Einfamilienhaus mit Photovoltaik-Anlage auf dem Dach
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Bauen | Pro/Contra-Liste

Solarpflicht in Deutschland: Was gilt in welchem Bundesland?

Katharina Schneider

Katharina Schneider

Immer mehr Bundesländer führen eine Solarpflicht ein. Das heißt, bei Neubauten müssen Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach installiert werden. Doch welches Bundesland hat welche Bestimmungen? Ein Überblick plus die Vorteile und Nachteile der Solarpflicht.

Wie steht es mit der Solarpflicht in Deutschland? Muss ich bei einem Neubau oder einer Dachsanierung als privater Bauherr zwingend auch eine Photovoltaikanlage installieren? Oder gilt das nur für Nichtwohngebäude? Wir verschaffen euch einen Überblick über die derzeit gültigen Bestimmungen in den einzelnen Bundesländern.

Hamburg war einer der Vorreiter: Ab 2023 muss jeder Neubau in der Hansestadt mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet werden. Auch bei Bestandsgebäuden, bei denen das Dach vollständig erneuert wird, greift die Solarpflicht ab 2025. Diese Rechtsverordnung erließ der Stadtstaat schon Ende 2020.

Eine Entscheidung, die noch immer die Gemüter erhitzt. Ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz und die Energiewende sagen die einen. Eine Gefährdung des bezahlbaren Wohnens die anderen. Aber wer hat denn nun recht? Wir haben für euch die wichtigsten Fakten gesammelt, was für und was gegen eine Solarpflicht spricht und listen auf, was in den anderen Bundesländern in Sachen Solarpflicht beschlossen wurde.

Was genau ist die Solarpflicht?

Zunächst: Solarpflicht ist nicht gleich Solarpflicht. Am Beispiel Hamburg zeigt sich, wie fein hier unterschieden wird. So gilt die Bestimmung ab 2023 zunächst für alle Neubauten – egal, ob es sich um Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser oder Gewerbebauten handelt.

Ab 2025 müssen dann auch auf Bestandsbauten Photovoltaikanlagen installiert werden, wenn deren Dach vollständig erneuert wird. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn die Installation technisch unmöglich ist oder mit anderen unvermeidbaren Nutzungen konkurriert.

Außerdem sollen sich die Anlagen amortisieren. Ist das in einem Zeitraum von 20 Jahren nicht möglich, dann entfällt die Solarpflicht. Die Umweltbehörde gehe aber davon aus, dass sich viele Anlagen in einem deutlich kürzeren Zeitraum amortisieren und außerdem länger als 20 Jahre laufen können, heißt es von der Stadt Hamburg.

Eine Mindestgröße für die Anlagen soll es nicht geben. So soll die gewählte Anlage den wirtschaftlichen Interessen entsprechen und es soll auch möglich sein, das Dach für verschiedene Dinge zu nutzen. Die Hamburgische Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) schätzt, dass Hamburg mit der Solardach-Pflicht bis zum Jahr 2030 insgesamt 60.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen kann.

Bisher waren es in Deutschland vor allem Kommunen, die eine Solardach-Pflicht eingeführt haben. Nun haben einige Bundesländer nachgezogen. Weil es überall unterschiedliche Regelungen gibt, ist eine allgemeine Definition der Pflicht nicht möglich. So gelten überall unterschiedliche Ausnahmen, teilweise gibt es die Pflicht nur für Nichtwohngebäude beziehungsweise Gewerbebauten.

Solarpflicht in Deutschland: Wo sie bereits gilt, wo sie geplant ist

Hamburg ist zwar eines der ersten deutschen Bundesländer, das eine umfassende Solarpflicht bei Neubauten eingeführt hat. aber keinesfalls die erste deutsche Stadt. Schon seit 2006 gibt es die Solardach-Pflicht im baden-württembergischen Waiblingen. In Tübingen besteht sie seit 2018. Hier eine Übersicht, welche Regeln in den einzelnen Bundesländern zur Solarpflicht gelten:

Hier gibt es seit 2022 eine Solarpflicht

In diesen Bundesländern gibt es bereits eine Solarpflicht mit folgenden Bestimmungen:

Baden-Württemberg

  • Nicht-Wohngebäude: Solarpflicht seit dem 1. Januar 2022 gesetzlich vorgeschrieben.
  • Wohngebäude: Hier greift die Pflicht zur Installation von Photovoltaik-Anlagen bei Neubauten ab dem 1. Mai 2022.
  • Sanierung: Bei einer grundlegenden Dachsanierung müssen Hausbesitzer ab dem 1. Januar 2023 zwingend eine Photovoltaikanlage einbauen.
  • Hier der Gesetzesbeschluss

Nordrhein-Westfalen

  • Nicht-Wohngebäude: Solarpflicht gilt seit Anfang 2022 nur für Parkflächen, die zu Nichtwohngebäuden gehören. Und auch nur dann, wenn es um mehr als 35 Stellplätze geht. Dann müssen diese überdacht und mit einer PV-Anlage versehen werden.
  • Hier der Gesetzestext

Schleswig-Holstein

Hier tritt die Solarpflicht ab 2023 in Kraft

In diesen Bundesländern besteht ab 2023 eine Solarpflicht:

Berlin

Hamburg

  • Wohngebäude: Die Solarpflicht gilt hier ab 2023 auf Dächern im Neubau.
  • Sanierung: Für einer vollständigen Dachsanierung gilt die Pflicht zur Installation einer PV-Anlage ab 2025.
  • Hamburgisches Gesetz zum Schutz des Klimas

Rheinland-Pfalz

  • Nicht-Wohngebäude: Ab 2023 müssen gewerbliche Neubauten mit PV-Anlagen ausgestattet sein. Gleiches gilt für überdachte Parkplätz ab 50 Stellplätzen. Alternativ dürfen die Betreiber auch Solarthermie nutzen.
  • Infos zum Landessolargesetz von Rheinland-Pfalz

Niedersachsen

  • Nicht-Wohngebäude: Neubauten mit überwiegend gewerblicher Nutzung müssen ab einer vorhandenen Dachfläche von 75 Quadratmetern ab 2023 eine PV-Anlage installieren.
  • Wohngebäude: Bauherren müssen sicherstellen, dass bei Neubauten sich eine Solaranlage zumindest nachrüsten lässt.
  • Infos der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen

Wo eine Solarpflicht in Planung ist

In diesen Bundesländern ist in den kommenden Jahren eine Solarpflicht geplant:

  • Bremen plant eine umfassende Verpflichtung zur Installation von Solaranlagen bei Wohn- und Gewerbebauten sowie bei umfassenden Dachsanierungen.
  • Sachsen prüft die Möglichkeit der Installation und Nutzung von PV-Anlagen auf Dachflächen oder offenen Parkplätzen.
  • Bayern diskutiert ebenfalls Pläne zur Solarpflicht, ist aber über das Diskussionsstadium noch nicht hinaus.

Bundesländer, die (noch) keine Solarpflicht geplant haben

Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und das Saarland planen derzeit (Stand: März 2022) noch keine Solarpflicht.

Übersicht: die Solarpflicht in den Bundesländern

  • Bundesland
  • Solarpflicht?
  • gültig für
  • Baden-Württemberg
  • seit/ab 2022/2023
  • Nicht-Wohngebäude, Wohngebäude, Sanierung
  • Bayern
  • in Planung
  • Berlin
  • ab 2023
  • Wohngebäude, Sanierung
  • Brandenburg
  • nein
  • Bremen
  • in Planung
  • Hamburg
  • ab 2023 bzw. 2025
  • Wohngebäude, Sanierung
  • Hessen
  • nein
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • nein
  • Niedersachsen
  • ab 2023
  • Nicht-Wohngebäude, Wohngebäude
  • Nordrhein-Westfalen
  • seit 2022
  • Nicht-Wohngebäude
  • Rheinland-Pfalz
  • ab 2023
  • Nicht-Wohngebäude
  • Saarland
  • nein
  • Sachsen
  • in Planung
  • Sachsen-Anhalt
  • nein
  • Schleswig-Holstein
  • seit 2022
  • Nicht-Wohngebäude
  • Thüringen
  • nein

Solarpflicht in deutschen Bundesländern

Einfamilienhaus mit Photovoltaikanlage auf dem Dach
Neubau oder umfassende Dachsanierung? In den Bundesländern gibt es für die Solarpflicht sehr unterschiedliche Bestimmungen. © iStock/Getty Images/ideeone

Wird es eine bundesweit einheitliche Solarpflicht geben?

Das ist durchaus wahrscheinlich. Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung heißt es: "Alle geeigneten Dachflächen sollen künftig für die Solarenergie genutzt werden. Bei gewerblichen Neubauten soll dies verpflichtend, bei privaten Neubauten soll es die Regel werden."

Auf Dauer hätte eine Solarpflicht auf Bundesebene den Vorteil, dass deutschlandweit einheitliche Vorgaben gelten würden und der Anteil an Solarenergie dadurch noch schneller und unkomplizierter ausgebaut werden könnte. Bis es allerdings soweit ist, gelten die jeweiligen Bestimmungen eures Bundeslandes.

Wo gibt es international eine Solarpflicht?

Nicht nur in Deutschland gibt es bereits in Teilen die Solardach-Pflicht. Im US-Bundesstaat Kalifornien müssen seit 2020 alle neu errichteten Wohngebäude mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach oder an der Fassade ausgestattet werden.

Auch in Wien wurde die Solarpflicht 2020 beschlossen. Und auf den spanischen Balearen müssen auf großen Dächern, Parkhäusern, Einkaufszentren und öffentlichen Gebäuden PV-Anlagen installiert werden. Überall da, wo eine Pflicht gilt, gibt es aber verschiedene Ausnahmen.

Was spricht für eine Solarpflicht?

Die Solardach-Pflicht hat viele Fürsprecher – und viele Argumente auf ihrer Seite.

Viel ungenutztes Potenzial

Solarenergie wird immer wichtiger. Und das nicht nur wegen des geplanten Ausstiegs aus fossilen Energiequellen. Auch der Ausbau der Windenergie stockt. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts EUPD Research kann die Stromversorgung nur gesichert und die Klimaziele erreicht werden, wenn der Solarausbau ab 2022 verdreifacht wird.

Groß ist das Potenzial laut einer Analyse des Ökostrom-Anbieters Lichtblick in den Städten. So werde in München, Hamburg und Düsseldorf weniger als zehn Prozent des gesamten Flächenpotenzials genutzt. Denn: Es gibt kaum PV-Anlagen auf Neubauten.

Mit einer Solardach-Pflicht kann gegengesteuert werden und die Energiewende kommt auch in der Großstadt an. In Städten sind PV-Anlagen auf den Dächern meistens der einzige Weg, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten.

Nicht nur in Städten wird derzeit nur ein geringes Potenzial für Solarenergie genutzt. So werden auch in Nordrhein-Westfalen aktuell nur sechs Prozent der möglichen Flächen genutzt – viel zu wenig, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Die Zustimmung der Bürger ist da

Nicht nur Umweltverbände und Grüne wollen eine Solarpflicht – sondern offenbar auch die Bürger. 82 Prozent der Befragten befürworten laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag des Ökostromanbieters Lichtblick Solaranlagen auf allen Gewerbe-Neubauten. 80 Prozent unterstützen die Nutzung von Dachflächen auf Wohnungsneubauten.

Solarpflicht bei Neubau einfacher

Wer eine PV-Anlage beim Neubau gleich mitplant, spart gegenüber einer Nachrüstung Kosten und Aufwand. Denn es ist einfacher, einen Neubau auf die Solaranlage vorzubereiten. So bezieht auch ein Kostenplan die Anschaffung und Installation der Anlage direkt mit ein. Außerdem kann man das Dach und die Ausrichtung des Hauses gleich so planen, dass die PV-Anlage so effizient wie möglich arbeiten kann.

Meistens lohnt sich die PV-Anlage finanziell

Auf Immobilien-Besitzer kommen zwar zunächst höhere Kosten durch eine PV-Anlage zu. Allerdings rechnet sich die Anlage, wenn der produzierte Strom nicht nur ins Netz eingespeist, sondern auch selbst genutzt wird. So kann man massiv Kosten bei Strom und Wärme sparen.

Hinzu kommt die Einspeisevergütung pro Kilowattstunde, die derzeit (Stand: März 2022) bei einer Anlagengröße von 1 bis 10 kWp bei 6,63 Cent liegt.

Nicht nur Eigentümer, sondern auch Mieter profitieren über das Mieterstrommodell von einer PV-Anlage auf dem Dach. Denn: Bei solarem Mieterstrom entfallen viele Bestandteile des Strompreises wie Netzentgelte. So kann der Strompreis günstiger werden.

Lest hier, mit welchen Kosten ihr bei einer Photovoltaik-Anlage rechnen müsst. Die Vorteile und Nachteile von Solarenergie allgemein listen wir hier auf.

Was spricht gegen eine Solarpflicht?

Aber es gibt auch zahlreiche Kritiker der Pflicht, die negative Auswirkungen durch sie befürchten.

Andere Technologien geraten ins Hintertreffen

Die aktuell existierenden Gesetze schreiben explizit Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern vor. Daher befürchten einige Kritiker, dass andere Technologien ins Hintertreffen geraten könnten. "Wenn der Staat jetzt auf Jahrzehnte hinaus eine Technik per Gesetz vorschreibt, hemmt er andere, möglicherweise sinnvollere Lösungen", sagt Andreas Breitner, Direktor des Verband norddeutscher Wohnungsunternehmer (VNW). "Wir wissen heute noch gar nicht, was in fünf oder zehn Jahren erfunden sein wird. Im Sinne der Umwelt muss es darum gehen, die sinnvollsten und effizientesten Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen."

Bauen wird teurer

Unternehmerverbände und Verbände der Wohnungswirtschaft kritisieren die Pflicht zum Solarausbau. Neubauten würden teurer und Bauvorhaben dadurch gebremst, sagen Kritiker der Solarpflicht. Wenn der Bau teurer werde, dann würden auch die Mieten steigen, weil die Vermieter die Kosten auf ihre Mieter umlegen könnten.

Dabei wird allerdings außer Acht gelassen, dass die Mieter dafür von günstigerem Mieterstrom profitieren könnten.

Laut der Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) machen die Kosten für eine PV-Anlage bei einem Einfamilienhaus allerdings nur rund drei, bei einem Mehrfamilienhaus nur rund ein Prozent der Baukosten aus.

Mehr Bürokratie

Umwelt- und Klimaschutz könne man eher durch Anreize anstatt durch Zwänge schaffen, sagen außerdem Unternehmerverbände. Schon jetzt gebe es im Zuge von Bauverfahren viel Bürokratie. Aus Sicht der Wirtschaft sei eine Solarpflicht weder zielführend noch sinnvoll, sagt Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin. Eine solare Energiewende würde nicht durch den Unwillen der Gebäudeeigentümer gebremst, "sondern durch den derzeit ungeeigneten und zu komplexen Rechtsrahmen". Bauverfahren würden durch mehr Regulierung "immer unattraktiver", was sich der Staat aufgrund des Baumangels nicht leisten könne.

Fazit: Was muss ich als Bauherr bei der Solarpflicht beachten?

Wer neu baut, der wird schon beim Bauantrag wissen, ob und in welcher Form sein Bauvorhaben unter die Solarpflicht fällt. Schwieriger wird es bei denen, die ihr Dach sanieren. Da kann es unter Umständen auch eine Pflicht zur Installation einer PV-Anlage geben.

Die dafür gültigen Bestimmungen sind dabei teils in speziellen Energie- und Klimaschutzgesetzen, teils in der Landesbauordnung verankert. Das macht es nicht einfacher. Erkundigt euch vor einer umfangreichen Dachsanierung beim örtlichen Bauamt nach den gültigen Bestimmungen. Nehmt die Hilfe eines Energieberaters in Anspruch und lasst euch aus- und berechnen, wie ihr den Sonnenstrom am besten in euren Energiebedarf mit einbaut.

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