Mit brauner Kalkfarbe gestrichene Wand
© AURO/Christian Bierwagen

Modernisieren | Pro/Contra-Liste

Naturfarbe: Vorteile und Nachteile von ökologischen Wandfarben

Sandra Hermes

Level: Für Alle

Naturfarben sind ein weites Feld. Es reicht von Dispersionsfarben auf Naturharzbasis über Lehmfarben bis zur guten alten Kalkfarbe. Aber was haben sie gemeinsam und wo liegen die Vorteile und Nachteile für Wohnklima, Anwendung und Umwelt? Wir haben das für euch zusammengefasst.

Naturfarbe (auch ökologische Farbe oder Bio-Farbe), ist der Oberbegriff für alle Anstrichmittel, die aus natürlichen Rohstoffen bestehen. Diese sind pflanzlichen oder mineralischen Ursprungs. Dabei verzichten Hersteller von Naturfarben vor allem auf chemische Lösungsmittel, die das Raumklima stark belasten können.

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Zu den natürlichen Wandfarben gehören Dispersionsfarben auf Naturharzbasis, Lehmfarben, Kalkfarben, Leimfarben, Silikatfarben und Kaseinfarben.

Übrigens: Es gibt auch Naturlacke und -öle. In diesem Artikel konzentrieren wir uns aber auf die klassische Wandfarbe.

Naturfarben im Überblick

  • Naturfarbe
  • Inhaltsstoffe
  • Merkmale
  • Naturharz-Dispersionsfarbe
  • Leinöl oder Rizinusöl, Wasser, Borsalze und pflanzliche Öle (z.B. Bergamottöl), weiße Pigmente, Kreide, Titandioxid, der Füllstoff Talkum und Zellulose
  • Vielseitig einsetzbar, für alle Untergründe geeignet, leicht zu verarbeiten, in der Regel lösungsmittelfrei, wisch- und waschfest, wasserverdünnbar, in vielen Farbnuancen erhältlich
  • Lehmfarbe
  • Tonmehle, natürliche Zellulose, Stärke oder pflanzliches Eiweiß, mineralische Pigmente und Füllstoffe (feiner Sand, Marmorgranulat oder Kreide)
  • In Verbindung mit einem geeigneten Untergrund diffusionsoffen und feuchtigkeitsregulierend, absorbiert Gerüche und Schadstoffe, in vielen Farbtönen erhältlich, leicht zu verarbeiten
  • Kalkfarbe
  • gelöschter Kalk (auch Sumpfkalk), Wasser, Bindemittel, mineralische Pigmente
  • Diffusionsoffen, feuchtigkeitsregulierend, wirkt natürlich desinfizierend, mehrere Anstriche notwendig, kann ältere Anstriche anlösen, natürliche Optik
  • Leimfarbe
  • Leim (aus Knochen oder Leder), Kreide, Wasser, natürliche Pigmente und Füllstoffe
  • In der Denkmalpflege verbreitet, auch für Wohnräume geeignet, dampfdiffusionsfähig, gut deckend, als Untergründe eignen sich alle Innenputze, Raufasertapeten und festsitzende Altanstriche, andere Farben haften nicht auf Leimfarbe, alte Leimfarbenanstriche müssen entfernt werden (erheblicher Mehraufwand bei späterer Renovierung), nicht für Feuchträume geeignet (Bindemittel nicht wasserfest)
  • Silikatfarbe
  • Wasserglas (mineralisches Bindemittel), natürliche Pigmente und Füllstoffe Sogenannte Silikatdispersionfarben enthalten künstliche Zusatzstoffe und sind keine reinen Naturfarben
  • Eignet sich für Feuchträume und Außenwände, oft im Denkmalschutz eingesetzt, braucht mineralischen Untergrund, ist wasserfest, aber diffusionsoffen, durch Verkieselung geht die Farbe eine natürliche und sehr beständige Verbindung mit dem Untergrund ein, edelmatte Optik, natürliche Alkalität wirkt algen- und schimmelhemmend, alte Anstriche mit Kunststoff- und Ölanteilen müssen entfernt werden, Schutzkleidung erforderlich, selbst angesetzte Farbe hält nur 1 bis 2 Tage
  • Kaseinfarbe
  • Käseleim (Bindemittel), Hirschhornsalz, Borax oder gelöschter Kalk (daher auch Kalkkaseinfarbe), natürliche Pigmente, Füllstoffe, Wasser
  • Verbindet sich mit dem Untergrund, eignet sich für Wohnräume, ist wasserfest, waschbeständig, aber nur bedingt für Feuchträume geeignet (Schimmelbildung), hoch diffusionsoffen, wischbeständig, für alle mineralischen Untergründe geeignet, charakteristischer Eigengeruch

Das sind die Vorteile von Naturwandfarben

Die Rückbesinnung auf teils sehr alte Naturanstriche boomt. Die Farbpalette der Hersteller wird immer umfangreicher. Da ihr Naturfarben nicht mehr zwangsläufig selbst anrühren müsst, wird auch die Anwendung immer einfacher. Das sind die Vorteile von Naturwandfarben:

Gesundheit

Herkömmliche Dispersionsfarbe enthält chemische Lösungsmittel. Häufig werden aromatische Kohlenwasserstoffe verwendet, um die Farbe streichfähig zu machen. Sie gewährleisten eine einfache Anwendung und erzeugen eine gleichmäßige Deckkraft. Gut für den Heimwerker, schlecht für das Raumklima. Die Lösungsmittel diffundieren noch Jahre nach dem Anstrich in den Raum und belasten die Gesundheit der Bewohner. Das ist besonders in Schlafzimmern nicht zu empfehlen. Naturfarben verzichten auf chemische Lösungsmittel und sorgen so für ein gesundes Wohnklima. Alternativ wird in den meisten Naturfarben Wasser verwendet.

Achtung: Leider verzichten nicht alle Hersteller auch auf Konservierungsstoffe. Streichfertige Farben enthalten zum Teil auch chemische Konservierungsstoffe, weil sie sonst nicht lange haltbar wären (zum Beispiel Lehmfarben). Da der Zusatz nicht natürlicher Inhaltsstoffe in Naturfarben nicht gesetzlich geregelt ist, müsst ihr selbst lesen, was im Eimer ist. Das ist besonders für Allergiker wichtig, die ja häufig gerade auf Konservierungsstoffe reagieren. Methylisothiazolinone und Benzisothiazolinone sollten zum Beispiel nicht auf dem Etikett stehen.

Umweltverträglichkeit

Die Hersteller von Naturfarben verpflichten sich nicht nur, ein für Mensch und Tier ungiftiges Produkt herzustellen. Auch die Rohstoffgewinnung, Produktion und Entsorgung sollte im Idealfall weder Mensch noch Umwelt belasten. "Eine Naturfarbe ist umweltfreundlich und lässt sich am Ende des Lebenszyklus wieder in den Stoffkreislauf der Natur integrieren", erklärt Nadine Schrader, Farbexpertin beim Naturfarbenhersteller Auro.

Ob die Selbstverpflichtung zu Müllvermeidung und den Verzicht auf Mineralölprodukte eingehalten wird, erkennt ihr an der Deklaration und an den anerkannten Gütesiegeln. Tauchen Begriffe wie Isoaliphate oder Isoparaffine auf, ist die angebliche Bio-Farbe ein Etikettenschwindel. Verlässliche Label sind der Blaue Engel, das Warenzeichen natureplus sowie das EU-Ecolabel ("Euro-Blume").

Gut gegen Schimmelbildung

Einige Naturwandfarben sind bekannt für ihre desinfizierende Wirkung. Durch ihren hohen ph-Wert lassen Kalkfarben Schimmel und Bakterien keine Chance. Sie eigenen sich daher besonders für Räume oder einzelne Wände, die zu Feuchtigkeit neigen. Auch mit Silikatfarben könnt ihr ein Schimmelproblem gut in den Griff bekommen. Da sich die Farbe mit dem mineralischen Untergrund verbindet (verkieselt), bleiben keine Zwischenräume als Nährboden.

Geringe Staubanfälligkeit

Mit Naturfarben gestrichene Wände laden sich nicht elektrostatisch auf. Die Wände sind weniger staubig. Davon profitieren vor allem Allergiker.

Das sind die Nachteile von Naturwandfarben

Den Vorteilen von Naturfarben stehen auch einige Nachteile entgegen:

Kosten

Gute Naturwandfarben sind in der Regel teurer als eine herkömmliche Dispersionsfarbe im mittleren Preissegment. Allerdings ist die Bandbreite der Naturwandfarben zu groß, um hier allgemeingültige Aussagen treffen zu können.

Eingeschränkte Farbpalette

Die Farbpalette ist bei den meisten Naturwandfarben kleiner als bei Dispersionsfarben, die man sich im Baumarkt nach dem RAL-System in allen denkbaren Schattierungen anmischen lassen kann. Dennoch werden die meisten Heimwerker diesen Nachteil kaum bemerken. Die Auswahl wurde in den vergangenen Jahren so groß, dass kaum noch ein Wunsch offen bleibt. "Bei Auro gibt es mittlerweile 790 verschiedene Farbnuancen im Portfolio, alle Töne werden mit mineralischen Farbpigmenten gemischt", erklärt Nadine Schrader im Gespräch mit wohnglück.de. "Nur der Farbton Rot bleibt außen vor, hierfür gibt es noch kein alternatives mineralisches Pigment zur Farbherstellung. Wie zuvor werden die Pigmente Englischrot und Persischrot eingesetzt."

Untergrund ausschlaggebend

Naturwandfarben sind diffusionsoffen und wirken feuchtigkeitsregulierend. Ihre positiven Eigenschaften auf das Raumklima können sie aber nur entfalten, wenn sie auf dem richtigen Untergrund aufgetragen wurden. Mineralische Farben wie Kalk- oder Silikatfarben funktionieren am besten auf mineralischen Untergründen. Lehmfarben wirken nur feuchtigkeitsregulierend, wenn sie auf einen Lehmputz oder einen anderen wasserdampfdurchlässigen Untergrund aufgetragen werden. Beachtet man diese Details, ist das kein Nachteil. Wer Naturfarben wählt, muss sich aber einfach etwas umfassender informieren, um alles richtig zu machen.

Geruch

Der charakteristische Eigengeruch einiger natürlicher Rohstoffe wird von einigen Heimwerkern als störend empfunden. Schädlich ist er in jedem Fall nicht. Einige Hersteller haben dennoch reagiert und werben mit Farben, die kaum riechen.

Für welche Räume eignen sich Naturfarben?

Naturwandfarben eignen sich für alle Wohnräume. Einige werden auch als Fassadenanstrich eingesetzt.

Kalk- und Silikatfarben eigenen sich besonders für Feuchträume, Leim- und Kaseinfarben eher nicht. Wer sein Zuhause komplett mit natürlichen Farben streichen möchte, wird also ohne Probleme fündig werden. Bei Kalkfarben müsst ihr darauf achten, wie abriebfest die Farbe ist.

Farbtöpfe mit Lehmfarbe in verschiedenen Farbtönen
Lehmfarbe gibt es mittlerweile auch in vielen verschiedenen Farbtönen. © AURO/Christian Bierwagen

Fazit zu Naturfarben für den Wandanstrich

Da es sich bei Naturfarbe, ökologischer Wandfarbe oder Bio-Wandfarbe um Oberbegriffe handelt, haben auch nicht alle Varianten dieselben Vor- und Nachteile. Während sich alle Naturfarben durch ihre Diffusionsoffenheit auszeichnen, sind Ergiebigkeit und Deckkraft sehr unterschiedlich.

Selbst angerührte Kalkfarben müssen je nach gewünschtem Ergebnis mehrmals aufgetragen werden, während einige Naturharz-Dispersionsfarben auf einem hellen Untergrund auch mit einem einzigen Auftrag ein tolles Ergebnis erzielen. Wie groß die Deckkraft einer Farbe ist, verrät euch die sogenannte Deckkraftklasse. Sie reicht von Klasse 1 (sehr gute Deckung) bis Klasse 4 (deckt weniger als 95 Prozent des Untergrunds ab).

Wenn ihr euch für eine Naturwandfarbe entscheiden wollt, müsst ihr euch schon etwas in die Thematik einlesen, um euch für die Farbsorte entscheiden zu können, die für euer Zuhause die beste ist.

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