Farbe gegen Schimmel
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Wohnen | Ratgeber

Farbe gegen Schimmel: Wie gut wirkt Silikatfarbe?

Eva Dorothée Schmid

Level: Für Einsteiger

Mit der richtigen Wandfarbe könnt ihr Schimmelbildung vorbeugen. Wir erklären, wie Mineralfarben gegen Schimmel wirken und warum sich insbesondere Silikatfarbe zur Schimmelprävention eignet.

Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit ist die häufigste Ursache für Schimmelbildung in der Wohnung. Die Raumluft kann nur begrenzt Feuchtigkeit aufnehmen. In der Folge kondensiert Wasserdampf an den kühlen Wänden und das daraus entstehende Wasser setzt sich dort ab. Vor allem mehrfach gestrichene Wandflächen oder Raufasertapeten lassen so gut wie keine Feuchtigkeit durch. Die Wand wird feucht – und bietet Schimmelpilzen den idealen Nährboden.

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Tapeten oder Dispersionsfarben liefern den Schimmelpilzen zusätzlich Nährstoffe, da sie organische Bestandteile beinhalten. Gipsuntergründe, die leicht sauer sind, sorgen für das ideale Milieu, in dem sich Schimmel wohl fühlt.

Wenn die Wände bei hoher Luftfeuchtigkeit die Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen können und später, wenn die Luftfeuchtigkeit geringer geworden ist, wieder an die Raumluft abgeben, dann ist das gut für das Raumklima. Außerdem kann Schimmel dann nicht so leicht entstehen. Und hier kommen Mineralfarben ins Spiel. Damit sind Farben gemeint, deren Bindemittel anorganisch beziehungsweise mineralisch ist. Zu den Mineralfarben zählen Silikatfarbe und Kalkfarbe.

So wirken Mineralfarben gegen Schimmel

Mineralfarben haben zwei Vorteile, die sie schimmelhemmend machen:

  • Sie sind basisch: Da Schimmelpilze aber saure Milieus mögen und basische Milieus für alle Schimmelpilzarten tödlich sind, wachsen sie auf Mineralfarben nicht.
  • Sie sind diffusionsoffen: Das heißt, sie können Feuchtigkeit aufnehmen und auch wieder abgeben. Auf diese Weise bildet sich kein Kondenswasser auf der Wand.

Diese Eigenschaften haben allerdings nur reine Mineralfarben. Es gibt auch Dispersions-Silikatfarben oder Kalkfarben mit Leinöl- oder Kaseinanteil. Diese kompensieren manch einen Nachteil von Mineralfarben, aber diese Produkte sind etwas weniger diffusionsoffen und bietet Schimmel gegebenenfalls doch Nahrung. Sie haben aber in der Regel bessere schimmelhemmende Eigenschaften als herkömmliche Dispersionsfarben.

Im technischen Merkblatt der jeweiligen Farbe solltet ihr darauf achten, wie hoch der pH-Wert der Farbe ist. Je höher, desto besser. Er sollte am besten über 11 liegen.
Außerdem solltet ihr prüfen, wie diffusionsoffen die Farbe ist. Dafür solltet ihr auf den Sd-Wert schauen. Je niedriger, desto besser. Er sollte auf jeden Fall kleiner als 0,14 m sein.

Schimmel an der Wand eines Wohnzimmers
Mineralfarben regulieren die Luftfeuchtigkeit und verhindern so, dass Wände feucht werden und sich dann Schimmel bildet. © Getty Images/iStockphoto

Silikatfarbe oder Kalkfarbe: Was ist besser gegen Schimmel?

Dass Kalkanstriche durch ihre Alkalität die Wände vor Schimmelbefall schützen, wuss­ten schon unsere Vorfahren, die ihre Wände früher regelmäßig gekalkt haben. Allerdings wirkt dieser Schutz nur vergleichsweise kurz. Das liegt daran, dass durch Karbonisierung der pH-Wert in Anstrichen mit klassischen Kalkfarben relativ schnell sinkt.

Anders ist das bei Silikatfarben. Bei ihnen bleibt die Alkalität dauerhaft bestehen – das hat auch eine Langzeitstudie des Mykon-Instituts der Universität Innsbruck ergeben.

Was sind Silikatfarben?

Silikatfarben, auch Wasserglasfarben oder Keimfarben (nach dem Erfinder Adolf Wilhelm Keim) genannt, enthalten als Bindemittel Wasserglas (Kaliumsilikat). Dieses geht mit den Kalk- und Zementbestandteilen des Putzes eine feste chemische Verbindung ein, es verkieselt.

Das bedeutet, dass Innen-Silikatfarben ihre Pufferfunktion nur dann erfüllen können, wenn sie auf mineralischen Untergründen aufgebracht werden. Der Untergrund darf nicht wasserlöslich sein. Gips ist beispielsweise ein wasserlösliches Material, welches keine Verbindung mit einer Silikatfarbe eingehen kann. Ihr könnt also nicht einfach eine Raufasertapete mit Silikatfarben streichen.

Laut dem ökologischen Baustoffinformationssystem der Bundesregierung eignet sich die Silikatfarbe deshalb nur für folgende Untergründe:

  • Putz (innen und außen),
  • Beton (innen, außen nur bedingt),
  • Faserzement (innen, außen nur bedingt)

Da Silikatfarbe in ihrer naturreinen Form frei von Konservierungsstoffen, Lösungsmitteln und Weichmachern ist, ist sie ökologisch unbedenklich. Außerdem ist sie die ideale Wandfarbe für Allergiker.

Silikatfarben lassen sich immer wieder mit Silikatfarben überstreichen.

Drei Arten von Silikatfarben

Heute unterscheidet man drei Arten von Silikatfarben:

  1. Die reine Silikatfarbe besteht aus zwei Komponenten: einem trockenen oder in Wasser angeteigten Farbpulver und dem flüssigen Bindemittel Wasserglas. Diese werden vor der Verarbeitung vermischt.
  2. Einkomponentige Silikatfarbe, auch Dispersions-Silikatfarbe: Sie enthält bis zu fünf Prozent organische Zusätze und wird wie Dispersionsfarbe anwendungsfertig flüssig im Eimer angeboten.
  3. Seit 2002 gibt es auch die sogenannte Sol-Silikatfarbe. Sie enthält als Bindemittel eine Kombination aus Kieselsol und Wasserglas. Der organische Anteil ist ebenfalls auf fünf Prozent beschränkt. Sol-Silikatfarbe könnt ihr auch auf nichtmineralischen Putzen verwenden.

Nachteile von Silikatfarben

Silikatfarben haben also eine ganze Reihe an Vorteilen und wirken schimmelhemmend. Allerdings haben sie auch einige Nachteile:

  • Silikatfarbe ist recht teuer.
  • Ihr bekommt sie nur im Fachhandel, nicht im Baumarkt.
  • Die Farbe ist im feuchten Zustand alkalisch und darf deshalb nur mit Haut- und Augenschutz verarbeitet werden.
  • Sie ätzt auf Glas- und Keramikoberflächen, deshalb müssen diese vor dem Streichen gut abgedeckt werden.
  • Mit Wasser ist Silikatfarbe nur eingeschränkt verdünnbar.
  • Sie verträgt sich nicht mit Tiefengrund.
  • Die Farbwahl ist eingeschränkt, es sind eher Pastelltöne möglich als kräftige Farben.

Alternative Farben zur Schimmelprävention

Auch einige handelsübliche Dispersionsfarben werben damit, Schimmel effektiv bekämpfen zu können. Die meisten enthalten dabei Biozide. Das sind Wirkstoffe, die schädliche Organismen wie Pilze zerstören sollen, die aber häufig nicht nur für Schimmel verheerend sein können, sondern auch problematisch für Menschen und für die Umwelt sind. Bei Ökotest haben die meisten dieser Farben mit "ungenügend" abgeschnitten.

Wegen des flüchtigen Charakters vieler biozider Wirkstoffe bezweifeln Experten zudem, ob eine entsprechend ausgerüstete Farbe überhaupt langfristig wirken kann. "Wo dauerhaft feuchte oder kühle Bedingungen vorliegen, halte ich Schimmelwachstum mit der Zeit immer für möglich", sagt der Baubiologe Manfred Mierau.

Grenzen von Farben gegen Schimmel

Solange ihr die Auslöser des Schimmels nicht behoben habt, wird auch die beste Antischimmelfarbe nicht viel ändern können. Es geht also im ersten Schritt darum, den Grund zu finden und das Problem zu beheben. Mineralfarben können zwar die Feuchtigkeit aus der Raumluft regulieren, nicht aber Wände, die zum Beispiel aufgrund von Bauschäden nass sind, trocken legen.

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