Bild eines beschlagenen Fensters
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Wohnen | Ratgeber

Schimmel entfernen: So bekämpft ihr den Schimmelpilz erfolgreich

Dirc Kalweit

Level: Für Alle

Kampf dem Schimmel: Wir zeigen euch, wie er entsteht, welche Mittel dagegen helfen und wie ihr der Schimmelbildung in Haus und Wohnung vorbeugt.

An der Wand hinter dem Schrank, an den Fensterdichtungen oder auch im Bad in den Fliesenfugen – jeder von uns dürfte schon mal mit Schimmel im Haus oder in Wohnung zu tun gehabt haben.

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Unterschätzen solltet ihr den Schimmelpilz nicht, schließlich ist er potentiell gesundheitsgefährdend. Wir zeigen euch in diesem Beitrag, wie Schimmel entsteht, wie er sich entfernen lässt und wie ihr Schimmelbildung am besten vorbeugt.

Was sind Schimmelpilze und warum sind sie gesundheitsschädlich?

Schimmelpilze gehören ganz normal zu unserer Umwelt und sind an vielen organischen Zersetzungsprozessen beteiligt. Ungesund wird es, wenn die Sporen des Schimmelpilzes in großer Zahl auftreten und eingeatmet werden. Allergische Reaktionen und ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen und Atemwegsinfektionen sind die Folge. Auch vorhandene Erkrankungen der Atemwege, wie zum Beispiel Asthma, werden durch den Schimmelpilz verstärkt. Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Konzentrationsstörungen – all das können Symptome für eine zu hohe Belastung durch Schimmelpilze sein.

Es gibt verschiedene Arten von Schimmelpilzen: schwarz, rot, grün und gelb. Angeblich ist der schwarze Schimmel der gefährlichste. Dafür gibt es aber keine gesicherten Belege, grundsätzlich gilt: Völlig egal, in welcher Farbe der Schimmel auftritt, er muss unbedingt beseitigt werden.

Wie entsteht Schimmel?

Schimmelpilz-Sporen finden sich überall, unter anderem im Boden und in der Luft. Die Sporen können auch bei Trockenheit lange Zeit überleben. Der entscheidende Faktor für das Wachstum des Schimmelpilzes ist aber Feuchtigkeit. Zusammen mit Sauerstoff und Wärme gedeiht der Mikroorganismus prächtig, wenn noch ein Nährboden dazukommt. Das kann so ziemlich alles sein, von Tapetenkleister über Farben und Teppiche bis hin zum simplen Hausstaub.

Illustration von Schimmelpilzsporen
Obwohl natürlich, können Schimmelpilze für den Menschen gesundheitsgefährdend sein. © Kateryna_Kon - stock.adobe.com

Was begünstigt die Schimmelbildung?

Wie schon gesagt: Wärme, Sauerstoff und Feuchtigkeit sind die drei Hauptfaktoren bei der Schimmelbildung. Luft brauchen wir selber, schön warm soll es nach Möglichkeit auch sein. Bleibt also noch die Feuchtigkeit. Hier gibt es in Haus und Wohnung einige (Schwach-)Stellen, auf die ihr achten solltet:

Bautechnische Mängel

  • Ungenügende Bautrocknung: "Trockenwohnen" ist den Älteren noch ein Begriff. Damit ist ein Einzug ins Haus oder in die Wohnung gemeint, noch bevor das Gebäude richtig durchgetrocknet ist. Als Bauherr solltet ihr unbedingt darauf achten, dass der komplette Baukörper trocken ist, bevor die ersten Bewohner einziehen. Professionelle Bautrockner oder Luftentfeuchter sind da sehr hilfreich.
  • Risse im Mauerwerk: Durch die Kapillarkräfte dringt Wasser selbst durch die feinsten Risse ins Mauerwerk ein. Besonders die Fugen sind hier nach einigen Jahren gefährdet. Wenn ihr diese ausbessert, achtet daher auf "frostbeständigen" Fugenmörtel oder Fugenmasse.
  • Wärmebrücken: Manche Bauteile leiten Wärme schneller ab als die sie umgebenden Teile. Diese Bauteile kühlen also schneller aus. Durch den Temperaturunterschied zu den angrenzenden Bauteilen kommt es zur Bildung von Kondenswasser, und das begünstigt wiederum die Schimmelbildung. Gemein: Mit bloßem Auge sind Wärmebrücken nicht zu erkennen, dafür braucht es eine Wärmebildkamera. Eine fachgerechte Dämmung beseitigt solche Wärmebrücken.
  • Kondenswasser: Kennt ihr vom Duschen. Die Nässe in der Luft schlägt sich an Wänden, der Decke oder Fenstern nieder und bildet so ideale Bedingungen für den Schimmel.
  • Beschädigte Bauteile: Ob kaputte Dachrinnen, Fallrohre, der Dachstuhl oder Dachpfannen – überall dort, wo sich (Regen-)Wasser ungestört seinen Weg ins Haus suchen kann, erhöht sich die Schimmelgefahr.
  • Überschwemmung: Egal ob durch Starkregen, einen Rückstau vom Abwasserrohr oder einen Rohrbruch – nach einem Wasserschaden solltet ihr unbedingt darauf achten, dass die betroffenen Bereiche ausreichend trocknen.

(Feuchtigkeits-)Fehler vermeiden

  • Falsches Lüften: Klingt simpel, ist aber immer noch eine der Hauptursachen für die Schimmelbildung. Als Faustregel gilt: Feuchte Luft möglichst bei der Entstehung an Ort und Stelle durch gründliches Lüften austauschen. Eine Stoßlüftung, also das weite Öffnen des Fensters, ist dabei wesentlich effektiver als ein gekipptes Fenster. Denn bei gekippten Fenstern kühlt der Fenstersturz sehr ab, das fördert wiederum die Bildung von Kondensfeuchte.
  • Wäsche trocknen in Wohnräumen: Man kann es schon fühlen: Die Wäsche ist nach dem Waschen noch feucht. Diese Feuchtigkeit wird beim Trocknen im Haus oder in der Wohnung in die Raumluft abgegeben. Deshalb solltet ihr beim Wäschetrocknen in Wohnräumen immer für eine ausreichende Belüftung sorgen.
Immer noch die beste Methode zur Schimmelvorbeugung: Regelmäßiges, kontrolliertes lüften.
Gerade beim Lüften lassen sich viele Fehler ganz einfach vermeiden. © dzimin - stock.adobe.com

Schimmel bekämpfen: Diese Produkte helfen

Die Stiftung Warentest hat zuletzt 2013 einen umfangreichen Vergleich zwischen Hausmitteln und chemischen Anti-Schimmel-Produkten angestellt. Die Ergebnisse sind auch heute noch gültig, hier eine Zusammenfassung:

Wirksame Hausmittel gegen Schimmel

  • Wasser­stoff­per­oxid: H2O2 wirkt desinfizierend, bleichend und oxidierend. Im Test zeigte sich eine drei­prozentige, aufgepinselte Lösung als gut wirk­sam. Wer jetzt meint, "viel hilft viel": eine höher konzentrierte Lösung wäre zwar aggressiver gegen den Schimmelpilz, reizt bei Kontakt aber auch die Haut. Lieber die Prozedur ein- bis zweimal wiederholen. Ein Nachteil von Wasserstoffperoxid: Es sollte nicht auf Metallen angewandt werden, da es mit vielen Metallen chemisch reagiert.
  • Isopropyl­alkohol oder Brenn­spiritus (Ethanol): Diese Alkohole sind altbekannte Hausmittel gegen Schimmel. Einfach auf die befallene Flächen pinseln, trocknen lassen, erneut pinseln. Den Brenn­spiritus am besten etwas mit Wasser im Verhältnis 3 zu 1 verdünnen. Vorsicht: Alkohole sind sehr feuergefährlich.

Chemische Mittel gegen Schimmel

  • Sprays und Lösungen mit Natriumhypochlorit: Ihr erkennt sie am typisch-stechenden Chlorgeruch. Die Mittel sind zwar sehr wirksam, aber auch für den Anwender gesundheitlich nicht unbedenklich, belasten sie doch die Atemwege. Stiftung Warentest warnt auch davor, diese Mittel zusammen mit sauren Reinigern zu verwenden! Als Reaktions­produkte entstehen auch chlor­organische Verbindungen, die Gesundheit und Umwelt belasten.
  • Sprays und Lösungen mit Benzalkonium­chlorid und Didecyldi­methylammonium­chlorid: Beide Wirkstoffe sind Ammoniumverbindungen und töten Pilze, sie sind also ein Fungizid. Die im Test am besten bewerteten Produkte bekämpfen den Schimmel mit Benzalkoniumchlorid. Allerdings ist bei Fungiziden nicht auszuschließen, dass die Wirkstoffe längere Zeit in der Raumluft bleiben.

Vorsichtsmaßnahmen bei der Schimmelbekämpfung

Ob ihr nun auf die Hausmittel schwört oder lieber die chemische Keule benutzt: Bei der Schimmelbekämpfung solltet ihr auf jeden Fall (Haushalts-)Handschuhe und einen Atemschutz tragen (am besten der Schutzklasse FFP2 oder FFP3). Außerdem bitte bei den Arbeiten unbedingt für eine gute Lüftung sorgen. Und: Probiert erst an einer Stelle aus, ob das Mittel nicht den Untergrund (zum Beispiel Holz) angreift.

Auch wichtig: Sämtliche Maßnahmen gelten für kleinere Schimmelschäden. Eine schimmelige Fuge, der Fleck hinter dem Schrank – da könnt ihr euch unter den beschriebenen Vorsichtsmaßnahmen ran trauen.

Ist eine ganze Wand schimmelig, ist der Fachmann gefragt. Bei großflächigen Schimmelattacken gelten bei der Beseitigung ganz besondere Vorsichtsmaßnahmen. Außerdem solltet ihr in solchen Fällen auch unbedingt vom Profi checken lassen, woher der Schimmelbefall genau kommt. Oft sind es bauliche Mängel, die dringend beseitigt werden müssen.

Feuchtigkeitsgehalt an einer mit Schimmel befallenen Wand wird gemessen.
Bei besonders großflächigem Schimmelbefall solltet ihr professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. © Andrey Popov - stock.adobe.com

Wie beuge ich Schimmel vor?

Die einfachste und gleichzeitig auch effektivste Maßnahme gegen die Bildung von Schimmel ist die Senkung der Luftfeuchtigkeit. In einem optimalen Raumklima hat der Schimmel erst gar keine Chance zu gedeihen.

Raumklima: Die ideale Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen

  • Wohnraum
  • Optimale Luftfeuchtigkeit
  • Keller
  • 50 % bis 65 %
  • Flur
  • 40 % bis 60 %
  • Wohn- und Arbeitsräume
  • 40 % bis 60 %
  • Küche
  • 50 % bis 60 %
  • Badezimmer
  • 50 % bis 70 %
  • Schlaf- und Kinderzimmer
  • 40 % bis 60 %

Die ideale Luftfeuchtigkeit in einzelnen Wohnräumen

Ideal ist eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. Wie hoch die tatsächliche Luftfeuchtigkeit in euren Räumen ist, prüft ihr am besten mit einem Hygrometer. Die sind häufig auch schon in Luftentfeuchtern verbaut, so dass ihr neben der Kontrolle über die Luftfeuchtigkeit auch gleich ein Gerät habt, das das Raumklima reguliert.

Die simpelste Regulierung der Luftfeuchtigkeit per Hand ist regelmäßiges Lüften. Doch mit einfach mal eben nur das Fenster öffnen ist es meistens nicht getan. Für das richtige Lüften gibt es folgende Grundregeln:

  • Rund zwei bis vier mal am Tag lüften. Dabei das Fenster komplett öffnen (Stoßlüften). Dauer: Im Sommer fünf bis zehn Minuten, im Winter vier bis sieben Minuten.
  • Richtiges Lüften ist auch von der Jahreszeit und der Wetterlage abhängig. Ist es draußen sommerlich warm, lieber am frühen Morgen und/oder in den Abendstunden lüften. Im Winter gilt: Je niedriger die Temperatur außen, desto kürzer die Lüftungszeiten. Denn je kälter es ist, desto besser wird die Luftfeuchtigkeit von drinnen nach draußen transportiert.
  • Für Durchzug sorgen. Fenster und Türen in mehreren Räumen gleichzeitig öffnen für einen besonders effektiven Luftaustausch.
  • Beim Lüften das Heizthermostat runter drehen. Intelligente Thermostate regeln das automatisch.

Es gibt auch noch andere Hilfsmittel zur Vorbeugung gegen Schimmel. Da wären zum Beispiel Fensterfalzlüfter, die nahezu unsichtbar im Fensterrahmen verbaut sind und für einen stetigen Luftaustausch sorgen. Auch Anti-Schimmel-Farben beugen vor. Allerdings könnt ihr diese nicht überall einsetzen.

Im Schlafzimmer, dem erfahrungsgemäß kühlsten Raum, solltet ihr große Möbel wie Betten und Schränke mit einem Abstand von zehn Zentimetern zur Wand aufstellen.

Heißer Wasserdampf
In Küche und Bad darf die Luftfeuchtigkeit ruhig etwas höher sein als in den restlichen Wohnräumen. © Christin Lola - stock.adobe.com

Fazit: Erfolgreich den Schimmel bekämpfen

Schimmel ist eine ernste Sache. Er gefährdet die Gesundheit und seine Bekämpfung ist ebenfalls mit Risiken verbunden. Und: Selbst das härteste Anti-Schimmel-Mittel hält nicht ewig vor, auch wenn einige Produkte etwas anderes versprechen.

Dauerhaft hilft gegen Schimmel nur eine Sache: Entzieht dem Pilz seine "Lebensgrundlage" – sprich: Feuchtigkeit – und ihr könnt im wahrsten Sinne des Wortes wieder durchatmen. Prüft alle baulichen Risiken, die für vermehrte Wasserbildung sorgen könnten und lüftet regelmäßig und gründlich. Dann sollte euch der Mikroorganismus auch in Ruhe lassen.

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