Pollenschutzgitter oder Insektenschutzgitter am Fenster
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Wohnen | Ratgeber

Pollenschutzgitter fürs Fenster: Was bringen sie wirklich?

Antonia Eigel

Viele Hersteller von Pollenschutzgittern fürs Fenster versprechen, das damit Pollen bis zu 99 Prozent aus der Wohnung aussperren können. Doch stimmt das? Wir zeigen euch, worauf ihr beim Kauf achten solltet.

Schenkt man Hersteller-Informationen von Pollenschutzgittern fürs Fenster Glauben, so scheinen für Allergiker schlagartig alle Probleme gelöst. Nicht selten liest man dort, dass Pollenschutzgitter bis zu 99 Prozent aller herumfliegenden Gräser und Birkenpollen aus der Wohnung fernhalten können und sie besonders gut bei feinen Brennnessel- und Ambrosiapollen wirken. Doch ist da wirklich etwas dran?

Wir nennen euch Vorteile und Nachteile von Pollenschutzgittern und gehen auf wichtige Kaufkriterien ein. Dazu nennen wir euch zwei Alternativen und erklären die Bedeutung des ESCARF-Siegels, das euch bei der Auswahl helfen kann.

Vorteile von Pollenschutzgittern

Pollenschutzgitter sind für Allergiker eine günstige Methode, um Pollen effektiv aus der Wohnung auszusperren. Viele Gründe sprechen für den Einsatz während der Pollenflugsaison:

  • Pollenschutzgitter sind vergleichsweise günstig in der Anschaffung.
  • Die meisten Materialien lassen sich individuell auf das Maß des Fensters kürzen.
  • Die Montage ist sehr einfach: Mit Klebe-, Magnetstreifen oder Klemmhaken ist kein Bohren notwendig.
  • Lüften ist auch trotz Pollenschutz vor dem Fenster möglich.
  • Es hält nicht nur Pollen fern, es ist gleichzeitig auch Fliegengitter, Insektenschutz und kann Rußpartikel aussperren.
  • Das Netz kann auch als Sonnenschutz dienen.
  • Pollenschutzgitter lassen sich einfach reinigen.

Nachteile von Pollenschutzgittern

Klingt erst einmal überzeugend, doch die Netzte im Fensterrahmen bringen auch einige Nachteile mit sich, die wir euch nicht vorenthalten möchten:

  • Pollenschutzgitter sind nicht mobil nutzbar.
  • Je nach Material ist die Durchsicht eingeschränkt.
  • Angeklebte Pollenschutzgitter können sich bei Wind leichter ablösen.
  • Es gibt große Qualitätsunterschiede bei der Abscheideleistung. Die Abscheideleistung gibt an, wieviel Pollen effektiv draußen blieben. Die Qualität ist nicht immer auf den ersten Blick sichtbar.
  • Ein Pollenschutzgitter alleine reicht oft nicht aus, vor allem dann nicht, wenn die Qualität minderwertig ist.
Fliegende Pollen
Pollenschutzgitter können Allergikern helfen. Ihr solltet sie aber noch vor dem Beginn der Pollenflugsaison anbringen. © Getty Images/iStockphoto

Worauf ihr beim Kauf eines Pollenschutzgitters achten könnt

Die Auswahl an Pollenschutzgittern ist groß, das richtige zu kaufen ist dabei gar nicht mal so einfach, denn die Qualität ist oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Worauf ihr beim Kauf achten könnt, haben wir einmal für euch zusammengefasst:

Ist das Pollenschutzgitter waschbar?

Viele Pollenschutzgitter können einfach gereinigt werden, indem ihr sie mit einem feuchten Tuch abwischt oder mit einem Staubsauger leicht absaugt. Einige können sogar vollständig gewaschen werden. Beachtet deshalb immer auch die Herstellerangaben.

Wie wird das Pollenschutzgitter befestigt?

Bevor ihr ein Pollenschutzgitter auswählt, prüft, wie ihr es an eurem Fenster befestigen könnt. Im Handel findet ihr einfache Pollenschutzgitter oder -vliese zum Kleben, mit Klett- oder Magnetband. Es gibt aber auch stabilere Modelle mit Rahmen, für die ihr Löcher in Wand oder Fensterrahmen bohren müsst. Hier ist eine Rücksprache mit dem Vermieter notwendig. Alternativ könnt ihr auch Fliegenschutzgitter mit Spann- oder Klemmrahmen wählen, die in den Fensterrrahmen eingespannt werden.

Kleiner Tipp: Die Montage sollte immer vor der Pollenflugsaison erfolgen. Sind die ersten Pollen erst einmal in der Wohnung, wird kein ausreichender Schutz mehr geboten.

Wie lichtdurchlässig ist das Pollenschutzgitter?

Pollenschutzgitter waren lange Zeit sehr unbeliebt, nicht nur, weil sie nicht schön aussahen. Das engmaschige Gewebe ließ deutlich weniger Licht ins Zimmer, auch die Luftdurchlässigkeit war vermindert. Die Materialien haben sich jedoch weiterentwickelt. Nylon oder hochfeiner Edelstahl können bis zu 300 Mal mehr Luft durchlassen. Innovative Webstrukturen mit weniger Querfäden sorgen für mehr Licht im Innenraum.

Folgende Gewebearten bieten außerdem einen besonders hohen Lichtdurchlass:

  • Transparenzgewebe (sehr hoch)
  • Polyestergewebe (gut)
  • Fiberglasgewebe (gut)

Pollenschutzgewebe oder -vliese bestehen aus einem sehr engmaschigen Gewebe und sind somit weniger durchsichtig. Auch Sonnenschutzgewebe sind wenig licht- und luftdurchlässig.

Marktführer in Sachen Pollenschutz sind Polltec von Neher oder das Protect Pollenschutzgitter von Tesa. Letzteres besteht aus einer speziell entwickelten Textilstruktur, die für eine hohe Lichtdurchlässigkeit sorgt und gleichzeitig vor Pollen schützt.

Reicht ein Pollenschutzgitter aus?

Empfohlen wird die Montage am Schlafzimmerfenster, da Pollenallergiker häufig in der Nacht mit Symptomen und einem unruhigen Schlaf zu kämpfen haben. Wir empfehlen euch jedoch, zusätzlich an mindestens einem weiteren Fenster den Pollenschutz anzubringen, damit Querlüften möglich ist.

Alternativen zum Pollenschutzgitter

Wer sich mit einem Pollenschutzgitter nicht die Sicht nach draußen versperren möchte, kann in der Pollenflugsaison auch auf Alternativen zurückgreifen. Mit speziellen Luftreinigern können nachweislich bis zu 95 Prozent aller Pollen in der Raumluft beseitigt werden. Das hat kürzlich ein Test von Stiftung Warentest (Inhalt hinter einer Paywall) ergeben.

Welche fünf Geräte am besten abgeschnitten haben, könnt ihr in unserem Artikel Luftreiniger für Allergiker: Sagt Staub und Pollen den Kampf an nachlesen. Ein gutes Modell ist jedoch nicht ganz billig: Zwischen 249 und 500 Euro kosten die getesteten Modelle. Zusätzlich müsst ihr mit versteckten Kosten bei Ersatzfiltern rechnen.

Schwere Allergiker und Asthmatiker sollten dazu auf eine Kombination von Luftreiniger und Pollenschutzgitter setzen, um eine dauerhafte Linderung der Symptome zu erreichen. Das verkürzt auch die Betriebszeit des Luftreinigers und der Filteraustausch kann herausgezögert werden. Das spart Strom und Zusatzkosten.

Eine weitere Alternative zu Pollenschutzgittern bieten eingebaute Lüftungsanalgen. Dank der kontrollierten Lüftung gelangen deutlich weniger Staub und Pollen in die Wohnräume. Aber auch hier müsst ihr etwas tiefer in die Tasche greifen.

Das ESCARF-Siegel bei Pollenschutzgittern

Im Baumarkt oder Discounter erhaltet ihr bereits für ein paar Euro Pollenschutzgitter. Diese besitzen jedoch oft sehr große Maschen und wirken deshalb weniger zuverlässig. Wer gute Qualität möchte, sollte deshalb unbedingt auf das ESCARF-Siegel achten.

Hinter ESCARF versteckt sich das European Centre for Allergy Research Foundation, die allergikerfreundliche Produkte und Dienstleistungen testet und zertifiziert. Ein unabhängiger Beirat aus 15 international führenden Wissenschaftlern und Technikern hat Kriterien entwickelt, nach denen Produkte bewertet werden können.

Findet ihr das ESCARF-Siegel auf der Verpackung eines Pollenschutzgitter, erfüllt es folgende Kriterien:

Rückhaltevermögen

Beim Rückhaltevermögen spricht man auch von der Abscheideleistung, also wie viel Prozent der Pollen aus dem Wohnraum ausgesperrt werden können. So hoch ist die bei ESCARF-Pollenschutzgittern die Abscheideleistung ...

  • gegen Birkenpollen: über 80 Prozent bei einfacher, über 65 Prozent bei doppelter Luftgeschwindigkeit.
  • bei Graspollen: über 80 Prozent bei einfacher, über 65 Prozent bei doppelter Luftgeschwindigkeit.
  • gegen Ambrosiapollen: über 70 Prozent bei einfacher, über 55 Prozent bei doppelter Luftgeschwindigkeit.

Wichtig sind auch die Hinweise auf der Verpackung von Pollenschutzgittern mit ESCARF-Siegel:

  • "Pollenschutzgitter sind Teil der sekundären Prävention und ersetzen nicht die medizinische Behandlung.“
  • „ECARF-zertifizierte Pollenschutzgitter hindern Pollen am Eindringen in die Wohnräume und reduzieren so die allergischen Symptome. Sie garantieren jedoch keinen vollständigen Schutz gegen Pollen.“

Weitere Informationen zum Testverfahren von Pollenschutzgittern findet ihr unter: Kriterien für allergikerfreundliche Pollenschutzgitter

ESCARF Siegel
Das ECARF-Siegel zeichnet Produkte und Dienstleistungen aus, die Menschen mit Allergien ein gutes Stück Lebensfreude zurückgeben. © ESCARF

Fazit: Was bringen Pollenschutzgitter für Allergiker?

Pollenschutzgitter können einen Großteil der Pollen aus dem Wohnraum aussperren und somit allergische Symptome reduzieren. Dennoch sollten sie nie alleine, sondern nur als zusätzliche Maßnahme im Kampf gegen Pollen eingesetzt werden. Selbst die besten Pollenschutzgitter können niemals einen hunderprozentigen Schutz bieten.

Ein qualitativ hochwertiges Pollenschutzgitter erkennt ihr dazu am ESCARF-Siegel, beim Kauf also immer auf das Symbol achten.

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