Frau schaut sich den Energieverbrauch ihres Hauses an
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Bauen | Ratgeber

Primärenergiebedarf: Energieverbrauch eines Haushalts richtig berechnen

Sandra Hermes

Sandra Hermes

Der Primärenergiebedarf ist ein wichtiger Faktor, um die Energieeffizienz von Neubauten und Sanierungsprojekten nachzuweisen; die Rechnung spiegelt den tatsächlichen Energieverbrauch. Wir erklären, wie sich der Wert vom Endenergieverbrauch unterscheidet und geben ein Rechenbeispiel.

Passivhaus, KfW-Effizienzhaus, Plus-Energiehaus: Beim Neubau energiesparender Häuser müssen klare Standards eingehalten werden. Andernfalls fällt die Förderung flach oder der Gesetzgeber legt sein Veto ein. Vielleicht seid ihr in diesem Zusammenhang schon über den Begriff Primärenergiebedarf gestolpert. Ist er eigentlich dasselbe wie der Endenergieverbrauch eures Hauses? Die kurze Antwort lautet: Nein. Eine ausführliche Erklärung findet ihr in diesem Artikel.

Was bedeutet Primärenergiebedarf?

Der Primärenergiebedarf (Qp) beschreibt den tatsächlichen Energiebedarf eures Hauses. Und das ist nicht allein die Summe eurer Gas-, Öl- oder Stromrechnung. Der Primärenergiebedarf misst auch den Aufwand, der hinter der verbrauchten Energie steckt. Dazu gehören die Gewinnung, die Aufbereitung, die Speicherung, der Transport und die Bereitstellung der Energieträger.

Bevor zum Beispiel ein Liter Heizöl bereitsteht, um verbrannt zu werden und euer Haus zu erwärmen, muss das Rohöl gefördert, zur Raffinerie transportiert, raffiniert und zu euch nach Hause geliefert werden. Oder kurz: Die Herstellung von Energie kostet in der Regel Energie. Je weniger erneuerbar die Quelle ist, desto mehr. Der Kennwert "Primärenergiebedarf" trägt dem Rechnung und macht den tatsächlichen Energieaufwand der unterschiedlichen Energieträger so besser vergleichbar.

Was ist der Unterschied zwischen Endenergiebedarf und Primärenergiebedarf?

Der Endenergiebedarf ist das, was ein Haus oder eine Wohnung benötigt, um mit Wärme und Warmwasser versorgt zu sein. Der Endenergiebedarf verrät aber nichts darüber, wieviel Energie hineingesteckt wurde und unterwegs verloren ging, um eine nutzbare Kilowattstunde (kWh) herauszubekommen. Der Primärenergiebedarf ist also der ehrlichere Kennwert. Er zeigt auch, wieviel Energie für Gewinnung, Aufbereitung und Transport notwendig waren, bevor die Energie beim Endverbraucher ankommt und genutzt werden kann. Der Primärenergiebedarf ist – außer bei einer reinen Nutzung erneuerbarer Energien – größer als der Endenergiebedarf.

Für Hausbesitzer und Bauherren, denen die Quelle ihrer Energie nicht egal ist, gewinnt der Kennwert zunehmend an Bedeutung.

Gut zu wissen: Mit Kilowattstunden wird sowohl der Stromverbrauch als auch der Verbrauch von Heizwärme gemessen.

Wann ist der Primärenergiebedarf von Bedeutung?

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt für Neubauten vor, wie hoch ihr Jahres-Primärenergiebedarf maximal sein darf. Und zwar darf der Wert das 0,75-fache des auf die Gebäudenutzfläche bezogenen Jahres-Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes nicht überschreiten. Auch die Bundesregierung orientiert sich an dem Kennwert. Sie will – laut Klimaschutzplan – den Primärenergiebedarf von Gebäuden bis 2050 um 80 Prozent gegenüber 2008 senken.

In der Politik, in der Forschung und im Bauwesen wird der Wert also als Beurteilungsgröße für Nachhaltigkeit und Energieeffizienz genutzt. Außerdem werden gesetzliche Vorgaben so leicht überprüfbar gemacht.

Für Bauherren, die mitten in der Planung stecken oder ihr Haus energetisch sanieren wollen, ist der Primärenergiebedarf noch aus einem weiteren Grund von Bedeutung: Verschiedene Förderungsoptionen (zum Beispiel das KfW-Effizienzhaus) sind unter anderem daran gekoppelt, ob das Gebäude unterhalb eines festgelegten Jahres-Primärenergiebedarfs bleibt.

Im Grunde kann sich aber jeder Hausbesitzer den Primärenergiebedarf seines Zuhauses ausrechnen. So könnt ihr vergleichen, wie groß der ökologische Fußabdruck eurer Immobilie aktuell ist und wieviel geringer er sein könnte, wenn ihr einen nachhaltigeren Energieträger nutzen würdet.

Übrigens: Der gesetzlich vorgeschriebene maximale Energieverbrauch für Neubauten gilt "nur" für das Heizen, die Warmwasseraufbereitung, Lüftung und Kühlung. Keiner schreibt euch vor, wie oft ihr euer Handy aufladet oder verbietet euch, die Wäsche in den Trockner zu werfen – auch wenn hier natürlich ein großes Energiesparpotenzial steckt.

Ihr wollt Energie sparen? Hier sind Tipps zum Stromsparen und smarte Ideen, wie ihr euren Gasverbrauch senken könnt.

Wie berechnet ihr den Primärenergiebedarf?

Um den Primärenergiebedarf (in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr = kWh/m2a) zu errechnen, braucht ihr zwei Werte:

  1. Euren Endenergiebedarf (Qe) in kWh/m2a (zum Beispiel auf eurer letzten Gasrechnung) und
  2. den Primärenergiefaktor (fp) für die betreffende Energiequelle (bei Gas zum Beispiel 1,1).

Für jeden Energieträger wurde dieser Faktor ermittelt. Ihr findet eine Übersicht im Gebäudeenergiegesetz. Die Faktoren zeigen euch, wie energiesparend die Energieträger arbeiten.

  • Energieträger
  • Primärenergiefaktor
  • Umweltenergien, z.B. Luft, Wasser, Erde
  • 0,0
  • Holz
  • 0,2
  • Erdgas/ Flüssiggas
  • 1,1
  • Steinkohle
  • 1,1
  • Heizöl
  • 1,1
  • Braunkohle
  • 1,2
  • Strom (der zum Heizen genutzt wird)
  • 1,8

Primärenergiefaktoren im Vergleich

Der Primärenergiefaktor für Wärmepumpen ist variabel. Stammt der Strom für den Betrieb der Anlage aus Photovoltaik, liegt er bei 0,0. Setzt ihr herkömmlichen Strom ein, steigt der Faktor an.

Beide genannten Werte multipliziert ihr miteinander und bekommt den Jahres-Primärenergiebedarf (Qp). Die Formel lautet:

Endenergiebedarf (Qe) x Primärenergiefaktor (fp) = Jahres-Primärenergiebedarf (Qp)

Hat euer Haus einen aktuellen Energieausweis, könnt ihr euch das Rechnen übrigens sparen. Der Wert steht direkt unter der Skala.

Beispiel: Berechnung des Primärenergiebedarfs eines Hauses mit Holzpelletheizung

Primärenergiefaktor für Holz: 0,2
Endenergiebedarf: 40 kWh/m2a

40 kWh/m2a x 0,2 = 8 kWh/m2a

Der Primärenergiebedarf beträgt in diesem Beispiel 8 kWh/m2a. Zum Vergleich: Würde dasselbe Haus mit Heizöl beheizt werden, läge der Primärenergiebedarf bei 44 kWh/m2a.

Der Primärenergiebedarf in der Energiekrise

Der Kennwert Primärenergiebedarf zeigt auch auf der Ebene eines ganzen Landes, wieviel Energie auf dem Weg von der Quelle zum Endverbraucher verloren geht. In Deutschland ging der Primärenergiebedarf in den vergangenen Jahrzehnten leicht zurück. Kohlekraftwerke machten zu, die erneuerbaren Energien waren im Aufwind, aber der Gasverbrauch stieg.

Es ist offen, ob der Krieg in der Ukraine die Energiewende ausbremst oder die Angst vor der Abhängigkeit von Russland langfristig dazu beiträgt, dass mehr Wärmepumpen und Solaranlagen eingebaut werden. Der deutsche Primärenergiebedarf würde dadurch sinken. Das sagt aber nichts über die tatsächlichen Energiekosten. Die werden für Gas-, Öl- und Stromkunden im kommenden Jahr in jedem Fall durch die Decke gehen.

Ihr wollt weg von fossilen Energieträgern? Das könnte euch in diesem Zusammenhang auch interessieren: Staatliche Förderung für neue Heizung: So kommt ihr an den Zuschuss von BAFA und KfW

Wer außerdem auf die Energiepauschale hoffen darf, erfahrt ihr in unserem Artikel.

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