Asbestbelastete Eternitplatten auf Dach
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Bauen | Ratgeber

Asbest entsorgen: Mit diesen Kosten müsst ihr rechnen

Sandra Hermes

Sandra Hermes

Asbesthaltige Baustoffe sollten nur Profis entsorgen. Nur so schützt ihr euch und eure Umwelt. Wir sagen euch, wie ihr Asbest entsorgen dürft und was Ausbau und Container kosten.

Do-it-yourself ist angesagt. Wieso jemanden bezahlen, wenn man es auch selbst kann? Beim Renovieren alter Häuser sollte man an dieser Stelle kurz innehalten und nachdenken. Denn unter alten Böden oder Badezimmerfliesen können sich asbestbelastete Baustoffe befinden. Selbst rausreißen empfiehlt sich hier eher weniger. Denn genau dadurch bringt ihr eure Gesundheit in Gefahr. Dazu macht ihr euch beim Asbest entsorgen eventuell sogar strafbar, wenn ihr es auf eigene Faust macht. Ja, eine professionelle Asbestentsorgung ist nicht billig. Leider ist sie ohne echte Alternative.

Warum sollte man Asbest entsorgen?

Baustoffe aus Asbest sind zwar seit 1993 verboten, kommen aber in alten Wohnhäusern, Industrieanlagen und öffentlichen Bauten immer noch vor. Klar, schließlich war der hitzebeständige und langlebige Baustoff extrem beliebt und wurde in großem Umfang verbaut. Seitdem jeder weiß, wie gefährlich die Fasern dieser Silikatmineralien sind, wurden in den vergangenen Jahrzehnten bereits viele alte Gebäude asbestsaniert. Allerdings ist das nicht immer ein Muss. Denn solange festgebundener Asbest nicht angerührt wird und noch nicht brüchig ist, geht von ihm keine unmittelbare Gesundheitsgefahr aus. Erst das Brechen, Anbohren oder Reinigen unter großem Druck setzt die krebserregenden Fasern frei.

Wenn ihr den Verdacht habt, dass sich in eurem Haus oder in eurer Wohnung asbesthaltige Stoffe befinden, heißt es erstmal: Finger weg! Beauftragt einen zertifizierten Sachverständigen. Er kann unter sicheren Bedingungen Proben entnehmen und einschätzen, ob ihr aktiv werden solltet.

Anders sieht es häufig aus, wenn es sich um eine Immobilie handelt, die ihr in naher Zukunft verkaufen wollt. Eine Asbestbelastung mindert den Wert. Ist das Haus nicht bewohnt, ist es sinnvoll, die Chance zu nutzen und eine komplette Asbestsanierung durchzuführen. Auch wenn das nicht billig ist, steigert ihr so den Verkehrswert und schützt die Gesundheit der künftigen Bewohner.

Wo findet man heute noch Asbest?

Asbest kann sich immer noch in alten Eternitplatten, Wandputzen, Fliesenklebern und Leichtbauplatten verbergen. Auch Abwasserrohre, Dämmungen und Dichtungen von Brandschutzklappen können belastet sein. Was viele nicht wissen: Asbest wurde auch in Nachtspeicheröfen und Blumenkästen verwendet. Mehr dazu lest ihr in "Vorsicht Asbestgefahr: 10 Baustoffe, die belastet sein können".

Fliesenkleber mit Asbest
Auch hinter alten Badfliesen kann Asbestgefahr lauern: Fliesenkleber kann Asbest enthalten. © iStock/Getty Images/andreygonchar

Wie wird Asbest entsorgt?

Andreas Schmitz, zertifizierter Sachverständiger für die Entsorgung von asbesthaltigen Baustoffen, weist darauf hin, dass alle Materialien, die Asbest enthalten, speziell verpackt, gekennzeichnet und entsorgt werden müssen. In der Praxis geschieht dies in sogenannten Big Bags oder Platten Bags (zum Beispiel für nicht zerkleinerte Dachplatten). Auch auf den Deponien werde dieser Abfall nur in bestimmten ausgewiesenen Bereichen entsorgt, so der Bonner Asbest-Experte.

Schwach gebundener Asbest wie zum Beispiel Spritzasbest darf in keinem Fall privat entsorgt werden.

Andreas Schmitz, staatlich geprüfter Chemisch-technischer Assistent (CTA) und Sachverständiger

Für den Ausbau und die Entsorgung ist in Deutschland ein Sachkundenachweis nach den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS 519) notwendig. Da Privatpersonen darüber in der Regel nicht verfügen, ist die gefährliche Asbestentsorgung eine Sache für Profis.

Wie finde ich eine gute Entsorgungsfirma für Asbest?

Auf der Suche nach einem geeigneten und seriösen Entsorgungsunternehmen solltet ihr auf die folgenden Kriterien achten:

  • Hat die Firma (beziehungsweise der betreffende Sachverständige) einen Sachkundenachweis nach TRGS 519 und kann ihn euch vorlegen?
  • Bietet euch das Unternehmen eine Beratung an (wenn notwendig auch vor Ort)?
  • Wird auf Nachfrage ein Kostenvoranschlag gemacht?
  • Enthält dieser Anfahrt, gegebenenfalls Gerüstmiete, voraussichtliche Arbeitsstunden oder einen Quadratmeterpreis (zum Beispiel bei Dachsanierung), Verpackungskosten, Entsorgungskosten und Kosten für eine Not-Dachabdeckung, falls sich auch im Dachbereich Asbest befindet?

Was kostet die Asbestentsorgung?

Die Kosten für eine Asbestentsorgung sind von vielen Faktoren abhängig. Es gibt große regionale Unterschiede und auch die Art des Baustoffs ist entscheidend. Ein paar alte Eternit-Blumenkästen lassen sich schneller entsorgen als eine komplette Dacheindeckung. Bei letzterer kommen die Kosten für ein Gerüst und eine eventuelle Not-Dachabdeckung hinzu. Rechnet man die Sanierung bis zum Ende durch, müsst ihr auch die Kosten für neues Material und die Handwerkerstunden für die Neueindeckung einpreisen.

Auch die Art der Entsorgung schlägt unterschiedlich zu Buche. Die eine Sanierungsfirma sorgt auch für die notwendigen Container und Big Bags, die andere überlässt euch diesen Part. Hier lohnt sich der Vergleich unterschiedlicher Containeranbieter.

Über den Containerdienst-Service von Wohnglück könnt ihr den Preis für eure Postleitzahl suchen. Anhand der Kubikmeterpreise der unterschiedlichen Containergrößen ist der Preisvergleich schnell und einfach.

Lasst euch von eurer Entsorgungsfirma in jedem Fall einen Kostenvoranschlag unterbreiten und sucht weiter, wenn ihr noch nicht zufrieden seid. Schließlich geht es hier nicht nur um Handwerkskunst, sondern um eure Gesundheit.

Beispielrechnung: Kosten für eine Asbestentsorgung

Die Besitzer eines Wohnhauses aus den 1960er Jahren wollen ihre asbestverseuchte Dacheindeckung loswerden. Mit diesen Kosten müssen sie für den fachgerechten Ausbau und die Entsorgung des Asbests rechnen:

  • Positionen
  • Kosten
  • Anfahrt (variiert nach der Entfernung zur Baustelle)
  • 80 Euro
  • Gerüstmiete (120 m2 Gerüst à 8 Euro/m3)
  • 960 Euro
  • Ausbau von 120 m2 Platten (à 34 Euro/m2)
  • 4.080 Euro
  • Entsorgung von 10 Tonnen Sondermüll (à 140 Euro/Tonne)
  • 1.400 Euro
  • Dach mit Folie abdecken
  • 400 Euro
  • Summe
  • 6.920 Euro

Soweit die Entsorgung. Allerdings habt ihr jetzt noch kein neues Dach. Auch diese Kosten kommen hinzu. Sind keine anderen Teile des Dachs betroffen, müssen die Arbeiten allerdings nicht mehr von einem zertifizierten Unternehmen durchgeführt werden. Insofern könnt ihr für sie gesonderte Angebote einholen.

Und noch ein Kostenfaktor kann hinzukommen: Während der Asbestsanierung können die Bewohner häufig nicht in ihrem Haus wohnen. In diesem Fall müsst ihr auch die Kosten für eine alternative Unterbringung einrechnen.

Was kostet ein Kubikmeter Asbestentsorgung?

Ausbau und Verpackung von mit Asbest belastetem Material kosten zwischen 30 und 36 Euro pro Quadratmeter. Die Kosten variieren allerdings nach Region und Anbieter.

Was kosten Asbest-Container?

Nach dem Ausbau werden die belasteten Materialien in luftdichten Big Bags verpackt. Diese legt man anschließend möglichst vorsichtig in Container. Die Abfuhr und Entsorgung auf einer ausgewiesenen Deponie übernimmt das Entsorgungsunternehmen.

Die Kosten richten sich nach Menge und Art des Sondermülls. Bei unserem Partner containerdienst.de kostet ein Kubikmeter asbesthaltiger Bauabfall circa 426 Euro (im 3-Kubikmeter-Container). Je größer der Container, desto günstiger wird die Entsorgung. In einem 10-Kubikmeter-Container kostet ein Kubikmeter Asbest-Abfall circa 385 Euro. Die Preise können je nach Region und Anbieter variieren.

Könnt ihr die Kosten für die Asbestsanierung von der Steuer absetzen?

Eine Asbestsanierung, die sich nicht aufschieben lässt, gilt steuerlich als außergewöhnliche Belastung. Damit ist sie absetzbar.

Hier gibt's mehr Infos, wie ihr Sanierungen von der Steuer absetzen könnt.

Asbest privat entsorgen: Günstiger, aber darf man das?

Schwach gebundenen Asbest (zum Beispiel Spritzasbest) dürft ihr in keinem Fall privat entsorgen. Stark gebundener Asbest kann theoretisch auch von Privatleuten entsorgt werden. Allerdings, so Asbest-Experte Andreas Schmitz, muss er dazu ja erstmal ausgebaut worden sein. Und das sei eben nur mit einem Sachkundenachweis der jeweiligen Bezirksregierung erlaubt. Beauftragt also immer einen Fachmann, wenn es um das Thema Asbest geht. Sowohl für den Ausbau und die Entsorgung, als auch für die erste Probenentnahme und Gefahrenanalyse.

Damit schützt ihr zwar leider nicht euren Geldbeutel, aber ganz sicher eure Gesundheit. Einmal eingeatmet verbleiben die Fasern ein Leben lang in der Lunge. Der Körper kann sie nicht abbauen. Je nachdem, wie viele Fasern inhaliert wurden, können sie Lungenkrebs verursachen.

Nahaufnahme von feinen Asbestfasern
Atmet man die feinen Asbestfasern ein, dann kann das je nach Konzentration und Dauer der Aufnahme chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege und Lunge wie zum Beispiel Asbestose auslösen. © iStock/Getty Images/Alexey Emelyanov

Unerlaubte Entsorgung von Asbest: Diese Strafen drohen

Die Beförderung, Lagerung und Entsorgung asbesthaltiger Stoffe ist laut § 326 StGB für nicht sachkundige Personen ohne Erlaubnis strafbar. Eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren ist möglich. Auch dann, wenn euch gar nicht bewusst war, welchen Gefahren ihr euch und andere – zum Beispiel bei der Renovierung eines alten Hauses – ausgesetzt habt. Informiert euch, bevor ihr voller Tatendrang hässliche PVC-Beläge rausreißt oder alte Fliesen von der Wand klopft. Auch darunter können sich asbesthaltige Kleber oder Putze verbergen.

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