Kleinwindanlage im Garten
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Kleinwindanlage: Lohnen sich die Mini-Kraftwerke?

Sandra Hermes

Sandra Hermes

Kostenloser Strom aus Windenergie. Hört sich gut an. Wieso nicht eine Kleinwindanlage in den eigenen Garten stellen und auf diese Weise Kühlschrank, Trockner und PC betreiben? Doch ganz so leicht wird es Windkraft-Freunden nicht gemacht.

Wer schon mal in Schleswig-Holstein auf einem Deich gestanden und in der Ferne sich fleißig drehende Windräder beobachtet hat, fragt sich vielleicht, ob das nicht auch auf dem eigenen Grundstück funktioniert? Sich unabhängig machen von fossilen Energieträgern und fremden Versorgern ist derzeit ja ohnehin das große Thema. Wieso also nicht neben Solar auch Windkraft? Die kurze Antwort: Weil sich eine Kleinwindanlage nicht überall lohnt. Und jetzt kommt die lange Antwort …

Was ist eine Kleinwindanlage?

Jeder kennt große Windkraftanlagen, die im ländlichen Raum und gerade im Norden Deutschlands mittlerweile zum Landschaftsbild gehören. Kleinwindanlagen (auch Kleinwindkraftanlagen oder KWEA) sind gewissermaßen die kleinen Schwestern der großen Megawatt-Windräder. Sie haben eine viel geringere Leistung und sind für den Einsatz auf Privatgrundstücken, im Gewerbe oder in der Landwirtschaft gedacht.

Wie unterscheiden sich Kleinwindkraftanlagen?

Während leistungsstarke Großanlagen in der Regel eine horizontale Rotationsachse mit zwei oder drei Rotorblättern haben, gibt es bei kleinen Windkraftanlagen für den Hausgebrauch eine viel größere Bandbreite von Bauformen. Neben dem typischen Propeller existieren auch futuristisch anmutende, vertikale Varianten, bei denen sich die unterschiedlichsten Rotorblätter um eine vertikale Achse drehen (zum Beispiel Darrieus- oder Savonius-Rotoren). Dadurch sind sie häufig platzsparender als das klassische Windmühlenkonzept.

Infografik vertikale und horizontale Kleinwindanlage

Wichtiger als das Design ist jedoch die unterschiedliche Leistung. Kleinwindanlagen lassen sich in drei Leistungsklassen einteilen:

  • Leistungsklasse 1: Mikrowindanlagen bis 5 kW
  • Leistungsklasse 2: Miniwindanlagen zwischen 5 und 30 kW
  • Leistungsklasse 3: Mittelwindanlagen zwischen 30 und 100 kW

Die Masten einer Kleinwindanlage sind natürlich insgesamt viel niedriger und schmaler. Im privaten Bereich liegen sie bei unter zehn Metern. Dadurch fallen sie weniger auf. Ihre Unsichtbarkeit lässt Hausbesitzer immer häufiger abwägen, ob sie im Bereich der erneuerbaren Energien neben Solar auch in Windkraft investieren sollen.

Mikrowindanlagen könnt ihr zum Beispiel in Kleingartenanlagen, auf Segelbooten, eurem Tiny House oder Campingplätzen nutzen. Den erzeugten Strom speichert ihr in Batterien und verbraucht ihn später direkt vor Ort (Inselsysteme).

Bei anderen Anlagen habt ihr die Möglichkeit, nicht verbrauchte Energie in das Niederspannungsnetz einzuspeisen. Diese Anlagen könnt ihr im Garten aufstellen oder direkt in euer Haus integrieren. Bei einigen privat genutzten Kleinwindanlagen müsst ihr die Statik prüfen lassen. Auch im Bereich Schallemission gibt es lokale Vorgaben. Am besten erkundigt ihr euch bei eurem zuständigen Bauamt.

Miniwindanlagen und Mittelwindanlagen werden häufig in der Landwirtschaft oder in Gewerbebetrieben genutzt. Auch sie speisen nicht verbrauchten Strom in das Stromnetz ein. Mittelwindanlagen unterliegen dabei strengeren Genehmigungs – und Anschlussanforderungen.

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Kauf einer Kleinwindanlage – Die 10 wichtigsten Fragen

Im Vergleich zu Photovoltaikanlagen ist der Markt für Kleinwindanlagen noch sehr klein. Die Qualität lasse, so die Verbraucherzentrale, gerade im niedrigen Leistungsbereich noch zu wünschen übrig. Wenn ihr dennoch auf Windkraft in Haus oder Garten setzen wollt, solltet ihr euch die folgenden Fragen stellen:

  1. Wie viel Leistung soll die Anlage bringen?
  2. Wo will ich den Strom einsetzen?
  3. Reicht eine Insellösung oder will ich den nicht verbrauchten Strom einspeisen? Brauche ich dazu Zusatzkomponenten wie Batterien und Laderegler oder einen Wechselrichter zur Einspeisung ins Stromnetz des Hauses?
  4. Ist vielleicht eine Kombination aus Windkraft und Solar die beste Variante?
  5. Gibt es die Möglichkeit, ein Mini-Windrad in der Nähe zu besichtigen?
  6. Ist die Anlage, die für euch in die engere Auswahl kommt, sturmsicher?
  7. Ist sie leise und stört nicht den Nachbarn beziehungsweise sind Angaben zur Lärmemission vorhanden?
  8. Gibt der Hersteller eine Garantie auf die Lebensdauer des Minikraftwerks?
  9. Gibt es Prüfzertifikate (Zertifizierung nach IEC 61400-2)?
  10. Was sagen unabhängige Quellen über die Qualität?

Übrigens: Die Nennleistung einer Kleinwindanlage kann in die Irre führen. Denn diese wird nur bei sehr hohen Windgeschwindigkeiten (ab etwa 10m/s) erreicht. Hat eure Anlage auf dem Papier eine Leistung von 3 kW, gilt diese nur für windstarke Tage. Die durchschnittliche Jahreswindgeschwindigkeit eines windreichen Standorts wird eher bei 4 m/s (14,4 km/h) liegen.

kleine Windkraftanlage mit Solarbatteriepanel vor blauem Himmel
Kleine Windkraftanlage mit Solarbatteriepanel. © istock/getty images/eugenesergeev

Wo ist der beste Platz für eine kleine Windkraftanlage?

Überlegt euch genau, ob es bei eurem geplanten Standort auch genug Wind gibt. In dicht bebauten Gebieten weht es weniger als auf der freien Fläche. Geeignet sind Einzel-, Höhen- und Hanglagen. Außerdem ist es in Norddeutschland einfach windiger als in Bayern.

Experten empfehlen, zunächst eine Windmessung durchzuführen. Auch dazu müsst ihr schon den am besten geeigneten Standort ermitteln. Sonst ist der Test wenig sinnvoll.

Standortvorteile für eine Kleinwindanlage

Abstand: Zwischen Windanlage und etwaigen Hindernissen braucht ihr einen ausreichenden Abstand. Je höher das Hindernis (zum Beispiel ein Baum), desto größer sollte der Abstand sein. Das zwanzigfache der Hindernishöhe als Abstand ist das Optimum. Damit wird es auf den meisten Grundstücken eng.

Anströmung: Der Wind muss aus der Hauptwindrichtung frei anströmen können. Das ist in Deutschland meistens aus südwestlicher und westlicher Richtung der Fall.

Bodennähe: Auf einem bodenständigen Mast wird das Windpotential optimal ausgenutzt. Dächer sind wegen der Übertragung störender Geräusche und Vibrationen oft nicht gut geeignet.

Anschlussfähigkeit: Von der Anlage muss sich eine Stromleitung zum Haus legen lassen.

Das Forschungsprojekt WindArea beschäftigt sich seit einiger Zeit mit den Windverhältnissen in Bodennähe. Die Ergebnisse können dazu beitragen, Windkraft auch in bebauten Arealen und städtischen Umgebungen künftig besser nutzbar zu machen.

Wie groß ist der Ertrag einer kleinen Windkraftanlage?

Für eine nennenswerte Stromerzeugung empfehlen Experten Kleinwindanlagen mit einer horizontalen Achse, also einen klassischen Propeller mit zwei oder mehr Rotorblättern. Die Verbraucherzentrale hat errechnet, dass eine solche Anlage auf etwa 120 kWh pro Quadratmeter Rotorfläche kommt.

Geht man von einer Kleinwindanlage an einem guten Standort aus, die 0,8 m2 Rotorfläche aufweist, würde sie 96 kWh Strom im Jahr produzieren. Das entspricht (bei vollständigem Eigenverbrauch) einem Wert von etwa 33 Euro. Ein Betrag, der sich mit einer Photovoltaikanlage vergleichbarer Fläche ebenfalls erwirtschaften lässt. Deren Vorteil ist allerdings, dass sie verlässlicher arbeitet. Schließlich kann die beste Windkraftanlage nur so viel Energie herausholen, wie im Wind drinsteckt. Der Ertrag ist also abhängig vom Standort und der Windstärke.

Für wen sind kleine Windkraftanlagen geeignet?

Kleinwindkraftanlagen rechnen sich nur an idealen Standorten. Je höher und freier sie stehen, desto besser. Ungünstig ist alles, was den Wind ausbremst, also Gebäude, Bäume, dichte Gehölze oder Mauern. Auch eine Lage im Tal ist nicht sinnvoll. Eine Windmessung über einen längeren Zeitraum liefert zwar verlässliche Planungsdaten, steht aber oft nicht im Verhältnis zu den Investitionskosten und dem zu erwartenden Ertrag eurer Mikro-Windanlage.

Außerdem lohnt sich eine Kleinwindanlage nur, wenn ihr den produzierten Strom selbst nutzt. Geld lässt sich mit einer Einspeisung kaum verdienen. Gerade für landwirtschaftliche Betriebe oder Gewerbetreibende auf der freien Wiese kann sich die Investition in Windkraft rechnen. Die Leistung der Anlage sollte dann bei über 10 kW liegen.

Was kostet eine Kleinwindkraftanlage?

Experten schätzen, dass eine gute Anlage etwa 5.000 Euro pro Kilowatt Leistung kostet. Bei einer Mikrokleinwindanlage mit 3 kW würde der Preis also bei 15.000 Euro liegen . Da muss eine Menge Wind wehen, bis sich die Investition rechnet. Mit einer Photovoltaikanlage fahrt ihr günstiger. Sie ist für 1.000 bis 1.500 Euro pro Kilowatt Leistung erhältlich. Wer die Windkraft eher als Hobby betreiben möchte, lässt sich davon aber vielleicht nicht schrecken. Mittlerweile könnt ihr die Anlagen in diversen Onlineshops kaufen.

Sind Kleinwindanlagen genehmigungspflichtig?

Anlagen bis zu zehn Metern sind in vielen Bundesländern genehmigungsfrei. Wollt ihr höher hinaus, braucht ihr eine Baugenehmigung. Wenn ihr eine Kleinwindanlage plant, ist es auch sinnvoll, eure Nachbarn zu informieren.

Außerdem müsst ihr eure Anlage beim Stromnetzbetreiber und bei der Bundesnetzagentur anmelden. Sinnvoll ist es außerdem, eure Gebäude- und Haftpflichtversicherung zu fragen, ob die Anlage mitversichert ist oder die Verträge entsprechend angepasst werden können. So seid ihr gegen Schäden geschützt, die die Anlage verursachen könnte.

Gibt es eine Förderung für Kleinwindanlagen?

Der Bund unterscheidet nicht zwischen Megawatt-Windkraftanlagen auf der grünen Wiese und den kleinen Windanlagen für den Hausgebrauch. Eine direkte Förderung der Investitionskosten gibt es daher nicht. Jede eingespeiste Kilowattstunde wird derzeit nur mit 8,4 Cent vergütet. Es lohnt sich also nicht, den Strom ins Netz weiterzuleiten. Sinnvoller ist es, ihn selbst zu verbrauchen und mit einer Kleinwindanlage eure privaten Stromkosten zu reduzieren.

Der Bundesverband WindEnergie (BWE) kritisiert die unterschiedliche Förderung von Solar- und Windkraft seit Jahren. Er schlägt bei Mikroanlagen (bis 5 kW) eine Förderung von 25 Cent pro kWh vor. Bis dahin bleiben euch nur zinsgünstige Kredite. So fördert die KfW über ihren „Erneuerbare Energien Standard“-Kredit zum Beispiel auch den Bau von privaten Windkraftanlagen.

Fazit: Wie sinnvoll ist eine Kleinwindanlage auf dem eigenen Grundstück?

Wirtschaftlich ist die Stromerzeugung durch Windkraft bisher nur im großen Stil. Eine private Kleinwindanlage lohnt sich bisher nur, wenn ihr den erzeugten Strom auch selbst nutzt und ihr einen idealen Standort vorweisen könnt. Aufgrund der fehlenden Förderung ist der Markt für Mikro- und Mini-Windanlagen überschaubar und die Qualität nicht immer ausgereift. Anders als im Bereich Solaranlagen droht außerdem Ärger mit den Nachbarn durch Geräusche und Vibrationen. Wer dennoch in Windkraft investieren möchte, sollte über eine Kombination aus Solar- und Kleinwindanlage nachdenken. So könnt ihr bei jedem Wetter selbst Strom erzeugen.

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