Asbestfasern
© iStock/Getty Images/fiveheart

Bauen | Ratgeber

Asbest erkennen: Die wichtigsten Indizien & Maßnahmen

Sandra Hermes

Sandra Hermes

Asbest ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Aber wie findet ihr heraus, ob euer Haus belastet ist und wie schützt ihr bei einer notwendigen Sanierung euch und eure Familie?

Auch nach dem Asbest-Verbot 1993 befindet sich der krebserregende Stoff noch in unzähligen Gebäuden. Hausbesitzer älterer Immobilien fragen sich zu Recht, ob sie auch betroffen sind und googeln spontan "Asbest-Test". Keine gute Idee, finden wir. Lest, warum der Umgang mit Asbest unbedingt eine Sache für Profis ist und wie ihr Asbest erkennen könnt.

Was ist Asbest?

Bei dem Begriff Asbest handelt es sich um eine Sammelbezeichnung für natürlich vorkommende, mineralische Rohstoffe. Die silikatischen Mineralien bestehen aus feinen, länglichen Fasern, die einen Durchmesser von nur zwei Mikrometern haben und für das menschliche Auge so nicht sichtbar sind.

Im vergangenen Jahrhundert wurde Asbest für den europäischen Markt in Gruben in Russland, Kanada, Südafrika und China abgebaut. Da der Baustoff elastisch, hitzebeständig, zugfest und extrem langlebig ist, war er beliebt und weit verbreitet. Dank seiner Bindefähigkeit ließ er sich zu zahlreichen Produkten verarbeiten. Dass eingeatmete Asbestfaser krank machen, war schon lange bekannt. Dennoch wurde der krebserregende Baustoff in Deutschland erst 1993 verboten. EU-weit dauerte es sogar bis 2005, bis der Einbau von asbesthaltigen Produkten gestoppt wurde.

Wozu wurde Asbest verwendet?

Aufgrund seiner vielen positiven Eigenschaften wurde Asbest seit 1930 in einer unüberschaubaren Vielzahl von Baustoffen und Produkten eingesetzt. In Form von Dacheindeckungen, Dichtungen, Bodenbelägen, Blumenkästen und Bremsbelägen fand sich der Stoff in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts quasi in jedem Haushalt.

Nachdem auch der Gesetzgeber anerkannt hatte, dass Asbest krebserregend ist, wurde seine Langlebigkeit zum Verhängnis. Denn mit dem Verbot verschwand der Baustoff nicht einfach aus unserem Alltag. Trotz umfangreicher Sanierungsmaßnahmen befinden sich heute immer noch asbestbelastete Elemente in vielen Gebäuden. Dabei ist der Asbest nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Besonders betroffen sind alte Eternitplatten auf Dächern, Fliesen, Putze und Bauplatten.

Asbestbelastete Eternitplatten auf Dach
Alte Wellplatten auf dem Dach sind häufig mit Asbest belastet. © iStock/Getty Images/LianeM

Warum ist Asbest gefährlich?

Der krebserregende Stoff hat die Eigenschaft, sich immer weiter der Länge nach aufzuspalten. Die so entstehenden Fasern werden bei der Arbeit mit Asbest an die Umgebungsluft abgegeben. Ungeschützte Personen atmen sie dann automatisch ein. Gelangen sie in eure Lunge, werden die Fasern dort verbleiben. Denn euer Körper kann sie nicht abbauen. Das macht Asbest so gefährlich. Je mehr Asbestfasern eingeatmet wurden, desto gesundheitsschädlicher. Die ständige Reizung des Lungengewebes kann auch nach Jahrzehnten noch zu einer Verhärtung (Asbestose) und zu Lungenkrebs führen. Wandern die Fasern zum Brust- oder Bauchfell, können sie auch dort eine Tumorbildung auslösen.

Da Asbest ein natürlich vorkommender Stoff ist, befindet sich im städtischen Umfeld immer ein geringer Teil in der normalen Luft. Zwischen 50 - 150 Fasern pro Kubikmeter in der Außenluft gelten dabei als ungefährlich. In Innenräumen gilt eine Belastung ab 1.000 Fasern pro Kubikmeter als gefährlich.

Übrigens: Baustoffe aus festgebundenem Asbest sind ungefährlich, solange sie intakt und nicht abgenutzt sind. Sind sie allerdings verwittert, spröde oder wird mit ihnen gearbeitet (brechen, bohren, unter Hochdruck reinigen ...) setzen sie Fasern frei und werden zu einer Gefahrenquelle.

Nahaufnahme von feinen Asbestfasern
Atmet man die feinen Asbestfasern ein, können je nach Konzentration und Dauer der Aufnahme chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege und Lunge wie zum Beispiel Asbestose ausgelöst werden. © iStock/Getty Images/Alexey Emelyanov

An welchen Indizien kann man Asbest erkennen?

Eindeutig identifizieren könnt ihr eine Asbestbelastung in eurem Haus nur durch eine Laboranalyse. Allerdings gibt es erste Hinweise, die ihr im Blick haben solltet, wenn ihr euch auf die Suche nach asbesthaltigen Bauteilen macht.

  • Baujahr: Euer Haus wurde nach 1993 gebaut? Prima, dann entstand das Gebäude nach dem Verbot des gefährlichen Baustoffs. Experten gehen allerdings davon aus, dass ihr erst ab dem Baujahr 1995 sicher seid, was eine mögliche Belastung angeht. Sie vermuten, dass Materialien, die noch auf Lager waren, auch einige Zeit nach dem Verbot noch verbaut wurden.
  • Aussehen: Asbest kann sich in unzähligen Baustoffen verstecken. Die faserige Struktur und die grünlich-graue Färbung lässt sich zwar in Asbest in Reinform oder in sogenanntem schwach gebunden Asbest (zum Beispiel in Dämmwolle oder Spritzasbest) gut erkennen. In zahlreichen Bauteilen aus festgebundenem Asbest ist der Stoff für den Laien aber nicht einmal zu erahnen. Es gibt zum Beispiel PVC-Bodenbeläge (Cushion-Vinyl-Beläge), die auf der Unterseite mit einer weißen oder hellgrauen Asbestpappe beschichtet sind und PVC-Fußböden, die an dieser Stelle einen hellbraunen Jutefilz haben. Dieser ist asbestfrei. Auf den reinen Augenschein könnt ihr euch in Sachen Asbest erkennen leider nicht verlassen.
  • Verwendung: Eine Liste, in welchen Baustoffen Asbest versteckt sein könnte, kann euch zwar helfen, einige Bauteile in eurem Haus als verdächtig einzustufen. Ob ihr damit aber alle erkannt habt, bleibt fraglich. Eurer Gesundheit zuliebe solltet ihr besser in einen Bausachverständigen investieren. Er weiß, wo er suchen muss, und kann unter sicheren Bedingungen Materialproben entnehmen.

In welchen Baustoffen ist Asbest enthalten?

In diesen Baustoffen und Produkten könnte auch heute noch Asbest versteckt sein:

  • Cushion-Vinyl-Fußboden- und Wandbeläge
  • Flexplatten
  • Heizkörperverkleidungen
  • Hitzeschutz (zum Beispiel hinter Öfen)
  • Schweißpappen (wurden beim Löten oder Schweißen verwendet)
  • Isolation unter Lampen und elektrischen Geräten
  • Dichtungsschnüre (in alten Ofentüren)
  • Leichtbauplatten
  • Lüftungsrohre
  • Putze
  • Spachtelmasse
  • Fliesenkleber
  • Produkte aus Asbestzement (Blumenkästen, Abwasserrohre, Fensterbretter, gewellte Dachabdeckungen)
  • Nachtspeicheröfen
  • Alte Elektrogeräte

Diese Materialien stehen unter besonderem Asbest-Verdacht!

Spritzasbest
Spritzasbest wurde häufig als Brandschutz-Isolierung von Stahlträgern und Betondecken und -wänden verwendet. © Getty Images/iStockphoto/gyro

Asbest-Test: Asbest-Analyse mit Schnelltests & Laborauswertung

Ein Test auf Asbestbelastung funktioniert auf zwei Wegen:

  • Raumlufttest
  • Materialtest

Um auf die Asbestkonzentration in der Luft zu schließen, wird eine Staubprobe von einer Oberfläche genommen. Beim Materialtest wird ein Stück des verdächtigen Baustoffs abgebrochen, abgeschnitten oder angeschliffen und zur Untersuchung mit einem Rasterelektronenmikroskop in ein Labor gesendet. Und genau da sind wir schon beim Problem. Sobald ihr das Material bearbeitet, werden – sollte es belastet sein – die gefährlichen Fasern freigesetzt.

Nutzt ihr eins der im Netz erhältlichen Schnelltest-Kits, müsst ihr euch unbedingt über die notwendige Schutzausrüstung informieren, bevor ihr loslegt. Unter Umständen gefährdet ihr bei der Probenentnahme auch nicht nur euch, sondern auch andere Personen, die später den betreffenden Raum betreten.

Unser Tipp: Auch eine harmlos erscheinende Probenentnahme ist gefährlich und solltet ihr besser einem Profi überlassen. Er kann euch auch auf weitere verdächtige Materialien hinweisen und euch Tipps für notwendige Sanierungsmaßnahmen geben.

Asbest-Sanierung durch qualifizierte Fachfirmen ausführen lassen

Die Sanierung asbestbelasteter Bauteile ist nichts zum Selbermachen. Selbst wenn ihr die handwerklichen Fähigkeiten habt, seid ihr in der Regel nicht für den Umgang mit Gefahrstoffen ausgebildet. Auch als Privatperson müsst ihr euch beim Umgang mit festgebundenem Asbest an die Vorgaben nach TRSG 519 halten. Mit schwach gebundenem Asbest dürfen ohnehin nur Betriebe mit Sachkundenachweis arbeiten.

Wir empfehlen euch, für alle Arbeiten, die mit Asbest zu tun haben, einen Fachmann ins Boot zu holen und keine Experiment zu machen – eurer Gesundheit zuliebe.

Weitere Informationen dazu findet ihr auch in unserem Ratgeber: Asbest-Sanierung: Sanierungstipps vom Fachmann

Asbesthaltige Abfälle richtig entsorgen

Auch wenn die Asbest-Entsorgung Kosten verursacht, solltet ihr sie unbedingt Fachleuten überlassen. Gerade bei der Verpackung und Abfuhr von asbestbelastetem Baumaterial können viele Fehler passieren. Professionelle Entsorger sind speziell im Umgang mit Asbest geschult und wissen, wie sie sich und ihre Umwelt bestmöglich schützen können. Dazu gehört neben der richtigen Schutzkleidung auch die Verwendung von zugelassenen Verpackungen und Containern sowie die Kennzeichnung und die Abfuhr auf Sondermülldeponien.

Das wird dich auch interessieren