Männer in Schutzanzügen sanieren Dach mit Asbest
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Asbest-Sanierung: Sanierungtipps vom Fachmann

Sandra Hermes

Sandra Hermes

Die Sanierung eines asbestbelasteten Hauses ist ein Fall für den Profi. Seine Sachkunde schützt ihn, euch und die Umwelt vor den krebserregenden Fasern. Wie eine professionelle Asbest-Sanierung abläuft, erfahrt ihr hier.

Ihr habt ein Haus gekauft oder geerbt, dass vor 1995 gebaut wurde? Dann solltet ihr zuerst prüfen, ob es mit Asbest belastet ist. Der krebserregende Stoff kann sich in einer ganzen Reihe von Baustoffen verstecken, auf die ein Laie nicht unbedingt kommt. Wir erklären euch, warum sich schon vor dem ersten Handgriff ein Sachverständiger euer neues Heim anschauen sollte.

Warum ist Asbest so gefährlich?

Werden asbesthaltige Bauteile beschädigt oder unsachgemäß bewegt, werden Asbestfasern in die Luft abgegeben. Das Einatmen ist extrem gesundheitsschädlich. "Die Gefährlichkeit liegt an der faserförmigen Struktur, die eine Längsspaltung der Faser ermöglicht, die über die Atmung in die Lunge aufgenommen wird. Zusätzlich weist Asbest eine sehr hohe Biobeständigkeit auf", erklärt Andreas Schmitz, zertifizierter Asbest-Sachverständiger aus Bonn. Heißt: Die Fasern bleiben in eurer Lunge, der Körper kann sie nicht abbauen. Durch die ständige Reizung des Lungengewebes kann nach Jahren – häufig erst nach Jahrzehnten – Lungenkrebs entstehen.

Obwohl dieser Zusammenhang schon lange bekannt war, wurde der Baustoff in Deutschland erst 1993 verboten. Erst bei Baujahren ab 1995 könnt ihr sicher sein, dass euer Eigenheim nicht asbestbelastet ist. Alle älteren Gebäude stehen erstmal unter Generalverdacht. Schließlich wurden die faserförmigen Silikatminerale aufgrund ihrer Hitzebeständigkeit und diverser Einsatzfähigkeit in unzähligen Bereichen verbaut.

Wann ist eine Asbest-Sanierung notwendig?

Wenn ihr selbst nicht vom Fach seid, könnt ihr nicht beurteilen, ob eine Sanierung eures Eternit-Dachs, einer Fassadenverkleidung, alter Rohre oder eines Nachtspeicherofens notwendig ist. Denn zum einen wisst ihr gar nicht, ob die Bauteile wirklich belastet sind, zum anderen könnt ihr vielleicht nicht einschätzen, ob es sich um schwach- oder festgebundenen Asbest handelt:

  • Bei schwachgebundenem Asbest (zum Beispiel bei Spritzasbest oder Leichtbauplatten) reicht schon eine Erschütterung aus, um Fasern in die Umgebung freizusetzen. Außerdem enthält er einen höheren Anteil des gefährlichen Faserstoffes (60 Prozent).
  • Festgebundener Asbest ist in unbeschädigtem Zustand weniger gefährlich. Er enthält einen geringeren Faseranteil (15 Prozent). Doch sobald Bauteile aus festgebundenem Asbest zerbrechen, zersägt oder angebohrt werden, geben auch sie Fasern ab.

Um herauszufinden, womit ihr es zu tun habt, solltet ihr eine Probe des verdächtigen Bauteils im Labor untersuchen lassen. Auch die Probe muss unbedingt unter Sicherheitsvorkehrungen entnommen werden. Auch dazu solltet ihr besser einen Fachmann beauftragen.

Fazit: Eine Sanierung ist also notwendig, wenn schwachgebundener Asbest im Spiel ist, Bauteile aus festgebundenem Asbest stark beschädigt oder verwittert sind oder bei Renovierungsarbeiten die Gefahr besteht, dass die Elemente brechen. Eine professionelle Gefährdungsbeurteilung, so Andreas Schmitz, könne nur ein Fachmann durchführen.

Wie läuft eine Asbest-Sanierung ab?

Wie eine Asbest-Sanierung im Einzelfall abläuft, hängt von den betroffenen Baustoffen und ihrer Menge ab. Im Allgemeinen lässt sich die Sanierung aber in vier Schritte unterteilen.

1. Beprobung und Gefahrenanalyse

Zwar kann ein professioneller Gutachter einige asbestbelastete Bauteile auf den ersten Blick erkennen. Doch das gilt längst nicht für alle Orte, an denen Asbest in den vergangenen Jahrzehnten verbaut wurde. Das bestätigt auch Asbest-Experte Andreas Schmitz: "Asbest zu identifizieren ist nicht ganz einfach. Während alte Dachschindeln oder typische Wellplatten leicht zu erkennen sind, besteht diese Möglichkeit bei einem Wandputz oder alten Faserzementplatten nicht. Die für Asbest typische Faser kann nur mittels REM-Mikroskopie labortechnisch bestimmt werden." Diese Materialien stehen unter besonderem Asbest-Verdacht.

Der erste Schritt der Sanierung ist also die Beprobung (Material und/oder Raumluft) und Untersuchung im Labor. Zusammen mit einem Ortstermin kann der Gutachter dann eine Gefahrenanalyse erstellen. Sie ist die Grundlage für die folgenden Maßnahmen. Lasst euch ausführlich beraten. Schließlich ist eine umfassende Asbest-Sanierung leider nicht billig.

Nahaufnahme von feinen Asbestfasern
Atmet man die feinen Asbestfasern ein, können je nach Konzentration und Dauer der Aufnahme chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege und Lunge wie zum Beispiel Asbestose ausgelöst werden. © iStock/Getty Images/Alexey Emelyanov

Übrigens: Da es sich um ein Material handelt, das auch in der Natur vorkommt, ist immer eine gewisse Asbestkonzentration in unserer Luft. Bei 50 bis 150 Fasern pro Kubikmeter Außenluft gilt die Asbestkonzentration als ungefährlich. Ab 1.000 Fasern pro Kubikmeter gilt die Asbestkonzentration in Innenräumen als gefährlich.

2. Ausbau durch eine Fachfirma

Bei der Suche nach einem professionellen Entsorgungsunternehmen solltet ihr unbedingt darauf achten, dass die Firma zertifiziert ist. Für die Durchführung von Asbestsanierungen muss sie euch einen Sachkundenachweis nach TRGS 519 vorlegen können.

In diesen technischen Regeln für Gefahrstoffe sind auch Vorgaben für die Vorbereitung der eigentlichen Sanierungsarbeiten enthalten:

  • Die nächsten Nachbarn informieren
  • Mitarbeiter müssen Schutzanzug und Atemschutzmaske tragen
  • Auslegen von Planen, um herabfallende Bauteile aufzufangen
  • Absturzsicherungen anbringen (Dach, Gerüst, Laufstege)
  • Bei Außenarbeiten alle Türen und Fenster schließen, damit keine Fasern ins Innere gelangen.
  • Unbeschichtete Asbestzementplatten muss man auf der verwitterten Seite mit einem Staubbindemittel angefeuchten.

Asbestexperte Andreas Schmitz weist darauf hin, dass man allgemein so staubarm wie möglich arbeiten muss. "Hierzu gibt es zugelassene staubarme Verfahren und Gerätschaften. Bei der Absaugung ist sehr wichtig, einen für Asbest zugelassenen Sauger der Filterklasse H einzusetzen. Bei kleineren Arbeiten kann der Raum in einen Schwarz-Weiß-Bereich (sauber/nicht sauber) unterteilt werden. Um die Verunreinigungen im nicht sauberen Bereich zu entfernen, wird mittels Unterdruck die Luft abgesaugt und gereinigt. Bei größeren Sanierungen ist eventuell eine Schleuse notwendig, um Verunreinigungen, die sich noch an der Arbeitskleidung befinden, zu entfernen und damit Kontaminationen zu unterbinden."

Allgemein müssen die Handwerker darauf achten, die Bauteile nicht zu zerstören. Bei der Sanierung eines Dachs ist es außerdem wichtig, dass die Dachplatten nicht herunterfallen.

3. Professionelle Entsorgung

Auch die Entsorgung von asbestbelasteten Werkstoffen ist eine Sache für Profis. Konnten die Handwerker die Elemente bei Dachsanierungen mit einem Hebezug in ganzen Stücken nach unten befördern, müssen sie sie auch im Ganzen entsorgen. Dazu gibt es neben den bekannten Big Bags für kleinere Bauteile auch sichere Verpackungen für größere Platten. Die Pakete werden dann luftdicht verschlossen und gekennzeichnet. Schon von außen muss jeder sehen können, dass es sich um asbestverseuchten Sondermüll handelt. Das gilt auch für die speziellen Container, die ihr in Absprache mit eurem Sanierungsunternehmen bucht.

Die beauftragte Entsorgungsfirma bringt dann den Inhalt der Container zu einer ausgewiesenen Sonderdeponie. Die Kosten sind in der Regel schon in den Preisen für den Asbest-Container enthalten.

Asbest-Schild
Asbesthaltige Baustoffe werden luftdicht verpackt und entsorgt. © iStock/Getty Images/Imagesines

4. Arbeitsstelle reinigen

Am Ende aller Sanierungsmaßnahmen steht die Baustellenreinigung. Dazu gehört bei einer Dachsanierung:

Was kostet eine Asbestsanierung?

Die Kosten für eine Asbestsanierung hängen von vielen Faktoren ab. Handelt es sich um fest oder schwachgebundenen Asbest, wie viele Kubikmeter sind betroffen, in welcher Region lebt ihr? Eine Beispielrechnung mit Kostenaufstellung findet ihr in unserem Artikel: Asbest entsorgen: Mit diesen Kosten müsst ihr rechnen

Kann man die Asbest-Sanierung in Eigenregie durchführen?

Der Umgang mit Asbest ist extrem gefährlich. Nicht nur für euch, sondern auch für andere Personen, die in euren vier Wänden leben und für die Umwelt. Wenn ihr selbst keinen Sachkundenachweis habt, solltet ihr die Arbeiten mit verseuchten Materialien besser den Fachleuten überlassen. Bei schwachgebundenem Asbest ist der Umgang mit den belasteten Materialien Privatpersonen sogar verboten. Wer sich nicht daran hält, kann im Extremfall eine Freiheitsstrafe bekommen.

Handelt es sich um festgebundenen Asbest, ist der Umgang zwar erlaubt. Ihr müsstet euch aber an alle Vorgaben nach TRGS 519 halten. Eurer Gesundheit zuliebe empfehlen wir euch, daher lieber auf Nummer sicher zu gehen und zertifizierte Sanierungs- und Entsorgungsfirmen zu beauftragen.

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