Fensterfalzlüfter mit Luftstrom
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Modernisieren | Ratgeber

Fensterfalzlüftung: Nachrüstbare Hilfe gegen Schimmel

Jan Krutzsch

Jan Krutzsch

Ihr habt Schimmel in den Ecken? Ihr kommt mit dem Lüften gar nicht hinterher? Dann kann euch vielleicht eine Fensterfalzlüftung helfen. Wir zeigen euch, wie die schnelle und einfache Nachrüstlösung funktioniert, was sie bringt und was sie kostet.

Häuser und Wohnungen werden immer energieffizienter gebaut, beim Sanieren von Altbestand mit modernen Fenstern und Türen wird ebenfalls auf eine möglichst gute Dämmung geachtet. Der Nachteil: Die Gebäudehülle wird immer dichter, es findet kaum oder gar kein Luftaustausch mehr statt. Wenn einfaches Lüften nicht mehr gegen die Feuchtigkeit im Haus oder in der Wohnung hilft und sich vielleicht sogar schon Schimmel in den Ecken und an den Dichtungen bildet, müsst ihr schnell handeln. Lüftungsanlagen helfen, die Feuchtigkeit in den Räumen zu regulieren. Doch was tun, wenn Platz und/oder Geldbeutel den Einbau einer solchen Anlage nicht zulassen? Die Lösung kann eine Fensterfalzlüftung sein. Wir zeigen euch die Vor- und Nachteile der nachrüstbaren Hilfe gegen Schimmel.

Was ist eine Fensterfalzlüftung?

Eine Fensterfalzlüftung ist eine rein mechanische Dauer-Lüftung, die entweder im neuen Fenster bereits eingebaut oder nachträglich an fast allen Fenstern nachgerüstet werden kann. Fensterfalzlüfter lassen sich unauffällig oder sogar völlig unsichtbar in den Fensterrahmen integrieren.

Im Prinzip fungiert der Fensterfalzlüfter wie eine Luftschleuse in der Dichtung des Fensters, die permanent geöffnet bleibt.

Wie funktioniert ein Fensterfalzlüfter?

Die Fensterfalzlüftung arbeitet rein mechanisch und ohne zusätzliche Energieversorgung. Dabei macht sie sich das physikalische Prinzip des Druckausgleichs zu Nutze. Fensterfalzlüfter arbeiten mit dem Winddruckgefälle. Deshalb müssen sowohl Einström- als auch Ausströmöffnungen vorhanden sein und zwischen ihnen tatsächlich Druckdifferenzen bestehen.

Das funktioniert einerseits, wenn ihr Fenster zu unterschiedlichen Gebäudeseiten habt (windzu- und windabgewandt) und die Zimmertüren oder die Fenster selbst mit Überströmöffnungen ausgestattet sind.

Oder ihr installiert in der Küche oder im Bad einen Abluftventilator. Dieser stellt ebenfalls den Luftwechsel zwischen Außen- und Raumluft sicher. Dazu bestimmt der Ventilator dann auch noch die Richtung des Austauschs – von den Wohnräumen hin zu den geruchsintensiveren Räumen. So werden keine unangenehmen Gerüche verteilt.

Durch den Fensterfalzlüfter zwischen Blendrahmen und Öffnungsflügel des Fensters strömt bei vorhandenen Winddruckdifferenzen dann die Luft in den Raum. Wird die Druckdifferenz bei starkem Wind oder Sturm zu groß, reduziert die Regelklappe automatisch und rein mechanisch den Zustrom, sodass im Raum nicht der unangenehme Eindruck von kalter Zugluft entsteht.

Neben der automatischen Regelung gibt es auch Varianten, bei denen man manuell Schieberegler oder Klappen schließen kann.

Detailansicht einer Fensterfalzlüftung
Hier sieht man im Detail am Modell Vento Frame des Hersteller Schüco, wie die Regelklappe funktioniert. Sie schließt bei zu großem Windddruck automatisch. © Schüco

Wann brauche ich eine Fensterfalzlüftung?

Jetzt wird es ein wenig knifflig. Grundsätzlich muss in Deutschland nach der geltenden Wohnungslüftungsnorm DIN 1946-6 ein Lüftungskonzept bereits beim Austausch von mehr als einem Drittel der Fenster sowie auch beim Neubau von Gebäuden erstellt werden.

Die Norm DIN 1946-6 definiert die Höhe dieses Luftvolumenstroms und bezeichnet ihn als Feuchteschutzlüftung. Die Norm schreibt vor, dass die Feuchteschutzlüftung funktionieren muss, unabhängig davon, ob jemand das Fenster öffnet oder nicht. Das bedeutet, dass zur Schimmelvermeidung ein von der Norm angegebener Mindestluftwechsel ohne das Öffnen von Fenstern zu jeder Tages- und Nachtzeit gewährleistet sein muss.

Dieses Lüftungskonzept muss ein Planer oder Fachplaner erstellen. Ist beim Austausch der Fenster kein Planer oder Architekt beteiligt, ist der Fensterbauer in der Hinweispflicht. Denn der Fensterbauer verändert mit seiner Maßnahme die Bauphysik und wird damit zum Planer.

Für das Lüftungskonzept können aufwändigere Anlagen, wie eine zentrale Lüftungsanlage oder eine dezentrale Lüftungsanlage verbaut werden. Oder eben die Fensterfalzlüftung als kleine Lösung.

Was bringt eine Fensterfalzlüftung? Vorteile und Nachteile

Wunder dürft ihr von den kleinen passiven Lüftern nicht erwarten. Wenn ihr also massiv mit feuchten Wänden, großflächigem Schimmel oder ähnlichem zu kämpfen habt, sind die Fensterfalzlüfter überfordert.

Durch die kleine und unauffällige Bauweise im Falz reduziert sich der Frischluft-Volumenstrom. Für die sogenannte Nennlüftung, also den "Normalbetrieb", reichen Fensterfalzlüfter aber nicht aus. Die Nennlüftung gewährleistet die hygienischen Mindestanforderungen und stellt auch bei Abwesenheit den Bautenschutz sicher. Und auch für die Intensivlüftung beim Kochen sind Fensterfalzlüfter nicht geeignet.

Dafür unterstützen sie euch kostenlos und effizient, um die Raumluft kontinuierlich auszutauschen und so das aktive, eigene Lüften übers Fenster zu verringern. Auch das sogenannte Schwitzwasser an den Scheiben kann mit einer Fensterfalzlüftung vermieden oder mindestens stark verringert werden.

Ein weiterer Vorteil der Fensterfalzlüftung ist, dass ihr Räume oder Bereiche, in denen Feuerstätten wie Kamine oder Öfen betrieben werden, damit beständig mit Frischluft versorgen könnt.

Ein Nachteil von Fensterfalzlüftern, die man nicht manuell verschließen kann, ist, dass sich die Wohnräume nicht gegen Gerüche von außen, Pollen und Umgebungslärm abschotten lassen. Deshalb sind solche Fensterfalzlüfter an vielbefahrenen Straßen und für Allergiker keine optimale Lösung. Hier bietet sich dann eher eine Lüftungsanlage an.

Was kostet es, eine Fensterfalzlüftung nachzurüsten?

Fensterfalzlüfter können je nach Fenstermodell bereits ab Werk eingebaut sein oder in den meisten Holz-, Kunststoff- und Aluminiumfenstern nachgerüstet werden.

Das Nachrüsten von Fenstern mit den Lüftern ist eigentlich recht einfach. Ein Teil der oberen Fensterfalzdichtung wird dafür entfernt. An dieser Stelle montiert man den Falzlüfter mit seiner mechanischen Regelklappe. Einfache Lüfter, wie der REGEL-air® K - Fensterfalz-Lüfter FFL Typ Nr. 29* (Anzeige) kosten das Paar etwa 15 bis 20 Euro.

Modelle für spezielle Fenstertypen oder für bestimmte Hersteller können allerdings auch mehr kosten. Am Besten informiert ihr euch dazu auf den Seiten eures Fensterherstellers oder fragt einen Fensterbauer.

Wir raten euch sowieso, einen Profi zu fragen. Denn beim Einbau ist die richtige Anordnung der Fensterfalzlüfter, der Überströmöffnungen und sonstiger Lüftungsanlagen wie Abluftventilatoren zu beachten, damit der Druckausgleich funktioniert. Deshalb bietet sich der Einbau durch einen Fensterbauer an. Aber auch hier halten sich die Kosten durch die einfache Montage in Grenzen.

Fenster mit bereits integrierter Fensterfalzlüftung kosten bei Neubau nur wenig mehr als Modelle ohne. Hier kann euch dann der Architekt oder Fensterbauer am besten beraten, ob die Fensterfalzlüftung ins Gesamtkonzept passt oder nicht.

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