Mit Kalkfarbe gestrichenes Wohnzimmer
© AURO/Christian Bierwagen

Modernisieren | Pro/Contra-Liste

Kalkfarbe: Vorteile und Nachteile der ökologischen Wandfarbe

Sandra Hermes

Level: Für Einsteiger

Kalkfarbe hat eine lange Tradition und erfreut sich wieder zunehmender Beliebtheit. Wer ein gesundes Raumklima schaffen will und natürliche Farbtöne mag, der sollte sich näher mit dieser Naturfarbe beschäftigen. Wir zeigen euch die Vorteile und Nachteile.

Vor der Erfindung der Kunstharz-Dispersionsfarbe war Kalkfarbe die gebräuchlichste Wandfarbe. Heute begeistert die ökologische Farbe vor allem Bauherren, die ein natürliches und gesundes Raumklima schaffen wollen und sich eher für natürliche Farbtöne entscheiden. Neben vielen Vorteilen hat die historische Farbsorte aber auch einige Nachteile. Wir haben die Pros und Contras für euch zusammengestellt.

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Was ist Kalkfarbe?

Kalkfarbe besteht traditionell aus gelöschtem Kalk (auch Sumpfkalk) und Wasser. Die Naturfarbe hat eine lange Tradition. Schon lange vor der Erfindung der Dispersionsfarbe haben Menschen ihre Häuser mit Kalk geweißelt und sie so vor Wind und Wetter geschützt. Jetzt feiert der historische Anstrich seit einigen Jahren ein Comeback. Der Grund: Kalkfarbe ist hoch diffusionsoffen und hat in Innenräumen eine feuchtigkeitsregulierende Wirkung. Da sie außerdem einen hohen ph-Wert hat, wirkt sie keimtötend und ist gut für Räume geeignet, deren Wände zu Schimmelbildung neigen.

Auch die Anwendung ist einfacher geworden. Statt selbst zu mischen, könnt ihr Kalkfarben heute in einer breiten Farbpalette gebrauchsfertig kaufen. Diese enthalten häufig zusätzliche Bindemittel und mineralische Pigmente. Dadurch steigt die ansonsten eher geringe Deckkraft und Abriebbeständigkeit von Kalkfarben. In Kalkkaseinfarbe ist zum Beispiel Öl oder Quark enthalten. Wenn ihr ein Fertigprodukt kauft, achtet unbedingt auf die Inhaltstoffe. Auch von ihnen hängt ab, wie die Farbe aufgetragen wird und auf welchen Untergründen ihr sie verwenden könnt.

Welche Vorteile hat Kalkfarbe?

Die Naturfarbe mit langer Tradition hat folgende Vorteile:

Leicht zu überstreichen

Eine bereits getünchte Wand kann beliebig häufig mit Kalkfarbe überstrichen werden. Auch wenn eine Kalkkaseinfarbe verwendet wurde. Die Deckkraft erhöht sich mit jedem Anstrich, sodass beim Überstreichen schon ein oder zwei Arbeitsgänge reichen.

Natürliche Optik

Fans von Naturfarben entscheiden sich gerade aufgrund der besonderen Optik für Kalkfarben. Sie wissen, dass sich ein mit Kalk gestrichenes Haus bei nassem Wetter ein wenig dunkler färbt und die Farbe etwas transparent erscheint. Trocknet der Außenanstrich ab, erstrahlt er wieder in hellem Weiß. Mit Kalkfarben gestrichene Wände erscheinen oft ungleichmäßig, streifig oder wolkig. Und genau das macht ihren Charme aus. Kalk hat sowohl innen als auch außen eine ganz andere Wirkung als Dispersionsfarben. Ob euch der naturnahe Touch gefällt, ist reine Geschmackssache.

Wenn ihr Pinsel oder Bürste vor dem Eintunken in die Farbe noch in Wasser taucht, verdünnt sich die Farbe noch stärker und die Optik wirkt verwaschener. Diese Technik nennt sich "Al Fresco". Wenn ihr Ansätze bewusst vermeiden wollt, empfiehlt Nadine Schrader vom Naturfarbenhersteller Auro "nass in nass zu arbeiten. Dabei streicht man immer ein Stück in die bereits gestrichene noch feuchte Fläche hinein."

Wachsende Auswahl an natürlichen Farbtönen

Weiß ist bei Kalkfarben der traditionelle Farbton. Andere Farbtöne sind durch den Zusatz von Pigmenten möglich. Die Farbpalette ist aber eher überschaubar. Sehr kräftige Farbtöne lassen sich nicht mischen. Achtet darauf, dass die Pigmente für Kalkfarben geeignet sind. Mit Abtönfarben aus dem Baumarkt lassen sich Kalkfarben nicht einfärben.

Am schnellsten geht es, wenn ihr gebrauchsfertige Kalkfarben kauft. Angereichert mit mineralischen Pigmenten und Bindemitteln, haben diese Fertigprodukte auch eine höhere Deckkraft.

Bunte Kalkfarben
Klassischerweise ist Kalkfarbe weiß - es gibt aber inzwischen eine Reihe anderer möglicher Farbtöne. © AURO

Umweltfreundlich und gesund

Kalkfarbe besteht aus gelöschtem Kalk und natürlichen Pigmenten. Damit ist die Farbe – wie auch andere Naturfarben – ökologisch und nachhaltig. Alle Komponenten sind biologisch abbaubar. Kalkfarbe ist außerdem atmungsaktiv, schimmel- und bakterienresistent. Daher eignet sie sich besonders für Bad, Küche und alle Wände, die zu Schimmelbildungen neigen. Kalkfarbe sorgt für ein gesundes Wohnklima.

Gut für Allergiker: Konservierungsstoffe sind aufgrund der keimtötenden Wirkung nicht notwendig.

Welche Nachteile hat Kalkfarbe?

Dass Kalkfarbe bis vor einiger Zeit fast in Vergessenheit geraten ist, hat seine Gründe. Das sind die Nachteile von Kalkfarbe:

Viele Farbschichten notwendig

Um eine relativ gleichmäßige Fläche zu erhalten, wird Kalkfarbe traditionell stark verdünnt und in mehreren Aufträgen verarbeitet. Häufig sind vier bis fünf Farbschichten notwendig. Erst dann sind Deckung und Haltbarkeit zufriedenstellend. Für ein einzelnes Zimmer ist das vielleicht noch zu schaffen. Wollt ihr aber euer ganzes Haus von außen weißeln, könnt ihr ein paar Wochen Urlaub einplanen oder besser einen Fachmann beauftragen. Denn jede Schicht muss zunächst abtrocknen. Nur so bindet die Farbe vollständig ab und ihr könnt beurteilen, wie hoch die Deckkraft nach jeder neuen Schicht ist. Ist der Untergrund stark saugend, hilft eine Grundierung.

Übrigens: Kalkfarbe wird mit einer Deckenbürste (Kalkbürste) aufgetragen. Für eine Farbrolle ist die Farbe zu flüssig.

Maler trägt Kalkfarbe mit einer Bürste auf
Für eine Farbrolle ist Kalkfarbe zu flüssig. Deshalb wird sie mit einer Kalkbürste aufgetragen.

Temperaturanfälligkeit

Kalk darf bei Außenanstrichen nicht bei direkter Sonneneinstrahlung aufgetragen werden. Er trocknet dann zu schnell und hat nicht genug Zeit, vollständig abzubinden. Auch zu niedrige Temperaturen sind in der Abbindezeit ungünstig. Kein Wunder, dass die Kalkfarbe – trotz vieler Vorteile – fast vollständig aus dem gewerblichen Bauwesen verschwunden waren. Erst seit einigen Jahre ist der uralte Anstrich bei umweltbewussten Bauherren wieder in Mode. Die Zahl der Anbieter von Kalkfarben wird immer größer.

Kalkanstriche halten schlecht auf anderen Farbschichten

Kalk mit einer neuen Schicht Kalkfarbe zu überstreichen ist kein Problem. Anders sieht es bei Wänden aus, die mit Öl-, Kunst- oder Naturharzfarben gestrichen wurden oder tapeziert sind. Der Kalk löst die alte Farbschicht an, der Untergrund ist nicht tragfähig. Die Folge: Die Kalkfarbe blättert ab. Ist sie dennoch eure Wahl, müsst ihr den Untergrund entsprechend vorbereiten.

Umgekehrt gilt dasselbe. Wollt ihr eine gekalkte Wand mit Dispersionsfarbe überstreichen, muss die alte Farbe vollständig entfernt werden (Hochdruckreiniger). Anschließend bereitet ihr die Wand mit Tiefengrund vor.

Mineralische Untergründe eignen sich für einen Anstrich mit Kalkfarben am besten. "Die Farbe ist ja auch mineralisch", erklärt Nadine Schrader, Farbexpertin beim Naturfarbenhersteller Auro. Man arbeite also "im System2". Ideal seien Untergründe wie Putze, Beton, Kalksandstein.

Stockflecken und Ausblühungen

Kalkfarben und Kalkputze sind sehr empfindlich gegenüber Verfärbungen. Der Kontakt zu Eisen führt zu Stockflecken. Auf gipshaltigen Untergründen kommt es zu Ausblühungen oder Schwefelfraß (aus Kalk wird Gips), besonders in Bodennähe und bei hoher Luftfeuchtigkeit.

Geringe Abriebfestigkeit

Streicht man mit der Hand über eine gekalkte Wand, bleibt oft ein dünne Puderschicht auf der Haut. Anders als Dispersionsfarben haben Kalkfarben keine perfekte Abriebfestigkeit. Ihr müsst euch also vorher fragen, wie wichtig euch dieser Punkt ist. Werdet ihr die geweißelten Wände ohnehin nie oder selten berühren, muss das kein großer Nachteil sein. Lehnt ihr euch im Stehen oder Sitzen an bestimmten Stellen auch mal gegen eine Wand, ist Kalk dort vielleicht keine gute Idee.

Hochwertige Sumpfkalkfarben haben eine bessere Abriebfähigkeit. Lasst euch im Baustoffhandel also unbedingt beraten.

Schutzausrüstung notwendig

Kalkfarbe hat einen sehr hohen ph-Wert. Was gut gegen Schimmel ist, kann aber eure Haut und eure Augen schädigen. Nadine Schrader empfiehlt, beim Streichen von alkalischen Farben eine Schutzbrille zu tragen. "Und für sensible Hände auch Schutzhandschuhe."

Kosten

Wenn ihr eure Kalkfarbe selbst anführt, sind die Kosten überschaubar. Teurer sind gebrauchsfertige Farben, die bereits mit Bindemitteln und Pigmenten angereichert sind. Je nach Hersteller können die Farben richtig kostspielig werden. Die Spanne reicht von 2 Euro bis zu 50 Euro pro Liter. Wie teuer der Anstrich dann letztlich ist, hängt auch von der Technik und der gewünschten Deckung ab.

Für welche Räume eignet sich Kalkfarbe?

Kalkfarben eigen sich für das ganze Haus. Sowohl innen als auch für den Außenanstrich. Sie sind besonders für Räume geeignet, in denen Feuchtigkeit entsteht, so Nadine Schrader von Auro. Werden die Wände in Bad, Küche oder außen einmal feucht, kann sich der Farbton verändern oder die Stellen erscheinen leicht transparent. Das ist typisch für eine Kalkfarbe. Ist die Wand wieder getrocknet, kehrt der ursprüngliche Farbton zurück.

Fazit zu Kalkfarbe

Kalkfarben wirken feuchtigkeitsregulierend und antibakteriell. Sie eignen sich für alle Räume und als natürlicher Fassadenanstrich. Gebrauchsfertige Mischungen machen es auch dem Heimwerker leicht, es einmal mit einer Naturfarbe zu versuchen. Leider verträgt sich Kalkfarbe nicht mit Farben, die Lösungsmittel enthalten. Muss zunächst ein alter Anstrich entfernt werden, wird das Ganze sehr zeitaufwändig.

Um die unebene, natürliche Optik einer Kalkfarbe richtig einschätzen zu können, solltet ihr euch Beispiele in natura ansehen. Einige Anbieter verschicken auch Original-Farbkarten oder Mustergebinde.

Ihr seid noch nicht überzeugt von Kalkfarbe, wollt aber eine Naturfarbe haben? Dann schaut euch die Alternativen zu Kalkfarbe genauer an: Hier lest ihr alles über Silikatfarbe, in diesem Artikel geht es um Lehmfarben.

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