Hand betätigt Waschmaschine
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Wohnen | Ratgeber

Stromkosten pro Monat: Was ist eigentlich normal?

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Die Stromrechnung ist jährlich fällig, daran kommt kein Haushalt vorbei. Je nachdem wie sie ausfällt, ändert sich euer monatlicher Abschlag. Lest hier, welche Stromkosten pro Monat normal sind und bei welchen Verbrauchswerten die Alarmglocken läuten sollten.

Einmal im Jahr wird vielen Verbrauchern Angst und Bange, wenn sie die Stromrechnung aus dem Briefkasten fischen. Während eine Rückzahlung Grund zur Freude ist, kann eine Nachzahlung ziemlich weh tun. Nicht selten kommt beim Blick auf die Endsumme die Frage auf: Ist mein Verbrauch normal? Welche Stromkosten pro Monat sind zu viel? Hier findet ihr Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Stromverbrauch.

Wie setzt sich die Stromrechnung zusammen?

In regelmäßigen Abständen erstellt euer Stromanbieter auf Grundlage des aktuellen Zählerstands die Stromrechnung. Sie setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

  • Grundpreis: Die Grundgebühr ist eine feste Größe und fällt unabhängig vom Stromverbrauch an. Sie ist vom gewählten Tarif abhängig und umfasst sämtliche Leistungen des Anbieters. Möglicherweise müsst ihr eine zusätzliche Zählergebühr zahlen. Diese wird in den meisten Fällen aber über den Grundpreis abgerechnet.
  • Arbeitspreis: Die Arbeitsgebühr ist variabel und umfasst den tatsächlichen Stromverbrauch – inklusive Mehrwertsteuer, EEG-Umlage, Transport und Konzessionsabgabe. Der Verbrauch wird pro Kilowattstunde abgerechnet. Die Höhe hängt vom aktuellen Kilowattpreis ab.

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Basierend auf dem Vorjahresverbrauch schätzt der Stromanbieter den voraussichtlichen Verbrauch im Folgejahr. Er legt entsprechend eine Abschlagzahlung fest. Diese ist monatlich fällig. Wer am Ende eines Abrechnungszeitraums weniger verbraucht hat als er eingezahlt hat, bekommt die Differenz erstattet. Ansonsten müsst ihr eine Nachzahlung leisten.

Elektriker baut Stromzähler ein
Analoge Stromzähler sollen in den nächsten zwölf Jahren komplett durch digitale ersetzt werden. © Getty Images/iStockphoto

Stromkosten von 1 Person pro Monat

Singlehaushalte sind die häufigste Haushaltsgröße in Deutschland. Alleine zu leben kann Vor- und Nachteile haben. Auf den Stromverbrauch wirkt sich das Solodasein tendenziell negativ aus. Denn der Pro-Kopf-Stromverbrauch ist im Schnitt höher als in Haushalten mit mehreren Bewohnern. Der einfache Grund: Die elektrische Grundausstattung ist mit Kühlschrank, Herd, Waschmaschine und Fernseher die gleiche – egal ob eine, zwei oder vier Personen die Nutznießer sind.

Die monatlichen Stromkosten sind außerdem davon abhängig, ob ihr in einem Einfamilienhaus lebt oder in einem Mehrfamilienhaus. Der Stromverbrauch im Eigenheim ist meistens höher als in einer Wohnung.

Der durchschnittliche Stromverbrauch eines deutschen Singlehaushalts im Einfamilienhaus liegt laut Stromspiegel bei 2.300 Kilowattstunden im Jahr. Ausgehend von einem Strompreis von aktuell 30 Cent pro Kilowattstunde, ergeben sich daraus im Schnitt 690 Euro pro Jahr beziehungsweise 58 Euro Stromkosten pro Monat. Wird das Nutzwasser elektrisch erwärmt, etwa mit einem Durchlauferhitzer, kommen rund 200 Kilowattstunden pro Jahr hinzu. Die monatlichen Stromkosten für einen 1-Personen-Haushalt liegen dann bei durchschnittlich 63 Euro.

Einpersonenhaushalte in einem Mehrfamilienhaus verbrauchen durchschnittlich 1.400 Kilowattstunden im Jahr, mit elektrischer Warmwasserbereitung sind es 1.900 Kilowatt. Die monatlichen Stromkosten liegen bei durchschnittlich 35 Euro beziehungsweise 48 Euro.

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Stromkosten pro Monat in einem 2-Personen-Haushalt

Ein Pärchenhaushalt verbraucht in der Regel kaum mehr Strom als ein 1-Personen-Haushalt. Der durchschnittliche Jahreswert für Zweipersonen-Haushalte in Häusern liegt bei 3.000 Kilowattstunden. Bei 30 Cent pro Kilowattstunde sind am Ende eines Abrechnungszeitraums rund 900 Euro fällig. Daraus ergeben sich im Schnitt 75 Euro Stromkosten pro Monat. Mit einem elektrischen Durchlauferhitzer erhöht sich die Summe auf durchschnittlich 90 Euro monatlich.

In Wohnungen in Mehrfamilienhäusern liegt der Monatsverbrauch für Paare im Schnitt bei 2.000 Kilowattstunden ohne und 3.000 Kilowattstunden mit elektrischer Warmwasserbereitung. Das ergibt durchschnittliche Stromkosten pro Monat von 50 Euro beziehungsweise 75 Euro.

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Stromkosten pro Monat in einem Familienhaushalt

In einem Haushalt mit vier Personen steigt der Energieverbrauch, insbesondere bei Einfamilienhäusern. Faktoren wie die Beleuchtung innen und außen, Gartengeräte sowie elektrische Zweit- oder Drittgeräte erhöhen die jährlichen Stromkosten.

Im Schnitt verbraucht eine Familie im Einfamilienhaus laut Stromspiegel 4.250 Kilowattstunden pro Jahr. Multipliziert mit einem Kilowattpreis von 30 Cent sind 1.275 Euro zu zahlen. Das entspricht rund 105 Euro Stromkosten pro Monat. Ist die Warmwasserbereitung strombetrieben, fallen Mehrkosten von monatlich circa 30 Euro an.

In einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus verbraucht eine vierköpfige Familie im Schnitt 3.000 Kilowattstunden pro Jahr, mit Durchlauferhitzer sind es 4.500 Kilowattstunden jährlich. Die monatlichen Stromkosten für Familien liegen also im Schnitt zwischen 75 und 113 Euro.

Übersicht Stromverbrauch pro Monat: Was ist zu hoch?

Folgende Tabellen zeigen, wie viel Strom deutsche 1- bis 4-Personen-Haushalte im Schnitt verbrauchen – ohne oder mit elektrischer Warmwasserbereitung. Grundlage für die Angaben ist der jüngste Stromspiegel, der sämtliche Werte des Verbrauchsjahres 2019 zusammenfasst.

Stromverbrauch pro Monat ohne elektrische Warmwasserbereitung

  • Haushaltsgröße
  • Geringer Verbrauch
  • Mittlerer Verbrauch
  • Hoher Verbrauch
  • 1-Personen-Haushalt
  • 105 bis 140 kWh
  • 140 bis 250 kWh
  • 250 bis 330 kWh
  • 2-Personen-Haushalt
  • 165 bis 205 kWh
  • 205 bis 300 kWh
  • 300 bis 365 kWh
  • 3-Personen-Haushalt
  • 205 bis 250 kWh
  • 250 bis 360 kWh
  • 360 bis 440 kWh
  • 4-Personen-Haushalt
  • 240 bis 290 kWh
  • 290 bis 415 kWh
  • 415 bis 500 kWh

Stromverbrauch pro Monat mit elektrischer Warmwasserbereitung

  • Haushaltsgröße
  • Geringer Verbrauch
  • Mittlerer Verbrauch
  • Hoher Verbrauch
  • 1-Personen-Haushalt
  • 125 bis 165 kWh
  • 165 bis 290 kWh
  • 290 bis 415 kWh
  • 2-Personen-Haushalt
  • 200 bis 250 kWh
  • 250 bis 375 kWh
  • 375 bis 500 kWh
  • 3-Personen-Haushalt
  • 250 bis 300 kWh
  • 300 bis 480 kWh
  • 480 bis 625 kWh
  • 4-Personen-Haushalt
  • 290 bis 350 kWh
  • 350 bis 540 kWh
  • 540 bis 675 kWh

Tipp: Erfahrt hier, wie ihr euren Stromverbrauch berechnen könnt.

Lohnt sich die Umstellung auf Ökostrom?

Ökostrom ist teuer, aber nachhaltig? Nicht zwangsläufig: Laut Verbraucherzentrale trägt man in Deutschland mit einem Ökostromtarif nur wenig zur Energiewende bei. Zumindest nicht mehr als jeder andere Haushalt. Denn grundsätzlich fordern alle Stromanbieter unabhängig vom Tarif eine Grundgebühr, aus der Anteile in die EEG-Umlage fließen. Aktuell sind es rund 6,7 Cent pro Kilowattstunde. Dieser Betrag finanziert den Ausbau erneuerbarer Energien.

Ob euer Strom "öko" ist, hängt von dessen Herkunft ab. Der Energieversorger muss für Ökostrom aus erneuerbaren Energien sogenannte Herkunftsnachweise erwerben. Sie belegen, wie und wo der Strom erzeugt wurde. Diese Nachweise sind für Anbieter extrem günstig, da die Nachfrage kleiner ist als das Angebot. Deshalb können sie Ökostrom zum Teil zu Spottpreisen auf den Markt werfen.

Ein Herkunftsnachweis sagt jedoch nichts über den tatsächlichen Klimanutzen aus. Die Verbraucherzentrale rät deshalb, bei der Wahl des Ökostromtarifs auf spezielle Labels zu achten. Dazu gehören zum Beispiel das ok-Power-Label und das Grüner-Strom-Label, die ein Mindestmaß an Energiewendenutzen versprechen. Außerdem garantieren sie, dass der Stromanbieter keine Beteiligung an Atomkraftwerken oder Steinkohlekraftwerken hat.

Tipp: Wer die Klimawende vorantreiben will, kann direkt in erneuerbare Energien investieren. Zum Beispiel in Photovoltaik oder Solarthermie.

Mehr zum Thema lest ihr in: Auf Ökostrom umsteigen – lohnt sich das?

Stromtarife vergleichen – die besten Anbieter finden

Wer bei der Suche nach dem richtigen Stromtarif den Fokus rein aufs Geld sparen legt, für den kann es sich lohnen, den Stromanbieter jährlich zu wechseln. Laut Stiftung Warentest lassen sich bei einem jährlichen Wechsel – abhängig vom bisherigen Strompreis, Verbrauch und Wohnort – bis zu 250 Euro im Jahr einsparen.

2020 gab es deutschlandweit insgesamt 1350 Stromanbieter. Um einen Überblick über die meisten Stromtarife zu bekommen, seid ihr als Kunden auf Vergleichsportale angewiesen. Marktführer sind dabei Verivox oder Check24. In einem Test von Stiftung Warentest erfüllte Check24 dabei die meisten Kriterien. Um den für euch besten Tarif finden zu können, ist es wichtig, zu verstehen, wie die Vergleichsportale aufgebaut sind und funktionieren. Bewertet wurden von der Stiftung Warentest im Test folgende Kriterien:

  • Voreinstellung: Neukundenbonus 15 Prozent
  • Kündigungsfrist wählbar
  • „Nur Ökotarife“ wählbar
  • „Nur Sofortbonus“ wählbar
  • „Verzicht auf Null-Platzierung“ über der Ergebnisliste
  • Monatlicher Abschlag ausgewiesen
  • Zweistufige Kundenbewertung
  • Übersicht teilnehmender Energieversorger

Doch Vorsicht: Auch bei den marktführenden Vergleichsportalen wie Check24 oder Verivox gibt es Stolperfallen, die ihr berücksichtigen solltet:

  • Beworbene Tarife, sogenannte „Null-Platzierungen“, werden vom Rechner vor dem erstplatzierten Stromtarif angezeigt und sind meist teurer.
  • In der Ergebnisliste werden die Tarife nicht nach Jahrespreis ausgewiesen, sondern nach Monat, alle Boni sind dort bereits abgezogen. So wirkt es, als wäre der monatlich zu zahlen Betrag deutlich niedriger als er letztendlich ausfällt.

Solche Vergleichsportale können euch helfen, den besten Anbieter zu finden und dabei Geld zu sparen. Stiftung Warentest befindet sie jedoch nur dann für sinnvoll, wenn ihr vorhabt, jährlich euren Stromanbieter zu wechseln. Denn wirklich profitieren tut ihr hauptsächlich von den hohen Neukunden-Boni, die meist bei der Jahresabrechnung gutgeschrieben werden.

Ihr wollt noch mehr Strom sparen? Weitere Tipps findet ihr in unserem Ratgeber: Strom sparen im Haushalt: Die 13 besten Stromspartipps.

Mit Wechseldienst Stromtarif wechseln und Geld sparen

Ist euch der Aufwand zu groß, jährlich den Stromanbieter zu wechseln, kann es sich lohnen einen Wechseldienst mit der Suche nach dem besten Stromtarif zu beauftragen. Anders als geläufige Vergleichsportale übernehmen sie über Jahre hinweg den jährlichen Stromanbieterwechsel für euch und überprüfen dazu die Qualität von Tarif und Anbieter. Dienstleister für diesen Service sind zum Beispiel Esave, Switchup, Wechselpilot oder Wechselstrom. Zwar zahlt ihr hier eine Provision, dennoch könnt ihr in der Summe eine Menge Geld sparen.

*Dieser Beitrag wurde um sogenannte Affiliate-Links ergänzt. Dadurch bekommen wir bei Kaufabschluss einen kleinen Anteil der Provision. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.

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