Mann sprüht Chemikalien auf Schimmel
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Schimmelgeruch entfernen: Was wirklich hilft

Antonia Eigel

In eurem Wohnzimmer riecht es wie in einem modrigen Gewölbekeller? Dann kann ein Schimmelpilzbefall die Ursache dafür sein. Wie ihr den unangenehmen Schimmelgeruch entfernen könnt und was ihr außerdem rund um das Thema Schimmel wissen müsst, erfahrt ihr in unserem Ratgeber.

Schimmelgeruch ist ein ernstzunehmender Indikator für einen verdeckten Schimmelpilzbefall in euren Räumlichkeiten. Wenn ihr den Schimmelgeruch entfernen möchtet, hilft nur eins: Der Schimmel selbst muss weg!

Wie der modrige Geruch entsteht, welche Schritte notwendig sind, um den verdeckten Schimmelherd zu lokalisieren und zu entfernen und wie ihr Schimmel vorbeugen könnt, erfahrt ihr in unserem Ratgeber.

Wie entsteht der Schimmelgeruch?

Schimmelpilzsporen sind laut Umweltbundesamt grundsätzlich immer in Innenräumen vorhanden. Das ist nicht ungewöhnlich, denn sie gehören zu unserer natürlichen Umwelt und sind auch an der Zersetzung organischer Materialien beteiligt. Sie sind besonders zäh und können auch bei Trockenheit lange Zeit überleben. Ist die Feuchtigkeit im Raum jedoch besonders hoch, beschleunigt das ihr Wachstum und es können sich Schimmelpilze bilden, die einen modrigen Geruch verströmen.

Der Schimmelgeruch entsteht durch leicht flüchtige organische Verbindungen mikrobiellen Ursprungs, kurz MVOC (Englisch: microbial volatile organic compounds). Dabei handelt es sich um typische Stoffwechselprodukte oder Gase der Schimmelpilze, die unter anderem verschiedene chemische Verbindungen enthalten. Das wären zum Beispiel:

  • Alkohole
  • Ketone
  • Terpene
  • Esther
  • Aldehyde

Insgesamt wurden bislang 30 solcher Verbindungen identifiziert, einige von ihnen sind bereits in niedriger Konzentration über den Geruchssinn wahrnehmbar. Wonach der Schimmel riecht, ist abhängig von der Substanz. Hier eine Auswahl an MVOC und wonach sie riechen:

  • Substanz
  • Geruchsnote
  • 2-Methyl-1-Propanol
  • muffig, pilzartig
  • 2-Methyl-1-butanol
  • sauber, scharf
  • 3-Methyl-1-butanol
  • übelriechend
  • 1-Octen-3-ol
  • pilzig
  • 2-Heptanon
  • fruchtartig
  • 2-Methylisoborneol
  • erdig
  • Dimethylsulfid
  • unangenehm
  • Dimethyldisulfid
  • schwefelig, kohlartig
  • Geosmin
  • erdig

Quelle: Dissertation zum Thema "Produktion von leichtflüchtigen organischen Substanzen (MVOC) durch Schimmelpilze", Dr. med. Christoph-Bernward Brattig, 2010.

Auch in der Praxis werden solche MVOC immer häufiger als Indikator für einen verdeckten Schimmelpilzbefall genutzt. Für die Messung gibt es zwei verschiedene Methoden, bei der Proben entnommen und anschließend im Labor untersucht werden.

Nach Laboranalysen, veröffentlicht vom AGÖF e.V. – Fachverbands für Innenraumschadstoffe, kamen Experten jedoch zu dem Ergebnis, dass nachgewiesene MVOC in der Luft zwar einen Hinweis auf einen Schimmelpilzbefall in der Wohnung geben. Allerdings lässt sich daraus nicht unbedingt der Umfang des Befalls ableiten. Denn das MVOC-Messergebnis spiegelt nicht unbedingt wider, wie großflächig sich der Schimmelpilz bereits ausgebreitet hat.

Im Klartext: Wird bei euch eine MVOC-Konzentration in der Luft nachgewiesen, heißt das nicht automatisch, dass ihr ihr ein Schimmelproblem habt. Die Substanzen können auch durch Bau- oder Reinigungsprodukte, Farben oder Aktivitäten wie Rauchen oder Backen freigesetzt werden. MVOC-Messungen sollten also nicht als alleiniger Indikator genutzt werden, um einen Schimmelpilzbefall festzustellen.

Sind MVOC gesundheitsschädlich?

Laut Umweltbundesamt gibt es bisher keine Erkenntnisse darüber, ob MVOC gesundheitsschädlich sind, auch wenn ihr ihnen länger ausgesetzt seid. Dennoch ist die Wirkung als Indikator nicht zu unterschätzen, da der unangenehme Schimmelgeruch euch auf einen unentdeckten Schimmelpilzbefall hinweisen kann. Der wiederum kann durchaus gesundheitsschädlich sein und Allergien oder sogar Asthma hervorrufen.

Schritt 1: Woher kommt der Schimmelgeruch?

Ist der Schimmel sichtbar, könnt ihr schon einen Schritt weiter zur Ursachensuche springen. Wenn ihr den Schimmel jedoch nur riechen, ihn aber nicht sehen könnt, heißt es: Immer der Nase nach.

Damit ihr den unsichtbaren Schimmelherd besser orten könnt, schließt alle Fenster, Türen und Ritzen, damit die Luft im Raum stehen bleibt. Das verhindert einen ungewollten Luftzug oder -austausch, der euch im wahrste Sinne des Wortes an der Nase herumführen kann. Geht dann von Raum zu Raum und schnuppert. In einem Raum sollte der Schimmelgeruch am stärksten wahrnehmbar sein. Es gibt sogar Schimmelspürhunde, die in der Lage sind, unter anderem auch MVOC in geringen Konzentrationen zu riechen.

Betroffenen Raum erschnüffelt? Dann solltet ihr auch hier nach Schimmel suchen:

  • hinter Schränken oder Kommoden
  • unter dem Bett
  • in Zimmerecken
  • hinter Gardinen
  • hinter Bilderrahmen

Häufig befinden sich Schimmelherde hinter Möbelstücken, die zu dicht an kalten Außenwänden stehen. Dort kann die warme Raumluft nicht richtig zirkulieren und es entstehen Wärmebrücken. Das heißt, es sammelt sich Feuchtigkeit an, die zu Schimmelbildung führen kann.

Habt ihr den Schimmelgeruch lokalisiert, seht aber keinen offensichtlichen Schimmel, kann dieser sich auch hier ausgebreitet haben:

  • hinter der Tapete
  • hinter dem Putz
  • unter dem Teppichboden
  • hinter Sockelleisten

Bitte bedenkt: Bevor ihr nun anfangt, eure Tapeten abzureißen, holt euch lieber den Rat von einem Fachmann ein. Dieser kann mit Messungen besser einschätzen, wie weit und wo genau sich der Schimmel ausgebreitet hat und kann entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Schimmel hinter Schrank
Häufige Ursache für Schimmel: Die Möbel stehen zu nah an der kalten Außenwand. © Getty Images

Schritt 2: Ursachen für Schimmel finden

Wer den Schimmelgeruch entfernen oder besser gesagt loswerden will, muss als erstes die Ursachen für den Schimmel finden. Fakt ist: Feuchtigkeit ist die Lebensgrundlage für jeden Schimmel. Wo zu viel davon ist, kann er sich also besonders gut breit machen. Doch wo kommt die ganze Feuchtigkeit her? Es gibt in jedem Zuhause eine Menge Ursachen, die zur Schimmelbildung führen können:

  • schlecht installierte Innendämmung
  • Wasserschäden
  • zu hohe Luftfeuchtigkeit, zum Beispiel durch Wäsche trocknen in Wohnräumen
  • falsches Lüften
  • falsches Heizen im Winter
  • schlecht gedämmte Außenwände
  • Möbel stehen zu nah an den Außenwänden
  • ungenügende Austrocknung nach Neubezug
  • undichte Stellen im Haus
  • Tauwasserbildung in Neubauten oder sanierten Häusern
  • undichte Fenster

Wenn ihr zu den einzelnen Punkten mehr wissen wollt, empfehlen wir euch unsere Checkliste "Schimmel im Haus: Die 11 häufigsten Ursachen". Hier gehen wir nochmal etwas näher auf jeden Aspekt ein und geben hilfreiche Tipps.

Schritt 3: Schimmel entfernen

Um den Schimmelgeruch langfristig zu entfernen, müsst ihr natürlich den Schimmel loswerden, sonst kommt er immer wieder zurück. Stiftung Warentest hat in einem ausführlichen Test verschiedene Hausmittel und Anti-Schimmel-Produkte zur Schimmelbekämpfung getestet. Darunter:

Hausmittel:

  • Wasserstoffperoxid (H2o2)
  • Isopropylalkohol oder Brennspiritus (Ethanol)

Chemische Mittel:

  • Sprays und Lösungen mit Natriumchlorit
  • Sprays und Lösungen mit Benzalkoniumchlorid und Didecyldi­methylammonium­chlorid

Manchmal sitzt der Schimmel so tief, dass er mechanisch entfernt werden muss. Wenn ihr euch das nicht zutraut, beauftragt unbedingt einen Fachmann damit. Wenn ihr es selbst versuchen wollt, bedenkt immer, dass Schimmelpilze sowie chemische Reiniger Haut und Atemwege angreifen können. Ihr solltet deshalb ein paar wichtige Vorsichtsmaßnahmen zur Schimmelbekämpfung treffen. Welche das sind, erfahrt ihr in folgendem Ratgeber:

Schritt 4: Schimmelgeruch entfernen

Natürlich bringt es nichts, nur den Schimmelgeruch zu entfernen oder ihn mit Raumdüften zu überdecken. Damit der Geruch langfristig verschwindet, solltet ihr immer den kompletten Schimmelherd beseitigen. Bei einer akuten Geruchsbelästigung durch Schimmel gibt es jedoch ein paar Möglichkeiten, wie ihr den muffigen Gestank zeitweise reduzieren könnt.

Richtig lüften vertreibt Schimmelgeruch

Vermutlich seid ihr selbst schon auf die Idee gekommen, erst einmal die Fenster aufzureißen, um den modrigen Schimmelgeruch in der Wohnung zumindest temporär loszuwerden. Und das ist auch gut so. Richtiges Lüften will aber gelernt sein. Wie ihr das macht, erfahrt ihr in unserem Beitrag "Richtig lüften: So sorgt ihr für saubere, frische Luft in eurer Wohnung".

Auch wie regelmäßig ihr lüftet ist wichtig, denn nur so könnt ihr die Luftfeuchtigkeit senken oder regulieren und das Schimmelrisiko minimieren. Besonders in der Küche, in Räumen, wo ihr nasse Wäsche trocknet oder im Schlafzimmer ist die Luftfeuchtigkeit zeitweise sehr hoch. Was ihr tun könnt, wenn die Feuchtigkeit im Schlafzimmer zu hoch ist, erfahrt ihr hier:

Essig oder Kaffeepulver gegen Schimmelgeruch?

Dass man mit Essig Schimmel entfernen kann, ist ein weit verbreitetes Gerücht. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Denn Essig wird auf alkalischen Untergründen neutralisiert, die enthaltenen organischen Nährstoffe fördern dann sogar das Pilzwachstum. Essig hat sich aber als Hausmittel gegen den Schimmelgeruch bewährt und auch Kaffeepulver soll Wunder wirken. Dennoch gibt es dazu keine offiziellen Tests, die den Effekt belegen könnten.

Wusstet ihr, dass man mit Essig auch Urinstein in der Toilette entfernen kann? Wie ihr einen Essigreiniger herstellt, erfahrt ihr außerdem in unserem Artikel:

Lufterfrischer gegen Schimmelgeruch

Im Handel sind auch Lufterfrischer oder Luftverbesserer erhältlich, die den lästigen Schimmelgeruch entfernen beziehungsweise absorbieren oder maskieren sollen. Sie beinhalten meistens Cyclodextrinderivate, welche die für die unangenehmen Gerüche zuständigen Verbindungen binden. Je nachdem, wie stark die Geruchsbelästigung durch den Schimmel im Raum aber ist, wirkt so ein Lufterfrischer nur begrenzt. Deshalb werden häufig noch künstliche Duftstoffe hinzugefügt. Der "frische Duft" verfliegt aber mit der Zeit wieder und der Schimmelgeruch kommt erneut durch.

Schritt 5: Schimmel vorbeugen

Die beste Maßnahme gegen Schimmel und folglich Schimmelgeruch ist natürlich, ihm keine Chance zu lassen und vorzubeugen. Wichtig ist deshalb, dem Schimmel keine Lebensgrundlage zu geben, also die Luftfeuchtigkeit entsprechend niedrig zu halten. Das erreicht ihr, indem ihr...

  • ... richtig heizt. Dazu zählt zum Beispiel auch ungenutzte Räume im Winter leicht zu beheizen.
  • ... richtig lüftet.
  • ... eventuelle Baumängel behebt oder beheben lasst.
  • ... richtig dämmt.
  • ... Möbel an Außenwänden mit einem Abstand von zehn Zentimeter aufstellt.
  • ... nach dem Wäsche trocknen oder Kochen durchlüftet.

Wenn ihr dauerhaft mit einer zu hohen Luftfeuchtigkeit zu kämpfen habt, können auch Luftentfeuchter helfen, sie zu reduzieren. Es gibt auch spezielle Farben die gegen Schimmelbildung vorbeugen können. Mehr dazu erfahrt ihr in unserem Ratgeber:

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