Ein Wohnzimmer mit zentraler Lüftungsanlage
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Zentrale Lüftungsanlage: Vorteile und Kosten der zentralen Wohnraumlüftung

Jan Krutzsch

Jan Krutzsch

Ein gutes Raumklima und eine niedrige Schadstoffbelastung im Haus sind gute Argumente für eine zentrale Lüftungsanlage. Wir sagen euch, welche Vorteile und Nachteile eine zentrale Wohnraumlüftung hat und was sie kostet.

Moderne Häuser sind so dicht gebaut, dass zu wenig Luft ausgewechselt wird. Die Folge: Die Raumluft ist oft nicht die beste. Und Altbauten haben häufig ein Feuchtigkeitsproblem. Die Lösung kann eine Lüftungsanlage sein. Für die automatische Lüftung gibt es zwei verschiedene Systeme: Zentrale und dezentrale Lüftungsanlagen. In diesem Artikel zeigen wir euch, wann eine zentrale Lüftungsanlage für euch in Frage kommt, welche Vorteile sie hat und welche Kosten damit verbunden sind.

Wie funktioniert eine zentrale Wohnraumlüftung?

Eine zentrale Lüftungsanlage steuert die Be- und Entlüftung eines Gebäudes oder einzelner Räume automatisch. Die Steuerung der Anlage ähnelt einem Heizkessel und wird zentral im Keller oder im Dachgeschoss verbaut. Ein Luftkanalsystem führt die Luft dann vollautomatisiert durch das ganze Haus.

Somit ist eine effektive Grundlüftung garantiert. Ihr könnt die Leistung der Anlage zusätzlich eurem tatsächlichen Frischluftbedarf anpassen, das Öffnen der Fenster zum Stoßlüften ist natürlich auch noch jederzeit möglich.

Zentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung führen bei niedrigen Außentemperaturen die kühle Außenluft durch Wärmerückgewinnung als warme Zuluft in die Innenräume. Die Funktion kehrt sich bei sommerlichen Außentemperaturen um: Durch den integrierten Wärmetauscher wird die warme Zuluft heruntergekühlt.

Darüber hinaus sind die Lüftungsanlagen mit Filtern ausgerüstet, die Pollen, Staub und Insekten draußen halten.

Infografik Zentrale Lüftungsanlage

Verschiedene Arten von zentralen Lüftungsanlagen im Neubau

Zentrale Lüftungsanlagen werden meist in Neubauten eingebaut. Denn hier lässt sich das Luftkanalsystem schon während der Bauphase installieren. Man unterscheidet reine Abluftanlagen und kombinierte Zu- und Abluftsysteme.

  • Bei der Abluftanlage wird die verbrauchte Luft aus Fluren, Abstell- und Feuchträumen wie Küche und Bad/WC nach draußen abgezogen. Über spezielle Außenluftdurchlasselemente gelangt frische Außenluft in die Wohnräume. Das können zum Beispiel Fensterventile sein, die verdeckt in den Blendrahmen eingebaut werden.
  • Bei einem kombinierten Zu- und Abluftsystem ist ein Zentral-Lüftungsgerät mit zwei Ventilatoren das Herzstück der Anlage. Der Abluftventilator zieht die verbrauchte Luft aus Feuchträumen wie Bad und Küche ins Freie. Und der Zuluftventilator transportiert frische Luft in die Wohn- und Schlafräume. Damit das funktioniert, müssen Innentüren entweder mit Durchströmgittern versehen werden oder es muss einen Abstand zwischen Türunterkante und Boden geben.

Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

In der kalten Jahreszeit kann auch der kontrollierte Luftaustausch zu erheblichen Wärmeverlusten führen. Denn durch die Abluftanlage wird warme Luft nach außen transportiert, während kalte Luft nach innen gelangt. Das lässt sich vermeiden, wenn die Lüftungsanlage mit einer Wärmerückgewinnung ausgerüstet ist, die die angesaugte Frischluft vorwärmt.

Diese Aufgabe übernimmt ein integrierter Gegenstromwärmetauscher, der die Wärme der ausströmenden Luft aufnimmt und sie auf die kalte Luft, die von draußen einströmt, überführt. Dadurch können 75 bis 90 Prozent der Abluftwärme auf die Zuluft übertragen werden.

Wann ist eine zentrale Lüftungsanlage notwendig?

Da energieoptimierte Gebäude wie beispielsweise Passivhäuser möglichst luftdicht sein müssen, reicht der natürliche Luftwechsel nicht aus, um eine gute Raumluftqualität und den Abtransport der Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten. Eine zentrale Lüftungsanlage hilft, die Wärmeverluste über die Fensterlüftung zu minimieren und die Energiekosten weiter zu reduzieren.

Für Neubauten oder bei Modernisierungen mit so genannten lüftungstechnisch relevanten Änderungen (Fensteraustausch, Wärmedämmung etcetera) muss nach DIN 1946-6 für jede Nutzungseinheit (Wohnung) ein Lüftungskonzept erstellt werden. Dabei prüft ein Fachmann, ob lüftungstechnische Maßnahmen notwendig sind, und wählt gegebenenfalls ein geeignetes Lüftungssystem aus.

Was bringt eine zentrale Lüftungsanlage?

In Häusern, in denen eine Anlage zur kontrollierten Wohnraumlüftung ihren Dienst verrichtet, lebt es sich gesünder. Die Schadstoff­be­lastung der Raumluft ist dort deutlich niedriger.

Das hat zuletzt eine österreichische Studie zur Bewohnergesundheit und Raumluftqualität in energieeffizienten Neubauten bewiesen. Ver­glichen wurde die Schadstoffbelas­tung in Häusern mit kontrollierter Wohn­raum­lüftung und ohne.

Das Ergebnis hätte nicht klarer ausfallen können: Ob Kohlendioxid, Formal­dehyd oder flüchtige organische Verbindungen, kurz VOC – in den Häusern mit automatischer Wohnraumlüftung war die Belas­tung signifikant niedriger.

Auch bei einem weiteren Aspekt der Gesundheit kann eine Lüftungsanlage hilfreich sein: beim Schutz vor Lärm. An stark befahrenen Straßen, inmitten der Großstadt oder in einer Einflugschneise sorgt die Anlage für frische Luft, ohne dass durch geöffnete Fenster eine Lärmbelästigung entsteht.

Außerdem profitieren Allergiker sehr, wenn dank der kontrollierten Lüftung deutlich weniger Staub und Pollen in die Wohnräume gelangen.

Vorteile und Nachteile einer zentralen Lüftungsanlage

Das sind die Vorteile von Lüftungsanlagen allgemein. Aber wie sieht es mit den Vorteile und Nachteilen im Gegensatz zu einer dezentralen Lüftungsanlage oder zu mobilen Luftreinigern aus?

Vorteile einer zentralen Lüftungsanlage

  • kontinuierliche Zufuhr von Frischluft
  • in das Gesamtsystem des Hauses eingebunden
  • eine intelligente Sensorik, die eine bedarfsgeführte Lüftung im Haus ermöglicht, ist verfügbar
  • eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist förderfähig
  • eiffiziente Wärmerückgewinnung spart Heizkosten

Nachteile der zentralen Lüftungsanlage

  • es ist oft schwierig, die Räume unterschiedlich zu temperieren
  • die Filter müssen regelmäßig gewechselt werden, sonst können sich mit der Zeit Milben ansiedeln, die mit der frischen Luft in allen Räumen verteilt werden. Diese können Atemwegserkrankungen beziehungsweise Allergien auslösen. In unzureichend gewarteten Wärmetauschern treten außerdem gelegentlich Legionellen auf, die ebenfalls gesundheitliche Probleme verursachen können
  • hohe Investitionskosten
  • höherer Platzbedarf als dezentrale Lüftungsanlagen
Lüftungsanlagen
Die Zentraleinheit der Lüftungsanlage steht meistens im Keller oder in einem Abstellraum. © Stiebel Eltron

Was kostet eine zentrale Lüftungsanlage?

Je nach Bauvorhaben sind unterschiedliche Systeme sinnvoll: Reine Abluftanlagen kosten für einen Neubau ab etwa 8.000 Euro. Empfehlenswert sind Anlagen mit Wärmerückgewinnung. Denn diese sind in das Heizungssystem eingebunden. Da sie der Abluft Energie entziehen, erhöhen sie die Effizienz und kosten circa 12.000 bis 15.000 Euro.

Aber Achtung: Im Altbau kann die Installation einer zentralen Lüftungsanlage mit zusätzlichen Kosten von mehreren tausend Euro verbunden sein, da die Luftkanäle nachträglich eingebaut werden müssen.

Dazu kommen noch die laufenden Kosten der Anlage. Die Stromkosten sind bei einer zentralen Lüftungsanlage bis zu acht Mal höher als beispielsweise bei einer dezentralen Lüftungsanlage. Und auch die Wartungskosten bewegen sich ungefähr auf dem Niveau einer normalen Heizungswartung.

Besonders für Anlagen mit Wärmerückgewinnung gilt, dass der Aufwand für Installation und Energie in einem sinnvollen Verhältnis zur zurückgewonnenen Wärme stehen sollte. Im Vorfeld empfiehlt sich deshalb immer eine Wirtschaftlichkeitsberechnung durch den Fachmann. Ihr könnt euch hierzu auch von unseren Experten beraten lassen.

Darauf solltet ihr bei zentralen Lüftungsanlagen achten

Seit dem 1. Januar 2016 gibt es für Wohnungsentlüftungsgeräte ein Energieeffizienzlabel, wie man es von vielen Haushaltsgeräten bereits kennt. Das Effizienzlabel bewertet, wie hoch die Energieeinsparung im Verhältnis zur eingesetzten Energie ist.

Geräte der Klasse G entsprechen dem klassischen Fensterlüften mit all seinen Wärmeverlusten. Die höchste Stufe A+ zeichnet Geräte aus, die mehr als 42 Kilowattstunden Primärenergie im Jahr pro Quadratmeter einsparen.

Achtet außerdem auf die maximale stündliche Luftfördermenge sowie die Lautstärke des Lüftungsgeräts im Aufstellraum.

Die Lüftungsanlage sollte mit sehr leisen Ventilatoren ausgestattet sein. Außerdem muss das System schallentkoppelt installiert werden, damit es keine Geräuschübertragung auf die umliegenden Räume gibt.

Zudem muss die Lüftung bei starker Rauchentwicklung durch Brände oder bei Schadstoffbelastung der Luft nach Umweltunfällen geschlossen werden können. Bei der Aufforderung "Alle Fenster und Türen sind geschlossen zu halten" müssen sich Lüftungsanlagen manuell oder über geeignete technische Möglichkeiten verschließen lassen.

Lüftungsanlagen
Leise und laufruhig fällt eine eingebaute zentrale Lüftungsanlage kaum auf © Stiebel Eltron

Fördermittel für zentrale Lüftungsanlagen

Ihr könnt für den Einbau einer Lüftungsanlage Fördermittel beantragen. Denn seit 2021 fördert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die Erstinstallation/Erneuerung von Lüftungsanlagen mit 20 Prozent der Kosten. Dagegen entfällt der Zuschuss "KfW 430" für alle Einzelmaßnahmen.

Es gibt zwei Förderungen:

Reine Zuschüsse für die Einzelmaßnahme erhaltet ihr seit Januar 2021 vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die BEG WG (Zuschuss- und Kreditvariante) sowie die BEG EM in der Kreditvariante sind zur Durchführung durch die KfW ab 1. Juli 2021 geplant. Ab 2023 erfolgt die Förderung in jedem Fördertatbestand wahlweise als direkter Investitionszuschuss des BAFA oder als zinsverbilligter Förderkredit mit Tilgungszuschuss der KfW.

Aber Achtung: Damit ihr die BAFA-Förderung für Lüftungsanlagen erhaltet, müssen einige Bedingungen erfüllt sein:

  1. Die Förderung könnt ihr nur vor dem Einbau beantragen.
  2. Es muss eine Kosten-Dokumentation von einem Energie-Effizienz-Experten (zertifizierter Energieberater der dena-Expertenliste) oder einem Fachunternehmen vorliegen.

Außerdem müssen bestimmte technische Voraussetzungen erfüllt sein. So muss die Lüftungsanlage mit einer Wärmerückgewinnungs-Funktion ausgestattet und damit besonders energieeffizient arbeiten. Wenn ihr die Lüftungsanlage als Klimaanlage nutzen wollt, ist es sinnvoll, sie mit einer Wärmepumpe zu kombinieren. Beide Anlagen erhalten jeweils eine eigene Förderung.

Für die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung gibt es mindestens 20 Prozent an Förderung, für die Wärmepumpe-Variante mindestens 35 Prozent. Hier sind sogar bis zu 50 Prozent möglich, wenn die Wärmepumpe eine alte Ölheizung ersetzt und der Bonus für einen individuellen Sanierungsfahrplan (ISFP) in Anspruch genommen wird.

Fazit: Lohnt sich eine zentrale Lüftungsanlage für mich?

Wenn ihr neu baut oder euren Altbau komplett saniert, dann kann sich eine zentrale Wohnraumlüftung wirklich lohnen. Gerade die Möglichkeit der vollautomatisierten Klimatisierung in Verbindung mit den Filtertechniken ist reizvoll.

Allerdings sind die Anlagen nicht günstig und auch bei der Wartung und den laufenden Kosten muss man im Blick haben, dass weitere Kosten entstehen. Im Gegensatz zu dezentralen Lüftungsanlagen haben zentrale Lüftungsanlagen allerdings einen großen Vorteil: Sie sind stärker förderfähig und arbeiten noch effizienter und unauffälliger als diese.

Wenn ihr euch allerdings für die kleine und schnelle Lösung für bessere Raumluft interessiert, schaut doch mal in unseren Artikel über mobile Luftreiniger rein. Wenn ihr ein Schimmelproblem bekämpfen wollt, dann könnte auch ein Luftentfeuchter etwas für euch sein.

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