Hausdach mit verschneiten Solarpanelen
© Getty Images/iStockphoto/Leo Malsam

Modernisieren | Expertentipp

Stimmt es, dass Photovoltaik sich nicht lohnt?

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Eigenheim senkt den CO2-Fußabdruck und trägt so zu einem klimaneutralen Leben bei. Viele sind allerdings der Meinung: Photovoltaik lohnt sich nicht, wenn man das ganze wirtschaftlich betrachtet. Wahr oder ein Mythos? Wir haben die Antwort.

Fast jeder, der sich mit dem Thema Photovoltaik (PV) beschäftigt, ist schon einmal auf die Aussage gestoßen: Photovoltaik lohnt sich nicht in Deutschland. Es ist das vermutlich weitverbreitetste Argument gegen die Installation einer PV-Anlage. Aber stimmt das überhaupt?

Die Antwort lautet: Nein. Allein im Sinne der Nachhaltigkeit lohnt sich die Installation einer Photovoltaik-Anlage immer, denn die Sonne kann uns mit nahezu unerschöpflicher Energie versorgen, ohne dabei dem Klima zu schaden. Jede mit einer Photovoltaik-Anlage produzierte Kilowattstunde Strom schont also die Umwelt.

Nun ist es aber so, dass es vielen Hausbesitzern nicht nur um die Umwelt geht, sondern in erster Linie um ihr Portemonnaie. Aber auch wirtschaftlich gesehen ist die Aussage falsch, dass sich Photovoltaik nicht lohnt. Allerdings müssen einige Bedingungen erfüllt sein, damit sich Photovoltaik für Hausbesitzer auch finanziell lohnt. Welche, das erklären wir hier.

Auch interessant: Wie funktioniert Photovoltaik? 5 Fragen und Antworten zu PV-Anlagen

Davon hängt es ab, ob sich eine Photovoltaik-Anlage lohnt

Ob sich eine Photovoltaik-Anlage wirtschaftlich lohnt, hängt vor allem von folgenden Bedingungen ab:

  • Größe der Anlage
  • Preis der Anlage
  • Stromertrag der Anlage
  • Höhe des Eigenverbrauchs an Solarstrom
  • Höhe der Einspeisevergütung
  • Entwick­lung der Strom­preise

Zuletzt ist der Preis vor allem für kleine Solaranlagen gestiegen. Je größer die Anlage, desto niedriger ist der Preis, den ihr pro Kilowatt-Peak (kWp) Leistung bezahlen müsst. Große Anlagen amortisieren sich deshalb früher und werfen eine bessere Rendite ab als kleine.

Stromertrag ist sehr unterschiedlich

Der Stromertrag hängt davon ab, in welche Himmelsrichtung die Photovoltaik-Anlage ausgerichtet ist, wie stark sie geneigt ist, von der Art der Solarzellen und ob sie im Süden oder Norden Deutschlands steht und auch von der Art der Solarzellen. Tatsächlich überträgt sich der regionale Unterschied in der Jahressumme der Einstrahlung nicht 1:1 auf den Ertrag, weil auch die Betriebstemperatur der Module, Verschmutzungseffekte oder die Dauer der Schneeauflage eine Rolle spielen.

Über den Daumen gepeilt könnt ihr davon ausgehen, dass pro 1 Kilowatt-Peak (kWp) jährlich 1.000 Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Wer es genauer wissen will, kann den Ertrag online berechnen.

Eigenverbrauch

Der Eigenverbrauch hängt davon ab, ob ihr einen Batteriespeicher habt oder nicht, ob ihr den Sonnenstrom zur Aufladung eines E-Autos nutzen könnt und ob ihr euren Stromverbrauch so steuern könnt, dass Geräte, die viel Strom verbrauchen, vorzugsweise zur Mittagszeit laufen. Ohne Speicher lassen sich meist nicht mehr als 20 bis 30 Prozent des erzeugten Stroms selbst nutzen.

Tipp: Bei der Ermitt­lung eures Eigen­verbrauchanteils mit und ohne Batteriespeicher hilft der Solarrechner der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen.

Einspeisevergütung und Solarstromkosten

Die Einspeisevergütung liegt mit weniger als sieben Cent pro Kilowattstunde Strom (Stand April 2022) niedriger als die so genannten Gestehungskosten von Solarstrom. Diese belaufen sich auf bei PV-Anlagen auf privaten Dächern auf etwa zehn Cent pro Kilowattstunde. Allerdings könnt ihr 20 Jahre lang mit einer gleich hohen Einspeisevergütung für jede eingespeiste Kilowattstunde Solarstrom rechnen. Wie hoch sie konkret ist, hängt vom Monat ab, in dem die Anlage in Betrieb gegangen ist.

Noch im April soll zudem eine Novelle des "Erneuerbare-Energien-Gesetzes" (EEG) beschlossen werden. Zentraler Punkt sind neue Bestimmungen zur Einspeisevergütung von privaten PV-Anlagen. Diese wird nach derzeitigen Erkenntnissen höher ausfallen als bisher.

Eine eigene PV-Anlage versorgt euch mit Strom, der euch nur etwa zehn Cent pro Kilowattstunde kostet. Je stärker die Strompreise steigen, desto größer eure Ersparnis durch die Solaranlage. Und zuletzt sind die Strompreise sehr stark gestiegen. Inzwischen zahlt ihr knapp 35 Cent pro Kilowattstunde.

Wann lohnt sich eine Photovoltaik-Anlage und wann nicht?

Wenn man all diese Faktoren berücksichtigt, kann man sich relativ einfach ausrechnen, wann sich eine Photovoltaik-Anlage lohnt. Finanztip und die Stiftung Warentest haben das einmal durchgerechnet und kamen zu folgendem Ergebnis:

Eine kleine Photovoltaik-Anlage lohnt sich wirtschaftlich nicht, wenn ihr den gesamten produzierten Solarstrom ins öffentliche Netz einspeisen wollt. Das liegt daran, dass die Einspeisevergütung die Kosten für die Produktion des Solarstroms nicht mehr deckt.

Eine Photovoltaik-Anlage kann laut Stiftung Warentest aber durchaus eine Rendite von drei bis vier Prozent abwerfen. Diese ist je höher, desto größer die Anlage ist und je mehr Strom man selbst verbraucht. Wer ein geeignetes Dach hat (und genug Geld für die höhere Anfangsinvestition), für den lohnt sich daher eine größere Anlage. Mehr Infos zur richtigen Größe einer PV-Anlage hier.

Den Anteil des selbst verbrauchten Stroms mit einem Batteriespeicher zu erhöhen, lohnt sich indes nur selten. Das funktioniert nur, wenn ihr weniger als 800 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität bezahlt und der Speicher 20 Jahre lang funktioniert. Halten die Speicher wie garantiert nur zehn Jahre, rechnen sie sich nicht. Ein Batteriespeicher kann sich aber lohnen, wenn ihr dafür Zuschüsse bekommt. Einige Kommunen und Bundes­länder wie Bayern bieten solche Zuschüsse an.

Bis eine PV-Anlage ihre Kosten wieder eingespielt hat, dauert es nach den Berechnungen von Finanztip zwischen zwölf und 18 Jahre. Man geht von einer Lebensdauer von mindestens 20 Jahren aus. Viele Anlagen werden aber länger halten und noch länger Überschüsse erwirtschaften.

Wichtig ist, dass ihr auf den Preis pro Kilowatt Anlagen­leistung achtet. Ist dieser zu hoch, kann sich die Photovoltaik-Anlage nicht lohnen. Das ist meist der Fall, wenn ihr mehr als 1.800 Euro pro kWp zahlt.

Gut zu wissen: In manchen Bundesländern gibt es bereits eine Solarpflicht für Neubauten, auch bundesweit könnte sie in absehbarer Zeit kommen.

Wenn ich euch eine Photovoltaik-Anlage anschaffen wollt, solltet ihr euch unbedingt im Vorfeld über mögliche Kredite informieren.

Das wird dich auch interessieren