten ist.

Um eine gerechte Abrechnung zu erreichen, schreiben einige Bundesländer bei Neubauten den Einbau eigenständiger Wasserzähler vor.

Wie hoch sind die durchschnittlichen Wasserkosten für einen Haushalt?

Die Wasserkosten für einen Haushalt hängen vom konkreten Verbrauch und dem Bundesland ab, in dem ihr lebt. Durchschnittlich verbraucht eine Person 125 Liter Wasser pro Tag. Der durchschnittliche Jahresverbrauch liegt dementsprechend bei rund 45 Kubikmeter Trinkwasser.

Wird eine Grundgebühr erhoben, kommen Single-Haushalte am schlechtesten weg, denn der Fixbetrag wird für jede Verbrauchsstelle nur einmal erhoben. Je mehr Personen in einem Haushalt wohnen, desto geringer werden daher die Kosten pro Person.

Für unsere Tabelle (nur Trinkwasser!) gehen wir von einem jährlichen Grundpreis von 84 Euro (statistischer Durchschnitt 2019) und einem Verbrauch von 45 Kubikmeter pro Person aus.

Trinkwasserkosten nach Bundesländern und Haushaltsgröße

  • Bundesland
  • Durchschnittlicher Trinkwasserpreis je m3 (in Euro)
  • Trinkwasserkosten für einen Einpersonenhaushalt (in Euro)
  • Trinkwasserkosten für einen Zweipersonenhaushalt (in Euro)
  • Trinkwasserkosten für einen Vierpersonenhaushalt (in Euro)
  • Baden-Württemberg
  • 2,20
  • 183
  • 282
  • 480
  • Bayern
  • 1,65
  • 158,25
  • 232,5
  • 381
  • Berlin
  • 1,81
  • 165,45
  • 246,9
  • 409,8
  • Brandenburg
  • 1,55
  • 153,75
  • 223,5
  • 363
  • Bremen
  • 2,13
  • 179,85
  • 275,7
  • 467,4
  • Hamburg
  • 1,89
  • 169,05
  • 254,1
  • 424,2
  • Hessen
  • 2,07
  • 177,15
  • 270,3
  • 456,6
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • 1,58
  • 155,1
  • 226,2
  • 368,4
  • Niedersachsen
  • 1,31
  • 142,95
  • 201,9
  • 319,8
  • Nordrhein-Westfalen
  • 1,62
  • 156,9
  • 229,8
  • 375,6
  • Rheinland-Pfalz
  • 1,75
  • 162,75
  • 241,5
  • 399
  • Saarland
  • 2,00
  • 131
  • 264
  • 444
  • Sachsen
  • 1,92
  • 170,4
  • 256,8
  • 429,6
  • Sachsen-Anhalt
  • 1,63
  • 157,35
  • 230,7
  • 377,4
  • Schleswig-Holstein
  • 1,51
  • 151,95
  • 219,9
  • 355,8
  • Thüringen
  • 2,01
  • 174,45
  • 264,9
  • 445,8

Quelle: Statistisches Bundesamt.

Übrigens: Im Allgemeinen sinkt der Wasserverbrauch in Deutschland in den vergangenen Jahren. Leider wirkt sich das nicht unbedingt auf den Preis aus. Denn der geringere Durchfluss ist für das Rohrnetz eher negativ. Der Mehraufwand für Reinigung und Wartung der Rohre führt zu höheren Betriebskosten. Daher steigt in vielen Tarifgebieten der Wasserpreis, obwohl der Verbrauch sinkt.

Wo kann ich bei den Wasserkosten sparen?

Wasser sparen, heißt Kosten senken und die Umwelt schonen. Klar, weniger Wasser zum Rasensprengen und Gießen, Verzicht auf Pools im Sommer, die Spülmaschine nur voll anstellen, weniger häufig Wäschewaschen und die Spartaste bei der Toilettenspülung zu drücken spart Trinkwasser. In Zeiten einer drohenden Gasmangellage geht es vielen Verbrauchern aber ganz besonders darum, Warmwasser zu sparen. Denn so lassen sich nicht nur Trinkwasser, sondern auch Heizenergie sparen.

Hier findet ihr noch mehr Tipps zum Wassersparen. Und: Taugt ein Wasserhahn mit Sensor auch für privat?

So senkt ihr eure Warmwasserkosten:

  • nicht baden
  • weniger, kürzer und nicht so heiß duschen
  • einen Sparduschkopf einbauen oder ein Wassersparventil zwischen Armatur und Duschschlauch setzen (auch das verringert effektiv den Durchfluss und kostet nur ein paar Euro)
  • Wasser nicht laufen lassen, wenn ihr Zähne putzt oder euch rasiert
  • Geschirr im Geschirrspüler reinigen statt unter laufendem Wasser
  • Hände, wenn sinnvoll, nur mit Seife und kaltem Wasser waschen

Tipp für Gartenbesitzer: Das Wasser, mit dem ihr eure Blumen gießt, gelangt nicht in die Kanalisation, sondern ins Grundwasser. Dennoch zahlt ihr Abwassergebühren. Wenn ihr diese Kosten umgehen wollt, könnt ihr euch eine Gartenwasseruhr (auch Absetzungszähler) installieren lassen. Für die darüber gemessene Wassermenge wird der Versorger dann künftig keine Abwassergebühren mehr berechnen. Erkundigt euch, was Wasseruhr plus Einbau kosten und rechnet nach, ob sich die Investition für euch lohnt.

Wann kommt die Wasserabrechnung?

Die Wasserrechnung verschicken die Versorger einmal im Jahr. Die meisten Stadtwerke und privaten Versorger informieren ihre Kunden zum Ende eines Kalenderjahrs über ihren Jahresverbrauch. Dabei werden die bereits geleisteten Abschläge von der zu zahlenden Summe abgezogen. Wart ihr sparsam, könnt ihr euch über eine Erstattung freuen. Hat es mit dem Wassersparen nicht so gut geklappt, wartet eine Nachzahlung auf euch.

Das Gute: Wasser ist ein öffentliches Gut. Die Versorger stehen nicht im Wettbewerb miteinander, sondern arbeiten kostenneutral. Insofern müsst ihr nicht befürchten, dass neben Strom, Gas und Öl auch Wasser erheblich teurer wird.

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