Sonnenkollektoren und Windräder erzeugen Ökostrom
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Wohnen | Pro/Contra-Liste

Auf Ökostrom umsteigen – lohnt sich das?

Sven Rohde

Level: Für Alle

Ökostromanbieter versprechen saubere Energie für den Haushalt. Aber was bringt "grüner" Strom tatsächlich fürs Klima – und was kostet er? Wir erklären, wie die private Energiewende gelingen kann.

Während konventioneller Strom aus fossilen Energien wie Kohle und Erdgas oder aus Atomkraft stammt, wird Ökostrom mit erneuerbaren Energien erzeugt. Das sind vor allem Wind- und Wasserkraft, Sonnenenergie oder Biomasse. Der Anteil dieser erneuerbaren Energien an der gesamten Stromversorgung in Deutschland ist in den vergangenen Jahren immer stärker gewachsen. 2019 liegt er zum ersten Mal bei über 40 Prozent.

Verbraucher, die ihre Stromversorgung ganz auf erneuerbaren Strom umstellen wollen, haben die Wahl unter mehr als 8.000 Ökostromtarifen von etwa 1.000 Anbietern. Welche Vor- oder Nachteile hat der Wechsel in einen solchen Tarif?

Vorteile: Mit Ökostrom das Klima schützen und nachhaltig leben

Wer auf Ökostrom umsteigt, will damit in erster Linie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Mit echtem Ökostrom ist das tatsächlich möglich.

1. Ökostrom bringt bis zu 90 Prozent CO2-Einsparung

Während bei konventionellem Strom im Durchschnitt 587 Gramm CO2 pro Kilowattstunde (kWh) anfallen, sind es bei Ökostrom nur 35 Gramm je kWh.

2. Ökostrom verbessert eure persönliche Klimabilanz

Kleine Beträge summieren sich übers Jahr. Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft CO2Online hat ausgerechnet, wie viel CO2 Haushalte mit Ökostrom pro Jahr vermeiden können. Bei einem Zwei-Personenhaushalt in einer Wohnung sind das beispielsweise mehr als 1.000 Kilogramm, bei drei Personen im Einfamilienhaus fast 2.000 Kilogramm.

3. Mit einem Ökostromtarif fördert ihr die Energiewende

Zu den Kriterien von gutem Ökostrom (wie man den erkennt, erfahrt ihr unter "Fazit") gehört, dass der Anbieter auch in neue Anlagen für erneuerbare Stromerzeugung investiert, zum Beispiel Solaranlagen oder Windparks. Das treibt den Umbau der Energiewirtschaft voran.

4. Ökostrom muss nicht teuer sein

Ökostrom ist in der Regel kaum teurer und manchmal sogar günstiger als konventioneller Strom. Falls ihr beim bisherigen Stromversorger noch im Grundversorgungstarif seid, könnt ihr mit dem Wechsel zum Ökostromanbieter Geld sparen.

Nachteile: Ökostrom kritisch unter die Lupe genommen

Auch Strom aus erneuerbaren Energien hat Schattenseiten. Vor allem ist leider nicht überall Ökostrom drin, wo Ökostrom drauf steht.

1. Etikettenschwindel mit Ökostrom

Anders als "Bio" bei Lebensmitteln ist "Öko" beim Strom keine geschützte Bezeichnung. So kann etwa auch ein Energieunternehmen, das selber ausschließlich Kohlekraftwerke betreibt, von einem Windkraftproduzenten Herstellerzertifikate erwerben und damit Ökostrom verkaufen.

2. Auch die Ökostromproduktion kann der Umwelt schaden

Die Produktion von Ökostrom ist nicht immer umweltfreundlich. Ein Beispiel: Ein großer Teil des Ökostromangebots kommt aus Wasserkraftwerken, welche die Ökologie der Gewässer beeinträchtigen können. Oft werden sie schon seit Jahrzehnten betrieben und haben daher auch keine Ausbauwirkung für die erneuerbaren Energien.

3. Schwierige Orientierung für Verbraucher

Was ist echter Ökostrom, wann handelt es sich lediglich um ein "grüngewaschenes" Angebot? Um das herauszufinden, braucht man schon ein bisschen Einsatz und Zeit. Was dabei weiterhilft, erfahrt ihr weiter unten.

4. Keine Super-Sparpreise

Im Wettbewerb mit durchschnittlichen konventionellen Tarifen kann Ökostrom preislich mithalten. Schnäppchen auf Discounter-Preisniveau sind bei seriösen Anbietern dagegen nicht zu erwarten.

Fazit: Wenn ihr auf Ökostrom umsteigt, dann richtig

Wer Ökostrom nutzt, hilft dem Klima und muss dafür nicht unbedingt mehr bezahlen. Der derzeitige Tarifdschungel mit vielen zweifelhaften Angeboten macht die Auswahl jedoch nicht gerade leicht. Wie für andere Produkte gibt es für Ökostrom Zertifizierungen mit Qualitätssiegeln. Von den zahlreichen Siegeln halten Energieexperten und Verbraucherschützer allerdings nur zwei für wirklich empfehlenswert:

  • das ok-Power-Label vom gemeinnützigen Verein Energie-Vision
  • das Grüner-Strom-Label vom Verein "Grüner Strom", dem unter anderem die Umwelt- und Naturschutzverbände BUND und NABU angehören.

Nach diesen beiden Labels zertifizierte Ökostromanbieter und -tarife findet ihr in der EcoTopTen des Öko-Instituts. Außerdem hilfreich bei der Tarifsuche ist der Ökostrom-Rechner des unabhängigen Verbraucherportals Finanztip.

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