Kontrolle auf Baumängel
© Marko Priske/ Bauherren-Schutzbund e.V.

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Pfusch am Bau: So vermeidet ihr Baumängel

Eva Dorothée Schmid

Level: Für Alle

Es gibt so gut wie keinen Neubau oder Umbau ohne Baumängel. Und die haben oft Bauschäden zur Folge, die für Bauherren richtig teuer werden können. Wir sagen euch, was die häufigsten Baumängel sind und wie ihr euch gegen Pfusch am Bau schützen könnt.

Ärger mit Bau-Unternehmen oder Bauträgern sind leider nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Die Zahl der Bauschäden steigt, ebenso wie die Bauschadenskosten – das geht aus dem Bauschadensbericht des Bauherren-Schutzbundes (BSB) hervor. Durchschnittlich sind die Bauschadenkosten von 49.000 Euro in 2006/2008 auf aktuell knapp 84.000 Euro gestiegen. Verursacht werden Schäden am Bau häufig durch Baumängel.

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Was ist ein Baumangel?

Von einem Baumangel spricht man, wenn sich Handwerker sich nicht an die Vereinbarungen halten, also ein abweichendes Material verwenden oder wichtige Bauschritte nicht einhalten. Alles, was von den vertraglichen Vereinbarungen abweicht, stellt einen Baumangel dar.

Dabei weist im Schnitt ein Bauvorhaben über den Bauablauf hinweg rund 30 Mängel auf. Ist eine Fassade beispielsweise nicht richtig abgedichtet, dann ist das ein Baumangel. Wenn später deshalb Wasser eindringt und sich Schimmel bildet, dann spricht man von einem Bauschaden.

Im Folgenden sagen euch, welche Baumängel am häufigsten auftreten und geben Ratschläge, wie ihr Baumängel vermeiden könnt.

Entwicklung der Bauschäden seit Eintreten des Baubooms

10 häufige Baumängel: Hier solltet ihr genau hinschauen

Grafik zu Festgestellten Baumängeln nach Bereichen

Der Verband Privater Bauherren (VPB), der Verein zur Qualitäts-Controlle am Bau e.V. (VQC) und der Bauherren-Schutzbund haben häufige Baumängel ermittelt. Besonders mangelbehaftet sind Dächer, Decken, Fußböden und Wände sowie die Haustechnik. Eindringende Feuchtigkeit, die nicht vorschriftsmäßige Ausführung, Maßfehler, Risse und falsche Abdichtung sind die vorherrschenden Schadensbilder. Hier solltet ihr genau hinschauen:

1. Undichter Keller

Ein undichten Keller kann viele Ursachen haben. Von Fehlern in der Planung bis hin zu unsachgemäßen Arbeiten im Außenbereich des Hauses. Oft hat der Bauträger kein Baugrundgutachten vorgesehen. Ohne Baugrundgutachten sind aber die Bodenverhältnisse nicht bekannt. Diese sind aber entscheidend für die Planung und technische Ausführung des Kellers, also dafür, wie der Keller gegen Feuchtigkeit, vielleicht sogar drückendes Grundwasser, geschützt werden muss.

Die heute gebräuchliche kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtung muss direkt aufs Mauerwerk aufgetragen werden. Oft finden Bausachverständige die Perimeterdämmung auf den Steinen und die Beschichtung außen drauf. Das ist technisch verkehrt und muss korrigiert werden. Dadurch sind hohe fünfstellige Beträge für die Sanierung eines undichten Kellers häufig die Folge.

2. Risse im Mauerwerk oder Putz

Risse entstehen meist, wenn unterschiedliche Materialien falsch kombiniert werden. Ungeschulte Arbeitskräfte hinterlassen Fugen mit wenig oder ganz ohne Mörtel oder verwenden auch schon mal Bauschaum statt Mörtel. Die heute üblichen Baustoffe verzeihen keine Fehler bei der Verarbeitung oder Kombination mit anderen Materialien.

Häufig entdecken Gutachter auch Mauern mit zu geringem Überbindemaß. Das heißt: Die Steine in den einzelnen Lagen überlappen nicht ausreichend weit. Damit eine Mauer statisch solide steht, muss aber ein bestimmtes Überbindemaß eingehalten werden, sonst ist die Standfestigkeit der Mauer gefährdet. Die Statik mancher Mauer gefährden auch Installateure, die nach Belieben Mauern schlitzen und Rohre wie Leitungen auch schon mal mit Bauschaum fixieren.

3. Undichte Dampfsperren

Eine Dampfsperre schützt Bauteile, die dahinter liegen, vor Feuchtigkeit in der Luft. Lecks haben folglich enorme Konsequenzen. Sobald nämlich Feuchtigkeit mit der durchströmenden warmen Luft in Bauteile eindringt, kühlt diese Luft ab. Der enthaltene Wasserdampf kondensiert, Schimmel entsteht. Dampfsperren werden oft falsch eingebaut und mit ungeeignetem Klebeband fixiert.

4. Durchfeuchtete Fensterleibungen

Wenn die Anschlüsse zwischen Fenstern und Außenputz nicht ordentlich ausgeführt wurden, kann Feuchtigkeit eindringen.

5. Nicht entlüfteter Spitzboden

Im Spitzboden sammelt sich besonders kurz nach Errichtung des Hauses viel Feuchtigkeit aus darunter liegenden Geschossen an. Wird diese nicht durch eine ausreichende Lüftung beseitigt, führt das unweigerlich zu Tauwasserschäden im Dachboden und dann zu Schimmelbefall.

6. Bodeneinschubtreppe wurde falsch eingebaut

Ist die Bodentreppe falsch eingebaut, gelangt Feuchtigkeit mit der durchströmenden Luft in die Bauteile und beschädigt sie. Folgen sind nicht nur ein verminderter Wärmeschutz, sondern auch Schimmelbefall.

7. Risse im Estrich

Ursache für Risse im Estrich sind vor allem Verarbeitungsfehler, die falsche Materialzusammensetzung oder die Tatsache, dass Dehnungsfugen zu angrenzenden Bauteilen nicht ausreichend dimensioniert oder an der falschen Stelle gesetzt wurden. Das Problem: Liegt der Bodenbelag erst mal, kann man diesen Baumangel nicht mehr ohne Weiteres erkennen.

8. Risse in Holzbauteilen

Risse im Holz schränken die Stabilität eines Bauteils enorm ein. Die Ursache ist häufig der Einbau von Hölzern, die nicht ausreichend lang gelagert wurden und deshalb noch nass oder feucht sind.

9. Entwässerung von Kelleraußentreppen

Wenn das Wasser, das sich an der Kelleraußentreppe ansammelt, nicht kontrolliert abgeführt wird, kommt es zu Feuchtigkeits- oder Frostschäden.

10. Probleme mit der Luftdichtigkeit

Mangelhaft ist an vielen Neubauten auch die Luftdichtigkeit. Das zeigt sich spätestens beim Blower-Door-Test mit Thermografie – sofern diese Untersuchung zum Schluss auch tatsächlich durchgeführt wird. Undichtigkeiten entstehen meistens durch eine Verklebung der Stoßstellen mit ungeeigneten Materialien und den undichten Einbau von Wanddurchführungen.

Unsere Bildergalerie zeigt euch, wie Baumängel aussehen können:

Gründe für Baumängel

Schuld an der aktuellen Situation ist laut Florian Becker, BSB-Geschäftsführer, vor allem die hohe Marktauslastung und der Fachkräftemangel. "Bauen wird durch höhere gesetzliche Anforderungen und komplexere Bauteile immer komplizierter. Dadurch steigt auch die Fehleranfälligkeit bei der Planung und Bauausführung." Darüber hinaus seien die Unternehmen häufig überlastet. Der Termindruck bei der Fertigstellung durch die hohe Auftragslage und fehlendes qualifiziertes Personal setzen ihnen zu.

So könnt ihr euch vor Pfusch am Bau schützen

Der erste wichtige Schritt ist ein genauer Bauplan samt Baubeschreibung. Diese solltet ihr bis ins Detail von einem Bausachverständigen prüfen lassen. Denn wenn ihr das versäumt, können daraus große Mängel am Bau entstehen.

Damit kleine Baufehler nicht folgeschwere Schäden nach sich ziehen, müsst ihr als Bauherren auch während des Baus selbst aktiv werden: "Kurzfristig kann der Verbraucher teuren Bauschäden nur mit einer baubegleitenden Qualitätskontrolle vorbeugen", rät Becker.

Diese baubegleitende Qualitätskontrolle könnt ihr als Laien allerdings kaum selbst leisten. Daher ist es sinnvoll, wenn ihr einen unabhängigen Bausachverständigen damit beauftragt. Unabhängige Experten findet ihr beispielsweise über:

Ganz wichtig ist natürlich auch die Bauabnahme: Sie dient dazu, Baumängel zu dokumentieren.

Was kostet ein Bauherrenberater?

Je nachdem, in welchem Umfang ihr einen Bauberater für die Qualitätskontrolle engagiert, müsst ihr etwa 0,5 bis 2,5 Prozent der Baukosten einkalkulieren, wobei für die reine Bauabnahme rund 500 bis 1.000 Euro fällig werden. Tipp: Klärt das Honorar für den Baugutachter im Vorfeld, damit es später keine negativen Überraschungen gibt.

Wenn ihr euch vom Verband Privater Bauherren helfen lassen wollt, dann müsst ihr dort Mitglied werden. Der Beitrag ist abhängig von der Dauer der Mitgliedschaft. Er liegt zwischen 4 und 15 Euro im Monat. Dazu kommen Honorare und Fahrtkosten, die je nach Region und Berater unterschiedlich sind.

Auch beim Bauherren-Schutzbund ist eine Mitgliedschaft obligatorisch. Hierbei beträgt die Aufnahmegebühr 52 Euro, der Monatsbeitrag 11 Euro. Dazu kommt ein Stundensatz von 105 Euro für die Bauherrenberatung.

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